Volkmar Krosigks Suche nach dem schönsten Coupé des Sozialismus

Ebersberg/Eisenach. Für Volkmar Krosigk war es nie geplant, doch heute ist er stolzer Besitzer von 63 Fahrzeugen, von denen fast alle aus dem Automobilwerk Eisenach stammen. Eine Leidenschaft, die 40 Jahre währte und ihren Höhepunkt in einem ganz besonderen Stück Garagengold fand: einem Wartburg Sport 313/1 Baujahr 1958. Ein Auto, das er als seinen persönlichen Traum bezeichnet und für das er unermüdlich suchte.

Die Geschichte begann für Volkmar mit einem Skoda Octavia, gefolgt von einem grünen Wartburg 1.1.1, den er liebevoll „Laubfrosch mit Glatzen“ nannte. Mit diesem „Laubfrosch“ fuhr er über 250.000 Kilometer und verliebte sich in ihn. Doch der Wartburg Sport 313/1 ist für ihn das wichtigste Auto der Eisenacher Nachkriegsproduktion und ein absoluter Glückstreffer. Er ist überzeugt, dass es der schönste Sportwagen ist, der jemals im Sozialismus gebaut wurde und leider viel zu unbekannt ist.

Der Wartburg Sport 313/1: Ein Meisterwerk mit begrenzter Auflage
Der Wartburg Sport 313, Baujahr 1958, war seinerzeit das Topmodell des Sozialismus, getragen vom Slogan „BMW in Eisenach ist Geschichte, Wartburg die Zukunft“. Dieses eigenentwickelte Ost-Coupé wurde innerhalb von nur sechs Monaten für die Leipziger Messe 1957 auf die Beine gestellt und führte die Tradition der BMW-Sportwagen fort. Der entscheidende Unterschied: Statt eines Sechszylinder-Reihenmotors besaß der 313 einen Dreizylinder-Zweitaktmotor, der oberhalb der Leerlaufdrehzahl sehr ruhig und ausgeglichen lief. Bemerkenswert ist, dass das Konzept des kleinen, kompakten Dreizylindermotors heute sogar von Herstellern wie BMW wieder aufgegriffen wird.

Trotz seiner Schönheit und fortschrittlichen Technik war der 313 kein kommerzieller Erfolg. Die Nachfrage für den Export war zu gering und die Produktionskosten zu hoch. So wurden lediglich 469 Fahrzeuge produziert, was es heute nahezu unmöglich macht, ein Exemplar zu finden. Ein gut erhaltener Wartburg 313 Sport kann heute einen Kostenpunkt von 100.000 Euro erreichen.

Die Herausforderungen einer Rarität
Für Volkmar war die Suche nach diesem Auto eine 40-jährige Odyssee. Er fand sein Exemplar schließlich am Bodensee bei einem anderen Sammler, doch der Zustand war eher bescheiden, beschrieben als „3 bis 5“. Die Restaurierung gestaltete sich als immens aufwendig und kostete das Dreifache des ursprünglichen Fahrzeugpreises. Besonders Karosserieteile sind extrem schwer zu finden. Trotzdem gelang es, das Auto in einen sehr schönen und möglichst originalen Zustand zu versetzen, worauf Volkmar sehr stolz ist.

Das Fahren des Oldtimers erfordert einige Gewöhnung: Das Fahrzeug verfügt über einen Freilauf in allen vier Gängen, was bedeutet, dass es bei Loslassen des Gaspedals mit konstanter Geschwindigkeit weiterrollt, da keine Motorbremse vorhanden ist. Dies ist zwar angenehm für einen Zweitakter, aber gewöhnungsbedürftig. Die Trommelbremsen haben zudem eine Verzögerung, die nicht mit modernen Fahrzeugen vergleichbar ist, weshalb ein größerer Abstand zum Vordermann ratsam ist. Trotz dieser Eigenheiten fährt sich der Wagen sehr gut und liegt stabil auf der Straße. Mit 50 PS erreicht der Wartburg eine Höchstgeschwindigkeit von 140 km/h.

Die Instandhaltung des Motors ist hingegen erfreulich unkompliziert, da Ersatzteile gut erhältlich sind. Auch in puncto Komfort und Funktionalität überrascht der 313 mit durchdachten Details. Die Türgriffe lassen sich beispielsweise so bedienen, dass die Fingernägel nicht verkratzen, und der Kofferraum lässt sich per Fernbedienung öffnen und rastet selbstständig ein, wobei er eine tiefe Ladekante und viel Stauraum bietet. Auch der von innen zu betätigende Tankverschluss, der vor Benzindiebstahl schützt, zeugt von „Super Technik der 50er Jahre“.

Eine Sammlung als Zeugnis der Geschichte
Volkmar Krosigks Sammlung ist mehr als nur eine Ansammlung von Autos. Sie ist der Versuch, die Geschichte eines „gestorbenen“ Fahrzeugwerks zu präsentieren. Er hat es sich zum Ziel gesetzt, die Meilensteine der Entwicklung aus dem Eisenacher Werk zusammenzutragen, auch wenn er sich nicht mit jedem Modell geschmacklich anfreunden kann. Das Besondere daran ist, die Entwicklung förmlich spüren zu können, indem er beispielsweise an einem Tag einen BMW 320, einen A4, den 313 und einen modernen Sportwagen fährt und so einen „Zeitsprung“ nachvollzieht.

Die Geschichte des Automobilwerks Eisenach endete tragisch. Nach fast 100 Jahren Automobilproduktion wurde das Werk am Geburtstag von Volkmar Krosigk geschlossen. Über 7.000 Menschen verloren von heute auf morgen ihren Arbeitsplatz, eine Entscheidung, die bis heute nachwirkt. Zeitzeugen in Eisenach empfinden noch immer Traurigkeit, wenngleich mittlerweile auch ein gewisser Optimismus spürbar ist, da die Technologie damals tatsächlich nicht mehr haltbar war.

Das Werk in Eisenach mag tot sein, aber die Fahrzeuge und ihre Geschichte leben weiter. Dank Menschen wie Volkmar Krosigk, der diese automobile Historie in Ebersberg bewahrt, bleibt der Wartburg Sport 313/1 – das wohl schönste Coupé des Sozialismus – unvergessen.

Der geschlossene Jugendwerkhof Torgau als Endstation der DDR-Heimerziehung

FERACEBOOK-TEAS A) PROFIL: Hook: Drei Stunden Fahrt genügten oft, um eine Biografie dauerhaft aus der Bahn zu werfen. Teaser: Wer sich mit der Geschichte der DDR-Heimerziehung beschäftigt, stößt unweigerlich auf den Namen Torgau. Es war ein Ort, über den in der Öffentlichkeit geschwiegen wurde, dessen bloße Erwähnung unter Jugendlichen in Spezialkinderheimen jedoch ausreichte, um Angst auszulösen. Über 4000 junge Menschen durchliefen diese Einrichtung, die offiziell der Anbahnung auf das Kollektiv diente, in der Praxis jedoch militärischen Drill und psychische Brechung bedeutete. Die Kriterien für eine Einweisung waren dabei fließend. Es bedurfte keiner Straftat. Oft reichte es aus, wenn ein Jugendlicher als unbequem galt, die Schule schwänzte oder mehrfach aus anderen Einrichtungen geflohen war. Die pädagogische Maxime, die hinter den Mauern in Torgau herrschte, sah im Individualismus eine Gefahr, die es durch Isolation und physische Erschöpfung zu beseitigen galt. Berichte von Zeitzeugen zeichnen das Bild eines Alltags, in dem selbst der Toilettengang reglementiert war und Privatsphäre als bürgerliches Relikt abgeschafft wurde. Für viele Betroffene endete die Erfahrung nicht mit der Entlassung. Die Zeit in Torgau hinterließ Spuren, die sich in die Körper und die Psyche einschrieben. Das Misstrauen gegenüber staatlichen Strukturen und die Erfahrung absoluter Ohnmacht prägen viele Lebensläufe bis in die Gegenwart. Es bleibt die Beobachtung einer Generation, die in Teilen eine Erfahrung teilt, die lange Zeit gesellschaftlich kaum wahrgenommen wurde. B) SEITE 1 und 2 (Kontext): Hook: Das System der Umerziehung kannte eine letzte Instanz, die ohne richterlichen Beschluss operierte. Teaser: Zwischen 1964 und 1989 fungierte der Geschlossene Jugendwerkhof Torgau als Endstation im System der DDR-Jugendhilfe. Die Einweisung erfolgte auf rein administrativer Ebene und entzog sich weitgehend juristischer Kontrolle. Zielgruppe waren Jugendliche, die als schwer erziehbar klassifiziert wurden – ein Begriff, der im sozialistischen Kontext oft schlicht nonkonformes Verhalten oder den Wunsch nach individueller Freiheit bezeichnete. Historisch betrachtet setzte Torgau die Theorie des Pädagogen Eberhard Mannschatz in die Praxis um, wonach das Kollektiv über dem Einzelnen stand. Die Methoden vor Ort, von der anfänglichen Isolationshaft bis zum minutiös getakteten Tagesablauf, zielten auf eine komplette Neuformierung der Persönlichkeit ab. Die Einrichtung verdeutlicht, wie fließend die Grenzen zwischen Fürsorge und Repression in der staatlichen Struktur verlaufen konnten. Die Aufarbeitung dieser Geschichte ist ein wesentlicher Baustein zum Verständnis der ostdeutschen Sozialisation.