Wir spielen in Sosa im Wald jeden Samstag Fußball!

Viereckig kann jeder! Original spielt man Fußball nur mit sechs Ecken auf einer hügeligen Wiese im Wald. Das Fußballherz schlägt im tiefsten Erzgebirge, und zwar in Sosa auf dem Braaten Wag. Dort spielt man jeden Samstag 14 Uhr Fußball wie er war und sein sollte: ehrlich, ruppig und natürlich sechseckig.

Text:

Sunnobnd im Zwee giehts naus n Braaten Waag
do spielen mir Fußball wenn mer’s su nenne kaa
ob’s stürmt, ob’s schneit, ob’s reegnt,
mir pfeifen aaa

Unner Platz hot 6 Ecken un a e wengl Hang,
dos muss mer raus ham dr Ball springt annersch auf
Wenn de denkst dostes brengst, kumm raus
mir zähln diech aus

Mir sei gute Gunge – mir spielen im Wald!

Dos is ze weenig! Do muss dr Körper nei!
Spiel ner noch außen weg, eh de ne verlierst
Hand is Hand
Mir brauch net diskutieren

Do kimmt dr Fab un dr Hip und Hob
und von Nob dr Klaane, dr Alex
ah dr Bronx kriecht sei Chance
un dr Rein keppt enn neifer uns giehts um alles

Mir sei gute Gunge – mir spielen im Wald!

Isses manchmol ah weng ruppig
sei mir nort ah wieder gut, mr redt mol drieber un dann werd sot gelacht

Wu de auf Wurzeln stisst, wenn de ne Ecke tritts
gegn e Baumstamm schießt, der dort als Bande liecht
Wu unner Bauwogn stieht, un jeder jeden grießt is schie

Do is schie!
Sunnobend im Zwee uhme Braaten Weg!

Mir sei gute Gunge – mir spielen im Wald!

Der Riss durch die Erinnerung: Wenn Ostalgie auf Trauma trifft

Als ich in einem Beitrag auf die dunkle Seite der DDR-Erziehung hinwies und die Willkür der Einweisungen in Jugendwerkhöfe thematisierte – oft wegen Nichtigkeiten wie Westkleidung oder politischem Widerspruch –, brach ein Sturm der Entrüstung los. Hunderte Kommentare unter meinem Post offenbarten einen tiefen Riss in der deutschen Erinnerungskultur, der auch 30 Jahre nach der Wende nicht verheilt ist. Die Debatte zeigte mir erschreckend deutlich: Für viele ehemalige DDR-Bürger ist Kritik am System noch immer ein persönlicher Angriff. Mit dem Argument der eigenen, unbeschadeten Biografie ("Mir hat es nicht geschadet") wird das Leid Tausender weggewischt. Opfer, die von Drill und Gewalt berichten, werden als Lügner diffamiert oder gar selbst für ihr Schicksal verantwortlich gemacht. Doch am verstörendsten ist für mich der Blick nach vorn: Inmitten der Leugnung wächst die laute Sehnsucht nach autoritärer Härte und der Wiedereinführung von Umerziehungsmaßnahmen. Dies ist eine Analyse über verdrängte Traumata, aggressive Ostalgie und die Unfähigkeit zum Dialog.