Leipzigs Wirtschaftsjahr 2023: Stabiles Wachstum, Gewerbesteuer-Rekord und Re-Investition

Trotz Krisen und Unsicherheiten auf den Weltmärkten liegt hinter Leipzig ein gutes, wachstumsgeprägtes Wirtschaftsjahr 2023.

Resümiert wird es im neuen Wirtschaftsbericht der Stadt Leipzig, der künftig digital auf www.leipzig.de/wirtschaftsbericht veröffentlicht wird. Alle Informationen stehen dort erstmals in sechs Fremdsprachen bereit: Englisch, Spanisch, Französisch, Russisch, Ukrainisch und Polnisch.

Clemens Schülke, Bürgermeister und Beigeordneter für Wirtschaft, Arbeit und Digitales: „Die Stimmung in der Wirtschaft war verhalten, geprägt von unterbrochenen Lieferketten, steigenden Zinsen, galoppierenden Bau- und Energiepreisen. Insofern war das Ergebnis von 2023 genauso wenig vorhersehbar, wie der diesjährige Meister der Bundesliga: Die Leipziger Wirtschaft ist erneut gewachsen, allem voran im Automotive Sektor, aber auch in einer neuen Branche: Kosmetik.“

Gewerbesteuer
Leipzigs Gewerbesteuereinnahmen erreichten in 2023 mit 608 Millionen Euro einen Höchststand – gegenüber 412,3 Millionen Euro in 2022.

Schülke: „Von unseren Wirtschaftsclustern treibt besonders die Automobilwirtschaft das außergewöhnliche Gewerbesteueraufkommen. Wir freuen uns darüber, wissen aber auch, dass es kein Selbstläufer ist.“

Beschäftigung
Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten wuchs binnen Jahresfrist um 3.461 auf 294.324 Menschen (Berichtsstand: 30.9.2023).

25 Millionen Euro Re-Invest
Der Stadtrat hatte beantragt, einen Teil der ungeplanten Mehreinnahmen aus der Gewerbesteuer 2023 in die Wirtschaft zu reinvestieren und zwar 25 Millionen Euro. Dem Vorhaben stimmte der Stadtrat in der Ratsversammlung am 24. April 2024 zu.

Schülke: „Unsere Aufgabe ist es, Innovation und nachhaltiges Wachstum weiter zu fördern und die Leipziger Wirtschaft auf breite Füße zu stellen, insbesondere im Mittelstand. Das hat auch der Stadtrat erkannt und in großer Geschlossenheit dafür votiert, 25 Millionen Euro aus ungeplanten Gewerbesteuermehreinnahmen in den Wirtschaftsstandort Leipzig zu investieren. Dabei sind wir als Wirtschaftsdezernat aufgefordert, dem Rat Vorschläge zu unterbreiten, die mehrere Bereiche adressieren: Ökonomie, Ökologie und Soziales.“

Ausgewählte kommunale Förderungen
Schülke: „Der Leipziger Mittelstand ist die stabile Säule unserer Wirtschaft. Deswegen fördern wir hier gern.“

Über das Mittelstandsförderprogramm unterstützte die Stadt Leipzig 2023 kleine und mittelständige Unternehmen mit insgesamt 1,1 Millionen Euro. Für 2024 stehen 900.000 Euro zur Verfügung.

Der Cityfonds (Budget 350.000 Euro) aus dem Programm „Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren“ unterstützt Pop-Up-Stores und Veranstaltungen zur Innenstadt-Belebung. Die gleiche Summe ist auch 2024 vorgesehen.

Um dem Mittelstand Zugang zum Know-how der HHL zu ermöglichen, Absolventen an Leipzig zu binden und Gründungen aus der HHL besser in Leipzig zu verankern, förderte die Stadt die HHL 2023 mit 450.000 Euro.

Höhepunkte aus den Leipziger Wirtschafts-Clustern
Leipzig setzt seit vielen Jahren auf eine ausgewogene Branchenvielfalt und verzeichnete auch im Jahr 2023 positive Entwicklungen in verschiedenen Wirtschaftsclustern.

Schülke: „Leipzig wächst in den fünf Clustern stärker als im Durchschnitt.“

Insbesondere die Automobilindustrie konnte mit der 5. Werkserweiterung von BMW und Investitionen in Höhe von 700 Millionen Euro punkten. Bei Porsche Leipzig lief das zweimillionste Fahrzeug von Band. Seit dem ersten Spatenstich investierte das Unternehmen 1,9 Milliarden Euro in den Standort. Die Dräxlmaier Group eröffnete ihr neues Werk in Leipzig zur Fertigung von Batterien für elektrisch angetriebene Fahrzeuge.

Die IT-Branche ergänzt ihr Portfolio durch die neue Firmenzentrale des Digitalunternehmens Unite am Johannisplatz. Das Unternehmen verlegte bereits 2019 seinen Hauptsitz von München nach Leipzig und komplettiert jetzt seine Präsenz in der Messestadt.

Die Stadt Leipzig bietet seit Januar digitale städtische Services und Informationen über eine eigene Leipzig App an. Leipzigerinnen und Leipziger können sich über die App als auch andere digitale Projekte der Stadt im jüngst eröffneten Smart City Lab in der Magazingasse informieren.

Die Beschäftigtenzahlen und der Umsatz in der Gesundheitswirtschaft und Biotechnologie wachsen seit Jahren kontinuierlich. Der BioCity Campus, das Herz der Lebenswissenschaften, feierte 2023 sein 20-jähriges Bestehen als erfolgreiches Technologie- und Gründerzentrum auf der Alten Messe. Neu hinzu kommt die Zentrale der Leipziger Firma c-LEcta, deren Richtfest am 17. April 2024 stattfand: Von der Gründung zum Marktführer in der Enzymherstellung – eine besondere Leipziger Erfolgsgeschichte.

Kosmetik neu am Standort Leipzig
300 Millionen Euro investierte Kosmetikhersteller Beiersdorf. Die Werkseröffnung 2023 ergänzte die Leipziger Wirtschaft um eine völlig neue Branche: Kosmetik. Im ersten Schritt entstanden fast 200 neue Jobs in Leipzig.

Weitere Informationen
www.leipzig.de/wirtschaftsbericht

Die Nacht der verpassten Chance: Walter Momper trifft Bärbel Bohley

Teaser für Social Media & Newsletter 1. Persönlich (Meinung/Kolumne) Haben Sie sich schon einmal gefragt, wann genau der Traum vom „Dritten Weg“ der DDR eigentlich starb? Ich glaube, es war an einem einzigen Abend in Schöneberg. Walter Momper flehte Bärbel Bohley fast an: „Regiert endlich! Sonst macht es Kohl.“ Ihre Absage rührt mich bis heute fast zu Tränen. Sie wollten rein bleiben, nur Opposition sein – und gaben damit, ohne es zu wollen, ihr Land aus der Hand. Ein Lehrstück darüber, dass Moral allein in der Politik manchmal nicht reicht. 2. Sachlich-Redaktionell (News-Flash) Historisches Dokument beleuchtet Schlüsselmoment der Wendezeit: Ende 1989 lud Berlins Regierender Bürgermeister Walter Momper Vertreter der DDR-Opposition ins Rathaus Schöneberg. Laut Mompers Aufzeichnungen in „Grenzfall“ drängte er Gruppen wie das „Neue Forum“ zur sofortigen Regierungsübernahme, um Helmut Kohl zuvorzukommen. Bärbel Bohley lehnte dies jedoch kategorisch ab („Wir sind und bleiben Opposition“). Eine Entscheidung, die den Weg zur schnellen Wiedervereinigung ebnete. 3. Analytisch und Atmosphärisch (Longread/Feature) Es war ein Aufeinandertreffen zweier Welten im Rathaus Schöneberg: Hier der westdeutsche Machtpragmatiker Walter Momper, dort die idealistischen Moralisten der DDR-Bürgerbewegung um Bärbel Bohley. Während Momper das Machtvakuum sah und vor einer Übernahme durch Bonn warnte, beharrte die Opposition auf ihrer Rolle als Kritiker. Dieser Abend illustriert das tragische Dilemma der Revolution von 1989: Wie der moralische Anspruch der Bürgerrechtler ihre politische Handlungsfähigkeit lähmte.