Bundestag: Grundfreibetrag und Kinderfreibetrag steigen 2024

Im Jahr 2024 soll der Grundfreibetrag in der Einkommensteuer rückwirkend um 180 Euro auf 11.784 Euro und der Kinderfreibetrag um 228 Euro auf 6.612 Euro steigen. Dies geht aus einem Gesetzentwurf hervor, den der Finanzausschuss der Bundesregierung gebilligt hat. Die SPD-Fraktion betonte, dass dies aus verfassungsrechtlichen Gründen erforderlich sei. Die CDU/CSU-Fraktion stimmte dem zwar zu, kritisierte jedoch den späten Zeitpunkt der Umsetzung, der für Unternehmen eine bürokratische Herausforderung darstelle. Die Grünen hingegen lobten die rechtzeitige Verabschiedung des Entwurfs.

Die FDP stellte klar, dass Tarifeckwerte in der Einkommensteuer weiterhin angepasst werden sollen, solange sie in der Regierung sind. Das sogenannte Steuerfortentwicklungsgesetz war jedoch nicht Teil der Sitzung an diesem Tag. Die AfD plädierte für eine Dynamisierung des Steuertarifs, um der sogenannten „Kalten Progression“ entgegenzuwirken, während die Linke argumentierte, dass das Existenzminimum zu niedrig angesetzt sei.

Letztlich stimmten die Fraktionen von SPD, CDU/CSU, Grünen, FDP und die Linke dem Gesetzentwurf zu, während sich die AfD der Stimme enthielt. Dieser Entwurf, der im Bundestag diskutiert wird, soll dazu beitragen, die finanziellen Belastungen für Bürger und Familien zu verringern. Während der Grundfreibetrag sicherstellt, dass ein Mindestbetrag des Einkommens steuerfrei bleibt, stellt die Anhebung des Kinderfreibetrags sicher, dass Eltern entlastet werden und ihre Kinder finanziell besser abgesichert sind.

Für viele Steuerzahler in Deutschland ist diese Anpassung entscheidend, um mit den steigenden Lebenshaltungskosten Schritt zu halten. Sie sorgt dafür, dass mehr Geld netto vom Einkommen bleibt, und stärkt gleichzeitig den sozialen Ausgleich. Vor allem Familien profitieren davon, da der erhöhte Kinderfreibetrag die steuerliche Belastung pro Kind reduziert.

Die AfD, die sich bei der Abstimmung enthalten hatte, fordert eine umfassendere Reform. Sie plädiert für einen „Steuertarif auf Rädern“, der sich dynamisch an die Inflation anpasst, um die negativen Effekte der kalten Progression auszugleichen. Diese tritt auf, wenn Lohnerhöhungen durch höhere Steuersätze wieder aufgezehrt werden, sodass am Ende nicht mehr Kaufkraft übrig bleibt.

Die Fraktion Die Linke wiederum sieht die bestehenden Freibeträge als nicht ausreichend an, um das Existenzminimum abzudecken. Sie fordert, dass der Grundfreibetrag stärker angehoben wird, um den realen Lebenshaltungskosten besser gerecht zu werden. In ihren Augen bleibt das Existenzminimum derzeit zu niedrig angesetzt und viele Menschen werden dadurch unnötig in finanzielle Schwierigkeiten gebracht.

Insgesamt zeigt die Debatte über die steuerlichen Freibeträge, dass es weiterhin unterschiedliche Ansichten darüber gibt, wie die Steuergesetzgebung gestaltet werden sollte, um soziale Gerechtigkeit zu fördern und gleichzeitig die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu berücksichtigen. Während die Koalitionsparteien sich auf die moderate Erhöhung der Freibeträge einigen konnten, bleiben Forderungen nach umfassenderen Reformen und Anpassungen in der Steuerpolitik ein fortlaufendes Thema in der politischen Diskussion.

Grabowsee: Vom Tuberkulose-Sanatorium zum sowjetischen Militärlazarett

Die Heilstätte Grabowsee als Spiegel der Systembrüche des 20. Jahrhunderts HOOK: Über 47 Jahre lang war die Heilstätte Grabowsee ein hermetisch abgeriegeltes Areal. Die Geschichte des Ortes erzählt exemplarisch von der Transformation medizinischer Einrichtungen durch politische Systeme und dem schwierigen Erbe der Besatzungszeit. BLOG-TEXT: Die architektonische Anlage am Grabowsee bei Oranienburg gilt als ein bedeutendes Zeugnis der Medizingeschichte. Gegründet 1896 vom Deutschen Roten Kreuz, war sie eine Antwort auf die Tuberkulose-Epidemie der Industrialisierung. Die Pavillonbauweise ermöglichte eine strikte Trennung der Patienten und maximale Frischluftzufuhr. Doch die ursprüngliche humanitäre Ausrichtung der Volksheilstätte wurde im Laufe des 20. Jahrhunderts mehrfach überschrieben. Nach der Nutzung als Wehrmachtslazarett übernahmen 1945 die sowjetischen Streitkräfte das Gelände. Diese Zäsur prägte den Ort nachhaltiger als jede vorangegangene Epoche. Bis zum Truppenabzug 1992 blieb Grabowsee eine sowjetische Insel inmitten der DDR. Die strengen Sicherheitsvorkehrungen und die absolute Isolation schufen eine Distanz zwischen den Besatzern und der lokalen Bevölkerung, die symptomatisch für viele sowjetische Liegenschaften in Ostdeutschland war. Während im Inneren ein russischsprachiger Alltag mit eigener Versorgung und Kultur stattfand, blieben die Vorgänge für Außenstehende undurchsichtig. Deutsche Angestellte, die als Hilfskräfte tätig waren, berichteten von einer strengen Hierarchie und einem strikten Redeverbot über interne Abläufe. Nach 1992 hinterließen die abziehenden Truppen nicht nur leerstehende Gebäude, sondern auch kulturelle Spuren wie Wandmalereien und Propaganda, die sich heute mit dem verfallenden Jugendstil mischen. Dieser Palimpsest der Geschichte macht den besonderen Reiz, aber auch die Schwierigkeit des Ortes aus. Der heutige Zustand ist geprägt von Vandalismus und natürlichem Verfall. Die Debatte um die Zukunft von Grabowsee verdeutlicht das generelle Problem im Umgang mit solchen Konversionsflächen: Die immensen Sanierungskosten stehen oft in keinem Verhältnis zur wirtschaftlichen Nutzbarkeit in ländlichen Regionen. So bleibt Grabowsee vorerst ein Ort, an dem die Geschichte des 20. Jahrhunderts in ihrer ganzen Widersprüchlichkeit physisch greifbar bleibt – vom sozialen Aufbruch der Kaiserzeit über die Kriege bis hin zur langen Phase der sowjetischen Präsenz in Ostdeutschland. https://www.facebook.com/arnepetrich/posts/pfbid037du4beewjMdW4L62hZrBqs6yaYpDizyGAdkr6dm9yY9bfKV8hvq7YAhUWK5dL4DQl