Die Elektro-Apparate-Werke Berlin Treptow als Vorreiter der DDR-Industrie

Im Jahr 1979 wurden die Elektro-Apparate-Werke Berlin Treptow, einer der größten Industriebetriebe der DDR, mit dem Titel „Betrieb der ausgezeichneten Qualitätsarbeit“ ausgezeichnet. Dieser Titel wurde dem Betriebsteil Schaltgeräte des Unternehmens verliehen, der sich auf die Produktion von Niederspannungsleistungsschaltern und schweren Schaltschützen spezialisiert hatte. Mit über 8.000 Angestellten zählte der Betrieb zu den bedeutendsten Herstellern von Elektrogeräten in der Deutschen Demokratischen Republik. Die Auszeichnung war nicht nur ein Symbol für herausragende Produktqualität, sondern auch ein strategischer Schritt zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit auf dem globalen Markt.

Einblicke in den Produktionsprozess
Der Betriebsteil Schaltgeräte war verantwortlich für die Herstellung von Komponenten, die in einer Vielzahl von Industriebereichen, wie der Schiffsindustrie, dem Maschinenbau sowie der metallurgischen Industrie, zum Einsatz kamen. Besonders hervorzuheben sind die Niederspannungsleistungsschalter und schweren Schaltschütze, die in Steuerungsanlagen und Starkstromanlagen eingesetzt wurden. Das Unternehmen setzte auf ein strenges Qualitätssicherungssystem, das sich in den Prüf- und Qualitätsmerkmalen widerspiegelte.

In den 1970er Jahren war das Gütezeichen „Q“ ein bedeutender Indikator für Qualitätsprodukte in der DDR. Fast 56 Prozent der Warenproduktion der Elektro-Apparate-Werke trugen dieses Zeichen. Die Tatsache, dass viermalige Auszeichnungen für Qualität erreicht wurden, ist nicht nur ein Beleg für die hohe Produktqualität, sondern auch für das System der kontinuierlichen Verbesserung innerhalb des Betriebsteils Schaltgeräte. Diese Auszeichnungen basierten auf den konsequenten Prüfungen der Produkte und der Leistung der Mitarbeiter und stellten sicher, dass das Unternehmen die Qualitätsanforderungen übertraf.

Der Beitrag der Mitarbeiter
Ein zentraler Aspekt der Auszeichnung war die Bedeutung der Belegschaft, insbesondere der Elektromechanikerin Christel Bleck. Bleck, die das Diplom als Selbstkontrolleurin trug, hatte mit ihrem Team die Qualitätsvorgaben um 30 Prozent übertroffen und dabei die Kosten für Ausschuss, Nacharbeit und Garantieleistungen signifikant gesenkt. Dies war ein direktes Resultat des sozialistischen Arbeitsmodells, das Mitarbeiter in den Mittelpunkt der Qualitätskontrolle stellte und ihnen eine aktive Rolle in der Verbesserung des Produktionsprozesses zugestand. Die Tatsache, dass das Kollektiv als Ganzes für die hohen Qualitätsstandards verantwortlich gemacht wurde, zeigt das Vertrauen der DDR-Industrie in die Fähigkeit der Arbeiter, zur Effizienzsteigerung beizutragen.

Die Bedeutung für die DDR-Wirtschaft
In der DDR stand die Industrieproduktion oft im Spannungsfeld zwischen politischer Ideologie und wirtschaftlicher Effizienz. Die Betonung auf Qualität und Produktivität war ein Weg, die Wettbewerbsfähigkeit der DDR auf den internationalen Märkten zu sichern und die sozialistische Wirtschaftsordnung als leistungsfähig zu präsentieren. Durch die konsequente Ausrichtung auf Qualitätsstandards konnte das Unternehmen nicht nur intern Effizienzgewinne erzielen, sondern auch eine größere Präsenz auf den internationalen Märkten anstreben. Der Export hochwertiger Produkte war ein wesentliches Ziel der DDR-Industriepolitik, da er den Wert der sozialistischen Planwirtschaft im internationalen Vergleich unter Beweis stellen sollte.

Die Auszeichnung der Elektro-Apparate-Werke Berlin Treptow im Jahr 1979 verdeutlicht, wie eng Qualität und Arbeitskultur in der DDR miteinander verknüpft waren. Die „Betriebe der ausgezeichneten Qualitätsarbeit“ standen für eine starke Verknüpfung von kollektivem Engagement und technischer Präzision. Gleichzeitig zeigt sich, wie das sozialistische System versuchte, industrielle Innovation und Produktivität zu fördern, um den Herausforderungen einer globalisierten Wirtschaft zu begegnen. Trotz der politischen und wirtschaftlichen Herausforderungen der Zeit war das Modell der Qualitätssicherung und der Mitarbeiterbeteiligung ein bemerkenswerter Versuch, sowohl interne Effizienz als auch internationale Wettbewerbsfähigkeit zu steigern.

Grabowsee: Vom Tuberkulose-Sanatorium zum sowjetischen Militärlazarett

Die Heilstätte Grabowsee als Spiegel der Systembrüche des 20. Jahrhunderts HOOK: Über 47 Jahre lang war die Heilstätte Grabowsee ein hermetisch abgeriegeltes Areal. Die Geschichte des Ortes erzählt exemplarisch von der Transformation medizinischer Einrichtungen durch politische Systeme und dem schwierigen Erbe der Besatzungszeit. BLOG-TEXT: Die architektonische Anlage am Grabowsee bei Oranienburg gilt als ein bedeutendes Zeugnis der Medizingeschichte. Gegründet 1896 vom Deutschen Roten Kreuz, war sie eine Antwort auf die Tuberkulose-Epidemie der Industrialisierung. Die Pavillonbauweise ermöglichte eine strikte Trennung der Patienten und maximale Frischluftzufuhr. Doch die ursprüngliche humanitäre Ausrichtung der Volksheilstätte wurde im Laufe des 20. Jahrhunderts mehrfach überschrieben. Nach der Nutzung als Wehrmachtslazarett übernahmen 1945 die sowjetischen Streitkräfte das Gelände. Diese Zäsur prägte den Ort nachhaltiger als jede vorangegangene Epoche. Bis zum Truppenabzug 1992 blieb Grabowsee eine sowjetische Insel inmitten der DDR. Die strengen Sicherheitsvorkehrungen und die absolute Isolation schufen eine Distanz zwischen den Besatzern und der lokalen Bevölkerung, die symptomatisch für viele sowjetische Liegenschaften in Ostdeutschland war. Während im Inneren ein russischsprachiger Alltag mit eigener Versorgung und Kultur stattfand, blieben die Vorgänge für Außenstehende undurchsichtig. Deutsche Angestellte, die als Hilfskräfte tätig waren, berichteten von einer strengen Hierarchie und einem strikten Redeverbot über interne Abläufe. Nach 1992 hinterließen die abziehenden Truppen nicht nur leerstehende Gebäude, sondern auch kulturelle Spuren wie Wandmalereien und Propaganda, die sich heute mit dem verfallenden Jugendstil mischen. Dieser Palimpsest der Geschichte macht den besonderen Reiz, aber auch die Schwierigkeit des Ortes aus. Der heutige Zustand ist geprägt von Vandalismus und natürlichem Verfall. Die Debatte um die Zukunft von Grabowsee verdeutlicht das generelle Problem im Umgang mit solchen Konversionsflächen: Die immensen Sanierungskosten stehen oft in keinem Verhältnis zur wirtschaftlichen Nutzbarkeit in ländlichen Regionen. So bleibt Grabowsee vorerst ein Ort, an dem die Geschichte des 20. Jahrhunderts in ihrer ganzen Widersprüchlichkeit physisch greifbar bleibt – vom sozialen Aufbruch der Kaiserzeit über die Kriege bis hin zur langen Phase der sowjetischen Präsenz in Ostdeutschland. https://www.facebook.com/arnepetrich/posts/pfbid037du4beewjMdW4L62hZrBqs6yaYpDizyGAdkr6dm9yY9bfKV8hvq7YAhUWK5dL4DQl