Fragestunde im Stadtrat Dresden zur Carolabrücke

Im Rahmen der Fragestunde wollte Thomas Ladzinksi (AfD-Fraktion) zum Kenntnisstand der Stadtverwaltung über ein Gutachten und, ob aufgrund des Gutachtens eine neue Untersuchung in Auftrag gegeben wurde.

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
ich möchte heute auf ein Thema zurückkommen, das für die Stadt Dresden von besonderer Relevanz ist: die fortschreitenden Schäden an der Carolabrücke, die durch chloridinduzierte Korrosion entstanden sind. In einem Artikel der Bild-Zeitung vom 22. Oktober 2024 wurde auf ein Gutachten vom 15. April dieses Jahres verwiesen, das der Stadtverwaltung vorgelegt wurde. Dieses Gutachten befasst sich mit den Schäden am Bauwerk, die durch eine erhöhte Chloridbelastung verursacht wurden. Die Chloridwerte überschritten dabei die Grenzwerte um das bis zu Zehnfache. Der Bericht stuft die fortgeschrittene Korrosion des Bauwerks, insbesondere des Bewehrungsstahls, als äußerst kritisch ein und stellt fest, dass bereits ein Querschnittsverlust der Bewehrung stattgefunden hat.

In den Sitzungen des Bauausschusses wurde bereits vor der Veröffentlichung dieses Gutachtens seitens der Verwaltung regelmäßig kommuniziert, dass die Kappenerweiterung mit dem Material Carbonbeton notwendig sei, um die Lastneutralität der Brücke zu gewährleisten. Dies wurde damit begründet, dass die statische Auslastung des Brückenbauwerks bereits bei 100 % liege. Diese Aussage wurde jedoch vor der Vorlage des Gutachtens zum Korrosionszustand des Bewehrungsstahls getätigt.

Vor diesem Hintergrund möchte ich folgende Fragen an Sie richten:
– Woraus ergab sich die Erkenntnis, dass die Brücke in ihrem Bestand bereits zu 100 % ausgelastet war?
– Lagen der Stadt Dresden bereits vor dem 15. April Erkenntnisse vor, dass der Bewehrungsstahl der Brücke geschädigt war?
– Welche Maßnahmen hat die Stadt Dresden infolge dieses Gutachtens ergriffen, um eine dauerhafte Überlastung der Brücke zu vermeiden?

Herr Kühn wird nun im Folgenden auf die Fragen eingehen.

Antwort der Stadtverwaltung:

Sehr geehrter Herr Lzinski,
wie bereits in den Sitzungen des Bauausschusses dargelegt, befindet sich die Carolabrücke seit Jahrzehnten in permanenter Begutachtung und Bewertung. Die durchgeführten Hauptprüfungen, Sonderprüfungen und Besichtigungen werden kontinuierlich ausgewertet, und notwendige Maßnahmen werden entsprechend umgesetzt.

Die Untersuchungen zur Chloridbelastung des Bauwerks erstrecken sich über mehrere Jahre. Eine Vielzahl von Gutachten wurde von der Stadtverwaltung in Auftrag gegeben. Das von Ihnen angesprochene Gutachten vom 15. April dieses Jahres war eines von mehreren Berichten, die im Vorfeld der Instandsetzungsmaßnahmen für den Brückenzug C erstellt wurden. Die Chloridbelastung des Bauwerks war bereits vor dem Jahr 2024 bekannt. Schon im Jahr 2000 wurden Maßnahmen ergriffen, um den Chloridgehalt zu reduzieren. Professor Marx hat im Bauausschuss deutlich gemacht, dass der für die Tragfähigkeit der Brücke verantwortliche Spannstahl nach den damaligen Erkenntnissen nicht von den Chloriden betroffen war. Um sicherzustellen, dass dies auch in Zukunft der Fall bleibt, wurde die Brückenabdichtung erneuert.

Die betroffene Korrosion im Brückenzug C betrifft vor allem die schlaffe Bewehrung im Hohlkasteninneren. Diese Bewehrung hat jedoch keinen Einfluss auf die Tragfähigkeit des Bauwerks. Die statische Auslastung der Brücke beträgt 100 %, was bei modernen Konstruktionen das normale Bemessungsziel darstellt. Alle Tragfähigkeitsnachweise wurden erfüllt.

Wie bereits bekannt gegeben, haben wir ein unabhängiges Gutachten unter der Leitung von Professor Marx in Auftrag gegeben, um die Situation erneut zu bewerten. Die Zwischenergebnisse dieses Gutachtens werden am 11. September präsentiert. Wir haben zudem Professor Marx gebeten, die jüngsten Berichterstattungen im Rahmen dieser unabhängigen Untersuchung einzuordnen. Eine schriftliche Erläuterung wird ebenfalls folgen.

Nachfrage von Herrn Lzinski:
Vielen Dank für Ihre Antwort. Ich möchte jedoch auf eine weitere Frage eingehen, die sich aus den bisherigen Informationen ergibt. In Ihrer Antwort auf eine frühere Anfrage hatten Sie erwähnt, dass die letzte Berechnung des Ankündigungsverhaltens aus dem Jahr 2002 stammt. Die Richtlinien für Spannbetonbrücken besagen jedoch, dass ein Ersatzneubau erfolgen muss, wenn kein ausreichendes Ankündigungsverhalten nachweisbar ist. Im Zusammenhang mit dem aktuellen Gutachten, das eine erhebliche Schädigung der schlaffen Bewehrung dokumentiert, stellt sich mir die Frage: Wurde nach Feststellung des Querschnittsverlusts der schlaffen Bewehrung eine erneute Berechnung des Ankündigungsverhaltens durchgeführt?

Antwort der Stadtverwaltung:
Herr Lzinski, wie bereits erwähnt, hat die schlaffe Bewehrung keinen Einfluss auf die Tragfähigkeit des Brückenzugs C. Die Frage des Ankündigungsverhaltens bezieht sich auf den Spannstahl, der nach den bisherigen Erkenntnissen nicht von der Chloridbelastung betroffen war. Die schlaffe Bewehrung, die im Gutachten vom 15. April untersucht wurde, hat lediglich eine untergeordnete Funktion für die Gesamtkonstruktion.

Was die Berechnung des Ankündigungsverhaltens betrifft, so haben wir in den 19 Anfragen, die Sie gestellt hatten, bereits entsprechende Antworten gegeben. Eine erneute Berechnung des Ankündigungsverhaltens wurde nicht veranlasst, da die bisherigen Berechnungen keinen Anlass zur Sorge gaben. Die Sanierung der Brücke, die zum Jahresende beginnen soll, wird alle erforderlichen Maßnahmen umfassen, um die Schäden zu beseitigen.

Nachfrage von Herrn Lzinski:
Vielen Dank für Ihre Klarstellung. Ich möchte dennoch darauf hinweisen, dass die Berechnungen aus dem Jahr 2002 stammen und sich seitdem die Situation erheblich verändert hat. Ich hoffe, dass die Stadtverwaltung die Notwendigkeit einer erneuten Berechnung des Ankündigungsverhaltens prüft, um mögliche Risiken auszuschließen.

Schlussbemerkung der Stadtverwaltung:
Wir werden Ihre Anmerkungen berücksichtigen und die Situation im Rahmen des geplanten Sanierungsprozesses weiter beobachten. Die nächste Sitzung des Bauausschusses, in der wir die aktuellen Ergebnisse präsentieren werden, findet am 6. November statt. Wir freuen uns auf eine weiterhin konstruktive Zusammenarbeit.

Vielen Dank.

Grabowsee: Vom Tuberkulose-Sanatorium zum sowjetischen Militärlazarett

Die Heilstätte Grabowsee als Spiegel der Systembrüche des 20. Jahrhunderts HOOK: Über 47 Jahre lang war die Heilstätte Grabowsee ein hermetisch abgeriegeltes Areal. Die Geschichte des Ortes erzählt exemplarisch von der Transformation medizinischer Einrichtungen durch politische Systeme und dem schwierigen Erbe der Besatzungszeit. BLOG-TEXT: Die architektonische Anlage am Grabowsee bei Oranienburg gilt als ein bedeutendes Zeugnis der Medizingeschichte. Gegründet 1896 vom Deutschen Roten Kreuz, war sie eine Antwort auf die Tuberkulose-Epidemie der Industrialisierung. Die Pavillonbauweise ermöglichte eine strikte Trennung der Patienten und maximale Frischluftzufuhr. Doch die ursprüngliche humanitäre Ausrichtung der Volksheilstätte wurde im Laufe des 20. Jahrhunderts mehrfach überschrieben. Nach der Nutzung als Wehrmachtslazarett übernahmen 1945 die sowjetischen Streitkräfte das Gelände. Diese Zäsur prägte den Ort nachhaltiger als jede vorangegangene Epoche. Bis zum Truppenabzug 1992 blieb Grabowsee eine sowjetische Insel inmitten der DDR. Die strengen Sicherheitsvorkehrungen und die absolute Isolation schufen eine Distanz zwischen den Besatzern und der lokalen Bevölkerung, die symptomatisch für viele sowjetische Liegenschaften in Ostdeutschland war. Während im Inneren ein russischsprachiger Alltag mit eigener Versorgung und Kultur stattfand, blieben die Vorgänge für Außenstehende undurchsichtig. Deutsche Angestellte, die als Hilfskräfte tätig waren, berichteten von einer strengen Hierarchie und einem strikten Redeverbot über interne Abläufe. Nach 1992 hinterließen die abziehenden Truppen nicht nur leerstehende Gebäude, sondern auch kulturelle Spuren wie Wandmalereien und Propaganda, die sich heute mit dem verfallenden Jugendstil mischen. Dieser Palimpsest der Geschichte macht den besonderen Reiz, aber auch die Schwierigkeit des Ortes aus. Der heutige Zustand ist geprägt von Vandalismus und natürlichem Verfall. Die Debatte um die Zukunft von Grabowsee verdeutlicht das generelle Problem im Umgang mit solchen Konversionsflächen: Die immensen Sanierungskosten stehen oft in keinem Verhältnis zur wirtschaftlichen Nutzbarkeit in ländlichen Regionen. So bleibt Grabowsee vorerst ein Ort, an dem die Geschichte des 20. Jahrhunderts in ihrer ganzen Widersprüchlichkeit physisch greifbar bleibt – vom sozialen Aufbruch der Kaiserzeit über die Kriege bis hin zur langen Phase der sowjetischen Präsenz in Ostdeutschland. https://www.facebook.com/arnepetrich/posts/pfbid037du4beewjMdW4L62hZrBqs6yaYpDizyGAdkr6dm9yY9bfKV8hvq7YAhUWK5dL4DQl