Nahkampftraining in der NVA: Kampfkunst oder Kampfmaschine?

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In der Nationalen Volksarmee (NVA) der DDR spielte der militärische Nahkampf eine zentrale Rolle in der Ausbildung spezialisierter Einheiten. Ein Schulungsfilm aus dem Jahr 1987 gibt Einblick in die intensive und kompromisslose Vorbereitung von Fallschirmjägern sowie Soldaten aus Luftsturm- und Aufklärungseinheiten auf den Gefechtsfall. Dabei wird deutlich: Diese Männer sollten nicht nur körperlich, sondern auch mental auf die härtesten Kampfsituationen vorbereitet werden.

Harte Schule für Spezialisten
Der Film zeigt eindrucksvoll, wie die Soldaten durch ein knallhartes Ausbildungsprogramm geformt werden. Schlagkombinationen, Stiche mit der Waffe und Techniken zur schnellen Überwältigung des Gegners stehen im Mittelpunkt. Besondere Betonung liegt auf der Automatisierung der Bewegungen – ein Merkmal, das in modernen Kampfsportarten ebenso entscheidend ist wie im militärischen Einsatz.

Doch das Training geht weit über das Erlernen einzelner Techniken hinaus. Die Soldaten müssen unter extremen Bedingungen bestehen: Müdigkeit, physische Erschöpfung und psychischer Druck sind ständige Begleiter. Nur wer diese Herausforderungen meistert, gilt als einsatzbereit. Hierbei wird nicht nur die physische Widerstandsfähigkeit geschult, sondern auch die Fähigkeit zur absoluten Selbstdisziplin – eine Grundvoraussetzung für den militärischen Erfolg.

Die Philosophie hinter dem Training
Das Nahkampftraining in der NVA war nicht nur ein Mittel zur Selbstverteidigung oder zur Steigerung der Kampfkraft, sondern auch ein ideologisches Instrument. Im Film wird betont, dass die Soldaten nicht nur exzellente Kämpfer, sondern auch politisch gefestigte und moralisch standhafte Persönlichkeiten sein müssen. Die Ausbildung sollte sicherstellen, dass sie bereit sind, „jedem möglichen Aggressor die Aussicht auf einen militärischen Erfolg zu nehmen“. Die Verteidigung der sozialistischen Friedenssicherung war oberste Pflicht – eine Botschaft, die sich wie ein roter Faden durch die gesamte militärische Ausbildung zog.

Kampftraining als psychische Belastung?
Der Film vermittelt eine unmissverständliche Botschaft: Härte gegen sich selbst ist unerlässlich, um den Gegner kompromisslos besiegen zu können. Dies wirft Fragen nach der psychischen Belastung der Soldaten auf. Inwiefern führte diese Form der Ausbildung zu einer Desensibilisierung gegenüber Gewalt? Welche langfristigen Auswirkungen hatte ein solches Training auf die Psyche der Beteiligten?

Ehemalige NVA-Soldaten berichten teils von einem enormen Leistungsdruck, der sowohl körperliche als auch seelische Spuren hinterließ. Die permanente Wiederholung von Angriffstechniken, kombiniert mit mentaler Konditionierung, zielte darauf ab, Hemmungen abzubauen und instinktiv zu reagieren – ein Vorgehen, das auch heute noch in modernen Spezialeinheiten Anwendung findet.

Militärische Effizienz versus menschliche Ethik
Die Nahkampfausbildung in der NVA war ohne Zweifel effektiv und professionell. Doch sie wirft auch ethische Fragen auf: Wo verläuft die Grenze zwischen notwendiger Vorbereitung auf den Ernstfall und einer Form der Indoktrination, die Soldaten zu reinen Kampfmaschinen formt? Während einige die Disziplin und die technische Perfektion der Ausbildung loben, sehen andere darin eine übermäßige Militarisierung, die wenig Raum für individuelle Reflexion ließ.

Ein Relikt vergangener Zeiten oder noch heute relevant?
Auch wenn die NVA längst Geschichte ist, bleiben ihre Ausbildungsprinzipien und Methoden in sicherheitspolitischen Diskussionen relevant. Spezialeinheiten weltweit setzen weiterhin auf intensive Nahkampftrainings, die auf Schnelligkeit, Präzision und mentale Stärke abzielen. Doch während moderne Armeen zunehmend Wert auf psychologische Betreuung und ethische Reflexion legen, war das Training in der NVA stark von ideologischen Vorgaben geprägt.

Der Film aus dem Jahr 1987 bleibt ein faszinierendes Zeitdokument, das nicht nur die militärische Ausbildung in der DDR beleuchtet, sondern auch tiefere Fragen zu Menschenführung, Kampfethik und der Rolle des Soldaten in der Gesellschaft aufwirft.

Grabowsee: Vom Tuberkulose-Sanatorium zum sowjetischen Militärlazarett

Die Heilstätte Grabowsee als Spiegel der Systembrüche des 20. Jahrhunderts HOOK: Über 47 Jahre lang war die Heilstätte Grabowsee ein hermetisch abgeriegeltes Areal. Die Geschichte des Ortes erzählt exemplarisch von der Transformation medizinischer Einrichtungen durch politische Systeme und dem schwierigen Erbe der Besatzungszeit. BLOG-TEXT: Die architektonische Anlage am Grabowsee bei Oranienburg gilt als ein bedeutendes Zeugnis der Medizingeschichte. Gegründet 1896 vom Deutschen Roten Kreuz, war sie eine Antwort auf die Tuberkulose-Epidemie der Industrialisierung. Die Pavillonbauweise ermöglichte eine strikte Trennung der Patienten und maximale Frischluftzufuhr. Doch die ursprüngliche humanitäre Ausrichtung der Volksheilstätte wurde im Laufe des 20. Jahrhunderts mehrfach überschrieben. Nach der Nutzung als Wehrmachtslazarett übernahmen 1945 die sowjetischen Streitkräfte das Gelände. Diese Zäsur prägte den Ort nachhaltiger als jede vorangegangene Epoche. Bis zum Truppenabzug 1992 blieb Grabowsee eine sowjetische Insel inmitten der DDR. Die strengen Sicherheitsvorkehrungen und die absolute Isolation schufen eine Distanz zwischen den Besatzern und der lokalen Bevölkerung, die symptomatisch für viele sowjetische Liegenschaften in Ostdeutschland war. Während im Inneren ein russischsprachiger Alltag mit eigener Versorgung und Kultur stattfand, blieben die Vorgänge für Außenstehende undurchsichtig. Deutsche Angestellte, die als Hilfskräfte tätig waren, berichteten von einer strengen Hierarchie und einem strikten Redeverbot über interne Abläufe. Nach 1992 hinterließen die abziehenden Truppen nicht nur leerstehende Gebäude, sondern auch kulturelle Spuren wie Wandmalereien und Propaganda, die sich heute mit dem verfallenden Jugendstil mischen. Dieser Palimpsest der Geschichte macht den besonderen Reiz, aber auch die Schwierigkeit des Ortes aus. Der heutige Zustand ist geprägt von Vandalismus und natürlichem Verfall. Die Debatte um die Zukunft von Grabowsee verdeutlicht das generelle Problem im Umgang mit solchen Konversionsflächen: Die immensen Sanierungskosten stehen oft in keinem Verhältnis zur wirtschaftlichen Nutzbarkeit in ländlichen Regionen. So bleibt Grabowsee vorerst ein Ort, an dem die Geschichte des 20. Jahrhunderts in ihrer ganzen Widersprüchlichkeit physisch greifbar bleibt – vom sozialen Aufbruch der Kaiserzeit über die Kriege bis hin zur langen Phase der sowjetischen Präsenz in Ostdeutschland. https://www.facebook.com/arnepetrich/posts/pfbid037du4beewjMdW4L62hZrBqs6yaYpDizyGAdkr6dm9yY9bfKV8hvq7YAhUWK5dL4DQl