Thüringer Regierungskonferenz: Gemeindeneugliederung geht weiter

Erfurt. Bei der Regierungsmedienkonferenz am heutigen Dienstag, dem 3. Juni, standen wichtige Entwicklungen in Thüringen im Mittelpunkt: Innenminister Georg Meier informierte über die Fortführung der Gemeindeneugliederung, während Wirtschaftsministerin Colet Borussion eine Bilanz der jüngsten Wirtschaftsdelegationsreise in die USA zog und einen Ausblick auf die Außenwirtschaftspolitik des Landes gab.

Sechstes Gesetz zur Gemeindeneugliederung auf dem Weg
Innenminister Georg Meier stellte den Entwurf für das mittlerweile sechste Gemeindeneugliederungsgesetz vor, das im zweiten Kabinettsdurchgang abgesegnet wurde. Dieses Gesetz ist laut Meier ein „Nachläufer“ der bisherigen Bemühungen und betrifft sieben weitere Kommunen, deren Neugliederung zum Stichtag 31. Dezember 2026 geplant ist. Die bisherigen fünf Gesetze, die unter Meiers Zuständigkeit entstanden, haben die Anzahl der selbständigen Kommunen in Thüringen bereits von 843 Ende 2017 auf 600 Ende 2024 reduziert.

Das neue Gesetz sieht konkrete Veränderungen im Altenburgerland und im Weimarerland vor. Im Altenburgerland wird die Gemeinde Dobitschen in die Stadt Schmölln eingegliedert. Im Weimarerland kommt es zur Vereinigung von Großschwabhausen und Klein Schwabhausen innerhalb der Verwaltungsgemeinschaft Mellingen, und die Gemeinden Killansroda sowie Mechelroda werden nach Mellingen eingegliedert.

Die Kosten dieser Neugliederung belaufen sich auf fast genau 3 Millionen Euro. Davon entfallen 2,7 Millionen Euro auf die sogenannte Neugliederungs- oder „Hochzeitsprämie“ von 200 Euro pro Einwohner. Weitere 300.000 Euro werden als Beihilfe für Struktur und Entschuldung gewährt.

Meier betonte, dass dies kein großer Wurf sei, sondern die Umsetzung bereits länger bestehender Bestrebungen, die aus verschiedenen Gründen bisher nicht realisiert werden konnten. Für die Zukunft wirbt der Minister weiterhin stark für die freiwillige Gemeindeneugliederung. Angesichts wachsender Herausforderungen wie Fachkräftemangel, Digitalisierung und bürokratischer Komplexität sei die Neugliederung notwendig, da viele kleinere Gemeinden die notwendigen Aufgaben nicht mehr allein stemmen könnten.

Zukünftige Förderungen sollen laut Meier zielgenauer ausgerichtet sein, insbesondere auf Investitionen zur Behebung des Investitionsstaus in den Kommunen. Die Förderung von Rathäusern, Bibliotheken, Schulen und Kindergärten sei entscheidend, um die Lebensqualität im ländlichen Raum zu sichern. Er hofft dabei auch auf flexibel einsetzbare Mittel aus den 100 Milliarden Euro, die der Bund für die Infrastrukturförderung bereitstellen will.

Neben Zusammenschlüssen hob Meier auch die Bedeutung der interkommunalen Zusammenarbeit hervor, etwa bei Bauhöfen oder Einrichtungen der Daseinsvorsorge. Beispiele aus dem Ausland, wie Vorarlberg in Österreich, zeigten, dass dies hervorragend funktionieren könne. Erste Gespräche und Wünsche für weitere freiwillige Fusionen lägen dem Ministerium bereits vor.

Bilanz der USA-Reise und Zukunft der Außenwirtschaft
Wirtschaftsministerin Colet Borussion zog im Anschluss eine Bilanz der kürzlich zurückgekehrten Thüringer Wirtschaftsdelegation aus den USA. Sie betonte die Bedeutung des Exports für die Thüringer Wirtschaft, der in den ersten drei Monaten des Jahres um 1,4% gesteigert werden konnte, während die Inlandsumsätze stagnierten.

Die USA sind mit einem Exportvolumen von 2 Milliarden Euro jährlich und jedem achten Export-Euro aus Thüringen der wichtigste Handelspartner des Freistaats. Angesichts der politischen Entwicklungen in den USA sei es für die neue Landesregierung immens wichtig gewesen, die Verbindungen zu stärken und Thüringens Wirtschaft zu präsentieren.

Die Delegation umfasste 70 Teilnehmer, darunter über 30 Unternehmen, sowie Vertreter von Hochschulen, Kammern, Forschungseinrichtungen und die politische Delegation. Auf dem Programm standen rund 30 offizielle Termine, darunter Gespräche mit der AHK, der Botschaft, Experten (wie Bloomberg), Unternehmen (wie Amazon, Trumpf, Bayer, Harris Razers) sowie Wissenschaftseinrichtungen (MIT, Harvard).

Als positive Ergebnisse hob Borussion das Bekenntnis von Harris zum Standort Eisfeld hervor, verbunden mit geplanten Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe über zwei Jahre. Zudem soll ein Auslandsbüro in New York installiert werden, um Thüringer Unternehmen und Investoren besser zu unterstützen. Pläne für Bildungskooperationen mit Harvard und dem MIT zur Förderung von Studentenaustausch und der Gewinnung von Absolventen wurden ebenfalls genannt.

Ein zentrales Thema der Reise war die aktuelle US-amerikanische Zoll- und Exportpolitik. Die Ministerin bestätigte die schwere Einschätzbarkeit der Situation und die volatile Entwicklung. Die Administration von Präsident Trump wende sich aktiv von der multilateralen Welthandelsordnung ab, was als Mittel der Handelspolitik betrachtet werde. Eine klare Strategie sei nicht erkennbar, und die USA schadeten sich damit ein Stück weit selbst. Die zwischenzeitlich diskutierten, nun aber bis 9. Juli ausgesetzten Zollanhebungen von 50% auf EU-Waren seien ein Beispiel dafür.

Die Reaktion Thüringens auf diese Situation sei es, die Unternehmen zu unterstützen und die eigene Wirtschaft widerstandsfähiger zu machen. Dazu gehöre die Notwendigkeit, Alleinstellungsmerkmale und Technologiesprünge zu schaffen und die Verflechtungen der Weltwirtschaft im Blick zu behalten. Alle Akteure – EU, Bund, Land, Unternehmen – müssten ihre Hausaufgaben machen und Kosten senken, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Neben der Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit an heimischen Standorten setzt Thüringen auf De-Risking und die Diversifizierung der Auslandsmärkte. Thüringen werde sich auch für den Abschluss von Freihandelsabkommen stark machen. Konkrete Reisepläne zur Diversifizierung umfassen eine Reise nach China im letzten Quartal dieses Jahres sowie nach Mercosur im nächsten Jahr. Begleitete Unternehmensreisen in Länder wie Frankreich, Türkei, Südafrika, Indien und Vietnam seien ebenfalls geplant.

Trotz der schwierigen Lage bleiben die USA der wichtigste Exportpartner. Mit Blick auf die bevorstehende USA-Reise von Herrn Merz äußerte die Ministerin keine großen Erwartungen, jedoch den Wunsch nach dem Abbau von Zollschranken und dem Abschluss von Freihandelsabkommen. Sie vertraue darauf, dass Herr Trump als „Dealmaker“ die Bedeutung stabiler Handelsbeziehungen auch für sein Land erkenne.

Die Investitionen des Landes in die Außenwirtschaftsförderung wurden ebenfalls hervorgehoben. Sie stiegen von 1,7 Millionen Euro in 2023 auf 2,1 Millionen Euro, während die Exportumsätze der Unternehmen im selben Zeitraum um 35% wuchsen. Dies zeige die Effektivität von Delegationsreisen und Vernetzung, zu der auch die gestiegene Teilnahme an Messen (von 320 auf 391) gehöre. Die Vernetzung von Unternehmen, Wissenschaft und Forschungseinrichtungen im Rahmen solcher Reisen sei ein wichtiger positiver Nebeneffekt, den das Land auch bei künftigen Reisen in andere Regionen unterstützen werde.

Dreharbeiten auf der J.G. Fichte: Die Entstehung der DDR-Serie „Zur See“

FACEBOOK-TEASER A) PROFIL Hook: Es gibt Bilder, die sich im kollektiven Gedächtnis festsetzen, und doch erzählt das, was hinter der Kamera geschah, eine ganz eigene Geschichte. Teaser: Wer an die Serie „Zur See“ denkt, hat oft die eingängige Melodie im Ohr und die Gesichter von Horst Drinda oder Günter Naumann vor Augen. Doch die Realität der Dreharbeiten im Jahr 1974 auf dem Frachter „J.G. Fichte“ hatte wenig mit der Romantik zu tun, die später über die Bildschirme flimmerte. Die Bedingungen an Bord waren hart, geprägt von Hitze, Lärm und der Enge eines Schiffes, das seine besten Tage längst hinter sich hatte. Die Entscheidung für dieses alte Schiff war keine künstlerische, sondern eine rein pragmatische. Moderne Schiffe der DDR-Handelsflotte boten schlicht keinen Raum für ein Filmteam. So fand sich die prominente Riege der DDR-Schauspieler in einer Situation wieder, die keinen Rückzug erlaubte. Sie lebten Tür an Tür mit der echten Besatzung, teilten den begrenzten Komfort und die langen Abende auf See. Aus dieser Zwangsgemeinschaft entstand eine Atmosphäre, die sich wohl kaum künstlich herstellen ließ. Bemerkenswert ist, wie sehr der politische Arm des Staates auch auf den Weltmeeren präsent blieb. Die Angst vor Republikflucht bestimmte die Auswahl des Personals ebenso wie die Reiseroute. Selbst bei technischen Pannen im „kapitalistischen Ausland“ blieb der Bewegungsradius der Crew strikt reglementiert. Die Serie sollte Weltläufigkeit zeigen, entstand aber unter den Bedingungen strenger innerer Kontrolle. Vielleicht ist es genau diese Mischung aus realer harter Arbeit, politischer Begrenzung und der großen Sehnsucht nach der Ferne, die den Kern dieser Produktion ausmachte. Die Zuschauer spürten, dass hier nicht nur Theater gespielt wurde. Die Arbeit an den Maschinen, der Umgang mit der Fracht – vieles davon entsprach den tatsächlichen Abläufen an Bord eines DSR-Frachters. Es bleibt das Dokument einer Zeit, in der die Grenzen eng waren, der Blick aber dennoch nach draußen ging. B) SEITE 1 (Kontext) Hook: Die Produktion der erfolgreichsten DDR-Fernsehserie war weit mehr als ein logistischer Kraftakt auf hoher See. Teaser: Als 1974 die Dreharbeiten zu „Zur See“ begannen, traf der kulturelle Auftrag des DDR-Fernsehens auf die nüchterne Realität der Schifffahrt. Die Serie sollte den Alltag der Handelsmarine glorifizieren und gleichzeitig das Fernweh der Bevölkerung stillen. Doch schon die Wahl des Drehortes zeigte die Grenzen auf: Statt eines modernen Vorzeige-Schiffes diente ein alter Truppentransporter als Kulisse, weil nur dort genug Platz für das Filmteam war. Die politischen Rahmenbedingungen waren ebenso eng wie die Kabinen. Die Stasi überprüfte jeden Beteiligten, die Reiseroute mied westliche Häfen, und selbst der Kontakt zum „Klassenfeind“ wurde administrativ unterbunden. Dennoch – oder gerade deshalb – entwickelte die Serie eine Authentizität, die bis heute nachwirkt. Die Geschichten basierten oft auf realen Logbucheinträgen, und die Schauspieler verschmolzen über Wochen mit der echten Besatzung. Interessanterweise lieferte dieses ostdeutsche Format, das die harte Arbeit in den Mittelpunkt stellte, die Blaupause für das westdeutsche „Traumschiff“. Während dort jedoch der Luxus regierte, blieb „Zur See“ ein Abbild der DDR-Gesellschaft: Man improvisierte, arbeitete hart und träumte sich für die Dauer einer Fernsehfolge in eine andere Welt. C) SEITE 2 (pointiert, ruhig) Hook: Wer in der DDR zur See fuhr, besaß ein Privileg, das Millionen anderen verwehrt blieb. Teaser: Die Serie „Zur See“ bediente dieses Privileg visuell, während die Produktion selbst den Restriktionen des Landes unterworfen blieb. Die Schauspieler auf der „J.G. Fichte“ erlebten eine Freiheit zweiter Klasse: Sie waren unterwegs und doch eingesperrt, kontrolliert von politischen Vorgaben, die selbst auf dem Atlantik nicht endeten. Dass die Serie dennoch zum Straßenfeger wurde, lag an der Projektionsfläche, die sie bot. Sie zeigte eine Welt, in der ostdeutsche Tugenden global bestanden, auch wenn die Realität an Bord oft aus Rost, Schweiß und strenger Überwachung bestand. Es war der Versuch, die Weite zu inszenieren, ohne die eigenen Grenzen zu verlassen.