„Mich macht das fertig“ – Max Raabe über Politik und Konflikte

Max Raabe, bekannt für seinen zeitlosen Stil und die Neuinterpretation der Musik der 1920er- und 30er-Jahre, hat sich in einem aktuellen Interview zu politischen Themen und globalen Konflikten geäußert. Dabei zeigte sich der Musiker tief betroffen von der gegenwärtigen Weltlage und sprach offen über seine Gefühle: „Mich macht das fertig.“

Raabe, der mit seinem Palastorchester seit Jahrzehnten die leichte und humorvolle Unterhaltungsmusik pflegt, reflektierte über die Parallelen zwischen der von ihm interpretierten Musik und historischen Ereignissen. Ursprünglich sei er mit einer naiven Begeisterung für die Musik der Weimarer Republik gestartet, doch später wurde ihm bewusst, dass viele der damaligen Komponisten und Texter nach 1933 verschwanden – entweder ins Exil oder in den Tod. „Es war ein harter Einschnitt. Viele große Künstler mussten fliehen oder wurden ermordet,“ erklärte Raabe.

Seine Tournee nach Israel war für ihn besonders bewegend. Dort traf er Menschen, die sich nicht primär über ihre Religion oder Staatsangehörigkeit definierten, sondern sich als Frankfurter, Berliner oder Wiener verstanden. „Das hat mich tief berührt, aber auch gezeigt, wie fragil unsere Gesellschaft sein kann,“ so der Musiker.

In der aktuellen politischen Lage sieht Raabe Parallelen zur Vergangenheit. Die Diskussion über Kriege, Waffenlieferungen und geopolitische Spannungen machen ihn sprachlos. „Ich habe mehr Fragen als Antworten,“ gestand er. Trotz der ernsten Themen ist ihm bewusst, wie wichtig Musik als Zuflucht und Verbindung zwischen den Menschen ist. „Musik hat etwas Zeitloses. Sie bringt Menschen zusammen, ob jung oder alt.“

Mit seinen Liedern, darunter das ikonische „Der kleine grüne Kaktus“, zeigt Raabe, dass gerade in unsicheren Zeiten die Kunst eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart schlagen kann – und vielleicht auch ein kleines Stück Hoffnung vermittelt.

Der „Blüm-Abschlag“ 1991: Pharma-Preise und die Ökonomie der Einheit

FACEBOOK-TEASER A) PROFIL Hook: „Was sie in Frankreich, Spanien kann, das muss sie auch in Deutschland können.“ Teaser: Mit diesem Satz setzte Arbeitsminister Norbert Blüm im Winter 1990 die westdeutsche Pharmaindustrie unter Druck. Die Situation war paradox: Die politische Einheit war vollzogen, doch die ökonomische Realität im Gesundheitswesen klaffte weit auseinander. Während ostdeutsche Arbeitnehmer noch Löhne von etwa 40 Prozent des Westniveaus bezogen, sollten ihre Krankenkassen bereits die vollen westdeutschen Preise für Medikamente zahlen. Das System drohte zu kollabieren, bevor es richtig begonnen hatte. Blüms Antwort war der sogenannte „Blüm-Abschlag“ – eine Forderung nach 55 Prozent Preisnachlass für Arzneimittel in den neuen Bundesländern. Er argumentierte nicht nur mit moralischer Solidarität, sondern nutzte geschickt den europäischen Vergleich. Wenn Konzerne in Südeuropa günstiger verkaufen konnten, warum dann nicht auch im wirtschaftlich schwächeren Osten Deutschlands? Es folgte ein Machtkampf mit Boykottdrohungen und harten Verhandlungen, der zeigte, wie fragil die Balance zwischen Marktprinzipien und sozialer Notwendigkeit in der Transformationszeit war. Diese Episode erzählt viel darüber, wie die Kosten der Einheit verteilt wurden und welche Kompromisse nötig waren, um das System zu stabilisieren. B) SEITE 1 (Kontext) Hook: Westliche Preise treffen auf ostdeutsche Löhne – das finanzielle Dilemma der Einheit 1990. Teaser: Um den sofortigen Bankrott der neu gegründeten Krankenkassen in den neuen Bundesländern zu verhindern, griff die Bundesregierung 1991 zu einem drastischen Mittel: Sie verordnete der Pharmaindustrie per Gesetz einen Zwangsrabatt von bis zu 55 Prozent für den Ost-Markt. Arbeitsminister Norbert Blüm begründete dies mit der Diskrepanz zwischen den Einnahmen der Ost-Kassen und den Preisen westlicher Medikamente. Er verwies dabei explizit auf die Preisgestaltung im europäischen Ausland, wo deutsche Medikamente oft deutlich günstiger waren als im Mutterland. Der „Blüm-Abschlag“ blieb bis Ende 1993 in Kraft und gilt als eines der deutlichsten Beispiele für staatlichen Interventionismus in der Nachwendezeit, um die soziale Symmetrie zu wahren. C) SEITE 2 (pointiert, ruhig) Hook: Solidarität per Gesetzblatt. Teaser: Der „Blüm-Abschlag“ zwang die Pharmaindustrie ab 1991, ihre Preise in Ostdeutschland an die dortige Kaufkraft anzupassen. Die simple Formel lautete: Wo die Löhne nur halb so hoch sind, dürfen die Pillen nicht das Doppelte kosten. Ein früher Konflikt der Einheit, der zeigte, dass Marktpreise durchaus verhandelbar sind, wenn der politische Druck groß genug ist. QUELLE Neue Zeit, Mo. 31.12.1990; Archivmaterial Bundestag & BVerfG (1990/1991)