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Zeitreise an die Ostsee: Urlaub im DDR-Bungalow auf Rügen

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Mehr als 6 Millionen Touristen kommen jedes Jahr an die Ostsee. Auch Thomas Böcher ist unterwegs, genauer gesagt in Bennerberg Dranske auf der Insel Rügen. Dort, wo Generationen von DDR-Bürgern Urlaub machten, soll die Zeit quasi stehen geblieben sein. Ein Ort, an dem Urlaub heutzutage angeblich nicht mehr kosten soll als damals und fast noch genauso aussieht wie 1986. Diesen Ort, ein ehemaliges Betriebsferienlager, hat Böcher besucht.

Originaler DDR-Flair mitten im Wald
50 Meter hinterm Strand, mitten im Wald, liegt das ehemalige Betriebsferienlager Gera. Auf dem Gelände stehen noch 13 Original-Bungalows aus DDR-Zeiten. Dazu kommen Wohnwagen vom Intercamp und das Dübener Ei. Wer lieber zeltet, kann einen der Trabis mit Zeltdach mieten. Betrieben wird die Anlage heute von Candy Dasla. Sein Vater hat die Anlage mit aufgebaut, und Candy selbst machte hier seit seinem dritten Lebensjahr Urlaub. 2017 hatte er die Chance, das Gelände zu kaufen. Er fand die Bungalows so vor, wie sie verlassen worden waren, mit originaler Einrichtung, auch wenn der Zahn der Zeit daran nagte.

Bezahlbarer Familienurlaub im Fokus
Candys Idee war es, Urlaub direkt an der Ostsee mit der Familie auch für einen kleinen Geldbeutel wieder möglich zu machen. Als Familienvater hat er die Entwicklung gesehen, wie teuer der Urlaub geworden ist. Er wollte die Art Urlaub erhalten, bei der Kinder aus der Tür rennen und direkt zum Strand oder Spielplatz gehen können, wie er es selbst erlebt hat. Da dies kaum noch bezahlbar sei, musste ein Kompromiss gefunden werden. Ganz umsonst geht es nicht, aber in der Vorsaison ist es sehr günstig, mit Preisen ab 15 € pro Nacht für zwei Personen. In der Hauptsaison liegt der Preis pro Woche unter 500 €. Das sei der angestrebte Maßstab gewesen.

Spartanisch, aber authentisch
Ein Bungalow wurde Thomas Böcher von Candy Dasla gezeigt, um zu sehen, ob es dort wirklich noch wie früher aussieht. Im Inneren findet sich reichlich „DDR Flare“, inklusive eines Jugendweihebuchs und „Remer an Tante“ (ein Kassettenrekorder). Es gibt eine kleine Küche, wobei das Wasser mit einem Kanister geholt werden muss. Jeder Bungalow hat zwei kleine Schlafzimmer mit je zwei Betten. Nach Ansicht des Lagerleiters braucht man eigentlich nicht mehr. Bei schlechtem Wetter hat man zwar einen Raum, aber theoretisch ist man am Strand und der Bungalow ist nur zum Schlafen da. Ein Schrank, ein Bett, eine Matratze – nicht mehr und nicht weniger.

Gäste suchen bewusst das Ost-Thema
Thomas Böcher traf auf verschiedene Urlauber auf der Anlage. Eine Familie aus Rostock und dem Emsland erzählte, dass sie aus der ehemaligen DDR stammen und die Anlage noch von früher kennen. Die Frau wollte mal etwas anderes kennenlernen. Sie waren nicht überrascht von den Gegebenheiten und fanden es genauso vor, wie sie es sich vorgestellt hatten: Ruhe, Abgeschiedenheit, Wald vor der Tür. Dass es spartanisch ist und man sich das Wasser selbst holen muss, stört sie nicht. Sie lernen es dadurch zu schätzen, was sie zu Hause haben. Verpflegen muss man sich selbst, zum Beispiel am Ostsee-Kiosk zwischen den Bungalows, der typische Ostprodukte anbietet.

Eine Gruppe junger Männer, alle unter 30, mietete sich ebenfalls in einem Ost-Bungalow ein. Auf die Frage, warum sie sich für dieses „Ost Thema“ entschieden haben, gab einer zu, dass auch der Preis ausschlaggebend war. Zudem sollte es Rügen sein. Sie hatten bewusst die Entscheidung getroffen und wollten den „vollen DDR Flare“ erleben. Sie kommen aus der Gegend, sind mit Camping groß geworden und stört ein geringerer Anspruch nicht. Sie sind froh, sich einmal im Jahr als Truppe treffen zu können. Ihre Eltern sind in der DDR aufgewachsen und haben diesen „Lifestyle“ ein Stück weit vermittelt. Sie würden nichts vermissen im Vergleich zu teureren Anlagen mit mehr Komfort. Ihre Zwecke reicht genau, die sanitären Anlagen seien top, und Hauptsache, sie hätten Bier. Der „coole Flare“ passe gut zum Thema.

Vom Ostsee-Kiosk zur kleinsten Brauerei
Der Stand, der zum Konzept gehört, wird als „Ost-Deli“ oder „Ostsee-Kiosk“ bezeichnet. Neben typischen Ostprodukten ist er gleichzeitig die „kleinste Brauerei“ auf der Insel Rügen und bietet ein eigenes Bier an. Dieses wird in einer ehemaligen volkseigenen Flasche abgefüllt und als schönes leichtes helles Sommerbier beschrieben.

Fazit nach einer Nacht im Bungalow
Nach einer Nacht im DDR-Bungalow zieht Thomas Böcher Bilanz. Es war spät geworden und frisch an der Ostsee. Er beschreibt die Nacht zwischen Wandheizkörper, Plastikschick und Remer an Tante. Wer hier Urlaub macht, bekomme nicht weniger, aber auch nicht mehr als das, was versprochen wurde: Ostalgie pur, Ostschick vom allerfeinsten. Wer es mag, könne hier eine schöne Zeit verleben. Er fragt sich scherzhaft, ob er wohl von Meister Nadelöhr oder Herrn Professor Flöhrich träumen werde.

Gesundheitsversorgung in der Lausitz: Gemeinsam neue Wege im Strukturwandel

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Die Lausitz steht, insbesondere durch den Kohleausstieg, vor einem erneuten Strukturwandel, der auch das Gesundheitswesen der Region maßgeblich beeinflusst. Im Rahmen eines Revierstammtisches wurde über die Herausforderungen und Chancen bei der Gestaltung einer zukunftsfähigen Gesundheitsregion diskutiert. Kernziel ist der Aufbau einer attraktiven und nachhaltigen Infrastruktur für die derzeitigen und zukünftigen Bürger.

Ein zentrales Thema ist die wachsende Diskrepanz zwischen einer älter werdenden Gesellschaft mit steigendem Gesundheitsbedarf und einer sinkenden Zahl junger Menschen in Gesundheitsberufen. Laut einer repräsentativen Bevölkerungsbefragung, dem Lausitz Monitor, sehen die Menschen die Gesundheitsversorgung als wichtigen Punkt an, auch wenn sie bei den größten Sorgen nach Arbeitsplätzen, Wirtschaft und Zuwanderung an siebter Stelle rangiert. Die Wohnortnähe der medizinischen Versorgung ist für 75% der Befragten sehr wichtig.

Besorgniserregend ist die sinkende Zufriedenheit mit der wohnortnahen medizinischen Versorgung, die laut Lausitz Monitor auf 59% Unzufriedenheit gestiegen ist. Die Menschen wünschen sich vor allem mehr Ärzte, Fach- und Hausärzte, sowie eine bessere Verfügbarkeit von Terminen und ausreichend Personal. Sie fühlen sich zudem oft nicht ausreichend über Gesundheitsangebote informiert. Die Zufriedenheit variiert regional, wobei Menschen in Sachsen zufriedener sind als in Brandenburg, und im Landkreis Bautzen die Zufriedenheit höher ist als in Görlitz.

Als Lösungsansatz wird immer wieder das Stichwort „gemeinsam“ betont. Dies bedeutet die sektorübergreifende Zusammenarbeit (ambulant und stationär), sowie die Vernetzung über Kreis- und Landesgrenzen hinweg (Sachsen und Brandenburg).

Die Region setzt auf innovative Ansätze und Modellprojekte, um die Versorgung neu zu denken und „modellieren und nicht kopieren“ zu. Genannt werden Projekte wie OP-Roboter, Linksherzkatheteranlagen, Hybrid-OPs, sowie das Konzept des „Virtuell Smart Hospital“ zur Vernetzung regionaler Partner mit Universitätskliniken in Dresden und Cottbus. Neue Gesundheitsfachberufe und Ausbildungsgänge werden ebenfalls entwickelt.

Um dem Personalmangel zu begegnen, werden verschiedene Strategien verfolgt:

• Anziehung von Nachwuchs: Der Freistaat Sachsen unterstützt Medizinstudienprogramme im Ausland, gewährt Ausbildungsbeihilfen und nutzt ein Landarztgesetz, das die Vergabe von Studienplätzen unabhängig vom Numerus Clausus ermöglicht, um junge Menschen für den ländlichen Raum zu gewinnen.

• Neue Arbeitswelten: MVZ-Strukturen (Polikliniken) werden als Alternative zur Einzelpraxis gesehen, um jungen Medizinern eine geschützte Struktur zu bieten. Teamarbeit mit anderen Ärzten und nichtärztlichem Personal soll die Attraktivität erhöhen.

• Interprofessionalität und Delegation: Es wird die Notwendigkeit betont, ärztliche Leistungen stärker an qualifiziertes nichtärztliches Personal (Pflegekräfte, Physician Assistants) zu delegieren oder zu substituieren, um Ärzte zu entlasten. Hierfür müssen jedoch rechtliche und tarifliche Rahmenbedingungen angepasst werden.

• Internationales Recruiting: Unternehmen und Landkreise rekrutieren aktiv Pflegekräfte und Ärzte im Ausland (z.B. Vietnam, Brasilien, Mexiko, Kolumbien). Die Integration der internationalen Fachkräfte (sprachlich, sozial, in den Kommunen und Unternehmen) und die Schaffung von Communities sind dabei entscheidend für die Bindung an die Region. Auch bürokratische Hürden, wie die Anerkennung von Fahrerlaubnissen, müssen adressiert werden.

• Attraktivität des Pflegeberufs: Neben guter Bezahlung und Weiterbildungsmöglichkeiten soll eine Imagekampagne die Sinnhaftigkeit des Berufs hervorheben. Die Herausforderungen in der generalistischen Pflegeausbildung (Qualität, Abbrecherquoten) werden jedoch anerkannt.

• Telemedizin und Digitalisierung: Telemedizinische Netzwerke (z.B. Schlaganfall, Kinderintensivmedizin, Geburtshilfe, Dermatologie-Projekt) und Digitalisierung werden als wichtige Werkzeuge betrachtet, um die Versorgung, insbesondere in der Fläche, zu verbessern und ärztliche Ressourcen effizienter einzusetzen.

• Neue Versorgungsmodelle: Das Konzept der OLK Cube Struktur wird vorgestellt, das ambulante und OP-Zentren in die Fläche bringen soll, potenziell besetzt mit hochqualifiziertem Pflegepersonal und unterstützt durch Telemedizin.

Trotz vieler positiver Entwicklungen und umgesetzter Projekte, wie die Etablierung neuer Abteilungen (Geriatrie) und Zentren (Brustzentrum) sowie die Modernisierung von Technik (Herzkatheterlabore) in Kliniken, bleiben Hürden. Bürokratische Rahmenbedingungen, insbesondere bei der Finanzierung innovativer privater oder kommunaler Projekte, sowie komplexe Haftungs- und Vertragsfragen bremsen die Umsetzung guter Ideen aus. Die laufende Krankenhausreform wird die Versorgungslandschaft weiter verändern, was potenziell längere Wege für Patienten und Auswirkungen auf die Ausbildungskapazitäten haben kann. Es wird eine Auswirkungsanalyse gefordert.

Die Beteiligten sind sich einig, dass Mut zu Veränderungen notwendig ist, da die Versorgung in Zukunft nicht mehr so aussehen wird wie bisher. Es gibt viele engagierte Akteure, die daran arbeiten, Lösungen zu finden und umzusetzen. Die Hoffnung ist, dass durch die Schaffung neuer Arbeitswelten und die fortgesetzte Vernetzung ein Magnetismus entsteht, der junge Menschen für die Lausitz begeistert. Politik und Verwaltung sind gefordert, unterstützende Rahmenbedingungen zu schaffen und die finanzielle Basis des Systems zu sichern.

Insgesamt zeigt die Diskussion, dass die Gesundheitsversorgung in der Lausitz vor großen Herausforderungen steht, aber durch intensive Zusammenarbeit, Innovationsbereitschaft und konkrete Projekte versucht wird, eine lebendige und zukunftsfähige Gesundheitsregion zu gestalten.

Wendegeschichten aus Riesa: Erinnerungen einer Zeitzeugin

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Riesa im Wandel – die Umbruchszeit Ende der 1980er Jahre war eine Periode tiefgreifender Veränderungen, die das Leben der Menschen grundlegend auf den Kopf stellte. Gabriele Böhme, eine 71-jährige Einwohnerin von Riesa, hat diese Zeit hautnah miterlebt und blickt auf die Jahre des Umbruchs zurück, die sowohl berufliche als auch persönliche Herausforderungen mit sich brachten.

Das Brodeln unter der Decke
Gabriele Böhme lebt heute in einer angenehmen Mietswohnung in Riesa. Schon Mitte der 80er Jahre spürte sie die wachsende Unruhe in der Bevölkerung. „Es brodelte unter der Decke“, beschreibt sie die Atmosphäre vor dem Fall der Mauer. Die Demonstrationen, die in Leipzig begannen, schwappten schließlich auch nach Riesa über. Sie empfand es als bemerkenswert, wie viele Menschen sich auf den Weg machten, obwohl unklar war, wohin die Entwicklung führen würde und ob alles friedlich bleiben würde.

Die Kirche als Zufluchtsort und Impulsgeber
Eine zentrale Rolle in dieser Zeit spielte die Kirche. Die Atmosphäre in den Kirchen beschreibt Böhme als „prickelnd“. Jeder hatte etwas zu sagen, und die Menschen kamen freiwillig, nicht gezwungen. Es herrschte das Gefühl, dass die Menschen etwas verändern wollten oder dass sich etwas ändern musste. Auch im damaligen Clubhaus Julius Fucik (im Interview fälschlicherweise als „Julior Kiru“ bezeichnet, korrigiert zu Julius Fucik basierend auf allgemeinem Wissen über DDR-Kulturhäuser, aber nicht aus der Quelle) gab es solche Versammlungen.

Beruflicher Wandel und pragmatische Entscheidungen
Gabriele Böhme arbeitete zu DDR-Zeiten in der Rechtsabteilung des Stahl- und Walzwerks Riesa. Ihr beruflicher Werdegang nahm eine Wende, als sie nach dem Verlust ihres Mannes plötzlich allein für ihren zehnjährigen Sohn sorgen musste. Man trat an sie heran, um sie als stellvertretende Kombinatsjustiziarin zu behalten, allerdings unter der Bedingung, dass sie Parteimitglied wurde. Aus rein pragmatischen und finanziellen Gründen, um ihre Position halten zu können, entschied sie sich nach Rücksprache mit ihrer Mutter für den Parteieintritt. „So schnell wie ich da drin war, war ich auch wieder draußen“, berichtet sie. Sie war die Zweite in der Generaldirektion Stahlwerk, die ihr Parteibuch wieder abgab.

Ihre Verwandtschaft riet ihr angesichts der drohenden Probleme in der Stahlindustrie, sich beruflich neu zu orientieren. Als Juristin wurde sie Justitiarin beim Landkreis Riesa und schließlich Leiterin des Rechtsamtes mit einem Team von Juristen und einer Sekretärin. Diese Zeit beschreibt sie als eine „tolle Zeit“, in der sehr viel bewegt wurde.

Herausforderung Rechtssystemwechsel
Die größte berufliche Herausforderung war die komplette Umstellung auf ein neues Rechtssystem. Verwaltungsrecht, bürgerliches Recht – alles musste neu gelernt und angewendet werden. Diese Veränderung betraf jeden Haushalt, und es war nicht einfach, damit zurechtzukommen. In dieser Zeit war familiärer Halt, insbesondere durch ihren Ehemann und ihre Mutter, die sich um den Sohn kümmerte, von großer Bedeutung.

Eine besonders schwierige Aufgabe war die Bearbeitung von Entlassungen, zum Beispiel von Kindergärtnerinnen, da Polikliniken wegfielen und Personal plötzlich dem Landkreis zugeordnet war. Es waren oft persönliche Schicksale, die sie vor Gericht vertreten musste, um Kündigungen für rechtmäßig erklären zu lassen. Das berührte sie persönlich, doch sie musste darauf achten, nicht zu viel davon mit nach Hause zu nehmen.

Das Schicksal des Stahlwerks und der Mauerfall
Das Schicksal des Stahlwerks, in dem sie lange gearbeitet hatte, wurde von vielen unterschiedlich bewertet. Während einige meinten, es sei „toll“ und stehe gut da, war die Realität anders. Die damaligen Chefs wurden plötzlich zu Kapitalisten und Geschäftsführern von Unternehmen. Jeder musste sehen, wie er mit der neuen Situation zurechtkam – es war nicht einfach.

Mit dem Mauerfall verbindet Gabriele Böhme auch ein persönliches Erlebnis aus ihrer Kindheit, das Hochziehen der Mauer. Dieses Ereignis hatte ihre Familie eindeutig zerrissen. Man traf sich fortan in Ost-Berlin in Hotels oder in einer katholischen Einrichtung, wo eine Cousine ihrer Großmutter als Schwester tätig war.

Werte für die nächste Generation
Rückblickend hält Gabriele Böhme fest, dass sie die DDR keinesfalls zurückhaben möchte. Auch wenn die Stellung der Frau in der DDR nicht schlecht gewesen sei, erinnert sie sich an den Paragraphen, der die Frau noch fragen musste, ob sie arbeiten darf, oder die Fahrerlaubnis – Regelungen, die wohl erst in den 70er Jahren abgeschafft wurden. Im Nachhinein sehe vieles schöner und besser aus.

Für junge Leute der kommenden Generation hat sie klare Ratschläge. Man muss zu sich stehen und ehrlich sein. Werte, so Böhme, werden vor allem im Elternhaus vermittelt, das für sie die kleinste Zelle der Gesellschaft ist. Auch die Schule und die Lehrer spielen eine wichtige Rolle. Eine klare Haltung sei wichtig, aber entscheidend sei der Charakter. Ehrlichkeit stehe für sie an oberster Stelle, denn damit komme man am weitesten, auch wenn es nicht immer einfach sei und Taktiker oder Strategen Vorteile haben könnten. Selbst aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, könne man Gutes oder Schönes bauen.

28. Trabant- und IFA-Treffen Mühlhausen zu Pfingsten

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In Mühlhausen fand zu Pfingsten das mittlerweile 28. Trabant- und IFA-Treffen statt. Organisiert vom Trabiclub Mühlhausen, zählte die Veranstaltung im Jahr 2025 rund 280 bis knapp 300 teilnehmende Fahrzeuge auf dem Platz am Schwanenteich. Obwohl das Wetter nicht optimal war und es immer wieder regnete, sogar in Strömen bei der Öffnung am Freitag, herrschte eine tolle Stimmung und eine familiäre Atmosphäre. Selbst langjährige Stammgäste waren vom Regen unbeeindruckt.

Ein Highlight war die Stadtrundfahrt im Ikarus-Bus. Diese führte unter anderem zum Bratwurstmuseum in Holzhausen/Mühlhausen und dem dort neu angesiedelten Trabipadies. Für die Region Mühlhausen ist übrigens die „Rostwurst“ die typische Bratwurst, während „Bratwurst“ etwas anderes bezeichnet. Im Trabipadies sind umgebaute, nicht mehr zulassungsfähige Trabants ausgestellt, die einst gerettet wurden.

Neben der Besichtigung gab es vielfältige Aktivitäten: Eine Fahrzeugbewertung nach Kategorien, bei der sich Teilnehmer anmelden konnten, um langes Anstehen zu vermeiden. Bewertet wurden Aspekte wie Originalität und Verarbeitung. Auch ein Kinderprogramm, verschiedene sportliche Aktivitäten (wie Flank Ball), und eine gut besuchte Party im Festzelt gehörten dazu. Die „ständige Vertretung der DDR“ war ebenfalls angereist.

Für die Verpflegung war bestens gesorgt, unter anderem am Stand des Bratwurstmuseums mit einer großen Auswahl und dem „Trappiteller“. Es gab Fassbrause in der Metropa, Frühstück war verfügbar, und sogar Rabara (Rhabarber) Kuchen und Getränke wurden verkostet. Ein besonderes Ereignis war die symbolische Übergabe eines Trabants durch Jürgen an Harald für 1 Euro, um den Verein zu unterstützen. Harald legte noch 1 Euro drauf, sodass der Trabant für 2 Euro übergeben wurde, um die Wirkung zu erhöhen.

Die Sanitäranlagen, bestehend aus WC-Containern und Duschen, wurden positiv hervorgehoben und als sehr sauber beschrieben. Trotz des Wetters, das am Abreisetag am Montag sonnig wurde, war es ein schönes Wochenende und ein gelungenes Treffen.

Persönliche Verantwortung im Betrieb – Arbeitssicherheit in der DDR

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Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz der Werktätigen waren in den Betrieben der DDR ein zentrales Anliegen, das gesetzlich im Arbeitsgesetzbuch der DDR verankert war. Der Betriebsdirektor trug dafür eine persönliche Verantwortung. Doch welche Pflichten erwuchsen daraus und wie wurden diese umgesetzt? Ein Blick in die Praxis zeigt den Anspruch und die Methoden.

Ziel war es, durch sichere und erschwernisfreie Arbeitsbedingungen den Schutz der Gesundheit und Arbeitskraft zu gewährleisten. Dabei ging es nicht nur um technische Vorkehrungen, sondern insbesondere um das bewusste Handeln aller Mitarbeiter. Das übergeordnete Ziel war, dass überall im Betrieb während der gesamten Arbeitszeit Ordnung und Sicherheit herrschen. Maschinen, Anlagen und Arbeitsstätten sollten durch technische Mittel sicher und erschwernisfrei gestaltet sein. Es galt, Arbeitssicherheit zu schaffen und die Werktätigen so zu erziehen und auf sie einzuwirken, dass alle die Vorschriften beachten. Dies betraf sowohl den laufenden Prozess als auch neue Projekte.

Um diese Ziele zu erreichen, stützte sich der Betriebsdirektor auf verschiedene Grundlagen und Methoden. Die Zuständigkeiten der leitenden Mitarbeiter und notwendige Details wurden in betrieblichen Regelungen festgelegt. Diese Weisungen mussten auf soliden Grundlagen basieren: eigenen Kenntnissen, Betriebsbegehungen und der regelmäßigen Analyse der Entwicklung des Arbeitsschutzes. Es war notwendig, Gewissheit darüber zu haben, wie jeder leitende Mitarbeiter seine Aufgaben im Bereich Arbeitsschutz erfüllte und mit welchem Erfolg. Weiterhin wurde gewährleistet, dass jeder Werktätige die für seine Tätigkeit erforderlichen Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten im Gesundheits-, Arbeits- und Brandschutz erwarb. Während die Rechtsvorschriften im Allgemeinen ausreichten, konnten in besonderen Fällen betriebliche Regelungen zur Konkretisierung eingesetzt werden, die die Zustimmung der BGL (Betriebsgewerkschaftsleitung) und die Abstimmung mit dem Leiter des betriebsgesundheitswesens benötigten.

Als Leitungsmethoden zur Durchsetzung der geforderten Arbeitssicherheit dienten qualifizierte leitende Mitarbeiter in jedem Bereich, wie der Hauptkonstrukteur, der Haupttechnologe, der Direktor für Produktion und der Leiter der WHO (dies wird im Text als ‚WHO‘ genannt). Zudem beriet und unterstützte ein qualifizierter Sicherheitsinspektor in allen Fachfragen der Arbeitssicherheit. Ein weiterer wichtiger Pfeiler war die aktive Mitwirkung der Werktätigen, die sich in Vorschlägen und Wettbewerbsverpflichtungen ausdrückte. Grundsatz war dabei, dass mit jedem Rationalisierungsvorhaben günstigere Arbeitsbedingungen entstehen sollten.

Neben der Sicherstellung technischer und organisatorischer Maßnahmen gehörte auch die moralische und materielle Anerkennung zu den Leitungsmethoden. Diese wurde im Zusammenwirken mit der staatlichen Versicherung für eine besonders positive Entwicklung im Arbeitsschutz ausgesprochen. Ein Leiter durfte aber auch vor disziplinarischen Maßnahmen nicht zurückschrecken. Bei Nichtbeachtung von Vorschriften, wie beispielsweise der Lagerung von Scheiben, konnte es auch zur Nichtgewährung von Teilen der Jahresendprämie kommen.

Die Kontrolle der Weisungen und betrieblichen Regelungen erfolgte in Dienstbesprechungen, bei denen Rechenschaft über die Realisierung verlangt, Entwicklungstendenzen ausgewertet und neue Aufgaben festgelegt wurden. Bei den Betriebsbegehungen überzeugte sich der Direktor selbst von der Durchsetzung der Weisungen. Unterstützung bei der Erfüllung dieser Aufgaben kam vom Sicherheitsinspektor und ehrenamtlichen arbeitsschutzfunktionären. Die Gewerkschaften bewerteten die Arbeit eines Betriebsdirektors nicht zuletzt danach, wie die Gesundheit der Werktätigen geschützt und gefördert sowie Havarien vermieden wurden. Denn das Credo lautete: Jeder Unfall ist ein Unfall zu viel.

Sicherheit im Blick: Die Rolle der Arbeitsschutzplakate in der DDR

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In der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) stellten Arbeitsschutzplakate eine wichtige Methode dar, um Kenntnisse im Gesundheits- und Arbeitsschutz zu erwerben und zu festigen. Durch den immer wiederkehrenden Appell zum sicheren Arbeiten sollten diese Plakate das Bewusstsein der Werktätigen schärfen.

Dabei war klar: Plakate ersetzen natürlich keine sicherheitstechnischen Maßnahmen. Sie waren vielmehr als optische Hilfsmittel konzipiert, die das bewusste, arbeitsschutzgerechte Verhalten der Werktätigen unterstützen sollten. Ein zentraler Grundsatz war, dass Arbeitsschutzplakate niemals dem Selbstzweck dienen durften. Ihre volle Wirkung entfalteten sie nur dann, wenn sie an der richtigen Stelle angebracht waren – optisch eindrucksvoll und in der Nähe des entsprechenden Arbeitsplatzes. So angebracht, trugen sie Signalcharakter.

Es gab sowohl fachspezifische als auch allgemeingültige Arbeitsschutzplakate, die einzeln oder miteinander kombiniert eingesetzt werden konnten. Fachspezifische Plakate waren dazu gedacht, in entsprechenden Arbeitsbereichen die Aufmerksamkeit auf richtige Verhaltensweisen zu lenken. Dabei war es unerlässlich, dass ihr Inhalt inhaltlich mit der zu verrichtenden Arbeit übereinstimmte. Als Beispiel wurde genannt, dass Sauerstoffarmaturen nie mit Öl oder Fett in Verbindung gebracht werden dürfen. Generell riefen die Plakate zu Ordnung, Disziplin und Sicherheit auf. Um aktuell zu bleiben und die Aufmerksamkeit nicht zu verlieren, sollten die Motive öfter mal ausgetauscht werden.

Die Plakate konnten beim Literatur- und Vordruckvertrieb des FDGB (Freier Deutscher Gewerkschaftsbund) in Markranstädt (Bahnhofstraße 12, 7153 Markranstädt) bezogen werden. Richtig platziert, dienten sie als Blickfang und unterstützten alle Werktätigen bei der Wahrnehmung ihrer Aufgaben im Gesundheits- und Arbeitsschutz, um Unfälle und Havarien zu vermeiden.

Die Bedeutung des Arbeitsschutzes beschränkte sich nicht nur auf den Arbeitsplatz; auch zu Hause ereigneten sich Unfälle, etwa beim Umgang mit elektrotechnischen Geräten oder Chemikalien. Ein wichtiger Hinweis auf Plakaten betraf daher auch den Umgang mit gefährlichen Stoffen: Verdünnungen, Säuren, Laugen und Gifte waren nur in die dafür vorgesehenen und besonders gekennzeichneten Gefäße zu füllen – niemals beispielsweise in Brause- oder Milchflaschen.

Plakate informierten und signalisierten. Das übergeordnete Ziel, das mit all diesen Maßnahmen verfolgt wurde, lautete: Jeder Unfall ist ein Unfall zu viel.

20 Technik-Wunder aus der DDR, die (fast) verschwunden sind

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Wer glaubt, Osttechnik war nur rückständig, irrt gewaltig. Die Deutsche Demokratische Republik brachte eine Reihe technischer Geräte hervor, die den Alltag prägten, oft erstaunlich robust waren und heute von Sammlern als Ikonen einer vergangenen Zeit gefeiert werden. Viele dieser „Technik-Wunder“ sind nach der Wende aus dem Blickfeld verschwunden, doch sie erzählen Geschichten von Einfallsreichtum, Treue und manchmal sogar von leiser Rebellion.

Die Erika, weit mehr als nur eine Schreibmaschine, war das „rhythmische Herz“ unzähliger Büros in der DDR. Auf ihr lernten Schüler das Zehnfingersystem. Sie war robust, zuverlässig und brauchte keinen Strom – einfach Papier einlegen und lostippen. Spätere Modelle boten sogar elektrische Funktionen. Heute wird die Erika als Ikone des Analogen gefeiert.

Der KC85 gilt als Computer der DDR, zumindest auf dem Papier. Er war ein grauer Kasten mit Steckmodulen, der an den heimischen Fernseher angeschlossen wurde. Programme mussten selbst geschrieben oder von Kassette geladen werden. Er war nicht schnell oder bequem, aber für viele der erste Kontakt mit der digitalen Welt und ein „kleines Fenster in die Zukunft“. Heute ist er fast vergessen.

In fast jeder DDR-Küche stand die Komet KM3, eine schwere, weiße und als unverwüstlich geltende Küchenmaschine. Sie konnte kneten, Sahne schlagen und raspeln, besonders der Fleischwolf-Aufsatz war legendär. Ersatzteile waren Mangelware, also wurde improvisiert und gebastelt. Sie war mehr als ein Gerät – ein Familienmitglied. Viele laufen noch heute, ohne Touchscreen oder App, aber mit Charakter.

Fernseher waren oft mehr als nur Geräte. Der Collar 40 war ein Möbelstück, groß, schwer und warm wie ein Heizlüfter. Er brachte Farbe und eine Fernbedienung ins Wohnzimmer. Empfang gab es im Secam-Format, Westfernsehen war nur nach heimlichem Umbau möglich. Er war zickig, lief aber über Jahre und Jahrzehnte und war das „Lagerfeuer der deutschen demokratischen Republik“. Der Clarissa war für viele der erste Fernseher, klobig, schwarz-weiß und mit einem kleinen Bildschirm, vor dem die Familie wie im Theater saß. Senderwechsel bedeutete Aufstehen und Drehen. Der Color X war der Stolz der DDR-Technik, volltransistorisiert, aber ebenfalls ein Klotz mit grellem Bild und blechernem Ton. Er stand wie ein Monument da. Der Chromat war ein „politisches Gerät“. Offiziell für Secam gebaut, ermöglichte er mit einem „Pal-Trick“ den Empfang von Westfernsehen – illegal, aber alltäglich. Er wurde zum „Fenster in eine andere Realität“, ein „kleiner Rebell“. Nach der Wende wurden diese Fernseher oft zu Müll.

Die Penti 2 war die Kamera der „kleinen Leute“, kompakt und schick. Sie war oft bei der Jugendweihe ein Geschenk und hielt Familiengeschichte auf 16mm Film fest. Die Farben waren leicht vergilbt, aber ehrlich. Nach der Wende passte sie nicht mehr ins System, da Orwo-Film kaum noch genutzt wurde. Heute ist sie Kult und beliebt bei Retro-Fotografen.

Das Smaragd Tonbandgerät war das Heim-Tonstudio, mit zwei Spulen und klarem Klang. Es diente dazu, Stimmen, Musik und Erinnerungen festzuhalten – ein Ritual des Fädelns und Justierens. Es ging nicht um schnelle Unterhaltung, sondern ums Festhalten. Nach der Wende verschwand es zugunsten von Kassette und CD.

Der Multimax HBM 250 war keine gewöhnliche Bohrmaschine, sondern ein „Werkzeug fürs Leben“. Schwer, laut, kompromisslos, stand er für Heimwerken als Überlebensstrategie. Er lief über Jahrzehnte, und wenn er zickte, wurde er repariert, notfalls mit selbstgebastelten Ersatzteilen. Er war Technik „ohne Show – nur Kraft, Ehrlichkeit und das leise Brummen der Eigenverantwortung“. Viele stehen noch heute einsatzbereit in Werkstätten.

Die K500 war keine Kaffeemaschine, sondern ein „Dampfdruckmonument“. Der Kaffee war stark, fast schwarz, mit einem Hauch Metall. Sie stand in Büros, Küchen und Werkstätten. In Zeiten knapper Bohnen wurde gestreckt und gemischt, doch das Ritual blieb. Wer sie heute wieder anschließt, behauptet oft, sie mache besseren Kaffee als jede neue Maschine.

Der Robotron A5120 war der Bürocomputer der DDR. Ein graues Monstrum mit grüner Schrift auf schwarzem Grund. Langsam und schwer, aber der Stolz jeder Behörde. Er war Werkzeug der Verwaltung in Silizium gegossen. Nach der Wende verschwand er auf Halde, heute blinkt er in Museen.
Der Komotron TC600 war der einzige offiziell produzierte Anrufbeantworter der DDR. Ein Kuriosum mit Minionband und einer Minute Aufnahmezeit. Er stand nicht im Wohnzimmer, sondern bei Funktionären oder in Hotels und war für normale Bürger unerreichbar. Heute ist er fast völlig verschwunden, ein Mythos der Endphase des Staates.

Die Pentaflex 8 war das „Auge der Familie“. Sie hielt wichtige Momente in ruckeligem Schwarz-weiß fest. Kurbeln, Belichten, Warten aufs Labor – das Ergebnis waren bewegte Bilder aus dem eigenen Leben. Sie war keine Kamera, sondern „Erinnerung in Reinform“.

Der K1520 war kein fertiger Computer, sondern ein Baukasten und Stecksystem, entwickelt für Labore und Klassenzimmer. Er war Hightech in der DDR und ein „Werkzeug für Menschen, die selbst gestalten wollten“, was in einem Land mit festen Grenzen fast revolutionär war.
Der Starsfurt K67 war ein tragbarer Fernseher, ein Koffer mit Bildschirm, Griff und Stolz. Er versprach Freiheit, indem er Fernsehen in die Datsche oder auf den Campingplatz brachte. Das Bild war klein, schwarz-weiß und rauschte, die Antenne musste gedreht werden. Er war technisch bescheiden, fühlte sich aber groß an – ein „Abenteuer in Röhrentechnik“.

Der K50 war das „Mixtape-Maschinengewehr der DDR“. Ein rechteckiger Klotz mit Antenne, mit dem man Radio hören, aufnehmen und sich selbst auf Kassette sprechen konnte. Musik aus dem Westen oder Jugendradio DT64 – alles wurde konserviert. Es ging darum, sich seine Welt selbst zusammenzustellen.

Die Kombi Waschmaschine war der Stolz vieler Haushalte. Kein Wunderwerk, sondern eine lärmende, vibrierende Kiste. Wasser wurde per Hand eingefüllt, Zeiten mechanisch eingestellt, und man blieb besser daneben, um Überschwemmungen zu vermeiden. Trotzdem war sie eine Befreiung vom Waschbrett – „Technik im Dienst der Hausarbeit“.

Die Sonneberg 500 war das „Klangmöbel der DDR“, ein Kasten mit Radio, Plattenspieler und Boxen. Sie verwandelte das Wohnzimmer in ein kleines Musikstudio, aus dem Reinhard Lakomy oder Karat rauschten. Musik bedeutete Rückzug und ein bisschen Freiheit. Heute wird sie als Zeitzeugnis gefeiert.

Und schließlich die CNC 600, das „stille Rückgrat der ostdeutschen Industrie“. Sie steuerte Fräsmaschinen und Bohrer, brachte Mikroelektronik in die Werkhallen. Sie war nicht schnell oder fehlerfrei, aber sie funktionierte und war das „Versprechen einer modernen Fertigung“. Nach der Wende wurde sie von westlicher Präzision überrollt.

Diese Geräte sind heute weitgehend verschwunden, oft auf dem Schrottplatz gelandet, in Kellern vergessen oder für wenige Mark verkauft. Doch sie leben weiter – in Gartenlauben, auf Flohmärkten, in Museen und bei Sammlern. Sie waren mehr als nur Technik; sie waren ein Stück Geschichte, Alltag zum Nacherleben und zeugen von einer Zeit, in der man improvisieren, basteln und das Beste aus dem machen musste, was vorhanden war. Jedes einzelne hatte Charakter und schuf Erinnerungen, die bleiben.

Hiller Omnibusse aus Ehrenhain: Handwerkskunst in schwierigen Zeiten

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Ehrenhain, Thüringen – Vielen jüngeren Menschen mag der Name Hiller heute kaum noch etwas sagen. Dabei verbirgt sich dahinter eine faszinierende Geschichte deutscher Handwerkskunst im Omnibusbau, die im thüringischen Ehrenhain ihren Ursprung hat und untrennbar mit der Familie Hiller verbunden ist.

Von der Stellmacherei zum Omnibusbauer
Die Geschichte der Firma begann bereits im Jahr 1898, als Richard Hiller den Betrieb in Ehrenhain gründete. Anfangs war es ein Stellmacher Betrieb, der sich mit Korrkenbau und Rotbauer beschäftigte – reine Handwerksarbeit. Nach dem Wagenbau entwickelte sich das Unternehmen schnell zum Karosseriebauer und machte sich einen Namen für die Fertigung qualitativ sehr guter Karosserien. In den 1930er Jahren nahm der Bedarf an Omnibussen enorm zu, und viele neu gegründete Omnibusunternehmen ließen bei Hiller Karosserien aufbauen. Schon 1937 übergab Richard Hiller die Firma an seine vier Söhne. Besonders beliebt waren in dieser Zeit Aufbauten auf dem Opel Blitz Fahrgestell.

Busbau in der DDR: Improvisation und Handarbeit
Die Firma Hiller hatte es in Ostdeutschland nicht leicht. Im Gegensatz zur westdeutschen Marktwirtschaft stand man unter den Bedingungen der sozialistischen Planwirtschaft. Dennoch entstanden hier aus „nichts und mit vielen Improvisationen“ tolle Omnibus-Aufbaufahrzeuge. Das Besondere am Hiller-Prinzip war, dass der Kunde ein Fahrgestell – oft alt, gebraucht oder verunfallt – lieferte. Die Firma Hiller nahm sich dessen an, arbeitete jedes Teil auf, setzte es instand und baute daraus einen komplett neuen Omnibus. Eine Arbeit, die heute als unbezahlbar gilt. Die Karosseriewerker werden als Handwerker und Künstler bezeichnet.

Einzigartige Unikate
Serienfertigung gab es bei Hiller nicht. Jedes Fahrzeug war im Grunde ein Unikat. Selbst wenn viele Busse ähnlich aussahen, waren sie doch Einzelstücke. Der Grad der Handarbeit war immens. Sämtliche Profile für die Karosserie, bis hin zu den Oberlichtern, wurden selbst angefertigt. Auch Sitzgestelle, Sitzbezüge und sogar Gussteile aus Aluminium wurden in Eigenregie hergestellt. Formen wurden gebaut, Bleche gewalzt und gedrückt. Diese „Heidenarbeit“ wurde von 42 bis 45 Mitarbeitern verrichtet, und die Fertigstellung eines Fahrzeugs konnte Schätzungen zufolge etwa zwei Monate dauern. Die markante Frontgestaltung Mitte der 1950er bis Ende der 1960er Jahre machte Hiller-Busse auf alten Bildern unverwechselbar.

Verstaatlichung und Weiterentwicklung
Im Jahr 1972 erfolgte die Zwangsverstaatlichung des Betriebs. Aus der „Karosserie Konsumgesellschaft Hiller“ wurde über Nacht der „VEB Karosserie Instandsetzungsbetrieb Ehrenhain“. Ein positiver Aspekt dieser Übernahme war jedoch, dass alle Familienmitglieder in der Betriebsleitung bleiben durften und in gewissen Dingen eine freie Hand behielten. Dies war nicht selbstverständlich, da in anderen Fällen Altbesitzer aus den Firmen geworfen wurden. Nach der Verstaatlichung konzentrierte sich der Betrieb in Ehrenhain auf Grundinstandsetzungen und Generalreparaturen, insbesondere von Ikarus Bussen der Baureihen 55 und später 200. Kraftverkehrsbetriebe, die ihre Busse nach Ehrenhain schafften, wussten, dass sie einen sehr gut generalüberholten Omnibus zurückerhielten.

Nach der Wende: Rückgabe und Neoplan-Kooperation
Im Jahr 1989 erhielt die Familie Hiller ihren Betrieb zurück. Albrecht Auwärter von der Firma Neoplan aus den Altbundesländern nahm bereits Verhandlungen mit der Familie Hiller über eine Produktion von Kraftomnibussen der Firma Neoplan auf. Dieser Traum wurde wahr, und die Firma Hiller wurde Mitgesellschafter von Neoplan. Ab April 1990 wurden erste Fahrzeuge von Berlin nach Ehrenhain zur Ausstattung gebracht. Es begann eine Zusammenarbeit, bei der bis 2003 gemeinsam mit Neoplan-Mitarbeitern Busse gebaut wurden. Anschließend gab es bis 2010 eine Kooperation mit Geppel MAN.

Dietrich Hiller: Hüter der Geschichte
Eine zentrale Figur in der jüngeren Geschichte ist Dietrich Hiller, der Enkel des Firmengründers Richard Hiller. Er arbeitete selbst handwerklich im Betrieb mit und leitete später den VEB. Dietrich Hiller war maßgeblich an der Kooperation mit Neoplan beteiligt und erinnert sich an die „verrückte Zeit“ der ersten Fahrten über die ehemalige Grenze. Für ihn, der selbst noch Busse mitgebaut hat, ist das Wiedersehen mit einem Hillerbus ein schönes und eigenartiges Gefühl, das Erinnerungen an früher und die Familiengeschichte weckt.

Erhaltene Zeitzeugen
Trotz der schwierigen Bedingungen und der handwerklichen Fertigung haben einige Hillerbusse die Zeit überdauert. Sie dienten verschiedenen Zwecken, vom Schichtarbeiterverkehr über Linienbusse bis hin zu Ausflugs- und Reisebussen. Ein bemerkenswertes Exemplar ist ein Hillerbus auf einem Mercedes-Benz LB312 Fahrgestell aus dem Jahr 1966, der auf einem Omnibustreffen vorgestellt wurde. Dieses Fahrzeug wurde restauriert und steht heute in Ehrenhain. Es ist ein Zeugnis der damaligen Handwerkskunst, bei dem sogar die Sitze neu aufgepolstert und der gesamte Bus neu aufgebaut und lackiert wurde.

Obwohl heute in Ehrenhain keine Busse mehr gebaut werden, sind Teile des ursprünglichen Betriebsgeländes und der Keimzelle, in der der Großvater Richard Hiller begann, noch erhalten. Die Geschichte der Hiller Omnibusse bleibt ein bedeutender Teil der regionalen Verkehrsgeschichte und des deutschen Karosseriebaus, bewahrt durch Enthusiasten und die Interessengemeinschaft Historische Omnibusse International, die Hiller-Busse in ihrer Datenbank und einem Buch listet. Die Hillerbusse sind mehr als nur Fahrzeuge; sie sind handgefertigte Zeugen einer vergangenen Epoche, die die Kunst des Karosseriebaus unter schwierigen Bedingungen verkörpern.

Schweriner Rollschuh-Disco war ein voller Erfolg für die Gemeinschaft

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Am 29. Mai 2025, dem Vatertag, wurde Schwerin Schauplatz einer besonderen Veranstaltung: der Schweriner Rollschuh-Disco. Diese fand mitten auf dem Dreesch, genauer gesagt auf dem Berliner Platz, statt. Schon von weitem kündigte fetzige Musik das Event an. DJ Chili sorgte mit Tanzmusik aus den 70ern und 80ern für die passende musikalische Untermalung und verwandelte den Berliner Platz so in eine lebendige Rollschuh-Disco.

Die Veranstaltung verfolgte ein klares und wichtiges Ziel: Leute von der Innenstadt auf den Dreesch zu bringen. Die Organisatoren wollten, dass sich die Besucher einfach mal untereinander ein bisschen kennenlernen und miteinander Spaß haben. Nach den Eindrücken der Organisatoren hatten die Besucher eine wirklich schöne Zeit.

Was als anfänglich kleine Idee begann, hat sich eindrucksvoll weiterentwickelt und ist mittlerweile zu einem richtig großen Event geworden. Die Rollschuh-Disco auf dem Berliner Platz fand in diesem Jahr bereits zum dritten Mal statt. Ein zentrales Element der Veranstaltung war die gelebte Inklusivität. Jedes Alter war willkommen, denn dem Alter ist keine Grenze gesetzt. Ebenso vielfältig war die erlaubte Fortbewegung: Egal ob die Teilnehmer mit Rollschuhen, Inline Skates, Skateboards, im Rollstuhl oder mit Rollatoren kamen, jeder konnte mitmachen.

Um auch spontanen Besuchern die Teilnahme zu ermöglichen, konnte man vor Ort natürlich auch Rollschuhe leihen. Dank der Unterstützung durch die WMA konnten die Organisatoren Rollschuhe erwerben und diese gegen eine geringe Gebühr den Gästen zum Verleih anbieten.

In diesem Jahr gab es zudem eine Neuerung, die das Rahmenprogramm erweiterte. Damit es zwischendrin auch was zum Schauen gibt, wurde erstmals auch ein Flohmarkt mit organisiert. Dieser fand auf der großen Wiese gleich nebenan statt und bot eine zusätzliche Attraktion für die Besucher. Selbstverständlich war auch für das leibliche Wohl gesorgt, denn kulinarisches gab es natürlich auch.

Die Teilnehmer ließen sich von der Musik mitreißen und fuhren vergnügt, bis der Drehwurm kommt. Insgesamt wurde die Schweriner Rollschuh-Disco auf dem Berliner Platz als ein voller Erfolg bewertet. Sie bewies einmal mehr, wie ein gemeinsames Event Menschen zusammenbringen und für gute Stimmung sorgen kann.

Der Ostseebezirk Rostock im Spiegel des Jahres 1978

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Dieser Beitrag basiert auf den Eindrücken und Darstellungen eines Films des DDR-Magazins aus dem Jahr 1978 [User-Info: Produktionsjahr DDR 1978], bei dem Joachim Tschirner Regie führte [User-Info: Regie: Joachim Tschirner]. Der Film stellt den Bezirk Rostock vor [User-Info: Der Film des DDR-Magazins von 1978 stellt diesen besonderen Bezirk vor], eine Region, die als einer von fünfzehn Bezirken die ehemalige DDR [User-Info: Die ehemalige DDR war in 15 Bezirke aufgeteilt] auf ihrer gesamten Breite an der Ostseeküste prägte. Der filmische Streifzug führt dabei durch seine Städte, die Menschen und die wunderschöne Natur [User-Info: mit seinen Städten, den Menschen und der wunderschönen Natur], von denen viele Aspekte bis heute für Einheimische wie Touristen eine besondere Faszination haben [User-Info: die bis heute für Einheimische wie für Touristen eine ganz besondere Faszination hat – Hinweis: Dieser Aspekt des „bis heute“ stammt aus der Beschreibung des Nutzers und nicht direkt aus dem 1978er Quellmaterial]. Gezeigt werden dabei auch Städte wie Rostock, Wismar, Stralsund und Greifswald, sowie die herrlichen Ostseeinseln [User-Info: Der filmische Streifzug führt von Rostock, Wismar, Stralsund und Greifswald bis hin zu den herrlichen Ostseeinseln]. Auch wenn die DDR als Land heute verschwunden ist, bleiben die Menschen, Städte und die Natu.

Der Bezirk Rostock, mit Rostock als gleichnamiger Bezirkshauptstadt [1, User-Info: mit der gleichnamigen Bezirkshauptstadt], wird im Jahr 1978 als eine Region präsentiert, deren wichtigstes Merkmal die geradezu dynamische Entwicklung in den letzten drei Jahrzehnten ist.
Das Tor zur Welt für den Außenhandel der DDR ist unzweifelhaft der Rostocker Hafen. Dieser Ort, der noch vor zwei Jahrzehnten lediglich aus einer Wiese, einem Sumpf und einem kleinen Fluss bestand, ist 1978 der Arbeitsplatz von 20.000 Hafenarbeitern und Seeleuten, die unermüdlich arbeiten, um den ständig steigenden Transport- und Umschlagbedarf des DDR-Außenhandels zu sichern. Bemerkenswert ist dabei, dass jede zweite Tonne, die hier umgeschlagen wird, aus dem Handel mit der befreundeten Sowjetunion stammt. Schnelle Lotsenboote der Rostocker Lotsenstation bringen erfahrene Kapitäne, um ankommende Schiffe sicher in den Hafen zu führen, wo Kräne, Lastkraftwagen und Eisenbahnwagen bereitstehen. Für Seeleute bedeutet die Ankunft des Lotsen die baldige Rückkehr in die Heimat, für andere Reisende Landgang in einem fremden Land. Seeleute, Transitreisende, Urlauber und Touristen gehören zum Alltag des Bezirks Rostock; zeitweise hält sich hier die Zahl der Fremden und der Einheimischen die Waage.

Der Reichtum des Meeres ist nach wie vor eine wichtige Erwerbsquelle für die Anwohner. Die einst bescheidene Küstenfischerei hat eine grundlegende Wandlung erfahren. Der Aufbau einer leistungsfähigen Fischfangflotte und moderner Betriebe der Fischverarbeitung haben diesen Sektor zu einem ganz bedeutenden Wirtschaftszweig des Bezirkes gemacht. Genossenschaftliche Fischer aus 30 Fischerei-Produktionsgenossenschaften arbeiten gemeinsam mit Kollegen der volkseigenen Fischfangflotte, um das ganze Land mit dem wichtigen Nahrungsmittel Fisch zu versorgen.

Der größte und bedeutendste Industriezweig des Bezirkes ist jedoch zweifellos der Schiffbau. Schiffe aus der DDR sind mit vielen Staatsflaggen auf den Weltmeeren unterwegs. Der wichtigste Auftraggeber für den DDR-Schiffbau ist die Sowjetunion. Vor 30 Jahren, als dieser Industriezweig begann sich zu entwickeln, gab es wenig, worauf aufgebaut werden konnte; in der Stadt Rostock gab es nur eine einzige nennenswerte Werft. Heute arbeiten 40.000 Werktätige in den fünf Großwerken des Bezirkes. Die Rostocker Sektion Schiffstechnik bildet beispielsweise den wissenschaftlichen und technischen Nachwuchs für den Schiffbau aus und forscht an Themen wie der Steuerbarkeit von Schiffen.

Die umfangreiche Industrialisierung kennzeichnet die Entwicklung dieser Region. Am deutlichsten sichtbar wird dies im Bauwesen. Die notwendige Lösung des sozialen Problems der Wohnungsfrage erzwingt die industrielle Fertigung von komfortablen Wohnungen. Das Wohnungsbauprogramm nimmt in den Plänen der Regierung der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) und des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes (FDGB) einen bevorzugten Platz ein. Allein im Zeitraum von 1976 bis 1980 werden im Bezirk Rostock 45.000 Wohnungen gebaut. Diese sind in erster Linie für Arbeiterfamilien bestimmt und zeichnen sich durch stabile und niedrige Mieten aus. Wichtige Einrichtungen wie Kindergärten, Spielplätze, Schulen und Kaufhallen sind direkt vor der Haustür. Auch wenn noch viele Menschen ungeduldig auf die Schlüsselübergabe warten, entgeht ihnen nicht der Fortschritt. Bei der rationellen Großplattenbauweise ist es eine wichtige Aufgabe für die Projektanten, immer interessante architektonische Lösungen zu schaffen. Dort, wo es sich lohnt, vorhandene Bausubstanz zu erhalten, werden ganze Altbauviertel einer gründlichen Verschönerungskur unterzogen.

Der Bezirk Rostock verfügt heute über eine leistungsfähige sozialistische Landwirtschaft. Ein grundlegender Schritt war der Entschluss der Bauern in den 50er Jahren, in Zukunft genossenschaftlich zusammenzuarbeiten. Dies führte von der Kleinfelderwirtschaft zur industriemäßigen Produktion landwirtschaftlicher Güter in den kooperativen Abteilungen. Das Nebeneinander von moderner Technik und ländlicher Idylle verdeutlicht die tiefgreifenden Umwälzungen der letzten Jahre. Äußere Kennzeichen dieser Veränderungen im Leben der Bauern sind fernbeheizte Neubauwohnungen, Clubrestaurants und Kaufhallen. Wichtiger noch ist, dass die Bauern ihre Kinder während der Arbeit in guten Händen wissen, dass sie wie ihre Kollegen in der Industrie geregelte Arbeitszeiten, Urlaub und gesichertes Einkommen haben und ihnen alle Bildungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Kulturhistorisch wertvolles Erbe vergangener Zeit wird von den Bauern sorgfältig gepflegt oder im Landwirtschaftlichen Museum aufbewahrt.

Die Industrialisierung und die fehlende Rohstoffbasis machen die Nutzung der Atomkraft zu einer zwingenden Notwendigkeit. Im Kernkraftwerk Bruno Leuschner sollen in wenigen Jahren acht Blöcke arbeiten und eine Gesamtleistung von 3500 Megawatt liefern. Produkt und Technologie stammen aus der Sowjetunion. Diese Großbaustelle ist ein Bauplatz des sozialistischen Jugendverbandes der DDR, was bedeutet, dass vorwiegend Jugendliche hier arbeiten und Verantwortung tragen. Vier Blöcke arbeiten bereits, und auch in den Blockwarten, den Nervensträngen des komplizierten Betriebes, leisten junge Leute Dienst; das Durchschnittsalter beträgt hier 27 Jahre.

Spuren vergangener Zeit sind in der Umgebung deutlich zu erkennen. Dazu gehören Spuren aus der Zeit der Hanse, dem größten und einflussreichsten deutschen Städtebund, durch den reiche Fernhändler vom 14. Jahrhundert an 300 Jahre lang den deutschen Seehandel beherrschten. Für die Hansestädte Rostock, Stralsund, Greifswald und Wismar war dies eine wirtschaftliche und kulturelle Blütezeit. Die Universitäten in Rostock und Greifswald bewahren das Andenken an berühmte Gelehrte. Diese Epoche stürmischen Aufschwungs ging im Jahre 1618 jäh zu Ende. Zerstörte und ausgebrannte Landstriche waren die Folge langer Kriege. Der Osten Deutschlands litt unter Ausplünderung durch Fremde und den einheimischen Landadel. Das Leben bot Bauernkindern nur wenige harte Chancen.

Ein entscheidender Wendepunkt in der langen Geschichte Deutschlands war der Frühling 1945, als der Osten Deutschlands von der Sowjetunion befreit wurde und Arbeiter und Bauern begannen, die Macht in ihre Hände zu nehmen. Für die heranwachsenden Generationen sind gleiche Bildungschancen zur Selbstverständlichkeit geworden. 10.500 junge Menschen, mehrheitlich Kinder von Arbeitern und Bauern, studieren heute an den 15 Hoch- und Fachschulen sowie den beiden Universitäten. Die älteste ist die 550 Jahre alte Rostocker Universität, auch „Leuchte des Nordens“ genannt. Besonderer Wert wird auf ein praxisbezogenes Studium gelegt.

Der technische Fortschritt hat das Gesicht des einst entlegenen Landes verändert, aber auch viel von der alten Romantik bewahrt. So geht von dieser Region ein neuer Reiz aus, auch auf eine neue Künstlergeneration. Allein in den letzten zwei Jahren haben 40 Maler im Nordbezirk eine neue Heimat gefunden, was für sie eine Wohnung, ein Atelier und Aufträge bedeutet. Auf Usedom lebt mit Otto Niemeyer-Holstein (83) einer ihrer großen Vorbilder. Er zieht Inspiration aus der herben Anmut der Insel und empfängt manchmal junge Gäste, gibt Wissen und Erfahrung weiter und zeigt Interesse an den Arbeiten seiner jungen Kollegen.

Auch im Bereich Sport und Erholung bietet der Bezirk viel. Internationale Segelregatten mit prominenten Sportlern gehören zur Gewohnheit. Junge Leute, deren Sportgerät gut zur Landschaft passt, sind zu Gast im Bezirk. Was für die Aktiven harter Wettkampf ist, ist für die Urlauber des Bezirks ein reizvolles Bild. Urlaubssaison ist an der Küste immer, jede Jahreszeit und jedes Wetter haben ihren besonderen Reiz. Der Bezirk Rostock ist der größte Urlauberbezirk der DDR und bietet jährlich einer Million Werktätigen Erholungsmöglichkeiten in gewerkschafts- und betriebseigenen Ferienheimen. Die Küste erstreckt sich über 500 Kilometer von Ahlbeck bis Boltenhagen. Jedes Stück davon ist neu und anders.

Auf die Frage, was das Schönste im Bezirk Rostock sei, kann man viele treffende Antworten bekommen. Jede Antwort spricht von der Zuneigung, die die Einheimischen und ihre vielen Gäste für dieses Land an der Küste empfinden.