13.02.1945: In den Dresdner Bombennächten werden 78 Babys geboren

Dresden – Am Abend des 13. Februars 1945 wurde die sächsische Landeshauptstadt Zeuge einer der verheerendsten Bombennächte des Zweiten Weltkriegs. Die Sirenen heulten, und inmitten des Chaos wurden auch Einrichtungen des Gesundheitswesens nicht verschont. Ein besonderer Ort, an dem die Spuren jener schicksalhaften Nacht bis heute nachhallen, ist die Frauenklinik in Dresden-Johannstadt.

In der Frauenklinik, die zum größten städtischen Krankenhaus gehörte, wurden die Wöchnerinnen in den einzigen Keller gebracht, der den Bombenangriffen nicht standhielt. Mehr als 100 Mütter, Schwestern und Ärzte fanden in den Trümmern ihren Tod. Alle anderen Patienten überlebten das infernale Szenario – zumindest physisch. Ein weiteres Schicksalsschicksal betraf die Neugeborenen, die getrennt von ihren Müttern in einer Kinderklinik untergebracht waren. So war es damals gang und gäbe, und in diesem Fall verhieß die Trennung schicksalhafte Folgen.

Schicksalhafte Trennung und ungewollte Rettung

Petra Roschinsky, damals noch ein Neugeborenes, entkam dem Bombenhagel nur knapp – allerdings unter dem tragischen Verlust ihrer Mutter Ilse. Zur Erinnerung an jene bewegenden und zugleich traumatischen Stunden blieb ihr ein Brief, den ihre Großmutter an den Vater der Kinder geschrieben hatte. Darin schilderte die Großmutter eindringlich die Verzweiflung jener Nacht: Nachdem Ilse im Terrorangriff ihr Leben verloren hatte, begannen verzweifelte Suchaktionen, um wenigstens die Neugeborenen zu retten.

Die Rettungsaktion gestaltete sich wahre Wunder – wie moderne Märchen, wenn auch von bitterem Leid geprägt. Die Babys wurden zwischen den Bombenangriffen auf einen Kohlenwagen verlegt und in das nahezu unversehrte Villenviertel Blasewitz gebracht. Dort lagen sie in Kellersälen einer Schule, umgeben von Splittern und Trümmern. Petra, damals noch ein stummes Neugeborenes, wurde gefunden. Ihr Blick schien zu sagen: „Jetzt, endlich, helft mir.“

Schmerzliche Erinnerungen und das Tabu der Vergangenheit

Der Verlust der Mutter und das traumatische Erlebnis in der Klinik hinterließen tiefe Wunden in der Familie Roschinsky. Der Vater, der tagelang im Schutt der Frauenklinik nach seiner toten Frau suchte, musste nicht nur mit der physischen Zerstörung, sondern auch mit einem unermesslichen seelischen Schmerz leben. Die Geschichten, die er im Laufe der Jahre erzählte – oder besser, die er unausgesprochen ließ – wurden zu einem Tabuthema, über das in der Familie lange Zeit nicht gesprochen wurde.

Petra Roschinsky wuchs mit dem stummen Schmerz jener Nacht auf, doch sie ließ sich nicht von der Vergangenheit bestimmen. Seit Jahrzehnten sucht sie den Kontakt zu den 25 anderen Kindern, die in den Dresdner Bombennächten das Licht der Welt erblickten. Die gemeinsame Erinnerung verbindet diese Schicksalsgenossen – ein Band, das trotz der Vergänglichkeit der Zeit nicht reißt.

Gedenken und die Kraft der Gemeinschaft

Heute, als 74-Jährige trifft sich diese Gruppe am 13. Februar jedes Jahres, um einem Gedenkstein an der ehemaligen Frauenklinik Blumen darzubringen. Der Gedenktag ist von einer besonderen Symbolik geprägt: An jenem Abend läuten in Dresden alle Kirchenglocken – Kreuzkirche, Frauenkirche, Kathedrale und weitere – für genau 20 Minuten, so lange wie die Bombenangriffe dauerten. Dieses kollektive Gedenken erinnert nicht nur an das Leid und den Verlust, sondern auch an den Überlebenswillen und die Hoffnung, die in den Herzen der Betroffenen weiterleben.

Die Geschichte jener Nacht in Dresden ist ein Mahnmal, das über das individuelle Leid hinaus die Schrecken des Krieges in den Fokus rückt. Sie erinnert uns daran, wie der Krieg das Leben einzelner Menschen in einem Augenblick veränderte und wie schwer es sein kann, aus den Trümmern nicht nur Städte, sondern auch Leben wieder aufzubauen.

In einer Welt, die immer noch von Konflikten und Krisen geprägt ist, bleibt die Erinnerung an den 13. Februar 1945 eine Mahnung, den Wert von Frieden und Menschlichkeit niemals aus den Augen zu verlieren.

Grabowsee: Vom Tuberkulose-Sanatorium zum sowjetischen Militärlazarett

Die Heilstätte Grabowsee als Spiegel der Systembrüche des 20. Jahrhunderts HOOK: Über 47 Jahre lang war die Heilstätte Grabowsee ein hermetisch abgeriegeltes Areal. Die Geschichte des Ortes erzählt exemplarisch von der Transformation medizinischer Einrichtungen durch politische Systeme und dem schwierigen Erbe der Besatzungszeit. BLOG-TEXT: Die architektonische Anlage am Grabowsee bei Oranienburg gilt als ein bedeutendes Zeugnis der Medizingeschichte. Gegründet 1896 vom Deutschen Roten Kreuz, war sie eine Antwort auf die Tuberkulose-Epidemie der Industrialisierung. Die Pavillonbauweise ermöglichte eine strikte Trennung der Patienten und maximale Frischluftzufuhr. Doch die ursprüngliche humanitäre Ausrichtung der Volksheilstätte wurde im Laufe des 20. Jahrhunderts mehrfach überschrieben. Nach der Nutzung als Wehrmachtslazarett übernahmen 1945 die sowjetischen Streitkräfte das Gelände. Diese Zäsur prägte den Ort nachhaltiger als jede vorangegangene Epoche. Bis zum Truppenabzug 1992 blieb Grabowsee eine sowjetische Insel inmitten der DDR. Die strengen Sicherheitsvorkehrungen und die absolute Isolation schufen eine Distanz zwischen den Besatzern und der lokalen Bevölkerung, die symptomatisch für viele sowjetische Liegenschaften in Ostdeutschland war. Während im Inneren ein russischsprachiger Alltag mit eigener Versorgung und Kultur stattfand, blieben die Vorgänge für Außenstehende undurchsichtig. Deutsche Angestellte, die als Hilfskräfte tätig waren, berichteten von einer strengen Hierarchie und einem strikten Redeverbot über interne Abläufe. Nach 1992 hinterließen die abziehenden Truppen nicht nur leerstehende Gebäude, sondern auch kulturelle Spuren wie Wandmalereien und Propaganda, die sich heute mit dem verfallenden Jugendstil mischen. Dieser Palimpsest der Geschichte macht den besonderen Reiz, aber auch die Schwierigkeit des Ortes aus. Der heutige Zustand ist geprägt von Vandalismus und natürlichem Verfall. Die Debatte um die Zukunft von Grabowsee verdeutlicht das generelle Problem im Umgang mit solchen Konversionsflächen: Die immensen Sanierungskosten stehen oft in keinem Verhältnis zur wirtschaftlichen Nutzbarkeit in ländlichen Regionen. So bleibt Grabowsee vorerst ein Ort, an dem die Geschichte des 20. Jahrhunderts in ihrer ganzen Widersprüchlichkeit physisch greifbar bleibt – vom sozialen Aufbruch der Kaiserzeit über die Kriege bis hin zur langen Phase der sowjetischen Präsenz in Ostdeutschland. https://www.facebook.com/arnepetrich/posts/pfbid037du4beewjMdW4L62hZrBqs6yaYpDizyGAdkr6dm9yY9bfKV8hvq7YAhUWK5dL4DQl