Vera Lengsfeld: „Ohne Merkel’s Politik, würde es die AfD heute nicht geben“

Vera Lengsfeld, ehemalige DDR-Bürgerrechtlerin, Trägerin des Bundesverdienstkreuzes und langjährige CDU-Bundestagsabgeordnete, bietet in ihrem Buch „Ist mir egal, wie Angela Merkel die CDU und Deutschland ruiniert hat“ eine tiefgehende Analyse der politischen Karriere und Persönlichkeit Angela Merkels. Lengsfeld beschreibt Merkels politischen Aufstieg als geprägt von Opportunismus und taktischem Geschick. Ihre Karriere begann im Herbst 1989, unmittelbar nach dem Fall der Berliner Mauer. Merkels Ziel war von Anfang an nicht der Einstieg an der Basis, sondern der schnelle Zugang zu einer Führungsposition.

Ein erster Versuch, sich der SPD anzuschließen, scheiterte, da ihr dort keine ausreichenden Möglichkeiten geboten wurden. Stattdessen fand sie beim Demokratischen Aufbruch eine Plattform, wo sie zur Pressesprecherin aufstieg. Diese Position ebnete den Weg für ihre spätere politische Karriere. Nach der Volkskammerwahl 1990 wurde sie stellvertretende Regierungssprecherin und durch Lothar de Maizière als ostdeutsche Vertreterin in Helmut Kohls Kabinett vorgeschlagen. Der Schutz und die Förderung durch Kohl waren entscheidend für ihren weiteren Aufstieg. Später nutzte sie ihre Position, um sich von Kohl und Wolfgang Schäuble zu lösen und sie politisch zu verdrängen.

Merkels Machtausübung beschreibt Lengsfeld als strategisch und rücksichtslos. Ideologische Überzeugungen spielten in ihrer Politik eine untergeordnete Rolle. Stattdessen wählte sie Positionen, die ihr den größten Vorteil verschafften. Ihre Entscheidungen waren sorgfältig geplant und wurden erst dann getroffen, wenn der Erfolg nahezu sicher war. Sie zeichnete sich durch ihre Fähigkeit aus, politische Wendepunkte wie den Sturz Kohls gezielt für sich zu nutzen, während sie ihre eigene Position stets absicherte.

Interessant ist auch Merkels Verhältnis zur CDU. Anfangs distanzierte sie sich von der Partei und äußerte sogar Ablehnung, doch später nutzte sie sie gezielt für ihren Aufstieg. Lengsfeld betont, dass Merkel die CDU pragmatisch als Kanzlerwahlpartei instrumentalisiert habe. Durch strategische Inszenierungen und den Einsatz von Regionalkonferenzen konnte sie den CDU-Vorsitz erlangen und sich als traditionelle CDU-Politikerin präsentieren.

Merkels Politikstil war geprägt von einer bewussten Inszenierung. Sie nutzte weibliche Attribute, um sich von ihren männlichen Konkurrenten abzuheben, und inszenierte sich als sachlich, kühl und analytisch. Diese Eigenschaften halfen ihr, besonders in einer Zeit, in der feministische Themen zunehmend an Bedeutung gewannen. Medien spielten eine Schlüsselrolle bei der Gestaltung ihres öffentlichen Images. Merkel agierte in einem unideologischen politischen Umfeld, das ihre frühen Regierungsjahre prägte. Später setzte sie jedoch gezielt auf grüne und sozialdemokratische Ziele, wie den Atomausstieg und die Grenzöffnung 2015. Lengsfeld vermutet, dass Merkel bereits in der DDR reformkommunistischen Kreisen nahestand, was ihre spätere Nähe zu grünen Positionen erklären könnte.

In der Coronapandemie zeigte sich laut Lengsfeld ein Hang zu autoritären Maßnahmen, der von Panik geprägt war. Merkel habe sich zunehmend als „Führerin der freien Welt“ gesehen, was jedoch häufig an mangelnder internationaler Unterstützung scheiterte. Ihre Politik habe zudem wirtschaftliche Strukturen in Deutschland geschwächt und eine Deindustrialisierung vorangetrieben. Lengsfeld kritisiert, dass Merkels Sprache zunehmend unklar wurde, was sie als bewusstes Mittel zur Verschleierung politischer Entscheidungen interpretiert.

In der Rückschau sieht Lengsfeld Merkels politische Laufbahn ambivalent. Obwohl sie es schaffte, ihre Kanzlerschaft selbstbestimmt zu beenden, hinterlässt sie eine zwiespältige Bilanz. Lengsfeld beschreibt sie als außergewöhnliche Figur der Geschichte, deren Politikstil auf taktischem Geschick und Opportunismus basierte, aber Deutschland nachhaltig verändert hat. Merkels Erbe bleibt umstritten, und ihre Rolle in der Geschichte wird auch in Zukunft intensiv diskutiert werden.

Abonnieren
Benachrichtigen bei
0 Comments
Inline-Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen

Bärbel Bohley und die Entstehung der Opposition in der DDR

Journalistischer Text - Seite (Teaser) Die Entscheidung zur Rückkehr in ein geschlossenes System Ein schmuckloses Dokument und der Wille einer einzelnen Frau standen gegen den Apparat eines ganzen Staates. Ich betrachte diesen Lebensweg und sehe, wie Bärbel Bohley im August 1988 eine Entscheidung traf, die für viele Außenstehende kaum nachvollziehbar war. Anstatt im sicheren Westen zu bleiben, kehrte sie in die DDR zurück, wohlwissend, dass dort erneute Überwachung und Gängelung auf sie warteten. Diese individuelle Haltung, im Land zu bleiben, um es zu verändern, erscheint mir als der eigentliche Kern des späteren Umbruchs. Es fällt auf, dass die Gründung des Neuen Forums im Herbst 1989 kein spontaner Akt war, sondern die Folge dieser beharrlichen Vorarbeit. Wenn ich auf den 9. November blicke, sehe ich nicht nur die jubelnde Masse an der Grenze, sondern auch die Pressekonferenz in einem Hinterhof, bei der Bohley die Legalität der Opposition verkündete. Es waren diese kleinen, fast unsichtbaren Momente der Organisation, die das Fundament für die friedliche Revolution legten.

Der Preis der Freiheit: Von der Grenze nach Bautzen II

HOOK - Profil Fluchtversuch endet im Kugenhagel Zwei Männer verlassen den Campingplatz unter dem Vorwand, Pilze zu suchen, während ihre Frauen zum Einkaufen fahren. Fünfzehn Kilometer später stehen sie im Niemandsland an der tschechischen Grenze, bevor Schüsse die Stille durchbrechen. TEASER JP (Reflektierend) Wenn die Freiheit lebensgefährlich wird Der Plan scheint perfekt durchdacht, die Route über die Grenze sorgfältig gewählt und das Werkzeug bereitgelegt. Doch im entscheidenden Augenblick im September 1983 entscheiden nicht mehr die eigenen Vorbereitungen, sondern die Reaktionen der Grenzposten über Leben und Tod. Gerhard Valdiek erlebt nach einem gescheiterten Fluchtversuch die Härte des DDR-Strafvollzugs in Bautzen II, isoliert in einer engen Zelle. Für manche, die diesen Weg wählten, wurde die Ungewissheit der Haft zur eigentlichen Prüfung, während das Warten auf einen möglichen Freikauf durch den Westen zur einzigen verbleibenden Hoffnung wurde. TEASER Coolis (Neutral) Vom Grenzstreifen in die Isolationshaft Im September 1983 versuchen zwei Männer, über die Tschechoslowakei in den Westen zu gelangen, werden jedoch im Grenzgebiet entdeckt und beschossen. Einer von ihnen ist Gerhard Valdiek, der schwer verletzt festgenommen und an die Staatssicherheit übergeben wird. Nach seiner Verurteilung wegen Republikflucht verbüßt Valdiek eine Haftstrafe im Gefängnis Bautzen II. Dort muss er unter strengen Sicherheitsvorkehrungen Zwangsarbeit im Schichtdienst leisten. Erst im Juni 1984 erfolgt im Rahmen eines Häftlingsfreikaufs durch die Bundesrepublik Deutschland seine Abschiebung in das Notaufnahmelager Gießen, woraufhin wenige Wochen später auch seine Familie ausreisen darf.

Geralf Pochop und der Punk-Widerstand in der DDR

Ein kalter Wind weht durch das Waldstück bei Halle, als Männer in Ledermänteln einen Jugendlichen aus dem Auto zerren und ihn vor die Wahl stellen: Verrat oder Untergang. Die Stille zwischen den Bäumen wirkt bedrohlicher als jedes Verhörzimmer der Staatssicherheit. Geralf Pochop erlebt in den achtziger Jahren, wie der DDR-Staat jugendliche Punks systematisch kriminalisiert, inhaftiert und schließlich zur Ausreise zwingt, nur weil sie anders aussehen wollen. Der Zeitzeuge berichtet von Willkür und Widerstand kurz vor dem Mauerfall.

Honeckers heimlicher Milliardär: Die Akte Schalck-Golodkowski

Persönlicher Teaser (Social Media / Newsletter) Gier kennt keine Farbe. Nicht einmal das Rot der DDR-Flagge. Vergessen Sie alles, was Sie über die "gute alte Planwirtschaft" zu wissen glaubten. Die Wahrheit ist dreckiger. Während Honecker winkte, schaufelte ein Mann im Hintergrund Milliarden. Alexander Schalck-Golodkowski war das Phantom der DDR – ein Genosse, der wie ein Gangsterboss agierte. Waffenhandel, Kunstraub und der Verkauf von Menschenleben gegen Devisen: Das war der wahre Motor des "Arbeiter- und Bauernstaates". Besonders bitter: Der Westen spielte mit. Franz Josef Strauß und der Milliardenkredit? Weniger Nächstenliebe, mehr knallharte Profitgier. Dieses Kapitel der Geschichte tut weh, weil es zeigt, dass Moral im Kalten Krieg oft nur eine Währung war – und zwar eine sehr weiche. Wer DDR-Nostalgie hegt, sollte diese Fakten kennen. Sie sind das Gegengift zu jeder Verklärung.
0
Deine Meinung würde uns sehr interessieren. Bitte kommentiere.x