Die Schattenkämpfer der Ostsee: Das geheimnisvolle Erbe der DDR-Kampfschwimmer

Kühlungsborn, Ostseeküste. Sie agierten im Verborgenen, ihre Einsätze und Methoden blieben im Dunkel des Geheimen. Unbemerkt griffen sie an, zerstörten mit Zeitzünderminen feindliche Schiffe, setzten Radaranlagen außer Gefecht und sprengten Raketenstellungen in die Luft. Die Rede ist von Kampfschwimmern – einer Eliteeinheit, wie sie auch in NATO-Armeen, Israel oder Russland existierten. Auch die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR verfügte über ein solches Spezialkommando. Eine 100 Mann starke Truppe, die bereit war, weit ins Hinterland des Feindes vorzudringen, dort als Einzelkämpfer zu operieren, Truppenbewegungen zu beobachten, Geheimdokumente zu entwenden oder feindliche Zielpersonen zu liquidieren oder gefangen zu nehmen.

Ein verborgenes Zuhause an der Küste
Der einstige Stationierungsort dieser Elitekämpfer der Volksmarine lag seit Anfang der 1960er Jahre unweit von Rostock, versteckt zwischen Strand und Düne in Kühlungsborn. Heute sind alle Spuren des einst geheimen Militärobjekts verwittert, die Reste der Kaserne zeugen von einer vergangenen Ära. Karlheinz Müller, ehemaliger Offizier der Volksmarine und verantwortlich für die Gefechtsausbildung der Kampfschwimmer in Tarnung, Topographie und Taktik, erinnert sich an die Zeit. Er selbst kam 1963 als Funker zu den Kampfschwimmern, angezogen von der Vorstellung des Fallschirmspringens und Tauchens, Vorerfahrungen im Wintersport und als Schwimmer machten ihm den Einstieg leicht.

Harte Ausbildung für extreme Einsätze
Die Auswahl der freiwilligen Kandidaten war rigoros: politische Zuverlässigkeit, keine westliche Verwandtschaft, körperliche Fitness und extreme Belastbarkeit waren oberste Voraussetzungen. In speziellen Ausbildungsräumen wurde das Tauchen trainiert, Atemübungen mit Kreislauftauchgeräten unter Aufsicht eines Arztes durchgeführt. Auch der Einsatz mit Fallschirm im Hinterland des Feindes wurde intensiv geübt, obwohl die Einheit kein Fallschirmjäger-Bataillon war. Sie wurden auf Nachtsprünge ins Wasser und auf Land vorbereitet, mit und ohne Waffe und Ausrüstung. Nahkampftraining, der Umgang mit Unterwasserminen und Sprengstoffen gehörten ebenso zum Programm wie verdeckte Kommandounternehmen und Landungen an feindlichen Küsten.

Die Härte der Ausbildung zeigte sich auch in den Winterlagern, die über Wochen im Januar und Februar stattfanden. Im erzgebirgischen Bärenstein, unweit des Fichtelbergs, mussten sich die Kampfschwimmer nach einem Fallschirmabsprung im Gebirge ihren Weg bahnen. Das bedeutete im Freien übernachten, Nahrung suchen, Ziele ausspähen und verschlüsselte Funksprüche absetzen – alles bei eisiger Kälte, Frost und Schnee.

Technologische Herausforderungen und clevere Lösungen
Ein besonderes Merkmal der Kampfschwimmer war ihr spezielles Kreislauftauchgerät, das nicht mit normaler Druckluft, sondern zusätzlich mit Sauerstoff betrieben wurde, wodurch die eigene Atemluft regeneriert wurde. Dies ermöglichte es, ohne Blasenspur kilometerweit unentdeckt an Objekte heranzukommen und sogar Sprünge aus Hubschraubern aus 10-12 Metern Höhe direkt ins Wasser zu absolvieren, ohne sofort aufzutauchen.
Im Bereich der Sprengausbildung war Wolfram Wecke der Spezialist. Er demonstrierte die verheerende Wirkung von Sprengstoffen, etwa mit Schweinepfoten, um die Gefahr bei unvorsichtigem Umgang zu verdeutlichen. Von 70-Gramm-Bohrpatronen bis hin zu Plastiksprengstoff und Splitterminen reichte das Arsenal.

Doch die Beschaffung von Spezialtechnik war eine ständige Herausforderung. In den 60er und 70er Jahren mangelte es oft an funktionierenden Zeitzündern, und sowjetische „Waffenbrüder“ boten hier keinerlei Unterstützung. Vieles musste in der hauseigenen Werkstatt selbst entwickelt und gebaut werden, darunter Transportbeutel für Waffen, Kampfmesser und Unterwassertransportschlitten. Neoprenanzüge wurden sogar aus Schweden importiert, da die Schweden offenbar an der Herkunft des Geldes und der richtigen Währung interessiert waren, nicht am Abnehmer. Ein großes Problem war die knappe Valuta (Devisen), die für Importe aus dem nichtsozialistischen Wirtschaftsgebiet erforderlich war.

Eine besondere Innovation stellte ein Unterwasser-Orientierungsgerät dar. Nachdem die Kampfschwimmer bei Orientierungstauchmeisterschaften 1979 gegen den privaten Ingenieur Klaus Storch verloren hatten, wurde dieser von einem hohen Marineoffizier beauftragt, ein solches Gerät für die Einheit zu entwickeln. Storch baute ein hochmodernes und einzigartiges System, wurde jedoch später nicht als Erfinder anerkannt, und die Geräte wurden angeblich in großen Stückzahlen in die Sowjetunion exportiert.

Von Bergungsmissionen bis zur letzten Parade
Obwohl die Kampfschwimmer auf verdeckte Kommandounternehmen trainiert wurden, gab es zu keiner Zeit heimliche Landungen an der westdeutschen Küste oder Aufklärungseinsätze im Hinterland. Ihre tatsächlichen Einsätze waren oft anderer Natur.

Im August 1968, kurz nach dem Einmarsch der Sowjets in die CSSR, kam es zu einer angespannten Situation vor der Küste der Bundesrepublik und Dänemarks. Eine Bundeswehrfregatte entzog sich im dichten Nebel der Beobachtung der NVA-Vorposten. Bei der Suche nach dem vermissten Schiff kollidierte ein Torpedoschnellboot der DDR mit einem schwedischen Frachtschiff. Sieben Matrosen ertranken, das Schiff war total zerstört. Die Kampfschwimmer wurden eingesetzt und konnten nach fünftägiger Suche das Wrack finden, was ihren Einsatz bei solchen Vorfällen festlegte.

Im April 1970 bargen sie im Verborgenen einen mit Sprengkopf versehenen Flugkörper, der bei einer Seeübung versehentlich gestartet und nahe der dänischen Hoheitsgewässer ins Meer gestürzt war.

In den 1980er Jahren wandelte sich das Bild der ehemals geheimen Truppe. Sie wurde zu einer Vorzeigeeinheit. Militärübungen, Paraden und Vorführungen mit den Elitesoldaten waren bei der Parteiführung äußerst beliebt. Am 7. Oktober, dem Tag der Republik, lieferten die Kampfschwimmer in Rostock das „artistische Glanzstück“ bei der festlichen Flottenparade, inklusive Freisprung aus Hubschraubern ins Wasser und Antreten vor Vizeadmiral Hoffmann. Es war ihre letzte Parade, denn nur einen Monat später sollte die DDR Geschichte sein.

Das ungewöhnliche Ende eines Spezialkommandos
Der letzte ungewöhnliche Einsatz der Kampfschwimmer fand am 2. Dezember 1989 in Kavelstorf statt. Mitglieder der DDR-Bürgerbewegung erzwangen die Öffnung eines geheimen Waffenexportlagers des Devisenbeschaffers Schalck-Golodkowski. Stasi-Wachleute flüchteten vor den aufgebrachten Bürgern, und die Kampfschwimmer sicherten die nun herrenlose Halle voller moderner Bewaffnung und Munition.

Die Situation eskalierte jedoch, als Kampfschwimmer unter Verdacht gerieten, mit der Stasi unter einer Decke zu stecken. Dies lag daran, dass Bewacher eines anderen Stasi-Geländes in der Nähe Marineuniformen zur Tarnung trugen. Der Kommandeur musste mit Engelszungen auf die aufgebrachten Bürger einreden, um eine gewaltsame Auseinandersetzung zu verhindern.

Schließlich wurden die Waffen abtransportiert, und die Kampfschwimmer kehrten nach Kühlungsborn zurück. Doch mit dem Ende der DDR kam auch das Aus für die Volksmarine und damit für die Kampfschwimmer. Es gab keine Versuche, sie in ähnliche Einheiten der Bundesmarine zu integrieren. Einige fanden neue Aufgaben als Taucher bei der Polizei oder in Sicherheitsdiensten, andere wechselten in zivile Berufe.

Erinnerungen bleiben, Spuren verwehen
Das einstmals geheime Militärobjekt in Kühlungsborn stand jahrelang leer und verfiel. Im Winter 2009 begann der Abriss, Baugrundstücke sollten entstehen, und so wuchs langsam Gras über die Geschichte des Kampfschwimmerkommandos der DDR-Volksmarine.

Für jene, die hier rund um die Uhr einsatzbereit waren, ist es ein Teil ihres Lebens geblieben. Die Erinnerungen an die harte Zeit, die Kameradschaft und die extremen Erfahrungen verblassen nicht, auch wenn die physischen Spuren längst verwischt sind.

Die SED sucht ihr Heil in der Umweltpolitik am Grünen Tisch

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Aufstand gegen Hermann Kant: Berliner Autoren fordern Wandel

Im Klub der Kulturschaffenden herrscht dichte Rauchluft, als vierundzwanzig Schriftsteller an diesem grauen Tag ihre Unterschrift unter ein Papier setzen, das den endgültigen Bruch besiegelt. Es ist Mitte Dezember in Berlin, die Mauer ist offen, und die Geduld mit den alten, verknöcherten Strukturen ist bei den Anwesenden endgültig aufgebraucht. Am 15. Dezember 1989 erklären Berliner Autoren um Helga Schubert und Joachim Walther ihren Austritt aus der Bevormundung durch den Verbandspräsidenten Hermann Kant. Sie verweigern der Führung die Gefolgschaft, nachdem diese Reformen blockierte, und fordern in einem scharfen historischen Dokument eine sofortige Neugründung ihres Berufsverbandes.

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Honeckers heimlicher Milliardär: Die Akte Schalck-Golodkowski

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