Neue Anlaufstelle im Herzen Potsdams: Tafel jetzt auch in der St. Nikolaikirche

Potsdam bekommt eine neue Ausgabestelle der Tafel, zentral gelegen in der St. Nikolaikirche am Alten Markt. Dieses Angebot richtet sich in erster Linie an bedürftige Menschen, mit einem besonderen Fokus auf Rentnerinnen und Rentner, aber auch andere Hilfebedürftige sind herzlich willkommen.

Ab diesem Frühjahr haben Bedürftige die Möglichkeit, Lebensmittel der Tafel Potsdam in der St. Nikolaikirche abzuholen. Die neue Ausgabestelle soll zuerst am Mittwochnachmittag von 14:00 bis 15:00 Uhr die Aufnahme der Tafelkunden ermöglichen, und in der darauffolgenden Woche beginnt dann die erste Lebensmittelausgabe.

Die St. Nikolaikirche wurde von der Tafel angesprochen, um im Herzen der Stadt eine Ausgabestelle zu eröffnen. Die zentrale Lage der Kirche ist ein entscheidender Vorteil, da sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen ist. Dies ist besonders wichtig für diejenigen, die nicht mehr so mobil sind und eine Anlaufstelle in der Innenstadt benötigen.

Die neue Ausgabestelle ist eine „Hand in Handarbeit“ zwischen der Tafel und der Gemeinde der St. Nikolaikirche. Die Tafel bringt die vorbereiteten Lebensmittelgaben zur Kirche. Vor Ort wird die Ausgabestelle im Mocker Kirchenkellerraum eingerichtet, der auch von außen sehr gut erreichbar ist.

Neben der Ausgabe von Lebensmitteln bietet die St. Nikolaikirche auch mehr als nur eine schnelle Abholung. Bedürftige sind eingeladen, Zeit in dem Raum zu verbringen, zusammenzukommen und sich auszutauschen. Es wird Kaffee, Kuchen, Tee und Wasser geben. Zudem werden Menschen von der Gemeinde anwesend sein, die Zeit für Gespräche haben.

Die herzliche Einladung ergeht an alle, die Bedarf sehen. Obwohl das Angebot primär für Rentner gedacht ist, werden andere hilfebedürftige Menschen ausdrücklich nicht abgewiesen, da eine Anlaufstelle in der Innenstadt für alle weniger Mobilen von großer Bedeutung ist. Mit diesem neuen Standort in der St. Nikolaikirche wird die Tafel Potsdam ihre Reichweite erweitern und eine wichtige Unterstützung im Herzen der Stadt anbieten.

Katharina Thalbach bei Gaus: Von der Utopie und der Fremdheit im Westen

FACEBOOK-TEASER A) PROFIL Hook: Sie musste sich nie emanzipieren, weil sie gar nicht wusste, dass sie unfrei sein sollte. Teaser: Wenn Katharina Thalbach über ihre Jahre in der DDR spricht, dann fehlt jeder Ton der Bitterkeit. Im Gespräch mit Günter Gaus, geführt 1996, beschreibt sie eine Jugend im Schatten des Berliner Ensembles, geprägt von der Strenge Helene Weigels und dem Geist Bertolt Brechts. Doch viel spannender ist ihr Blick auf das normale Leben: Für Thalbach war die Gleichberechtigung der Frau keine erkämpfte Errungenschaft, sondern gelebter Alltag. Arbeit, Kinder, Unabhängigkeit – das war die Basis, auf der sie stand. Der Kulturschock folgte erst mit dem Wechsel in den Westen im Jahr 1976. Plötzlich traf sie auf eine Gesellschaft, die Emanzipation erst theoretisch diskutieren musste. Thalbachs Beobachtungen sind dabei so scharf wie unaufgeregt. Sie beschreibt das westliche Theater als oft ich-bezogen, während die Kunst im Osten eine politische Dringlichkeit besaß, eine Art geheime Kommunikation zwischen Bühne und Publikum. Sie hat die DDR verlassen, aber die Utopie einer gerechten Gesellschaft, die ihr dort „anerzogen“ wurde, hat sie mitgenommen. Berlin ist für sie Mitte der Neunzigerjahre eine große Baustelle, und genau diesen Zustand liebt sie. Das Unfertige, das Offene ist ihr lieber als der satte Stillstand. B) SEITE 1 (Kontext) Hook: War Kunst in der DDR wichtiger als im Westen? Teaser: Für Katharina Thalbach ist die Antwort eindeutig. Im Rückblick auf ihre Arbeit in Ost-Berlin und ihren Wechsel in die Bundesrepublik 1976 zeichnet sie einen interessanten Vergleich der Systeme. Im Osten war das Theater politisch aufgeladen, eine „Geheimsprache“, die von oben und unten verstanden wurde. Jedes Wort auf der Bühne hatte Gewicht, weil es Reibung erzeugte. Im Westen dagegen erlebte sie eine Kulturszene, die oft mehr mit sich selbst beschäftigt war als mit gesellschaftlichen Fragen. Die Relevanz, die Schwere der Kunst, sie fehlte ihr. Thalbachs Analyse aus dem Jahr 1996 ist keine Ostalgie, sondern eine kulturelle Bestandsaufnahme: Was geht verloren, wenn Kunst nicht mehr Reibungsfläche sein muss, sondern nur noch Ware sein darf? Die Schauspielerin bleibt skeptisch gegenüber einem System, das allein auf Verkäuflichkeit setzt. C) SEITE 2 (pointiert, ruhig) Hook: Entmündigung gab es in beiden Systemen, nur die Methoden waren verschieden. Teaser: Katharina Thalbach macht es sich nicht leicht mit dem Urteil über die DDR und die Bundesrepublik. Dem Osten wirft sie vor, die Menschen zu ihrem Glück zwingen zu wollen – eine klare Entmündigung. Doch auch den Westen spricht sie nicht frei. Hier geschehe die Entmündigung subtiler, verdeckt durch Konsum und scheinbare Freiheit. Ihr Fazit ist das einer Beobachterin, die sich ihre Utopien nicht nehmen lässt, auch wenn die Realität sie selten einlöst.