Die „Disney Adventure“ verlässt Wismar und schreibt Geschichte

Ein historischer Moment für die norddeutsche Schiffbaukunst und die Stadt Wismar: Am Abend des 1. September 2025 hat die „Disney Adventure“, das größte jemals in Deutschland gebaute Kreuzfahrtschiff, den Hafen von Wismar verlassen. Pünktlich um 18 Uhr manövrierten vier Schlepper den Ozeanriesen anspruchsvollen Bedingungen – niedrigem Wasserstand und einem engen Fahrwasserkanal – zum Abschied aus dem Hafen. Tausende Schaulustige säumten die Ufer, um dieses bewegende Ereignis mitzuerleben, das die tiefe Verbundenheit der Stadt mit dem Schiffbau unterstreicht.

Eine wechselvolle Geschichte vom Bau bis zur Jungfernfahrt
Der Weg der „Disney Adventure“ war alles andere als geradlinig. Ursprünglich im Jahr 2016 von Genting Hong Kong als „Global Dream“, die erste von zwei Einheiten der ambitionierten Globalklasse, in Auftrag gegeben, sah sich das Projekt bald großen Herausforderungen gegenüber. Die Verschleppung des Mittschiffs von Rostock nach Wismar im Jahr 2019 wurde noch weltweit verfolgt, doch der Ausbruch der Coronakrise stürzte den Mutterkonzern Genting Hong Kong in Schieflage. Im Jahr 2022 meldeten die MV Werften in Wismar, Rostock-Warnemünde und Stralsund Insolvenz an.

Es war Disney Cruise Line, die dem unfertigen Kreuzfahrtriesen eine zweite Chance gab. Branchenkreisen zufolge übernahm Disney das Schiff für rund 40 Millionen Euro und beauftragte die Meyer Werft mit der Fertigstellung. Ein entscheidender Meilenstein wurde am 19. April 2025 erreicht, als die „Disney Adventure“ unter Sirenengeheul, einem Feuerwerk und tausenden Schaulustigen die Werfthalle verließ. In den folgenden Monaten erhielt das Schiff am Ausrüstungskai seine markanten Schornsteine und als weltweite Besonderheit eine Achterbahn an Deck.

Herausforderungen und stolze Leistungen
Die Fertigstellung war jedoch nicht ohne Widrigkeiten. Die Öffentlichkeitsarbeit von Disney Cruise und den beteiligten Schiffbauunternehmen wurde als extrem schlecht kritisiert. Lautstarke Notfallübungen sorgten zeitweise für Irritationen in der Stadt, und auch die Arbeitsbedingungen auf der Werft standen in der Kritik. Trotz dieser Schwierigkeiten arbeiteten rund 1.400 Beschäftigte mit Hochdruck an der Fertigstellung, eine Leistung, die in der Stadt Wismar viel Anerkennung findet. „Wir als Stadt dürfen auch stolz sein, dass ein solches Schiff hier tatsächlich zu Ende gebaut worden ist“, so ein Sprecher, der die Hoffnung äußerte, dass die Werften eine Zukunft haben werden.

Der Moment der Abfahrt war von tiefem Stolz geprägt. „Man hätte eine Stecknadel fallen hören können, als dann diese Ausfahrt des Schiffes auf ihren ersten Schritten so vorbereitet wurde“, beschreibt ein Beobachter die Stimmung am Westhafen. Als das Schifffsignal das „Los geht’s“ verkündete, waren alle Anwesenden von Stolz erfüllt, das größte Schiff, das jemals in Wismar gebaut wurde, auf seine Reise zu schicken.

Die Reise hat erst begonnen
Die „Disney Adventure“ wird nun in Mukran Treibstoff und Frischwasser bunkern, bevor auf der Ost- und Nordsee erste Probeläufe auf hoher See anstehen. Weitere Arbeiten erfolgen in Bremerhaven und Emshafen, bevor das Schiff im Dezember 2025 seinen künftigen Heimathafen Singapur erreichen wird. Dort wird es als neues Flaggschiff von Disney Cruise Line in Dienst gestellt.

Für Wismar und Mecklenburg-Vorpommern ist die „Disney Adventure“ bereits heute ein Symbol der norddeutschen Schiffbaukunst und wird als das größte jemals in Deutschland gebaute Kreuzfahrtschiff in die Geschichte eingehen. Die Reise des Ozeanriesen hat erst begonnen, doch sein Abschied aus Wismar war bereits ein unvergessliches Kapitel in der maritimen Geschichte Deutschlands.

Das Konzert vom 2. Dezember 1989: Biermann, Wegner und die DDR-Opposition

Journalistischer Text – Facebook Der 2. Dezember 1989 markiert im kulturellen Gedächtnis der deutschen Teilung einen Moment von seltener Intensität. Wenige Wochen nach dem Fall der Berliner Mauer und noch vor der ersten freien Wahl fand im Ost-Berliner „Haus der Jungen Talente“ eine Veranstaltung statt, die den Titel „Verlorene Lieder – verlorene Zeit“ trug. Es handelte sich um das erste gemeinsame Konzert von in der DDR verbliebenen Liedermachern und jenen Künstlern, die das Land nach der Ausbürgerung Wolf Biermanns 1976 verlassen mussten. Die Atmosphäre im Saal war geladen, geprägt von einer Mischung aus Euphorie, Neugier und der unverarbeiteten Bitterkeit der vergangenen Jahre. Auf der Bühne trafen Welten aufeinander. Wolf Biermann, der erst einen Tag zuvor sein erstes Konzert in Leipzig gegeben hatte, dominierte den Abend mit einer Haltung des historischen Triumphs. Ihm gegenüber standen Künstler wie Bettina Wegner, die weniger die politische Abrechnung als vielmehr den menschlichen Schmerz der Trennung thematisierte. Ihr Lied „Kinder“ wurde zu einem emotionalen Zentrum des Abends. Gleichzeitig vertraten Dagebliebene wie Hans-Eckardt Wenzel oder Gerhard Schöne eine Position, die sich gegen eine vereinfachende Siegermentalität des Westens wandte. Sie pochten auf die Würde einer eigenständigen ostdeutschen Erfahrung, die sich nicht allein durch Anpassung oder Flucht definieren ließ. Besondere Brisanz erhielt der Abend durch die Anwesenheit des damaligen Kulturministers Dietmar Keller. In einer für DDR-Funktionäre präzedenzlosen Geste entschuldigte er sich öffentlich für das Unrecht der Ausbürgerungen. Doch die anschließenden Diskussionen zeigten, dass eine einfache Versöhnung kaum möglich war. Die Gräben zwischen den Exilanten, die die DDR von außen bekämpften, und den Kritikern im Inneren, die das System reformieren wollten, traten offen zutage. Das Konzert dokumentiert somit nicht nur eine musikalische Wiedervereinigung, sondern auch den Beginn eines schwierigen Dialogs über Deutungshoheit und Biografie, der die Nachwendezeit noch lange prägen sollte.