Gedanken und Ideen zur Extremismusprävention und politischen Bildung in Deutschland

Die Deutsche Gesellschaft e. V., die Sächsische Landeszentrale für politische Bildung und die Europäische Bewegung Sachsen e. V. suchten auf dem XXVIII. Theodor-Litz-Symposium gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern aus Bildung, Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft sowie Multiplikatorinnen und Multiplikatoren der Extremismusprävention und Demokratieförderung nach Antworten auf diese Frage. Das Aufzeigen und die Differenzierung von Gefährdungen, das Ausloten von Chancen und Grenzen einer effektiven Präventionsarbeit sowie die Erörterung von Maßnahmen zur Förderung einer aktiven Mitgestaltung der Gesellschaft durch demokratische Beteiligung standen im Vordergrund des Symposiums. Neben dem Blick auf Sachsen und Deutschland sollten auch internationale Entwicklungen in die Betrachtung einbezogen werden.

Prof. Mannewitz definierte Rechtsextremismus als ein ideologisches System, das auf die Wiederherstellung einer angeblich natürlichen Ordnung der Ungleichheit abzielt, insbesondere ethnisch begründet. Dabei warnte er vor der „Begriffsfalle“, die entsteht, wenn der Begriff „rechts“ zu weit gefasst wird und somit den legitimen politischen Raum der demokratischen Rechten delegitimiert. Die Verwendung von Begriffen wie „Faschist“ oder „Nazi“ sollte mit Vorsicht erfolgen, da sie zwar Empörung auslösen, aber nicht zum Verständnis der ideologischen Merkmale und Strategien beitragen. Rechtsextremismus stellt eine erhebliche Gefahr für die innere Sicherheit und die Demokratie dar, da Extremisten versuchen, staatliche Institutionen strategisch zu unterwandern.

Die Zunahme populistischer und extrem rechter Parteien in Deutschland und weltweit stellt eine Herausforderung für die politische Bildung dar. Es wird immer schwieriger, eine klare Unterscheidung zwischen legitimer politischer Meinung und extremistischen Tendenzen zu treffen. Extremismusprävention muss die Vielfalt des Rechtsextremismus berücksichtigen, der sich in unterschiedlichen ideologischen Ausrichtungen, Organisationsstrukturen und Strategien manifestiert. Eine der größten Herausforderungen für Präventionsarbeit besteht darin, diese Vielfalt nicht zu generalisieren. Jede Form des Extremismus erfordert eine differenzierte Herangehensweise.

Ein weiteres Problem in der Extremismusprävention ist die ungleiche Verteilung von Ressourcen und Programmen. Während der Osten Deutschlands in diesem Bereich gut aufgestellt ist, fehlen im Westen viele Angebote zur Bekämpfung des Rechtsextremismus. Zudem hat die Pandemie die gesellschaftliche Spaltung verstärkt und zu einem Anstieg von Verschwörungserzählungen und extremistischer Rhetorik geführt, was die Arbeit in der Prävention erschwert hat. Fake News und Hate Speech sind gefährliche Werkzeuge, die das Vertrauen in die Demokratie untergraben und den Boden für extremistische Ideologien bereiten. Die Verbreitung dieser Phänomene muss in der Extremismusprävention stärker berücksichtigt werden. Viele Menschen fühlen sich von der politischen und gesellschaftlichen Entwicklung abgehängt. Diese soziale Ungerechtigkeit macht sie anfälliger für populistische und extremistische Versprechungen.

Dr. Lang wies darauf hin, dass Linksextremismus in der politischen Präventionsarbeit oft zu kurz kommt. Linksextremisten lehnen den freiheitlichen, demokratischen Verfassungsstaat ab, weil sie ihn mit Kapitalismus und Imperialismus verbinden. Diese Ideologie ist jedoch genauso gefährlich wie der Rechtsextremismus, insbesondere durch die zunehmende Gewaltbereitschaft im autonomen Spektrum. Eine weitere Herausforderung im Bereich Linksextremismus ist die zunehmende Verwendung von Feindbildern durch Organisationen wie die „Antifa“. Diese tragen zur Stigmatisierung politischer Gegner bei und erschweren den Dialog.

Politische Bildung spielt eine Schlüsselrolle in der Extremismusprävention, aber sie ist kein Allheilmittel. Sie muss offen und ehrlich gesellschaftliche Probleme ansprechen und darf nicht einfach in Kategorien wie „demokratisch“ und „extremistisch“ einteilen. Es ist wichtig, dass die politische Bildung eine klare Haltung für Demokratie und Grundwerte vertritt. Empathie, soziale Kompetenzen und Medienkompetenz sind essenziell, um Extremismus vorzubeugen. Diese Fähigkeiten sollten in der politischen Bildung stärker gefördert werden, um den Bürgern eine differenzierte Sichtweise zu ermöglichen. Gedenkstätten spielen eine zentrale Rolle, indem sie die Folgen von Diktaturen und Unterdrückung aufzeigen. Zudem haben Zeitzeugenberichte nach wie vor einen hohen Stellenwert in der politischen Bildung, da sie eine direkte, emotionale Verbindung zu den historischen Ereignissen ermöglichen.

Politische Akteure müssen verantwortungsvolle, vorausschauende Politik betreiben, die Krisen abwendet und die Gesellschaft einen kann. Sie müssen sich für soziale Gerechtigkeit einsetzen, um den Nährboden für Extremismus zu entziehen. Ein zentraler Aspekt der Prävention ist die Förderung der Bürgerbeteiligung. Durch stärkere direkte Demokratie, wie Volksabstimmungen, und die Stärkung der Kommunen wird das Vertrauen der Bevölkerung in die politischen Institutionen gestärkt. Dies ist eine notwendige Voraussetzung für eine stabile Demokratie. Um die Menschen zu erreichen und die Demokratie zu stärken, müssen die politischen Parteien ihre Strategien und Ansätze an die veränderten gesellschaftlichen Bedingungen anpassen. Besonders die Nutzung von Social Media ist heute unverzichtbar.

Extremismusprävention ist keine Aufgabe für Einzelakteure. Es erfordert einen ganzheitlichen Ansatz, der alle gesellschaftlichen Bereiche berücksichtigt. Politische Bildung, soziale Arbeit, die Förderung von Demokratie und die Bekämpfung sozialer Ungleichheit müssen Hand in Hand gehen, um den Extremismus zu bekämpfen. Ein zentraler Bestandteil der Prävention ist die Förderung des Dialogs zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen. Nur wenn Menschen sich gegenseitig verstehen und respektieren, kann eine Gesellschaft demokratisch und stabil bleiben. Das Theodor-Litz-Symposium hat wertvolle Impulse für die zukünftige Extremismusprävention gegeben und dazu beigetragen, die Bedeutung der politischen Bildung zu unterstreichen. Es bleibt abzuwarten, wie die vorgestellten Konzepte in der Praxis umgesetzt werden und welche weiteren Maßnahmen erforderlich sind, um eine resiliente Demokratie zu fördern.

Das Symposium regte zum Nachdenken an und lieferte wertvolle Ansätze für die weitere Arbeit im Bereich der Extremismusprävention und der politischen Bildung in Deutschland. Die wichtigsten Erkenntnisse des Symposiums verdeutlichten, dass Extremismusprävention eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist, die alle Bereiche des Lebens betrifft, und dass politische Bildung sich den veränderten gesellschaftlichen Bedingungen anpassen muss, um die Menschen zu erreichen. Der Dialog und die Beteiligung der Bürger sind entscheidend für die Stärkung der Demokratie. Die Bekämpfung von sozialer Ungleichheit ist eine wichtige Voraussetzung für die Prävention von Extremismus.

Der Einsatz sowjetischer Schneefräsen im DDR-Winterdienst 1978/79

FACEBOOK-TEASER A) PROFIL: Hook: Der plötzliche Temperatursturz am 28. Dezember 1978 veränderte den Alltag in der DDR innerhalb weniger Stunden grundlegend. Teaser: Wenn über den Katastrophenwinter gesprochen wird, stehen oft die Bilder der eingeschneiten Dörfer und der isolierten Insel Rügen im Vordergrund. Doch die Wiederherstellung der Infrastruktur war ein logistischer Kraftakt, der weitgehend von einer spezifischen Maschine abhing. Die sowjetische Schneefräse auf Basis des ZIL-LKWs war kein komfortables Arbeitsgerät. Mit einem Motor, der 150 PS leistete und eng mit militärischen Aggregaten verwandt war, fraß sie sich durch Schneewände, die bis zu drei Meter hoch waren. Für die Männer, die diese Maschinen bedienten, bedeutete der Einsatz im Norden der Republik eine extreme physische Belastung. Fahrer wie Heinz Mittelbach aus dem Erzgebirge wurden quer durch das Land beordert, um die Verkehrswege an der Küste freizulegen. In Schichten von bis zu 14 Stunden arbeiteten sie sich Meter für Meter voran. Dabei entwickelten sie eigene Fahrtechniken, um die massiven Verwehungen überhaupt bewältigen zu können. Es war ein Kampf gegen die Elemente, geführt mit einer Technik, die auf reine Robustheit ausgelegt war und keine Fehler verzieh. Die damaligen Strukturen ermöglichten eine schnelle, zentrale Umverteilung von Ressourcen von Süd nach Nord, doch die Naturgewalten zeigten auch die Grenzen dieses Systems auf. Die ZIL-Fräsen blieben noch lange nach diesem Winter ein vertrautes Bild auf den Straßen und sind teilweise bis in die jüngste Vergangenheit im Einsatz geblieben. Ihre Geschichte erzählt viel über den Umgang mit Ressourcen und die Prioritätensetzung in der DDR-Infrastrukturplanung. Es bleibt das Bild einer Landschaft, die langsam ihre Konturen zurückgewinnt. B) SEITE 1 und 2 (Kontext): Hook: Die gesetzlichen Grundlagen für den Winterdienst in der DDR unterschieden sich signifikant von den heutigen Regelungen. Teaser: Während heute oft von der Räumung nach „besten Kräften“ die Rede ist, existierte in der DDR eine Winterordnung, die den staatlichen Organen enge zeitliche Vorgaben setzte. Theoretisch bestand der Anspruch, dass Hauptverkehrswege innerhalb von zwei Stunden nach Schneefallbeginn beräumt sein mussten. Dies entsprach einem Rechtsanspruch des Bürgers gegenüber dem Staat, der eine hohe Erwartungshaltung an die Verfügbarkeit der Infrastruktur knüpfte. Im Katastrophenwinter 1978/79 traf dieser Anspruch auf eine Wetterlage, die jede Planung obsolet machte. Der Einsatz der schweren sowjetischen ZIL-Fräsen, die bis zu 1000 Tonnen Schnee pro Stunde bewegen konnten, war die materielle Antwort auf diese Herausforderung. Die Langlebigkeit dieser Technik, die teilweise über 40 Jahre im Dienst blieb, ist dabei ein technikhistorisches Detail, das die Pragmatik des ostdeutschen Winterdienstes unterstreicht. Die Straßen waren irgendwann wieder frei.