Eventkonzert auf dem Erfurter Theaterplatz

DINNER IN GOLD

Erfurt. Im Rahmen der Europa- und Aktionswochen „Gold statt Braun“ veranstaltet das Theater Erfurt ein großes Picknick (à la „dîner en blanc“) mit Live-Musik auf dem Theaterplatz. Am 8. Mai um 16 Uhr präsentieren Musiker:innen und Sänger:innen des Theaters Erfurt ein kunterbuntes Programm, das die europäische Kultur in all ihrer Vielfalt widerspiegelt: Gerade im Theater sind diese Werte entscheidend, um gemeinsam Kunst und Kultur zu gestalten. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Theaters Erfurt sehen das Unbekannte und Fremde nicht als Bedrohung, sondern als Chance, sich weiterzuentwickeln und neue Perspektiven zu entdecken.

Von Bachs GOLDberg-Variationen für Trio basso über spanische und französische Arien, Musik des argentinischen Komponisten Mauricio Kagel bis hin zu Tango-Habanera von Kurt Weill und einem österreichischem Kunstlied von Franz Schubert ist alles dabei. Musikalisch begleitet wird das Eventkonzert vom Bergstrom-Kollektiv, Mitgliedern der Orchesterakademie des Philharmonischen Orchesters Erfurt, der Sopranistin Candela Gotelli und dem Tenor Tristan Blanchet.

Anlässlich des 79. Jahrestages der Befreiung vom Nationalsozialismus und des Endes des Zweiten Weltkrieges in Europa findet auf dem Theaterplatz das Eventkonzert mit dem DINNER IN GOLD statt.

Das Theater Erfurt stellt einige goldene Tische, Bänke und Stühle zur Verfügung! Weitere Sitzgelegenheiten können gerne mitgebracht werden. Um gemeinsam ein Zeichen zu setzen, sind alle Picknick-Teilnehmer eingeladen, in goldener Kleidung oder mit goldenen Accessoires und goldenen Rettungsdecken zu kommen und Leckereien zum gemeinsamen Essen mitzubringen.

Bild von Hans auf Pixabay.

Grabowsee: Vom Tuberkulose-Sanatorium zum sowjetischen Militärlazarett

Die Heilstätte Grabowsee als Spiegel der Systembrüche des 20. Jahrhunderts HOOK: Über 47 Jahre lang war die Heilstätte Grabowsee ein hermetisch abgeriegeltes Areal. Die Geschichte des Ortes erzählt exemplarisch von der Transformation medizinischer Einrichtungen durch politische Systeme und dem schwierigen Erbe der Besatzungszeit. BLOG-TEXT: Die architektonische Anlage am Grabowsee bei Oranienburg gilt als ein bedeutendes Zeugnis der Medizingeschichte. Gegründet 1896 vom Deutschen Roten Kreuz, war sie eine Antwort auf die Tuberkulose-Epidemie der Industrialisierung. Die Pavillonbauweise ermöglichte eine strikte Trennung der Patienten und maximale Frischluftzufuhr. Doch die ursprüngliche humanitäre Ausrichtung der Volksheilstätte wurde im Laufe des 20. Jahrhunderts mehrfach überschrieben. Nach der Nutzung als Wehrmachtslazarett übernahmen 1945 die sowjetischen Streitkräfte das Gelände. Diese Zäsur prägte den Ort nachhaltiger als jede vorangegangene Epoche. Bis zum Truppenabzug 1992 blieb Grabowsee eine sowjetische Insel inmitten der DDR. Die strengen Sicherheitsvorkehrungen und die absolute Isolation schufen eine Distanz zwischen den Besatzern und der lokalen Bevölkerung, die symptomatisch für viele sowjetische Liegenschaften in Ostdeutschland war. Während im Inneren ein russischsprachiger Alltag mit eigener Versorgung und Kultur stattfand, blieben die Vorgänge für Außenstehende undurchsichtig. Deutsche Angestellte, die als Hilfskräfte tätig waren, berichteten von einer strengen Hierarchie und einem strikten Redeverbot über interne Abläufe. Nach 1992 hinterließen die abziehenden Truppen nicht nur leerstehende Gebäude, sondern auch kulturelle Spuren wie Wandmalereien und Propaganda, die sich heute mit dem verfallenden Jugendstil mischen. Dieser Palimpsest der Geschichte macht den besonderen Reiz, aber auch die Schwierigkeit des Ortes aus. Der heutige Zustand ist geprägt von Vandalismus und natürlichem Verfall. Die Debatte um die Zukunft von Grabowsee verdeutlicht das generelle Problem im Umgang mit solchen Konversionsflächen: Die immensen Sanierungskosten stehen oft in keinem Verhältnis zur wirtschaftlichen Nutzbarkeit in ländlichen Regionen. So bleibt Grabowsee vorerst ein Ort, an dem die Geschichte des 20. Jahrhunderts in ihrer ganzen Widersprüchlichkeit physisch greifbar bleibt – vom sozialen Aufbruch der Kaiserzeit über die Kriege bis hin zur langen Phase der sowjetischen Präsenz in Ostdeutschland. https://www.facebook.com/arnepetrich/posts/pfbid037du4beewjMdW4L62hZrBqs6yaYpDizyGAdkr6dm9yY9bfKV8hvq7YAhUWK5dL4DQl