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Quedlinburg – Die Stadt wie aus einem Märchen: Historie, Baukunst und Kulturerbe

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Der Dokumentarfilm über Quedlinburg führt die Zuschauer auf eine visuelle Reise durch eine der ältesten Städte Deutschlands und zeigt die Entwicklung und Bedeutung der Stadt, die am Nordrand des Harzes liegt. Quedlinburg ist eine Stadt voller Geschichte, deren Anfänge bis ins 10. Jahrhundert zurückreichen und die über die Jahrhunderte hinweg ein wertvolles Erbe bewahrt hat. 1957 wurde der Film gedreht und dokumentiert eindrucksvoll die verschiedenen Facetten dieser einzigartigen Stadt und ihre besondere Baukunst, die bis heute erhalten geblieben ist.

Der Film zeigt die mittelalterliche Stadtstruktur Quedlinburgs und hebt die verschiedenen Epochen der Baukunst hervor, die das Stadtbild prägen. Die berühmten Fachwerkhäuser, von denen viele im 16. und 17. Jahrhundert entstanden sind, zeugen von der traditionellen Handwerkskunst und Architektur, die die Stadt berühmt gemacht haben. Fachwerkhäuser stehen in Quedlinburg in großer Dichte und Vielfalt, was den Ort zu einem architektonischen Schatz macht. Die Holzverzierungen und kunstvollen Details an den Gebäuden lassen erahnen, wie viel Geschick und Sorgfalt die damaligen Handwerker in jedes einzelne Haus investierten. Besonders beeindruckend ist das historische Stadtzentrum mit dem Marktplatz und dem imposanten Rathaus, das ebenfalls in einem charakteristischen Stil gestaltet ist.

Ein wichtiger historischer Schauplatz, der im Film präsentiert wird, ist die Stiftskirche St. Servatii, ein Wahrzeichen der Stadt und ein bedeutendes Beispiel romanischer Baukunst. Diese Kirche war einst Teil des Quedlinburger Damenstifts, das von der ersten deutschen Königin Mathilde gegründet wurde. In der Stiftskirche befinden sich die Gräber König Heinrichs I. und seiner Frau Mathilde, was Quedlinburg zu einem wichtigen Ort für die frühe deutsche Geschichte macht. Der Film zeigt, wie eng die Stadtgeschichte mit der Entstehung des deutschen Königtums verknüpft ist und wie Quedlinburg über Jahrhunderte hinweg ein Zentrum geistlicher und weltlicher Macht war.

Neben den historischen Bauten widmet sich der Film auch den Gassen und Plätzen Quedlinburgs, die von einem mittelalterlichen Charme erfüllt sind. Jede Straße erzählt ihre eigene Geschichte, und die sorgfältig restaurierten Häuser und Fassaden lassen die Vergangenheit lebendig werden. Der Film verdeutlicht, wie Quedlinburgs Geschichte und Architektur Hand in Hand gehen, und zeigt die verschiedenen Baustile, die im Laufe der Jahrhunderte in der Stadt Einzug hielten.

Quedlinburg wurde 1994 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt, was die Bedeutung der Stadt als ein „Märchen aus Stein“ würdigt. Diese Auszeichnung ist nicht nur eine Ehre, sondern auch eine Verpflichtung, die Stadt in ihrer einzigartigen Form zu erhalten. Der Film macht deutlich, dass Quedlinburg ein lebendiges Beispiel für die deutsche Baukunst und Stadtentwicklung ist, das es wert ist, geschützt und bewahrt zu werden. Dank der UNESCO-Welterbestatus ist sichergestellt, dass zukünftige Generationen diese Schätze ebenfalls erleben und ihre Bedeutung verstehen können.

Zusammengefasst stellt der Dokumentarfilm Quedlinburg als eine Stadt dar, deren Architektur und Geschichte ein wertvolles kulturelles Erbe darstellen. Die filmische Darstellung lädt dazu ein, die Stadt in all ihren Facetten zu entdecken und vermittelt eine tiefe Wertschätzung für die Meisterwerke der Baukunst, die über Jahrhunderte hinweg erhalten geblieben sind. Die Stadt am Nordrand des Harzes wird so zu einem eindrucksvollen Zeugnis der deutschen Geschichte und Kultur, das seine Betrachter mit auf eine Zeitreise durch die Jahrhunderte nimmt.

35 Jahre Mauerfall: Gera erinnert mit Installation an ein bedeutendes Ereignis

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Anlässlich des 35. Jahrestages des Mauerfalls lädt die Stadt Gera zu einer besonderen Installation vor dem Kultur- und Kongresszentrum ein. Diese Installation soll nicht nur an den historischen Moment des Mauerfalls am 9. November 1989 erinnern, sondern auch einen aktuellen Beitrag zur Debatte über Stadtplanung, Demokratie und die gesellschaftlichen Herausforderungen der Gegenwart leisten.

Das Areal, auf dem die Installation aufgestellt wird, liegt im Herzen von Gera, an einem Ort, der seit Jahrzehnten wie eine offene Wunde in der Stadtmitte wirkt. Früher war dieser Platz ein lebendiger Ort, an dem Fontänen sprudelten und reges Geschäfts- und Handelsleben herrschte. Die Menschen strömten auf den Platz, um miteinander in Austausch zu treten, zu handeln und die Atmosphäre einer prosperierenden Stadt zu erleben. Doch in den Jahren nach der Wende und dem Fall der Mauer hat sich das Bild des Platzes stark verändert. Der Handel und das geschäftliche Treiben sind verschwunden, und das Areal steht heute leer. Es gibt unterschiedliche Meinungen in der Bevölkerung darüber, wie dieser Platz zukünftig genutzt werden sollte. Einige plädieren für den Erhalt der Freifläche als öffentlichen Raum, der auch in der Zukunft Raum für Begegnungen und freie Entfaltung bietet. Andere hingegen setzen sich für eine Bebauung ein, die neuen Schwung und Leben in das Zentrum der Stadt bringen soll.

Diese öffentliche Debatte, die heute in Gera geführt wird, wäre vor dem Mauerfall undenkbar gewesen. Zu jener Zeit war es den Bürgern der DDR nicht möglich, ihre Meinung frei zu äußern oder über solche stadtplanerischen Entscheidungen in einem offenen Diskurs zu sprechen. Die Meinungsfreiheit, die heute selbstverständlich ist, wurde erst durch die friedliche Revolution und die Öffnung der Mauer erlangt. Der Mauerfall bedeutete nicht nur das Ende eines politischen Systems, sondern auch den Beginn einer Ära der persönlichen Freiheit, der Meinungsfreiheit und der demokratischen Mitbestimmung. In diesem Zusammenhang ist die Installation in Gera mehr als nur ein historisches Denkmal. Sie ist ein Symbol für den gelebten demokratischen Austausch, der heute möglich ist, und für die Verantwortung, die die Bürgerinnen und Bürger Gera und der gesamten Region in der Gestaltung ihrer Zukunft tragen.

Gera hat von der Wende enorm profitiert, doch der Weg zurück zu altem Glanz ist noch lang und von Herausforderungen geprägt. Viele Städte in den neuen Bundesländern, so auch Gera, kämpfen mit den Folgen des Strukturwandels nach der Wende und der schwierigen Transformation von einer sozialistischen Planwirtschaft hin zu einer Marktwirtschaft. Doch die Menschen in Gera haben nicht nur die Freiheit des Reisens und der freien Entfaltung gewonnen, sondern auch die Möglichkeit, ihre Stimmen in politischen und gesellschaftlichen Prozessen einzubringen. Die Meinungsfreiheit, die heute selbstverständlich ist, hat eine neue Ära der Bürgerbeteiligung eingeläutet, in der unterschiedliche Ideen und Perspektiven konstruktiv miteinander diskutiert werden können – ohne Angst vor Repressalien.

Die symbolische Mauer, die im Rahmen dieser Installation in Gera errichtet wird, lädt die Bürgerinnen und Bürger der Stadt ein, innezuhalten und persönlich darüber nachzudenken, was der Mauerfall für sie bedeutet. Sie ist ein Denkmal für die Freiheit, die mit der Öffnung der Mauer und dem Ende der Teilung Europas gewonnen wurde. Gleichzeitig fordert sie zur Reflexion über die Bedeutung von Freiheit und Demokratie in der heutigen Zeit auf. Der Dialog über die Zukunft Gera’s und über die Fragen der Stadtentwicklung, der sozialen Verantwortung und der politischen Mitbestimmung ist gerade in diesen bewegten Zeiten von großer Bedeutung.

In einer Zeit, in der viele demokratische Werte weltweit herausgefordert werden, ist es umso wichtiger, dass wir die Bedeutung der Freiheit und Demokratie in unserem täglichen Leben wachhalten. Die Installation vor dem Kultur- und Kongresszentrum in Gera ist ein Aufruf, diese Werte zu schützen und aktiv zu gestalten. Es geht nicht nur darum, die Vergangenheit zu erinnern, sondern auch darum, die Zukunft gemeinsam zu gestalten – in Freiheit, mit Respekt vor unterschiedlichen Meinungen und im Streben nach einer besseren, inklusiven Gesellschaft.

Der 35. Jahrestag des Mauerfalls ist ein Moment des Innehaltens und der Reflexion. Es ist eine Gelegenheit, die Entwicklung unserer Gesellschaft zu würdigen, aber auch darüber nachzudenken, wie wir als Stadt und als Gemeinschaft in Zukunft zusammenarbeiten wollen. Die Installation soll nicht nur ein Erinnerungszeichen sein, sondern auch eine Einladung an alle Bürger, aktiv an der Gestaltung der Stadt und ihrer Zukunft teilzuhaben. Gera hat das Potenzial, zu einem Ort des Dialogs und der gelebten Demokratie zu werden – und der Mauerfall, als ein Symbol der überwundenen Teilung, bleibt dabei ein immerwährender Mahnruf für die Bedeutung von Freiheit und Zusammenhalt.

Erinnerungen an Robert Enke: Teresa Enke über Depression, Trauer und Hoffnung

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Am 10. November 2009 kam es zu einer Tragödie, die die Fußballwelt erschütterte: Robert Enke, der damalige Torwart der deutschen Nationalmannschaft, nahm sich das Leben. Der plötzliche Verlust eines der populärsten und talentiertesten Torhüter Deutschlands hinterließ nicht nur seine Familie, sondern auch eine ganze Nation in tiefer Trauer. Die Nachricht machte auf die Erkrankung aufmerksam, die Enke über viele Jahre hinweg begleitet hatte: Depressionen. Seine Witwe, Teresa Enke, entschied sich nach dem Schicksalsschlag dafür, das Thema offen anzugehen, um anderen Betroffenen zu helfen und ein Bewusstsein für psychische Erkrankungen zu schaffen. Sie gründete die „Robert Enke Stiftung“, die seitdem Aufklärungsarbeit leistet und sich dafür einsetzt, Menschen mit Depressionen zu unterstützen.

Im Interview, das Teresa Enke kürzlich gegeben hat, sprach sie über die Herausforderungen, die der Verlust mit sich brachte, und über ihre persönliche Trauerbewältigung. Sie beschreibt, wie sie und Robert versucht hatten, die Krankheit zu verstehen, obwohl Informationen und gesellschaftliche Akzeptanz damals knapp waren. Was sie bis heute quält, ist der Gedanke, dass Robert sich möglicherweise gar nicht wirklich das Leben nehmen wollte. „Er war ein lebensfroher Mensch, der in eine verzweifelte Situation geriet und keinen Ausweg sah“, erinnert sie sich. Seine Depression, die ihn über Jahre begleitete, war dabei eine ständige Belastung, die auch die glücklichen Momente überschatten konnte.

Auf die Frage, wie sie mit dem Tod ihres Mannes umgeht, erklärt Teresa, dass sie versucht, bestimmte Tage und Erinnerungen zu verdrängen. „Jedes Jahr, wenn Roberts Todestag näher rückt, vermeide ich, darüber nachzudenken“, sagt sie. Dabei empfindet sie das als eine Art Selbstschutz, eine natürliche Reaktion des Körpers, die es ihr ermöglicht hat, nach Roberts Tod für ihre Tochter und für sich selbst stark zu bleiben.

Eine prägende Episode in ihrer Trauerarbeit ereignete sich zwei Jahre nach Roberts Tod. Sie erinnert sich an einen Wintertag, an dem sie mit ihrer kleinen Tochter Leila im Schnee spazieren ging. Trotz der Schönheit des Moments fühlte sie eine tiefe Traurigkeit, bis ihre Tochter sagte: „Mama, nicht weinen.“ Dieser unschuldige Trost bewegte Teresa dazu, sich professionelle Hilfe zu suchen. In der Klinik empfahl ihr ein Therapeut, dass sie das Andenken an Robert bewahren, aber dennoch ihren eigenen Weg weitergehen könnte. Diese Worte gaben ihr den Anstoß, ihre Trauer anders zu verarbeiten und sich allmählich zu lösen.

Teresa berichtet, wie schwer es für sie war, eine gesunde Distanz zu finden, da Robert omnipräsent in ihrem Leben geblieben war – durch das Haus, das Umfeld und durch die Stiftung, die sie zu seinem Gedenken ins Leben gerufen hatte. Diese ständige Erinnerung war für sie einerseits eine Quelle der Stärke, andererseits machte sie es ihr schwer, sich emotional zu distanzieren. Erst in der Klinik wurde ihr bewusst, dass sie für ihre eigene seelische Gesundheit mehr Abstand finden musste.

Im Rückblick erkennt sie, dass Robert stets mit enormen inneren und äußeren Erwartungen zu kämpfen hatte. Besonders herausfordernd war für ihn die Zeit beim FC Barcelona, wo er sich nicht genügend unterstützt fühlte. Robert hatte es immer schwer, mit einem Umfeld zurechtzukommen, das ihn nicht ausreichend stützte. Teresa erklärt, dass dieser fehlende Rückhalt eine Rolle bei der Verschlimmerung seiner Depression spielte. „Er war hochmotiviert, doch der Trainer Louis van Gaal bevorzugte einen einheimischen Spieler, was Roberts Position gefährdete und ihn tief verunsicherte“, beschreibt sie. Die Erfahrung in Barcelona hatte sich nachhaltig auf sein Selbstbewusstsein ausgewirkt und den Grundstein für seine innere Zerrissenheit gelegt. Ein Gefühl der Wertschätzung fand er dann später auf Teneriffa, wo er als Star gefeiert wurde und ein zufriedenes Leben führen konnte – bis zur Geburt der gemeinsamen Tochter Lara, die schwer herzkrank war und nach nur zwei Jahren verstarb.

Dennoch betont Teresa, dass Laras Krankheit und Tod nicht die Ursache für Roberts Depression waren. Sie stellt klar, dass Menschen mit Depressionen keine „schwachen“ Menschen seien; es handle sich vielmehr um eine komplexe Krankheit, die oft ohne erkennbare Ursache ausbreche. Mit der Erkrankung ihrer Tochter sei das Paar stark umgegangen und habe diese Zeit gemeinsam überstanden. Teresa hebt hervor, dass Robert ein starker Mann war, der die dunklen Phasen seiner Krankheit allein durchlebte und dennoch seine Rolle im Profifußball meisterte. Dass psychische Krankheiten damals ein Tabuthema waren, habe Robert jedoch daran gehindert, offen über seine Probleme zu sprechen, aus Angst, als schwach oder weniger leistungsfähig wahrgenommen zu werden.

Die Gründung der Robert Enke Stiftung war für Teresa ein wichtiger Schritt auf ihrem Weg, mit dem Verlust ihres Mannes umzugehen und etwas Positives aus der Tragödie zu schöpfen. Die Stiftung verfolgt das Ziel, die Gesellschaft für das Thema Depression zu sensibilisieren und dazu beizutragen, dass psychische Probleme nicht länger stigmatisiert werden. Teresa sieht in der Stiftung eine Art „Trauerarbeit“, die ihr hilft, Roberts Vermächtnis zu bewahren und zugleich andere Menschen zu unterstützen. Zahlreiche Zuschriften, die sie über die Jahre erhalten hat, bestätigen ihr, dass Roberts Geschichte vielen anderen Menschen das Leben gerettet hat. „Heute“, so Teresa, „muss sich niemand mehr alleine fühlen oder schämen.“

Auch im Profisport hat sich seit Roberts Tod einiges verändert. Inzwischen legen Vereine großen Wert darauf, ihre Spieler nicht nur physisch, sondern auch psychisch zu betreuen. Psychologen gehören heute zum Standard in der sportlichen Betreuung, und psychische Probleme sind kein Tabu mehr. Diese Entwicklung betrachtet Teresa mit Erleichterung. Sie ist überzeugt, dass Robert heute vielleicht noch leben würde, wenn er zu seiner Zeit dieselbe Unterstützung erhalten hätte wie Sportler heutzutage.

Teresa hat es geschafft, den Mut zu finden, nach vorn zu blicken und neue Wege zu gehen. Inzwischen ist sie wieder verheiratet und hat ein weiteres Kind bekommen. Der Verlust von Robert bleibt schmerzhaft, aber sie hat gelernt, ihn als Teil ihrer Vergangenheit anzunehmen, während sie ihr Leben weiterlebt. Die Worte ihres Therapeuten, die sie während ihrer Klinikaufenthalts gehört hatte, begleiten sie noch immer: „Du kannst sagen, dass Robert jetzt woanders ist und einen neuen Lebensabschnitt beginnen.“

Für Teresa ist eine der wichtigsten Erkenntnisse, die sie aus ihrer Trauerarbeit mitgenommen hat, dass es kein „richtiges“ oder „falsches“ Trauern gibt. Sie hat gelernt, dass jeder Mensch auf seine eigene Weise trauern darf. Diese Freiheit in der Trauer ist für sie entscheidend, und sie rät auch anderen Angehörigen, sich nicht von gesellschaftlichen Erwartungen unter Druck setzen zu lassen. Angehörigen von Depressiven rät sie, einfühlsam und unterstützend zu sein und niemals Druck auszuüben. Wichtig sei es, dem Betroffenen zu signalisieren, dass er oder sie nicht allein ist.

Dass sich die Einstellung zur Depression und psychischen Krankheiten seit dem Tod ihres Mannes geändert hat, empfindet Teresa als eine positive Entwicklung. Sie wünscht sich, dass der Fortschritt im Umgang mit Depressionen und psychischen Problemen weiter voranschreitet und kein Mensch sich jemals wieder allein und unverstanden fühlen muss. Roberts Leben, so tragisch es endete, hat einen Wandel angestoßen – für Teresa und für viele andere Menschen, die durch seine Geschichte Hoffnung und Verständnis gefunden haben.

Eine Reise durch das „Grüne Herz“ der DDR im Jahr 1977

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Eine Reise durch Thüringen im Jahr 1977 gleicht einem Streifzug durch die DDR, die sich trotz Beschränkungen und politischer Kontrolle als eine Region voller landschaftlicher Schönheit, kultureller Schätze und geschichtsträchtiger Orte präsentiert. Thüringen – oft als das „grüne Herz Deutschlands“ bezeichnet – bietet eine Vielfalt an Natur und historischen Städten, die auch im sozialistischen Staat von Bedeutung und Anziehungskraft sind.

Erfurt – Hauptstadt und kulturelles Zentrum
Den Anfang macht Erfurt, die Hauptstadt Thüringens. 1977 zeigt sich die Stadt als das politische und kulturelle Zentrum der Region. Bekannt für ihren Dom und die Krämerbrücke, strahlt Erfurt eine mittelalterliche Atmosphäre aus, die den Besucher auch in der DDR-Zeit in eine andere Epoche zurückversetzt. Die Altstadt wird von der sozialistischen Stadtplanung weitgehend verschont, auch wenn neue Wohnkomplexe in den Randbezirken entstehen. Die berühmte Krämerbrücke, mit ihren zahlreichen Handwerksläden und Geschäften, ist auch im Sozialismus ein beliebtes Ziel. Hier kauft man handgefertigte Waren, ein Erlebnis, das sich deutlich von der Industrieware unterscheidet, die vielerorts das Bild prägt.

In Erfurt kann man auch das Angermuseum besuchen, das zahlreiche Werke Thüringer Künstler und historischer Kunst präsentiert. Die Sammlungen zeigen, wie die DDR ihren Zugang zur Kunst und zum kulturellen Erbe pflegt, indem sie dieses geschickt mit ideologischen Inhalten verknüpft, ohne jedoch die Attraktivität des Museums zu schmälern.

Weimar – Schiller und Goethe in der DDR
Von Erfurt aus geht es weiter nach Weimar, der Stadt der Dichter und Denker. Weimar bleibt im Jahr 1977 ein Symbol des deutschen Kulturerbes, auch wenn die DDR-Regierung versucht, den sozialistischen Gedanken mit der kulturellen Geschichte zu vereinen. In Weimar wird das Goethe-Nationalmuseum besichtigt, das im sozialistischen Staat eine besondere Bedeutung erfährt. Die Schriften und Werke von Goethe und Schiller gelten als geistiges Erbe, das auch in der DDR gepflegt wird, wenn auch durch die ideologische Brille betrachtet. Besucher können die historischen Räume und Gärten des Hauses bewundern und erfahren, wie die DDR den Humanismus der Klassiker für sich interpretiert.

Ein weiteres Highlight ist das Bauhaus-Museum, das die Geschichte der einflussreichen Kunst- und Designschule präsentiert. Auch wenn die DDR sich in anderen Bereichen des Designs weiterentwickelt hat, wird die Bauhaus-Tradition als Kulturgut anerkannt und zelebriert.

Saalfeld – die Feengrotten und das Naturerlebnis
Die Reise führt weiter südlich in das beschauliche Saalfeld, das für die Saalfelder Feengrotten bekannt ist. Die Feengrotten, eine ehemalige Alaun-Bergwerksanlage, zählen zu den spektakulärsten Naturwundern Thüringens. Die farbenfrohen Tropfsteinhöhlen ziehen jedes Jahr zahlreiche Besucher an, auch 1977. Die DDR hat erkannt, dass solche Naturwunder auch als Teil der Tourismusstrategie genutzt werden können. So wird das Erlebnis der Feengrotten für die Bevölkerung zugänglich gemacht, und die Besucher können das Zusammenspiel von Geologie und Naturwundern hautnah erleben – eine willkommene Abwechslung vom Alltag.

Eisenach – Burg, Wartburg und Arbeitergeschichte
Eisenach, die Stadt, die eng mit Martin Luther und der Wartburg verbunden ist, darf auf dieser Reise nicht fehlen. Die Wartburg, auf der Luther das Neue Testament ins Deutsche übersetzte, ist ein Symbol der Reformation und des geistigen Widerstands. Auch wenn die DDR offiziell atheistisch geprägt ist, erkennt sie die kulturelle und historische Bedeutung der Wartburg und nutzt sie als Symbol für Widerstand und geistige Freiheit, interpretiert jedoch in einem sozialistischen Kontext.

In Eisenach befindet sich auch das Automobilwerk, das 1977 in der DDR als wichtiger Produktionsstandort für den Wartburg gilt. Die Produktion des Wartburg 353, der typisch für die DDR ist, wird hier von den Arbeitern mit großem Einsatz durchgeführt. Für viele Touristen ist der Besuch des Werks eine Möglichkeit, die industrielle Realität der DDR kennenzulernen und zu sehen, wie Arbeitsprozesse im Sozialismus organisiert sind. Die Bedeutung des Automobilwerks spiegelt auch das Bemühen der DDR wider, eine eigene Autoproduktion zu etablieren und Unabhängigkeit von westlichen Importen zu erlangen.

Das Thüringer Meer – Urlaub und Freizeit in der DDR
Die Reise endet am Thüringer Meer, einer Reihe von Stauseen, die zu den größten Wasserspeichern der DDR gehören. Das Gebiet um die Bleilochtalsperre ist ein beliebtes Ziel für Urlaub und Freizeitgestaltung, auch für die Menschen aus den anderen Bezirken. Viele nutzen das Thüringer Meer als Erholungsort, sei es zum Angeln, Schwimmen oder für Bootsausflüge. Die Regierung fördert diese Form des Binnenurlaubs, um der Bevölkerung erholsame Aufenthalte im eigenen Land zu bieten und Westreisen weitgehend zu ersetzen. Die Schönheit des Thüringer Meeres zeigt, dass die DDR zwar keine Küstenregion bietet, aber durch den Ausbau solcher Gebiete attraktive Erholungsräume für ihre Bürger schaffen kann.

Die Reise durch Thüringen im Jahr 1977 offenbart die Vielfalt und Schönheit dieser Region in der DDR und zeigt gleichzeitig, wie das sozialistische System auf die Pflege kultureller und natürlicher Ressourcen Wert legt. Orte wie Erfurt, Weimar und Eisenach bewahren ihren historischen und kulturellen Reiz, der durch die sozialistische Prägung der DDR zwar beeinflusst, aber nicht vollständig vereinnahmt wird.

Von der klassischen Kultur über die industrielle Produktion bis hin zu den Naturschätzen spiegelt Thüringen eine DDR wider, die zwischen Ideologie und der Bewahrung ihrer kulturellen Identität einen eigenen Weg sucht. Die Landschaft und die Städte laden auch im Jahr 1977 dazu ein, die DDR aus einer anderen Perspektive zu erleben, und lassen erkennen, dass Thüringen – damals wie heute – das „grüne Herz Deutschlands“ ist.

Schutz der Erinnerungskultur: Denkmale der DDR-Grenze

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Der Wiederaufbau eines Grenzturms in Walbeck, Sachsen-Anhalt, spiegelt das gestiegene Interesse an der deutschen Erinnerungskultur wider, insbesondere hinsichtlich der Teilung und ihrer physischen Überbleibsel. Der 2009 illegal abgerissene Turm, ein einzigartiges Denkmal der deutschen Teilung, wurde dank des Engagements des Walbecker Heimatvereins in einem vierwöchigen Projekt wiedererrichtet und soll künftig als Mahnmal an diese Epoche der deutschen Geschichte erinnern.

Die innerdeutsche Grenze, die Deutschland fast vier Jahrzehnte lang trennte, war geprägt von Mauern, Zäunen, Minen und Selbstschussanlagen und bildete einen Todesstreifen, der das Land zerteilte und Familien und Dörfer voneinander isolierte. Viele Orte entlang der Grenze, darunter das Dorf Walbeck, lagen in der Sperrzone, und Bewohner mussten strikte Zugangskontrollen und Einschränkungen erdulden. So berichtet etwa Ulrich Mühe, dass Besuche bei seinen Großeltern in Walbeck nur mit Passierschein möglich waren. Diese Nähe zur Grenze prägte das tägliche Leben der Menschen tiefgreifend.

Nach dem Fall der Mauer am 9. November 1989 verschwand ein Großteil der Grenzanlagen, doch seither haben zahlreiche Initiativen in Deutschland, wie die in Walbeck, daran gearbeitet, Erinnerungsstücke zu erhalten und zugänglich zu machen. In Stapelburg am Harz etwa dokumentiert eine Heimatstube die Grenzgeschichte, und ein Bunker dient heute als Museum. In Hötensleben sind die Grenzanlagen sogar vollständig erhalten und zeigen in ihrer kompletten Struktur die Funktionsweise des DDR-Grenzregimes. René Müller, Vorsitzender des Grenzdenkmalvereins, erläutert die Anlage und betont die Risiken, die Menschen auf sich nahmen, um in den Westen zu fliehen. Die Erhaltung dieser Anlagen führte in Hötensleben zu Beginn zu starken Kontroversen, doch inzwischen zählt das Denkmal zum europäischen Kulturerbe, und die Bewohner sind stolz auf ihren Teil der deutsch-deutschen Geschichte.

In Wülperode widmen sich Schüler eines Gymnasiums der Pflege eines Grenzdenkmals. Ihr Geschichtslehrer, Sebastian Knobbe, sieht darin eine wertvolle Möglichkeit, junge Menschen mit den Lehren der Vergangenheit vertraut zu machen. Die „Grenzwandler“-App ergänzt solche Bildungsprojekte durch die virtuelle Aufarbeitung verschwundener Dörfer wie Jahrsau. Die App nutzt historische Fotos und Zeitzeugenberichte und ermöglicht so eine digitale Erinnerungstour durch die einstige Sperrzone.

Auch das Grüne Band entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze ist heute ein Symbol für die überwundene Teilung. Diese besondere Biotopverbindung zieht sich entlang der alten Grenze von der Ostsee bis zum Vogtland und hat sich zu einem einzigartigen Lebensraum für seltene Tier- und Pflanzenarten entwickelt. Naturschützer wie Dieter Leupold sehen im Grünen Band nicht nur einen Naturschatz, sondern auch ein Symbol für den friedlichen Wandel und den Wert der Erinnerungskultur. Dieses Naturparadies zeigt, dass selbst die einstige Todeszone durch das Engagement von Naturschützern und Historikern eine neue Bedeutung und Funktion erlangen kann.

Ein bewegendes Beispiel für die Grenzöffnung ist die Geschichte von Peter Röhling aus Stapelburg, der zwei Tage nach dem Mauerfall gemeinsam mit seinem Schwager die ersten Schrauben an den Grenzanlagen löste, um die Grenze in Stapelburg zu öffnen. Diese Tat, die mutig und symbolträchtig zugleich war, wird in Stapelburg bis heute gewürdigt und gefeiert. Die Erinnerung an diese und ähnliche Ereignisse trägt zur Bewahrung der Geschichte bei und dient als Mahnung an die Zeit der deutschen Teilung.

Der wiederaufgebaute Grenzturm in Walbeck hat das Potenzial, ein bedeutsamer Anlaufpunkt für Wanderer und Radfahrer entlang des Grünen Bandes zu werden. Als Symbol für die Überwindung der Trennung und die Kraft des gemeinsamen Erinnerns soll er auch künftige Generationen daran erinnern, wie wertvoll die heutige Einheit und Freiheit sind. Die Erinnerungslandschaften entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze bezeugen den Wandel von der Abschottung hin zur Offenheit und zeigen, wie Vergangenheit und Gegenwart durch das Engagement der lokalen Bevölkerung, Vereine und Bildungsinitiativen miteinander verbunden bleiben.

Christian Schaft (Die Linke Thüringen) – Würden auch mit der AfD abstimmen!

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Der Fraktionsvorsitzende der Linken im Thüringer Landtag, Christian Schaft, stellt in einem Interview seine Positionen und Herausforderungen dar, vor denen die Linke nach der Landtagswahl steht. Die sogenannte „Brombeerkoalition“ aus CDU, SPD und Grünen verfügt nur über eine knappe Mehrheit, wodurch die Linke als Oppositionspartei an Einfluss gewinnt.

Schaft betont, dass die Linke eine konstruktive Opposition sein will, aber gleichzeitig ihre Zustimmung zu Gesetzen und Initiativen von ihrem moralischen Kompass und ihrer Programmatik abhängig macht. Dies führt zu der Situation, dass die Linke in Sachfragen mit der AfD stimmen könnte, obwohl die Beweggründe für das Abstimmungsverhalten unterschiedlich sind. Schaft nennt als Beispiele die Inklusion an Schulen und die Befugnisse des Verfassungsschutzes. Er stellt klar, dass die Linke, anders als die CDU in der vergangenen Legislaturperiode, nicht bewusst die Stimmen der AfD für eine Blockadepolitik nutzen will.

Trotzdem sieht Schaft die Gefahr, dass die „Brombeerkoalition“ sich im Zweifel Mehrheiten bei der AfD sucht, wenn die Linke nicht zustimmt. Er verweist auf die Senkung der Grunderwerbsteuer in der letzten Legislaturperiode als Beispiel für ein solches Vorgehen der CDU. Schaft fordert die „Brombeerkoalition“ auf, das Gespräch mit der Linken zu suchen, um demokratische Mehrheiten ohne die AfD zu finden. Er schlägt ein Fairness-Abkommen oder einen Stabilitätspakt vor, um stabile Verhältnisse im Landtag zu schaffen.

Als erste Nagelprobe für die Zusammenarbeit sieht Schaft die Haushaltsverhandlungen. Die Linke will wichtige Vorhaben aus der Zeit der rot-rot-grünen Landesregierung bewahren und lehnt eine Kürzungsorgie der CDU ab. Ein zentraler Punkt für die Linke ist die Beitragsfreiheit im Kindergarten, für die sie einen haushaltsbegleitenden Antrag einbringen will. Schaft hofft, dass dies ein gemeinsames Projekt mit der „Brombeerkoalition“ werden kann.

Weitere Themen, die im Interview angesprochen werden, sind die Corona-Pandemie und die US-Präsidentschaftswahl. Schaft spricht sich für eine Enquete-Kommission zur Aufarbeitung der Corona-Pandemie aus, anstatt für einen Untersuchungsausschuss. Die Wahl von Donald Trump bezeichnet er als globale Katastrophe und befürchtet negative Auswirkungen auf die internationalen Beziehungen und die Wirtschaft in Thüringen.

Schließlich geht es um die Besetzung des Vizepräsidenten und eines stellvertretenden Mitglieds des Verfassungsgerichtshofs. Schaft lehnt den von der AfD vorgeschlagenen Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten ab und stellt klar, dass die Linke keinen Kandidaten der AfD für diese Position wählen wird. Bezüglich des stellvertretenden Mitglieds des Verfassungsgerichtshofs will sich Schaft die Person erst ansehen, äußert aber auch hier Zweifel an der Zustimmung der Linken.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Linke im Thüringer Landtag vor der Herausforderung steht, als konstruktive Opposition zu agieren, ohne der AfD Einfluss zu verschaffen. Die „Brombeerkoalition“ ist auf die Stimmen der Linken angewiesen, um stabile Mehrheiten zu sichern. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Zusammenarbeit zwischen den Parteien entwickeln wird.

Björn Höcke (AfD Thüringen) weiterhin für Schaukelstuhlpolitik offen

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Björn Höcke äußerte sich kürzlich zu einer Vielzahl politischer Themen, wobei er insbesondere auf die Gesprächsbereitschaft der AfD und ihre Beziehungen zu anderen politischen Akteuren einging. Höcke erklärte, dass die AfD bereit sei, mit allen Abgeordneten zu sprechen, unabhängig von ihrer politischen Zugehörigkeit, jedoch wurden die Gesprächsangebote an die CDU und die BSW nach der Wahl abgelehnt.

Er kritisierte zudem die Medienberichterstattung über die BSW und warf ihr vor, sich zu sehr dem politischen Establishment anzupassen. Höcke warnte, dass die BSW ihren „Markenkern“ verlieren könnte, wenn sie nicht konsequent an ihren Positionen festhalte. In Bezug auf eine mögliche Koalition aus CDU, BSW und SPD bezeichnete er diese als „Bromberg-Koalition“ und äußerte Bedenken hinsichtlich ihrer Stabilität und Handlungsfähigkeit. Für Thüringen forderte er stabile Verhältnisse, die er nur mit einer Beteiligung der AfD für möglich hielt.

Des Weiteren kommentierte Höcke die Wahl eines Stellvertreters für das Verfassungsgericht und erklärte, dass die AfD einen Kandidaten aus Südthüringen nominiert habe. Er sprach sich für eine Einigung auf gemeinsame Kandidaten aus, um die erforderliche Zweidrittelmehrheit im Landtag zu erzielen. In Bezug auf die Wahl eines AfD-Vizepräsidenten kritisierte Höcke das Vorgehen der CDU und bemängelte, dass neue Bedingungen aufgestellt wurden, die zuvor nicht vereinbart worden waren.

Höcke erklärte, dass die AfD keine Unterstützung für die „labile“ Regierung leisten werde und kündigte eine „knallharte Oppositionspolitik“ an. Auch der von der BSW vorgeschlagene Einsetzungsbeschluss für einen Corona-Untersuchungsausschuss wurde von ihm kritisiert, da dieser zu ungenau und unvollständig erschien. Er forderte eine tiefgehende und systematische Aufarbeitung der Corona-Maßnahmen, die insbesondere die Landesregierung und verschiedene relevante Themen wie Impfung, Straßenproteste und Schulen einbeziehen sollte.

Trotz seiner kritischen Haltung gegenüber bestimmten Aspekten des Vorschlags zeigte sich Höcke dennoch offen für Gespräche mit anderen Fraktionen, um einen gemeinsamen Einsetzungsbeschluss zu erarbeiten, der auch die Anliegen der AfD berücksichtigt.

Die Verkaufskultur in Kaufhallen der DDR

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Die Verkaufskultur in den Kaufhallen der DDR war ein vielschichtiges Thema, das von organisatorischen und technischen Aspekten bis hin zur persönlichen Einstellung der Mitarbeiter reichte. Sie beeinflusste maßgeblich das Einkaufserlebnis der Kunden. Zwei Beispiele aus Berlin-Friedrichshain verdeutlichen diesen Unterschied deutlich.

Die Kaufhalle mit gravierenden Mängeln
Die erste Kaufhalle kämpfte mit mehreren schwerwiegenden Mängeln in puncto Hygiene und Kundenservice. Der Zustand der Waren und die Sauberkeit in den Regalen ließen stark zu wünschen übrig. Konserven waren verschmutzt, und eine beschädigte Verpackung zeugte von mangelhafter Sorgfalt im Umgang mit den Produkten. Besonders beunruhigend war, dass verdorbene Milchprodukte in einer unzureichend gereinigten Ecke lagerten, was zu einer massiven Gesundheitsgefährdung führen konnte. Brot, das in dieser Halle zum Verkauf angeboten wurde, musste vom Kunden selbst in Scheiben geschnitten werden, was in puncto Hygiene fragwürdig war. In dieser Halle war die Atmosphäre von Desinteresse und Nachlässigkeit geprägt. Die Mitarbeiter kümmerten sich wenig um das ordnungsgemäße Aussortieren abgelaufener Produkte oder das Nachfüllen der Regale.

Kunden, die ihre Beschwerden äußerten, stießen auf wenig Verständnis. Zwar wurde ihre Kritik zur Kenntnis genommen, doch es dauerte eine lange Zeit, bis erste Maßnahmen ergriffen wurden. Erst als die Hygieneinspektion drohte, mit Sanktionen gegen die Kaufhalle vorzugehen, kam es zu ersten Verbesserungen. Doch der Vorgang zeigte deutlich, dass der Austausch von Ideen und die Bereitschaft zur Veränderung in dieser Einrichtung stark ausbaufähig waren. Die Kaufhalle konnte nicht mit einer serviceorientierten Haltung punkten, und der Einkauf war ein eher unangenehmes Erlebnis, das vor allem durch das mangelnde Engagement der Mitarbeiter geprägt war.

Die Kaufhalle mit kundenfreundlichem Ansatz
Im direkten Gegensatz dazu steht die zweite Kaufhalle, die sich durch hohe Hygienestandards und ein deutlich höheres Maß an Kundenorientierung auszeichnete. Die Leiterin dieser Kaufhalle war ein Beispiel für persönliches Engagement. Sie war regelmäßig selbst in den Regalen tätig, putzte, ordnete und stellte sicher, dass die Ware immer ansprechend und hygienisch korrekt präsentiert wurde. Dieses persönliche Engagement wirkte sich nicht nur positiv auf die Sauberkeit aus, sondern auch auf das Verhalten der Mitarbeiter. Sie wurden durch die Leiterin zu einer verantwortungsbewussten und freundlichen Kundenbetreuung angehalten und motiviert, das Einkaufserlebnis stetig zu verbessern.

Der Service war hier auf einem viel höheren Niveau. Die Mitarbeiter gingen auf die Wünsche der Kunden ein, boten Unterstützung beim Auffinden von Produkten und sorgten dafür, dass die Atmosphäre freundlich und einladend war. Auch die Lagerung der Produkte entsprach einem hohen Standard. Regelmäßig wurde auf die Qualität der Lebensmittel geachtet, und auch die Verpackungen wurden auf Beschädigungen überprüft. Der gesamte Eindruck der Kaufhalle war sauber, ordentlich und professionell.

Die Bedeutung der Verkaufskultur
Der Vergleich dieser beiden Kaufhallen verdeutlicht, wie wichtig eine funktionierende Verkaufskultur ist. Verkaufskultur umfasst nicht nur die physischen Aspekte eines Marktes, sondern auch die interpersonelle Kommunikation und die Haltung der Angestellten. Sie spiegelt sich in der Organisation und Anordnung der Produkte, der Hygiene, der Sauberkeit und der Aufmerksamkeit gegenüber den Kunden wider. Der Kunde ist immer ein Spiegelbild der Qualität und des Engagements eines Unternehmens.

In der DDR war die Verkaufskultur oft durch den Mangel an vielen Produkten und durch eine gewisse Bürokratie geprägt. Doch auch in diesem System konnte es Unterschiede zwischen einzelnen Einrichtungen geben. Der Begriff „Verkaufskultur“ war mehr als nur ein abstrakter Begriff – er beeinflusste direkt das Einkaufserlebnis und war ein Ausdruck des sozialen und wirtschaftlichen Umfelds, in dem die Menschen lebten.

Die Verkäufer hatten in den DDR-Kaufhallen eine besondere Bedeutung, da sie als Bindeglied zwischen der Warenwelt und den Kunden agierten. Ihre Ausbildung und Motivation waren daher zentrale Faktoren, die über den Erfolg oder Misserfolg der jeweiligen Kaufhalle entschieden. In der ersten Kaufhalle zeigte sich, wie ein Mangel an Engagement und einer strukturierten Verkaufsorganisation den Kundenservice negativ beeinflussen konnte. In der zweiten Kaufhalle hingegen zeigte sich, dass durch persönliche Verantwortung und hohe Ansprüche an Sauberkeit und Kundenservice eine Verbesserung der Kaufkultur und ein positives Einkaufserlebnis für die Kunden erzielt werden konnten.

Zusammenfassung
Die Verkaufskultur in der DDR war nicht nur ein abstrakter Begriff, sondern hatte direkte Auswirkungen auf das tägliche Leben der Menschen. Die beiden Beispiele aus Berlin-Friedrichshain verdeutlichen, dass eine Kaufhalle mit Desinteresse und Hygienemängeln das Einkaufserlebnis zu einem unangenehmen und gesundheitlich bedenklichen Erlebnis machen konnte, während ein engagierter und kundenfreundlicher Ansatz zu einer deutlich positiveren Wahrnehmung führte. Es wurde deutlich, dass Verkaufskultur in der DDR in erster Linie durch die Kombination von Ordnung, Sauberkeit und Freundlichkeit geprägt wurde und sich in der Praxis als sehr unterschiedlich umsetzen ließ.

Mario Voigt (CDU Thüringen) – „Jetzt reden wir über die thüringer Themen“

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Im Interview spricht Mario Vogt, CDU-Fraktionschef im Thüringer Landtag, über die Herausforderungen und Prioritäten der Koalitionsverhandlungen mit der Bürger für Thüringen (BSW). Die Verhandlungen verlaufen gut, und Vogt zeigt sich zuversichtlich, dass ein Koalitionsvertrag die geforderten Veränderungen widerspiegeln wird. Die zukünftige Regierung werde sich besonders auf Wirtschafts-, Sozial- und Bildungspolitik sowie Digitalisierung konzentrieren. Auch betont er die Wichtigkeit des Landeshaushalts, um die finanzielle Stabilität zu sichern, und hebt den wirtschaftlichen Einfluss der USA und die Bedeutung der Ukraine-Krise für Thüringen hervor.

Ein Schwerpunkt liegt auf den Corona-Untersuchungsausschüssen, die Vogt unterstützt, um Lehren aus der Pandemie zu ziehen. Dies solle nicht nur auf Fehler hinweisen, sondern langfristige Verbesserungen ermöglichen. Zur Zusammenarbeit mit der AfD erklärt Vogt, dass die CDU auf eine funktionierende Arbeitsweise im Landtag setzt. Die Besetzung von Schlüsselpositionen wie dem Vizepräsidenten und die Arbeit im Richterwahlausschuss machen eine Zusammenarbeit erforderlich. Hierbei erwartet die CDU ein konstruktives Verhalten der AfD.

Koalitionsverhandlungen mit der BSW
Vogt ist besonders optimistisch hinsichtlich der fortlaufenden Koalitionsverhandlungen mit der BSW. Die Zusammenarbeit zwischen beiden Parteien soll zu einem Vertrag führen, der die am 1. September 2024 geäußerten Wählerwünsche aufgreift und in praktische Regierungsarbeit umsetzt. Sieben Arbeitsgruppen arbeiten derzeit intensiv an spezifischen Inhalten des Koalitionsvertrags. Laut Vogt sollen die Inhalte des Vertrags spürbare Veränderungen für die Menschen in Thüringen bewirken und eine neue politische Richtung signalisieren. Themen wie Wirtschaftsförderung, Gesundheitsversorgung und Bildungspolitik stehen dabei im Vordergrund, und auch die Digitalisierung ist ein wichtiger Bereich, in dem die künftige Regierung ambitionierte Ziele hat.

Vogt schätzt die gute Zusammenarbeit und den Austausch zwischen den Verhandlungsparteien. Besonders betont er die konstruktive Atmosphäre der Verhandlungen, die eine Grundlage für stabile Regierungsarbeit und gemeinsame Ziele bildet. Der CDU-Fraktionschef äußert sein Vertrauen in den Prozess und zeigt sich überzeugt, dass die anstehenden Herausforderungen von einer stabilen Koalition gemeinsam und im Interesse der Bürgerinnen und Bürger bewältigt werden können.

Herausforderungen und Ziele der zukünftigen Regierung
Die künftige Regierung wird sich laut Vogt auf Kernbereiche wie Wirtschaft, soziale Sicherheit, Bildung und die Digitalisierung konzentrieren. Die Sicherung von Arbeitsplätzen steht für die CDU an oberster Stelle. Thüringen müsse wirtschaftlich gestärkt werden, um den Menschen langfristig Perspektiven zu bieten. Vogt betont auch, dass die medizinische Versorgung in ländlichen Regionen ausgebaut werden müsse, um sicherzustellen, dass alle Menschen, unabhängig von ihrem Wohnort, Zugang zu Gesundheitsdiensten haben.

Bildungspolitik spielt ebenfalls eine zentrale Rolle: Die CDU setzt sich für eine Stärkung des Bildungswesens und eine Modernisierung der Schulen ein. Vogt sieht eine Zukunft, in der Schulen mit moderner Technologie ausgestattet sind und digitale Kompetenz gefördert wird. Zudem soll die berufliche Bildung ausgebaut werden, um den Bedürfnissen der Wirtschaft gerecht zu werden. Vogt ist überzeugt, dass durch gezielte Maßnahmen in diesen Bereichen Thüringen zukunftsfähiger und attraktiver wird.

Die Bedeutung des Haushalts
Der Haushaltsplan ist für Vogt eine der dringendsten Aufgaben. Die finanzielle Lage des Landes ist angespannt, und die kommenden Jahre könnten laut Vogt besonders herausfordernd werden. Ein zügiger Abschluss des Haushalts sei notwendig, um den Kommunen und sozialen Einrichtungen Planungssicherheit zu geben. Die CDU möchte einen Haushalt verabschieden, der sowohl die finanziellen Möglichkeiten des Landes berücksichtigt als auch wichtige Investitionen in die Zukunft ermöglicht. Vogt betont die Notwendigkeit, den Gemeinden und Bürgern eine stabile und verlässliche Grundlage zu bieten, die Sicherheit für Investitionen und Projekte schafft.

Internationale Entwicklungen und deren Einfluss auf Thüringen
Vogt spricht auch über die weltpolitische Lage und wie diese Thüringen beeinflussen könnte. Die Präsidentschaftswahlen in den USA werden für Thüringen von Bedeutung sein, insbesondere im wirtschaftlichen Bereich. Donald Trumps Wahlkampf und seine mögliche Wiederwahl könnten laut Vogt Auswirkungen auf Thüringen haben, besonders hinsichtlich der Handelspolitik und der Beziehungen zu den USA. Vogt ist der Ansicht, dass eine mögliche Wirtschaftspolitik unter Trump mit einem Fokus auf Deregulierung und wirtschaftsliberale Ansätze Thüringen Impulse geben könnte, aber gleichzeitig Risiken für die exportorientierte Wirtschaft des Landes berge.

Auch der Krieg in der Ukraine beschäftigt Vogt und die CDU in Thüringen. Der Krieg führt zu Unsicherheiten und Belastungen für die Menschen, die in wirtschaftlichen Fragen sowie in der Energieversorgung spürbar werden. Vogt sieht in der Unterstützung der Ukraine nicht nur eine moralische Pflicht, sondern auch eine Notwendigkeit, um Stabilität in Europa zu sichern.

Corona-Untersuchungsausschüsse
Ein weiterer Aspekt im Interview ist Vogts Stellungnahme zu den geplanten Corona-Untersuchungsausschüssen. Die CDU steht den beiden geplanten Untersuchungsausschüssen offen gegenüber. Vogt unterstützt die Initiative, aus der Pandemie Lehren zu ziehen und zu analysieren, welche Maßnahmen erfolgreich waren und wo Verbesserungsbedarf besteht. Besonders wichtig sei es, die Ausschüsse so zu organisieren, dass die Erkenntnisse aus der Pandemiepolitik auch in zukünftige Krisenbewältigung einfließen können. Vogt zeigt sich zuversichtlich, dass die Arbeit in den Untersuchungsausschüssen konstruktiv verlaufen wird und zur Stärkung der Handlungsfähigkeit in Thüringen beitragen kann.

Zusammenarbeit mit der AfD
Zur Zusammenarbeit mit der AfD im Thüringer Landtag äußert sich Vogt differenziert. Er sieht die Notwendigkeit, mit allen Parteien im Landtag Gespräche zu führen, um eine arbeitsfähige Mehrheit zu schaffen. Die CDU ist auf konstruktive Zusammenarbeit angewiesen, um die Ausschüsse zu besetzen und die Funktionsfähigkeit des Parlaments zu gewährleisten. Besonders die Besetzung des Vizepräsidenten und die Arbeit im Richterwahlausschuss erfordern laut Vogt ein kooperatives Verhalten aller Parteien. Er fordert die AfD auf, ihre Blockadehaltung in diesen Gremien aufzugeben, um die parlamentarische Arbeit nicht zu behindern.

Vogts Vision für Thüringen
Abschließend spricht Vogt über seine Vision für Thüringen und wünscht sich eine neue politische Kultur im Landtag. Er betont, dass das Verbindende und der Austausch im Vordergrund stehen sollen. Vogt sieht die Koalitionsverhandlungen als Chance, das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger zurückzugewinnen und eine stabile, verlässliche Regierung zu bilden. Sein Ziel ist es, durch die Verhandlungen ein Ergebnis zu erreichen, das allen Partnern gerecht wird und den Interessen des Landes Thüringen dient.

Vogts optimistische Einschätzung und sein Engagement für die Koalitionsverhandlungen zeigen seine Hoffnung, dass die CDU in Zusammenarbeit mit der BSW eine starke Regierung aufbauen kann, die auf die Bedürfnisse und Erwartungen der Bürgerinnen und Bürger eingeht und Thüringen in eine stabile Zukunft führt.

Die wichtigsten Punkte der Stadtratssitzung in Salzwedel vom 30.10.2024

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Die dritte Sitzung des Stadtrates von Salzwedel begann mit der Begrüßung aller Anwesenden durch den Stadtratsvorsitzenden, Herrn Hund. Nach Feststellung der Beschlussfähigkeit und einigen Änderungen an der Tagesordnung, wurden die Niederschriften der vorherigen Sitzungen vom 29. Mai und 28. August einstimmig angenommen.

Der Bericht des Bürgermeisters, Herrn Meining, nahm einen wichtigen Teil der Sitzung ein. Er begann mit einem Nachruf auf den kürzlich verstorbenen ehemaligen Stadtrat und Ortsbürgermeister Dr. Ulrich Ungewickel, den er als „echtes Original“ würdigte. Nach einer Schweigeminute informierte Herr Meining den Stadtrat über aktuelle Themen und Projekte in Salzwedel.

Wichtige Punkte des Bürgermeisterberichts:
● Herbstliche Aufgaben der kommunalen Dienste: Der Bürgermeister hob die Bedeutung der kommunalen Dienste für die Stadt hervor, besonders im Herbst. Die Reinigung von Regeneinläufen und die Prüfung von Regenrückhaltebecken sowie die Bereitstellung von Big Packs für Laub standen im Vordergrund.
● Brückenprüfung: Die Ergebnisse der Bauwerksprüfung für die Brücken der Stadt werden in den nächsten Wochen erwartet. Je nach Ergebnis könnten Sanierungen oder Reparaturen notwendig werden.
● Verkehrssicherheit: An der Einmündung Brückenstraße/Thälmannstraße wurde eine Bedarfsampel installiert, um die Sicherheit für Fußgänger und Radfahrer zu erhöhen. Der Bürgermeister appellierte an alle Verkehrsteilnehmer, trotz der neuen Ampelanlage weiterhin Vorsicht und Rücksicht walten zu lassen.
● Tierpark: Der Bürgermeister lobte die positiven Veränderungen im Salzwedler Tierpark, darunter die Fertigstellung der Quarantäne- und Abferkelstation. Er bedankte sich beim Förderverein des Tierparks für die Unterstützung und die tollen Initiativen.
● Straßenbeleuchtung: Die marode Straßenbeleuchtung in einigen Bereichen der Stadt, wie dem Dreiländereck und der Nikolaus-Gerken-Straße, wird derzeit geprüft und repariert. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Beleuchtung von Bushaltestellen, ein Wunsch, der von Schülerinnen im Rahmen der „Karte der Träume“ geäußert wurde.
● Winterdienst: Die kommunalen Dienste bereiten sich bereits auf den Winterdienst vor, indem Streusand eingelagert und die Technik für Räume und Streuaufgaben umgebaut wird.
● Baumfplanzungen: In der Pflanzsaison 2024/2025 wurden bisher 111 Bäume gepflanzt, zusätzlich zu 20 Ersatzpflanzungen auf dem Perwa-Friedhof und im Stadion.
● Grundsteuerreform: Der Bürgermeister informierte den Stadtrat über den aktuellen Stand der Grundsteuerreform, die zum 1. Januar 2025 in Kraft tritt. Er betonte, dass die Stadt die Möglichkeit prüfe, unterschiedliche Hebesätze für Wohn- und Nichtwohngrundstücke festzusetzen, um Ungleichgewichte in der Besteuerung abzufedern. Die neuen Grundsteuerbescheide werden voraussichtlich erst Ende des ersten Quartals 2025 versandt. Bis dahin bleiben die alten Bescheide gültig.
● Haushaltsplanung 2025: Die Haushaltsplanung 2025 soll dem Stadtrat in der Sitzung am 20. November in erster Lesung vorgelegt werden. Nach der Beteiligung der Fachausschüsse und des Hauptausschusses könnte die Haushaltssatzung 2025 in der Februarsitzung 2025 beschlossen werden.
● Grüße aus Partnerstadt Wesel: Der Bürgermeister übermittelte herzliche Grüße aus der Partnerstadt Wesel, wo am vergangenen Wochenende das Hansefest gefeiert wurde.
● Lichternacht und Heimatshoppen: Am 1. November findet die traditionelle Salzwedler Lichternacht statt, bei der die Innenstadt in stimmungsvollem Ambiente erstrahlen wird. Am selben Tag findet auch die IHK-Aktion „Heimatshoppen“ statt, die deutschlandweit den lokalen Handel unterstützt.
● Lichtblütenfestival: Erstmals wird in Salzwedel das Lichtblütenfestival stattfinden, das an verschiedenen Kulturorten in der Altmark mit Lichtinstallationen und Attraktionen die Region in Szene setzt.
● „Politics meets Economics“: Am 19. November findet die Veranstaltungsreihe „Politics meets Economics“ statt, bei der Politik und Wirtschaft im Dialog zusammenkommen. Das Thema des Abends ist die aktuelle und zukünftige Verkehrsanbindung der Stadt.
● Stellungnahme zu Uwe Steimle Auftritt: Der Bürgermeister bezog Stellung zu einem offenen Brief, in dem die Stadt wegen einer Veranstaltung mit dem Kabarettisten Uwe Steimle im Kulturhaus kritisiert wurde. Er betonte, dass die Stadtverwaltung nicht beurteilen könne, ob die von Steimle geäußerten Witze von der Kunstfreiheit gedeckt seien. Sollten sich nach einer Anzeige strafrechtlich relevante Aussagen ergeben, werde die Stadt gemäß den Vertragsbedingungen, insbesondere der Antisemitismus-Klausel, handeln. Solange dies nicht der Fall sei, gelte für den Künstler die Kunstfreiheit.

Nach dem Bericht des Bürgermeisters stellte sich Frau Roswitha Körlin, die neu gewählte Seniorenbeauftragte der Stadt, vor. Sie berichtete über ihren beruflichen Werdegang und ihre Ziele für das Amt. Im Anschluss erhielt sie vom Bürgermeister ihre Berufungsurkunde und ein Blumenpräsent.

In der anschließenden Stellungnahme der Fraktionen äußerte sich Frau Brunsch von der Linksfraktion kritisch zur Erhöhung der Aufwandsentschädigungen für Stadtratsmitglieder. Sie argumentierte, dass die angespannte Finanzlage der Stadt keine Erhöhung der Entschädigungen zulasse. Die Linksfraktion lehne die Erhöhung daher ab.

Im weiteren Verlauf der Sitzung befasste sich der Stadtrat mit verschiedenen Anträgen.

Wichtige Beschlüsse und Abstimmungen:
● Die Feuerwehrgebührensatzung wurde einstimmig beschlossen.
● Die außerplanmäßige Verpflichtungsermächtigung zur Beschaffung eines Kleineinsatzfahrzeugs für die Feuerwehr in Salzwedel wurde ebenfalls einstimmig angenommen.
● Der Jahresabschluss des Seniorenzentrums Wieter GmbH sowie der Jahresabschluss der Wohnungsbaugesellschaft wurden bestätigt und die Entlastung der jeweiligen Aufsichtsräte und Geschäftsführer erteilt.
● Über die Änderung der Satzung für die Aufwandsentschädigung für ehrenamtlich Tätige wurde nach einer Debatte abgestimmt. Herr Schönfeld von der Fraktion „Die Linke“ beantragte eine namentliche Abstimmung, die jedoch abgelehnt wurde. Die Satzungsänderung wurde schließlich mit Mehrheit angenommen.
● Ein Antrag der Fraktion BfS und SPD auf Wiedereinführung des Sozialausschusses wurde mehrheitlich abgelehnt.
● Ein Antrag der Fraktion BfS und SPD auf Prüfung der Einführung eines WhatsApp-Kanals wurde mehrheitlich angenommen.
● Ein Antrag der Fraktion BfS und SPD auf Eintragung von Stadtratsmitgliedern mit 25-jähriger Tätigkeit ins Goldene Buch der Stadt wurde mehrheitlich abgelehnt.
● Ein Antrag der Fraktion BfS und SPD auf Prüfung der Nutzung des Bundesprogramms „Grüne Vielfalt“ wurde mehrheitlich angenommen.
● Ein Antrag der Fraktion BfS und SPD auf Belebung der Innenstadt durch regelmäßiges Ausrichten eines Marktes wurde mehrheitlich abgelehnt.
● Ein Antrag der Fraktionen CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN auf Ausweisung von Pflanzflächen für private Initiativen mit der Möglichkeit der Übernahme von Patenschaften wurde mehrheitlich angenommen.
● Ein Antrag der Fraktion BfS Salzwedel auf Errichtung einer Baumkuchenskulptur an der B 71/B 190 wurde nach einer Diskussion in den zuständigen Ausschuss zurückgewiesen.
In der anschließenden Einwohnerfragestunde gab es einige Anfragen und Anregungen aus der Bürgerschaft.
Wichtige Punkte der Einwohnerfragestunde:
● Es wurde die Frage aufgeworfen, ob die Idee eines Baumkuchenbrunnens in der Innenstadt, die von einer Schülerin vorgeschlagen wurde, mit dem Antrag auf Errichtung einer Baumkuchenskulptur an der B 71/B 190 verbunden werden könnte.
● Eine Bürgerin regte an, bei der Finanzierung von Kunstprojekten im öffentlichen Raum die Möglichkeit privater Spenden, beispielsweise durch die Baumkuchenbäckereien der Stadt, zu prüfen.
● Es gab eine Nachfrage zum Bundesprogramm „Grüne Vielfalt“, dessen Nutzung im Rahmen eines Antrags geprüft werden soll.
● Ein Bürger erkundigte sich nach der Bereitstellung von Laubsäcken in der Schillerstraße.
● Herr Schönfeld regte an, den Paralympics-Medaillengewinner Thomas Ulbrich erneut ins Goldene Buch der Stadt eintragen zu lassen, um seine sportlichen Leistungen zu würdigen. Der Bürgermeister wies darauf hin, dass eine Eintragung ins Goldene Buch einen Beschluss des Hauptausschusses erfordert.

Nach der Einwohnerfragestunde schloss der Stadtratsvorsitzende den öffentlichen Teil der Sitzung.