Stadtrat beschließt zukunftsweisende Wohnbaulandpolitik für Jena

Die Stadt Jena hat eine wegweisende Wohnbaulandpolitik beschlossen, die auf Nachhaltigkeit, soziale Ausgewogenheit und Klimaschutz setzt. Dieser gemeinsam von den Fraktionen CDU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen, FDP und der Stadtverwaltung eingebrachte Beschluss, der in der jüngsten Sitzung des Stadtrats mit großer Mehrheit gefasst wurde, spiegelt die langfristige Vision der Stadt wider, den Wohnungsbau bedarfsgerecht zu gestalten und die Lebensqualität für alle Bürgerinnen und Bürger zu verbessern. Die Stadt Jena orientierte sich bei der Erarbeitung des Grundsatzbeschlusses am sogenannten Ulmer Modell.

Das Leitbild der neuen Wohnbaulandpolitik umfasst sieben zentrale Punkte, darunter die Schaffung von Wohnraum bis 2035 in einer Zielgröße von 4.830 Wohnungen und die Förderung von sozial- und klimapolitischen Zielen durch gezielte Bauleitplanverfahren. Die Stadt Jena strebt außerdem eine gerechte Verteilung der Entwicklungskosten zwischen Planungsbegünstigten und der Stadt an.

„Mit dem Jenaer Baulandmodell gehen wir einen wegweisenden Schritt in der Stadtentwicklung. Durch strategischen Flächenerwerb und kooperative Entwicklung von Wohnbauflächen können wir den Wohnungsbau in Zukunft bedarfsgerechter, sozialer und nachhaltiger gestalten. Wenn es dem Stadtrat und der Verwaltung auch weiterhin gelingt, in der Wohnbauflächenentwicklung so überparteilich und partnerschaftlich zusammenzuarbeiten, wird dieser Beschluss die Rolle der Stadt bei der Entwicklung von Bauland entscheidend stärken und Jenas Stadtentwicklung auf Jahrzehnte prägen können“, so Bürgermeister und Dezernent für Stadtentwicklung und Umwelt Christian Gerlitz.

Augenmerk auf die Schaffung von gefördertem Wohnraum

Das Baulandmodell Wohnen setzt sich aus mehreren strategischen Bausteinen zusammen, darunter die Entwicklung kommunaler Flächen, strategischer Flächenerwerb und langfristige Bodenvorratspolitik sowie die kooperative Entwicklung von Wohnbauflächen. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Schaffung von gefördertem Wohnraum und der Einbindung von Privatunternehmen in die Baulandentwicklung.

Zur Umsetzung dieser ambitionierten Ziele wird der Oberbürgermeister beauftragt, den finanziellen und personellen Mehraufwand zu ermitteln und entsprechende Maßnahmen einzuleiten. Darüber hinaus sollen verbindliche Regelungen erarbeitet werden, um die planungsbegünstigten Vorhabenträger angemessen an den Kosten der Baulandentwicklung zu beteiligen.

Der Oberbürgermeister wird außerdem beauftragt, die Öffentlichkeit über die Inhalte des Baulandmodells in einem Stadtdialog zu informieren und die Fortschritte des Jenaer Baulandmodells regelmäßig zu berichten.

Hintergrundinformationen: Wohnbauflächenkonzept in Jena

Die „Wohnbauflächenkonzeption Jena 2035“ prognostiziert die zukünftige Nachfrage nach Wohnraum und identifiziert potenzielle Baulandflächen bis 2035. Obwohl der Vorentwurf des Flächennutzungsplans diese Flächen berücksichtigt, kann alleine daraus keine schnelle Baulandmobilisierung abgeleitet werden. Die Stadt verfügt über begrenzte eigene Flächen, und der Flächenerwerb gestaltet sich aufgrund des angespannten Marktes schwierig.
Um eine sozialverträgliche Wohnraumversorgung sicherzustellen, sind öffentlich geförderte Wohnungen von entscheidender Bedeutung. Trotz eines Rückgangs des Bestands seit 2015 konnte der geförderte Wohnungsbau aufgrund fehlender Fördermittel nicht ausreichend realisiert werden. Das knappe Wohnraumangebot führt zu steigenden Mieten und Baulandpreisen, was Familien teilweise dazu veranlasst, in das Umland abzuwandern.

Das Konzert vom 2. Dezember 1989: Biermann, Wegner und die DDR-Opposition

Journalistischer Text – Facebook Der 2. Dezember 1989 markiert im kulturellen Gedächtnis der deutschen Teilung einen Moment von seltener Intensität. Wenige Wochen nach dem Fall der Berliner Mauer und noch vor der ersten freien Wahl fand im Ost-Berliner „Haus der Jungen Talente“ eine Veranstaltung statt, die den Titel „Verlorene Lieder – verlorene Zeit“ trug. Es handelte sich um das erste gemeinsame Konzert von in der DDR verbliebenen Liedermachern und jenen Künstlern, die das Land nach der Ausbürgerung Wolf Biermanns 1976 verlassen mussten. Die Atmosphäre im Saal war geladen, geprägt von einer Mischung aus Euphorie, Neugier und der unverarbeiteten Bitterkeit der vergangenen Jahre. Auf der Bühne trafen Welten aufeinander. Wolf Biermann, der erst einen Tag zuvor sein erstes Konzert in Leipzig gegeben hatte, dominierte den Abend mit einer Haltung des historischen Triumphs. Ihm gegenüber standen Künstler wie Bettina Wegner, die weniger die politische Abrechnung als vielmehr den menschlichen Schmerz der Trennung thematisierte. Ihr Lied „Kinder“ wurde zu einem emotionalen Zentrum des Abends. Gleichzeitig vertraten Dagebliebene wie Hans-Eckardt Wenzel oder Gerhard Schöne eine Position, die sich gegen eine vereinfachende Siegermentalität des Westens wandte. Sie pochten auf die Würde einer eigenständigen ostdeutschen Erfahrung, die sich nicht allein durch Anpassung oder Flucht definieren ließ. Besondere Brisanz erhielt der Abend durch die Anwesenheit des damaligen Kulturministers Dietmar Keller. In einer für DDR-Funktionäre präzedenzlosen Geste entschuldigte er sich öffentlich für das Unrecht der Ausbürgerungen. Doch die anschließenden Diskussionen zeigten, dass eine einfache Versöhnung kaum möglich war. Die Gräben zwischen den Exilanten, die die DDR von außen bekämpften, und den Kritikern im Inneren, die das System reformieren wollten, traten offen zutage. Das Konzert dokumentiert somit nicht nur eine musikalische Wiedervereinigung, sondern auch den Beginn eines schwierigen Dialogs über Deutungshoheit und Biografie, der die Nachwendezeit noch lange prägen sollte.