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Burg Posterstein: Eine Reise durch 800 Jahre bewegter Geschichte

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Zwischen Gera und Altenburg, eher unscheinbar, thront sie über dem Tal: die Burg Posterstein. Seit dem Mittelalter hat sie eine bewegte und wechselvolle Geschichte erlebt – mal Herrschaftssitz, mal Verwaltungsmittelpunkt, später Museum.

Wurzeln im Slawenland
Bereits im sechsten Jahrhundert siedelten sich slawische Gruppen im heutigen Altenburger Land an und prägten die Kulturlandschaft. Vor allem sorbische Stämme nutzten waldfreie Flächen für Ackerbau und Viehzucht. Die Wurzeln der Burg reichen jedoch weiter zurück, bis in die Zeit Kaiser Friedrichs I. Barbarossa. Mitte des 12. Jahrhunderts dehnten die Staufer ihren Machtbereich auf das Altenburger Land aus.

Barbarossas Strategie und die Gründung der Burg
Um ihre Herrschaft zu festigen, verfolgte Barbarossa eine gezielte Strategie: Er erhob seine Ministerialen, unfreie Dienstleute, in den Ritterstand. Deren Aufgabe war es, die neu besiedelten Gebiete zu verwalten, slawische Einflüsse zurückzudrängen und das Land militärisch zu sichern. So entstanden im 12. und 13. Jahrhundert zahlreiche kleinere Befestigungen im Pleißenland, darunter auch die Burg Posterstein.

Erste Erwähnung und frühe Anlage
Die erste urkundliche Erwähnung der Burg stammt aus dem Jahr 1191. Damals werden ein Gerhardus von Nöbdenitz und seine Mutter Mechthilde de Stein als Besitzer genannt. Gerhardus gehörte zu den Reichsministerialen Kaiser Barbarossas. Die Burg wurde als Befestigungsanlage auf einem Felsvorsprung über dem Fluss Sprotte, einem Nebenarm der Pleiße, errichtet. In Dokumenten jener Zeit ist sie unter dem Namen „Stein“ verzeichnet. Aus dieser frühen Periode sind noch Teile der Ringmauer sowie der mächtige Bergfried erhalten.

Wandel zur Wohnburg und Namensgebung
Im Jahr 1422 erwarb Nickel Puster die Burg. Seine Familie wurde im Altenburger Register als „Puster zum Stein“ geführt. In dieser Zeit veränderte sich das Erscheinungsbild der Anlage deutlich: Aus der einstigen Wehranlage wurde allmählich eine Wohnburg. Die Burg erlebte zahlreiche Umbauten, die sie komfortabler und repräsentativer machten. Obwohl sie offiziell bis ins 16. Jahrhundert „Stein“ hieß, verdankt sie der Familie Puster ihren heutigen Namen: aus „Puster zum Stein“ wurde Posterstein.

Im 16. Jahrhundert erhielt die Burg ihr bis heute charakteristisches Aussehen. Die Fassade wurde mit weißem Putz versehen und die Ecken in markantem Rot abgesetzt. Dieses Erscheinungsbild war ein deutliches Zeichen für den Übergang von der Wehr- zur Wohnburg. Ebenfalls aus dieser Zeit stammt ein architektonisches Highlight: der Erker an der Westseite, der auf kunstvoll angeordneten, gewölbten Konsolen ruht und die einst nüchterne Wehranlage aufwertete.

Der Bergfried: Schutz und Verteidigung
Ursprünglich als klassische Ringburg mit einem zentralen Bergfried im Inneren errichtet, ragt dieser Turm heute 42 Meter hoch. In Zeiten größter Gefahr bot der Bergfried den letzten sicheren Rückzugsort – sowohl für die Burgbewohner als auch für Menschen aus umliegenden Dörfern. Hinter seinen bis zu drei Meter dicken Mauern konnten sie Schutz suchen. Der ursprüngliche Zugang zum Turm lag, gut geschützt auf der dem Feind abgewandten Seite, in rund 12 Metern Höhe. Möglicherweise gelangte man damals nur über eine Strickleiter hinein. Ein Absatz im Mauerwerk lässt vermuten, dass hier im Mittelalter eine hölzerne Balkendecke als Teil einer Zwischenetage eingezogen war.

Auf mehreren Zwischenetagen konnten sich die Menschen provisorisch einrichten, um eine Belagerung abzuwarten. Damals stand der Turm noch frei im Zentrum der Wehranlage, was ihn zum sichersten Ort machte. Wer sich dort verschanzt hatte, war schwer zu bezwingen; Angreifern blieb oft nur die Möglichkeit, die Insassen auszuhungern oder sie durch Rauch und Feuer zur Aufgabe zu zwingen.

Der Bergfried war nicht nur Rückzugsort, sondern auch strategisch bester Verteidigungspunkt. Von hier hielt ein Türmer Ausschau nach Feinden. Bei Gefahr konnten Verteidiger mit Pfeil und Bogen oder Armbrust aus schmalen Schießscharten feuern. Zinnen und eine schützende Brüstungsmauer boten Deckung. Wenn der Feind zu nahe kam, konnten Steine von oben herabgeworfen werden.

Die Ära der Familie Pflugk
Seit dem 16. Jahrhundert taucht der Name Pflugk regelmäßig in Besitzverzeichnissen auf. Dieses Adelsgeschlecht war regional bedeutend. Im Jahr 1528 kam es zu einem folgenreichen Verkauf: Nickel von Ende veräußerte das Rittergut Posterstein für 17.500 Gulden an seine Vetter, die Brüder von Pflugk.

Damit begann die Ära der Familie Pflugk auf Posterstein, die die Geschichte der Region über Generationen prägte. Bekannte Vertreter waren Julius Pflugk, Bischof in Naumburg und Gegenspieler der Reformatoren, sowie Haubold Pflugk. Haubold trat in den Staatsdienst Kurfürst Johann Friedrichs ein und übernahm ritterliche Pflichten. Im Schmalkaldischen Krieg kamen aus Posterstein vier Pferde, ein Heerwagen, zwei Bogenschützen und ein Langspießer zum Einsatz. Das Rittergut wuchs in dieser Zeit, und die Burg wurde in ein Schloss verwandelt.

Haubold von Pflugk vergrößerte 1554 seinen Einfluss erheblich durch den Erwerb der Gerichtsbarkeit über 14 weitere Orte. Die niedere Gerichtsbarkeit regelte Alltägliches, die obere Gerichtsbarkeit erlaubte das Richten über „Hals und Hand“, also über Leben und Tod. Ein faszinierendes Relikt dieser Zeit ist der massive Gerichtsschrank aus dem 17. Jahrhundert, der bis heute im Gerichtsraum erhalten ist. Er diente zur Aufbewahrung von Akten und Gerichtsbüchern und verbirgt eine Treppe, die wohl als geheimer Fluchtweg genutzt wurde.

Der Musenhof auf Schloss Tannenfeld
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts entwickelte sich in der Nähe, auf Schloss Tannenfeld (etwa 2 km von Posterstein entfernt), ein Zentrum des geistig-kulturellen Lebens. Der „Musenhof“ der Herzogin Anna Dorothea von Kurland gehörte zu den bekanntesten seiner Art. Sie pflegte enge Beziehungen zu bedeutenden Persönlichkeiten ihrer Zeit und machte ihre Landsitze zu Treffpunkten der europäischen Elite.

Künstler, Philosophen und führende Politiker waren Gäste an ihrem Hof. Vermutlich zählte sogar Zar Alexander I. von Russland zu den bekanntesten Besuchern. Die Herzogin wählte die Standorte bewusst, da die Schlösser an wichtigen Reiserouten lagen und in der Nähe geistiger Zentren wie Weimar und Jena sowie des Kurortes Ronneburg.

Der Alltag am Musenhof war von Offenheit und Kultur geprägt. Ein besonderer Höhepunkt war die tägliche Zusammenkunft um 17 Uhr in der Teestube von Schloss Tannenfeld. Es wurde philosophiert, diskutiert, musiziert und getanzt. Gemeinsam wurden Theaterstücke verfasst und aufgeführt, Choräle komponiert und vorgetragen.

Die Burg Posterstein blickt somit auf eine facettenreiche Geschichte zurück, die von mittelalterlicher Wehrhaftigkeit über adlige Herrschaft bis hin zur Nähe zu einem bedeutenden kulturellen Zentrum reicht.

Die Kultlebensmittel der DDR, die ein Lebensgefühl konserviert haben

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Für viele, die in der DDR aufwuchsen, waren bestimmte Lebensmittel nicht einfach nur lecker, sondern ein Teil ihrer Geschichte. Produkte wie Nudossi, Bambina, Würzfleisch oder das erste Softeis im Sommer waren mehr als nur Essen – es war Kindheit, es war zu Hause. Auch wenn viele dieser Produkte heute noch existieren, sprechen kaum noch Menschen darüber. Dieses Phänomen zeigt, wie diese 20 Kultlebensmittel ein ganzes Lebensgefühl konserviert haben.

Süße Erinnerungen und kleiner Luxus
Ein herausragendes Beispiel ist der Zetti Bambina Riegel. Er war kein Riegel, sondern Magie in rotem Papier. Wer ihn in der Brotdose hatte, war „König auf dem Pausenhof“. Mit seinem weichen Karamell, das auf der Zunge schmolz, dem knackenden Haselnusskrokant und der perfekten Schokolade war Bambina mehr als nur Nascherei – es war Belohnung, Trost und kleiner Luxus zugleich. Heute gibt es ihn wieder, doch damals schmeckte er nach zu Hause, nach Sicherheit, nach Kindheit. Bambina war „ein Stück Herz in Schokoladenform“.

Eine weitere stille Heldin der Süßwarenabteilung war die Schlagersüßtafel. Sie zerging im Mund wie eine kleine Pause vom Alltag, war leicht, cremig und hatte einen sanften Kakaoton. Für viele war sie die erste Süßigkeit, die man ganz allein genießen durfte. Sie zeigte: Man braucht keinen Überfluss, um Genuss zu erleben. Die Schlagersüßtafel ist bis heute ein stilles Denkmal für diese Haltung.

Anders und unvergesslich war auch Crackers. Mit Knäckebrot, Kakaoglasur und Zucker – keine Schokolade, aber ein Geschmack, der sofort Erinnerungen weckte. Er war krümelig, süß, ein bisschen rau und ein echtes DDR Original. Besonders begehrt waren die Sammelbilder – Tiere, Märchen, Technik – die ihn begleiteten. Crackers war ein Snack mit Charakter, Ecken und Seele, der stolz auf das war, was er war.

Zarte Zuneigung verkörperte die Wiba-Nougatstange. Dieser schlichte, edle Riegel mit cremigem, nussigem Nugat schmolz auf der Zunge wie ein Versprechen. Wer ihn verschenkte, meinte es ernst, und wer ihn bekam, fühlte sich besonders. Die goldene Hülle glänzte und war ein stiller Luxus im Alltag. Die Wiba gehörte zur DDR wie das gute Porzellan und wer sie einmal probierte, vergisst diesen Moment nie.

Auch die Liebesperlen in Minibachdosen gehörten zu den süßen Seelentröstern. Die winzigen Zuckerperlen waren bunt wie das Leben, verpackt in Dosen, die so schön gestaltet waren, dass man sie sammelte. Jede Dose mit Tieren, Märchen oder Lokomotiven war ein kleines Kunstwerk. Sie waren Tauschobjekt und Geheimversteck, und das Klappern der Dosen weckte Erinnerungen an Pausenhöfe und Kinderlachen. Die Liebesperlendose war nicht nur Süßkram, sondern Erinnerung in Metall.

Eisgenuss und kühle Erfrischung
Eis hatte in der DDR einen besonderen Stellenwert. Hexeneis war „Zauberei auf der Zunge“, ein Wirbel aus Vanille, Erdbeer oder Schoko, frisch gezogen. Serviert in Muschelwaffel oder Papiertüte. Besonders waren die Löffel, bedruckt mit Sternen oder einer Hexe, die gesammelt wurden wie Schätze. Ein Biss war Sommer, Freibad, ein perfekter Tag. Hexeneis war kein Produkt, sondern ein Erlebnis.

Das Pückler-Eis war „wie ein kleines Versprechen auf Glück“. Drei Farben, drei Sorten – Schokolade, Vanille, Erdbeere – in klaren Streifen, oft serviert auf Omas bestem Porzellan. Man aß es mit Gabel und Messer, langsam und andächtig, als wäre es ein Festessen. Pückler-Eis war kein Luxus, sondern Kultur und stand für Sorgfalt, Gemeinsamkeit und Genuss ohne Eile.

Grünfant war „Eis mit Persönlichkeit“. Knallgrün, frech, unverwechselbar – schon der Name klang nach Pausenhof. Der Waldmeister-Vanille-Mix im Becher war cremig und nicht zu süß. Grünfant war mehr als nur Eis, es war eine Figur im Theater der Kindheit. Bis heute ist dieser Geschmack fest im Herzen verankert.

Auch das Muscheleis war ein kleiner Schatz. Eine Waffel in Muschelform, gefüllt mit cremigem Eis. Man hielt sie stolz fest, und der erste Biss war ein kleines Abenteuer. Muscheleis war Alltagsfreude pur und deshalb so kostbar.

Das Ilka Softeis war „mehr als eine Erfrischung“. Es war der Moment vor der Maschine, das Geräusch, wenn das Eis spiralförmig in die Waffel floss. Weiß, braun oder gemischt, Hauptsache frisch, cremig, weich. Es zerging auf der Zunge und war immer richtig, ob nach dem Einkauf oder dem Schwimmen. Ilka Softeis war die DDR in einer Waffel – ehrlich, einfach, unvergesslich.

Deftiges und Getränke mit Haltung
Verlässlichkeit im Dosenformat boten die Halberstädter Würstchen. Sie waren immer da, wenn es schnell gehen musste, im Küchenschrank oder im Rucksack. Fein geräuchert, zart im Biss, in Lake, die vertraut schmeckte. Ob kalt, warm oder heimlich direkt aus der Dose – sie waren ein Stück Alltag, das nie langweilig wurde. Halberstädter auf der Dose, DDR im Herzen. Das Knacken des Deckels weckt Erinnerungen an Lagerfeuer und gedeckte Tische.

Kraft aus dem Kessel lieferte die NVA Feldsuppe. Deftig, sättigend, ehrlich. Kartoffeln, Kohl, Möhren, manchmal Wurst – mehr brauchte es nicht, aber es steckte alles drin, was zählte. Sie schmeckte nach Zusammenhalt, nach Lagerfeuer Nachmittagen und Geschichten unter freiem Himmel. Diese Suppe stärkte nicht nur den Bauch, sondern auch das Wirgefühl. Die DDR konnte Gemeinschaft kochen, und sie schmeckte wunderbar.

Für den Start in den Tag oder die Brotzeit gab es die Schmelzkäseecken. Acht kleine Dreiecke in einer Runddose, einzeln verpackt. Sie waren cremige Verlässlichkeit, mild und streichzart. Für viele Kinder war es der erste Schritt in die Unabhängigkeit, eine eigene Ecke ganz ohne Hilfe. Sie gehörten zur großen DDR Frühstückswelt, praktisch und familienauglich.

Eine rauchig-würzige Alternative fürs Brot war die Bücklingspaste. Direkt aus der Tube aufs Brot gedrückt. Der Duft erinnerte an Fischhallen. Sie gehörte zum Abendbrot wie das Brotmesser. Bücklingspaste war DDR pur – praktisch, vollwertig, unverwechselbar. Sie war kein Snack, sondern ein Lebensgefühl direkt aus der Tube.

Bei den Getränken stach die Brockenhexe hervor. Sie war keine Limo, sondern ein Zaubertrank. Knallgrün, süß, spritzig und geheimnisvoll, der Name weckte Abenteuerlust. Sie schmeckte nach Waldmeister und Fantasie. Brockenhexe war mehr als Limonade, sie war ein Gefühl, ein Stück Kindheit in flüssiger Form.

Club Cola war „unser Geschmack von Freiheit im Glas“. Weniger süß, dafür mit mehr Charakter. Wer sie trank, wollte nicht imitieren, sondern etwas Eigenes genießen. Sie war auf jedem Fest und in jedem Jugendclub präsent. Ein eisgekühlter Schluck weckte das Gefühl, dass man in der DDR eine eigene Cola hatte, die „richtig gut schmeckte – ehrlich, erfrischend, unverwechselbar“.

Ein weiteres Getränk mit Haltung war Pfeffi. Pfefferminzgrün, klar im Kopf, kühl im Abgang. Kein Getränk zum Angeben, sondern zum Anstoßen. Für viele war Pfeffi der erste Schluck Freiheit, grün wie Hoffnung, süß wie der Moment. Er war unkompliziert, ehrlich, ein Getränk, das zusammenbringt.

Der Klassiker auf jedem Tisch
Und dann gab es noch den Senf, der Heimat im Glas war: Bautz’ner Senf. Mild, cremig, mit dem richtigen Hauch Schärfe. Keine Mahlzeit war komplett ohne ihn. Ob auf der Bockwurst, zum Eierkuchen oder in der Soljanka – er passte immer. In jeder DDR-Küche stand er griffbereit. Auch heute noch landet er regelmäßig im Einkaufswagen und ist Erinnerung zum Genießen, ein Glas Geschichte.

Eis der weiten Welt und bunter Kuchen
Ein Hauch der weiten Welt auf der Hand war das Moskauer Eis. Zwei knusprige Waffeln und dazwischen pures Vanilleglück. Wer es bekam, fühlte sich reich. Es war ehrlich, ohne Schnörkel – nur Eis und Liebe. Der Name klang groß, doch das Erlebnis war ganz nah. Moskauer Eis war kein Luxus, es war besser – es war Erinnerung in Vanille.

Zuletzt der Papageienkuchen. Er war kein Kuchen, sondern ein Feuerwerk auf dem Blech. Bunt, mutig, voller Leben. Gebacken mit Götterspeise, Fantasie und viel Herz. Wer ihn anschnitt, hörte Kinder lachen; wer ihn aß, schmeckte Geburtstag, Schule, Gemeinschaft. Es war der Kuchen, den jede Oma konnte, den jedes Kind liebte. Er zeigte: Man braucht kein exotisches Superfood, um Freude zu backen – nur Teig, Farbe und Liebe. Papageienkuchen war DDR pur.

Diese Lebensmittel waren mehr als nur Produkte; sie waren feste Anker im Alltag, Symbole für Gemeinschaft, kleine Freuden in oft einfachen Zeiten. Wer heute daran denkt oder sie wiederfindet, schmeckt nicht nur den Geschmack, sondern spürt vor allem das Gefühl von damals – Kindheit, Heimat, Zusammenhalt.

Das sozialistische Traumschiff der DDR – die MS Völkerfreundschaft

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Schon zu Zeiten der DDR stachen von der Hansestadt Rostock Urlauberschiffe in See. An Bord gingen die werktätige Bevölkerung und verdiente Aktivisten, die in den Ostseeraum oder zum Schwarzen Meer reisten. Auch Sportler der Olympiamannschaft der DDR nutzten die Gelegenheit, an Bord zu gehen. Die MS Völkerfreundschaft war das erste dieser sozialistischen Traumschiffe.

Gemeinsam mit der Fritz Heckert, dem einzigen Neubau eines Kreuzfahrtschiffes für die DDR, wurde die Völkerfreundschaft ab 1960 eingesetzt. Später kam noch die MS Arkona hinzu, die vielen als TV-Traumschiff des ZDF bekannt war. Doch die Völkerfreundschaft hatte schon vor ihrer ersten Fahrt unter DDR-Flagge im Februar 1960 eine traurige Berühmtheit erlangt. Am 25. Juli 1956 kollidierte das Schiff, damals noch als Stockholm unter schwedischer Flagge unterwegs, in einer Nebelbank vor der US-Ostküste mit dem doppelt so großen Liner Andrea Doria. Während das italienische Schiff sank, kamen 51 Menschen bei dem Unglück ums Leben, davon fünf auf der Stockholm. Der beschädigte Havarist erreichte New York und wurde repariert. 1960 kaufte die DDR das Schiff für 20 Millionen Kronen.

Vor ihrer Jungfernfahrt am 24. Februar 1960 ins Mittelmeer wurde das Schiff von der damaligen Deutschen Seereederei Rostock (DSR) betrieben und umfassend umgebaut. Es sollte in puncto Luxus den Bauten des „Klassenfeindes“ in nichts nachstehen. An Bord gab es ein Außen- und Innen-Schwimmbad, einen Frisiersalon, Rauchsalon und ein verglastes Kaffee mit großer Tanzfläche. In einem Kinosaal für 180 Besucher wurden die neuesten Filme aus DEFA-Produktionen gezeigt. Wer sportlich aktiv sein wollte, konnte Tischtennis spielen oder auf dem Oberdeck Volleyball spielen, wobei der Ball an einer Sehne befestigt war, damit er nicht über Bord ging. Allerdings, so erinnert sich Reinh Brand, der von 1975 bis 1981 als Steward auf dem Schiff arbeitete, gab es das heutige Entertainment moderner Kreuzfahrtschiffe noch nicht.

Brand erinnert sich gerne an die Zeit zurück. Es sei eine „sehr interessante Zeit Seefahrt zu den Bedingungen der DDR“ gewesen. Es war die „einzige Möglichkeit, das Land legal zu verlassen“. Als Steward war es Brands Aufgabe, sich um die Gäste zu kümmern, eine von morgens bis abends schwere Arbeit.

Im Frühjahr und Herbst standen Reisen für den Freien Deutschen Gewerkschaftsbund (FDGB) auf dem Programm. Im Winter wurde das Schiff zeitweilig an die schwedische Stena Line verchartert. Dies geschah, weil die DDR chronisch unter Devisenmangel litt und die Westkundschaft gut zahlte. Anfang Mai begann die Hauptsaison. Eine Reise dauerte stets zwei Wochen und führte in Häfen der befreundeten sozialistischen „Bruderstaaten“. So ging es von Rostock über die Ostsee bis ins frühere Leningrad und zurück. Als Besatzung war man sechs bis acht Wochen mitgefahren und hatte danach etwa vier Wochen frei. Im September und Oktober steuerte das Schiff südlichere Gefilde an. Rundreisen durch das Schwarze Meer führten von Varna über Jalta nach Sotschi und zurück. Später wurden diese Fahrten verkürzt, da die Fahrten durch das Mittelmeer nicht mehr so häufig stattfanden.

Auf diesen Fahrten durften nur ganz bestimmte Leute mitfahren. Denn stets fuhr bei den Staatsrepräsentanten ein Politoffizier der Staatssicherheit mit an Bord. Die Stasi war immer präsent, aus Sorge, dass Passagiere oder Besatzungsmitglieder die Gelegenheit zur Flucht nutzen könnten. Dies geschah tatsächlich in einigen Fällen. Deshalb hielten bei engen Passagen wie etwa der Durchfahrt durch den Bosporus immer Leute von der Besatzung Wache, damit keiner über Bord sprang.

Später folgten auch Reisen nach Kuba, bevor wieder die Charterreisen der Schweden anstanden. Im Frühjahr nahm das Schiff in der Regel eine mehrwöchige Werftzeit in Wismar in Anspruch, denn es war „schon etwas betagter“. Die Charterfahrten, meist mit skandinavischen Gästen an Bord, gefielen Brand besonders gut. Dabei gab es sehr interessante Häfen zu sehen: die gesamten Kleinen Antillen, die Karibik von Grenada bis zu den Jungferninseln, die Kanarischen Inseln und das gesamte Mittelmeer. Brand erinnert sich: „Es war jeder Tag ein Highlight. Wir haben es uns schon schön gemacht.“. Gelegentlich durfte die Besatzung beim Volleyball gegen die Gäste antreten, und wenn einmal sämtliche Passagiere von Bord gegangen waren, feierte die Besatzung auch mal eine kleine Party, wie einen „bayerischen Abend“.

Doch das eisige Klima des Kalten Krieges war auch an Deck spürbar. Auf ihren Fahrten zwischen Ostsee und Westindischen Inseln geriet die Völkerfreundschaft mehrmals zwischen die Fronten des Ost-West-Konflikts. Auf dem Weg nach Kuba im Oktober 1962 durchfuhr das mit FDGB- und tschechischen Urlaubern besetzte Schiff die amerikanische Blockadelinie. Drei Stunden lang wurde es von einem US-Zerstörer in zwei Seemeilen Abstand begleitet, bevor das Kriegsschiff abdrehte und die Völkerfreundschaft unversehrt Havanna erreichte. Sechs Jahre später kam es in der Ostsee zu einem Zwischenfall, als das Kreuzfahrtschiff mit einem westdeutschen U-Boot-Jäger kollidierte, der gerade einen Republikflüchtling aufnehmen wollte. Ebenfalls in der Ostsee stieß die Völkerfreundschaft 1983 mit einem U-Boot der Bundesmarine zusammen. Die Vorfälle gingen glimpflich aus.

Doch der Zahn der Zeit nagte unverkennbar an dem Schiff. Zudem rentierte sich der Betrieb des Schiffes nicht mehr, die Völkerfreundschaft wurde zum Zuschussgeschäft für die klamme DDR-Staatskasse. Kurz vor ihrer Außerdienststellung wurde ihr noch eine besondere Ehre zuteil: Das Urlauberschiff diente als Kulisse für die Außenaufnahmen des DFF-Streifens „Die Rache des Kapitäns Mitchel“.

Im Januar 1985 wurde die renovierungsbedürftige Völkerfreundschaft nach 25 Jahren auf den Weltmeeren verkauft. In dieser Zeit hatte sie 117 Häfen in 51 Ländern angelaufen und eine Strecke zurückgelegt, die acht Erdumrundungen entspricht. In den Jahren darauf folgten mehrfache Umbauten unter wechselnden Namen und Eigentümern. Bis heute ist sie das am längsten im Dienst befindliche Transatlantikschiff der Welt. Die MS Völkerfreundschaft bleibt damit ein faszinierendes Kapitel der DDR-Geschichte auf See.

Chemnitz 2025: Kulturhauptstadt zwischen Aufbruch und Schatten der Vergangenheit

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CHEMNITZ Die Augen reiben, das muss man sich in Chemnitz dieser Tage wohl öfter. Die Stadt, die lange unter dem Namen Karl-Marx-Stadt bekannt war, trägt 2025 den Titel Europäische Kulturhauptstadt. Doch der Weg dorthin und das Jahr selbst sind geprägt von Kontrasten: zwischen Aufbruchstimmung, kreativer Energie und dem beständigen Kampf gegen ein negatives Image, das eng mit rechtsextremen Tendenzen verbunden ist.

Das Klischee, dass aus Chemnitz „doch nur Nazis herkommen“, hält sich hartnäckig. Zwar mögen Klischees „sowieso kaum nichts“ bedeuten, wie eine Passantin meint, doch die Gefahr des Rechtsextremismus ist in Chemnitz nicht nur ein Klischee, sondern „generell ein ostdeutsches, ein deutsches Problem“ und etwas „alltägliches“, das man immer wieder hört. Diese Herausforderung wird im Kulturhauptstadtjahr „überdeutlich“. Engagierte Bürgerinnen und Bürger sehen es als ihre Pflicht, etwas dagegen zu unternehmen.

Ein starkes Zeichen gegen Rassismus und für ein tolerantes Chemnitz setzte bereits 2018 die in Chemnitz verwurzelte Band Kraftclub, die als Reaktion auf rechtsextreme Aufmärsche das Konzert „Wir sind mehr“ initiierte. Diese Solidarität, das Gefühl, sich nicht allein zu fühlen und nicht alleingelassen zu werden, ist wichtig. Die Musikerinnen der Chemnitzer Bands Blond und Kraftclub stammen aus der Kummer-Familie, die oft als die „Kardashians von Chemnitz“ bezeichnet wird. Vater Jan Kummer, Mitbegründer des Kultur-Hotspots Atomino, und seine Partnerin Beate Düber sind als bildende Künstler ebenfalls Teil des Kulturhauptstadtprogramms.

Doch selbst im Kulturhauptstadtjahr gibt es Reibungspunkte. Es scheint, als werde der Rotstift angesetzt, „wenn es um Kultur geht“. Kulturkürzungen treffen ausgerechnet das finanzgebeutelte Schauspielhaus Chemnitz, ein Ort, an dem „Kunst und Theater tapfer ankämpfen gegen die Gefahr des Rechtsextremismus“. Dieses „Hängenlassen“ des Theaters wird als Widerspruch gesehen, da die Kulturhauptstadt gleichzeitig zu einer offenen Stadtgesellschaft aufruft. Eine zentrale Frage bleibt, was von den Projekten und der Dynamik nach dem Kulturhauptstadtjahr bleiben wird, wenn der Countdown abgelaufen ist.

Ein Pilotdokumentationszentrum zum NSU-Komplex mit dem Namen „Offener Prozess“ wurde in Chemnitz eröffnet, was ohne die Kulturhauptstadt „wahrscheinlich nicht gegeben hätte“. Es erinnert an die Schauplätze und Taten des rechtsextremen Terrors, die lange verdrängt wurden. In Chemnitz, Jena und Zwickau waren die NSU-Terroristen gut vernetzt und hatten rassistische Unterstützer. Das Zentrum gibt Angehörigen und Betroffenen des NSU-Komplexes Gehör. Es geht darum, Verantwortung zu zeigen und die bis heute unerfüllten Forderungen der Opfer und ihrer Familien ernst zu nehmen. Oberbürgermeister Sven Schulze hofft, dass das Zentrum hilft, „eine Scheu zu verlieren“ sich mit diesem unangenehmen Teil der Geschichte auseinanderzusetzen. Überlebende wie Abdullah Öskan stellen persönliche Erinnerungsstücke aus und empfinden es als schön, dass „so viele schöne Menschen“ ihre Erfahrung anhören wollen. Die Eröffnung des Zentrums fand großen Andrang.

Die Kulturhauptstadt will nicht nur das Stadtzentrum beleben, sondern auch die ländliche Region des Erzgebirges einbeziehen. Der Purple Path, ein Skulpturen- und Wanderweg, verbindet 38 Orte und bringt moderne Kunst in die Region. Ein Beispiel ist der „Coinstack“ des Künstlers Sean Scully in Schneeberg, der eine Debatte auslöste und dessen Wellenlinie den Künstler an die Wirbelsäule erinnerte und das Auf und Ab von Bergbau und Wohlstand in der Region symbolisiert. Im nahen Ölsnitz wird im Bergbaumuseum „Kohlewelt“ die Geschichte des Steinkohlenbergbaus lebendig. Drei berühmte Männer – Otto Lilienthal, Karl May und Karl Marx – werden hier mit dem Schacht verbunden; Marx inspirierte nachweislich die Gründung der ersten Bergarbeitergewerkschaft Deutschlands in dieser Region. Die „Sensation“ des Purple Path in der Kohlewelt wird der Lichtdom von James Turrell in der sanierten Halle 18 sein, dessen Arbeit für ein Bergwerk erstmals die eminente Wichtigkeit des Lichts für Bergleute aufgreift.

Auch am sächsischen Jakobsweg, der sich mit dem Purple Path kreuzt, wird „Machaergie“ (Macherenergie) lebendig. Auf dem Biobauernhof der Gebrüder Bochmann entstehen mobile Pilgerhütten, entworfen von jungen Designern der Hochschule Zwickau. Diese „bewohnbare Kunst“, wie das „Fass des Diogenes“ oder die „Schubkarre“, ist Teil des größten Mitmachprojekts der Kulturhauptstadt und nutzt die „Pole Position“ am Jakobsweg.

Ein weiteres großes Mitmachprojekt ist #3000 Garagen. Einst gab es 30.000 Garagen in Chemnitz, viele stehen heute leer oder wurden abgerissen. Das Projekt nimmt sowohl die Garagen als auch ihre Besitzer unter die Lupe. Es geht um Hobbys wie Filzen in der „Wollgarage“ oder das Sammeln von Mitropa-Stücken, die sonst weggeworfen worden wären. Das Projekt beleuchtet auch die Unsicherheit der Garagenbesitzer, denen oft der Grund und Boden nicht gehört. Eine französische Künstlerin, Kosima Terrass, wurde eingeladen, eine partizipative Arbeit zu machen und fasste dabei ein wichtiges Wesensmerkmal der Chemnitzerinnen und Chemnitzer auf: „aus Scheiße Gold machen“.

Die Stadt ringt mit dem Strukturwandel, der hart war und weitergeht. Der Exodus nach dem Verlust Zehntausender Industriearbeitsplätze wurde bis heute nicht aufgeholt. Doch es gibt Anfänge: Große Fabrikhallen verwandeln sich in „spacige urbane Räume“. Die Kulturhauptstadt erzählt mit Ausstellungen wie „Tales of Transformation“ von der einst reichen Industriestadt und dem, was davon geblieben ist.

Chemnitz ehrt im Kulturhauptstadtjahr auch seinen „größten Künstlersohn“, den Expressionisten und Mitbegründer der Brücke, Karl Schmidt-Rottluff. Ein nigelnagelneues Museum im Wohnhaus seiner Eltern wurde durch „sehr starkes bürgerliches Engagement“ und die Kulturhauptstadt möglich. Es zeigt erstmals auch sein weniger bekanntes designerisches Werk. Das Museum beleuchtet auch die Verfolgung des Künstlers in der NS-Zeit und das Malverbot von 1941, was die Frage der Kunstfreiheit aufwirft – ein Thema, das laut Museumsdirektorin heute „fast wieder ein bisschen“ relevant ist und die Demokratie mitgefährdet.

Die Kulturhauptstadt soll nicht nur Außenwirkung erzielen, sondern den Chemnitzerinnen und Chemnitzern einen Schub für Selbstbewusstsein, für Stolz geben, trotz aller Problemlagen. Ziel ist es, ein neues Wirgefühl zu erzeugen. Programmchef Stefan Schmidte sieht die Kulturhauptstadt als Hebel für Stadt- und Regionalentwicklung und als Booster fürs Wirgefühl. Er wirbt in Brüssel dafür, die Erfahrungen anderer Kulturhauptstädte zu nutzen und den Titel vielleicht sogar weiterzugeben, da Kultur eine Kraft ist, die zusammenführt, „wenn die Gesellschaft auseinandertreibt“.

Bleiben wird hoffentlich „eine Menge“. Für Projekte wie das neue Schmidt-Rottluff Museum und die Brücke zur sanierten Wohnmühle, seinem Geburtshaus, wird Nachhaltigkeit über das Jahr hinaus angestrebt. Nirit Sommerfeld plant, ihr Kaffee Julius im Schocken, einem früheren jüdischen Kaufhaus, das heute für Vielfalt steht, mindestens bis nächsten Sommer weiterzubetreiben.

Chemnitz möchte nicht länger „See the unseen Chemnitz – die Ungesehene“ bleiben. Trotz Kulturkürzungen, der Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte und den Herausforderungen des Strukturwandels zeigt die Stadt im Kulturhauptstadtjahr eine enorme „Machaergie“ und kreative Vielfalt. Der Wunsch am Ende ist klar: weiter so viel Energie und endlich die Anbindung, damit sich das genaue Hinsehen in Chemnitz für mehr Menschen lohnt.

NATO-Großmanöver BALTOPS 2025 vor Rostock gestartet – Proteste begleiten Auftakt

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Am 5. Juni 2025 hat vor der Küste Rostocks in der Ostsee das maritime NATO-Großmanöver Baltic Operations, kurz BALTOPS, begonnen. Die Übung, die rund 50 Schiffe und Boote, mehr als 25 Luftfahrzeuge und etwa 9000 Soldatinnen und Soldaten umfasst, zog bereits am Morgen zahlreiche Schaulustige auf die Molen von Warnemünde.

Der Auftakt des Manövers wurde von Protesten begleitet. Auf der Mittelmole hatten sich etwa 30 Protestierende versammelt, um mit den Schaulustigen ins Gespräch zu kommen. Im Rostocker Rathaus waren für diesen Tag insgesamt fünf Demonstrationen im Zusammenhang mit der Übung angemeldet.

Die Demonstranten sehen den Start des NATO-Manövers in Rostock als „das falsche Zeichen“. Aus ihrer Sicht der historischen Verantwortung heraus sollte Deutschland stattdessen das „Friedens- und Diplomatieland Nummer 1“ sein. Ein Protestierender verwies auf das Friedensgebot im Grundgesetz und den Grundsatz „von deutschem Boden darf nie wieder Krieg ausgehen“. Er fragte, ob die 27 Millionen russischen Opfer im Zweiten Weltkrieg keine Rolle spielten, wenn plötzlich eine solche Feindschaft aufgebaut werde. Die Aktivisten vertreten die Ansicht, dass die aktuelle Politik nicht den Willen der Väter, Mütter und Großeltern widerspiegelt. Sie haben die Initiative „Eine Million Stimmen für den Frieden“ ins Leben gerufen, um bundesweit für Diplomatie als bessere Alternative zu werben.

Auf der Mittelmole positionierte sich unter anderem das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) aus Rostock. Als symbolisches Zeichen des Friedens sollten später weiße Tauben aufsteigen. Mit Transparenten, Luftballons und Musik wollten die Teilnehmenden deutlich machen, dass es auch andere Auffassungen gibt. Sie sind überzeugt, mit ihrer Meinung „wirklich nicht alleine“ zu sein.

Für Irritation sorgte die Öffentlichkeitsarbeit der Bundeswehr im Vorfeld und während des Auftakts. Die Einladung zu einer Presseveranstaltung erfolgte äußerst kurzfristig, die Auswahl der Medienvertreter wirkte willkürlich, und spätere Akkreditierungen waren nicht möglich. Anfragen für Interviews oder Statements zur Übung wurden von verantwortlichen Pressesoldaten abgewiesen. Dies wird als „nicht nachvollziehbar“ bewertet und führte dazu, dass die Berichterstattung, wie sie in den bereitgestellten Informationen dargestellt wird, „ein bisschen einseitig“ ist und vor allem die Proteste beleuchtet. Es wird jedoch angekündigt, weiterhin zu versuchen, die Position der Bundeswehr und den Hintergrund der Übung journalistisch einzuordnen.

Mehr als nur Sattmacher: Die unvergessliche Küche der DDR

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Wenn Sie dachten, Soljanka sei nur Suppe und Jägerschnitzel echtes Schnitzel, dann haben Sie die Küche der DDR nicht wirklich kennengelernt. Diese Gerichte erzählten Geschichten und weckten Erinnerungen. Es war eine Küche, die aus dem Nichts ein Fest machen konnte, geboren aus Mangel, aber geliebt wegen ihres Charakters.

Die „Königin der Resteküche“ und andere Helden des Alltags
Ein Paradebeispiel dafür ist die Soljanka. Sie war scharf, sauer, rauchig und die „Königin der Resteküche“. In ihr landete, was da war: Jagdwurst, Salami, saure Gurken, Tomatenmark, ein Schuss Brühe. Das Aroma war würzig-herzhaft, roch nach Werkskantine, Familienfeier, nach Zuhause. Manche verfeinerten sie mit Zitrone oder Sahne; jeder hatte sein Geheimnis, jede Familie ihr eigenes Rezept. Soljanka war kein Gericht, sie war ein Erlebnis.

Ein weiterer Klassiker war das Jägerschnitzel, das nach Wurst schmeckte statt nach Wild. Eine dicke Scheibe panierter Jagdwurst, goldgelb gebraten, außen kross, innen saftig, daneben Spirelli und eine süßlich duftende Tomatensoße. Es schmeckte nach „warmem Zuhause“ und war oft ein „Feiertag auf dem Tablett“ in der Schulkantine. Es gab nichts vor zu sein und fehlte genau deshalb so vielen.

Mutige kannten die „Tote Oma“, deren Name nach Horrorfilm klang, auf dem Teller aber „pure Kindheit“ war. Dahinter verbarg sich gebratene, zerdrückte Blutwurst mit Sauerkraut und Salzkartoffeln. Es war kein Gourmetgericht, aber es machte satt und lieferte Eisen, Fett und Geschmack. Der Name war „makaber wie aufrichtig“, typisch für die ehrliche Küche der DDR, in der nichts beschönigt oder versteckt wurde. Auch wenn es heute langsam verschwindet, lebt es in Erinnerungen weiter – die dunkle, würzige Masse, die wie ein Abschied schmeckte und doch auch wie Zuhause.

Die Königsberger Klopse, zartes Hack, gerollt und in Brühe gegart, schwammen oft in einer hellen, samtigen Mehlschwitze. Kapern fehlten oft, aber das Gericht schmeckte trotzdem nach Zuhause. Es wanderte mit den Menschen aus Ostpreußen in die Küchen der DDR und sorgte beim ersten Bissen für ein „warmes Gefühl zwischen Kindheit und Geborgenheit“.

Als „feine Note im grauen Alltag“ galt Würzfleisch. Serviert in kleinen Schälchen, dampfend, mit zartem Fleisch in cremiger Soße, darüber geschmolzener Käse. Ursprünglich Ragout fin, wurde es mangels Kalbsbries und Luxuszutaten aus Schwein, Hähnchen oder Resten Kasseler zubereitet. Es war ein Gericht, das Stil hatte, ob in der Gaststätte oder zu Hause, ein Moment, in dem man sich etwas gönnte.

Einfach, Ehrlich, Unvergesslich
Viele Gerichte zeigten, wie wenig man brauchte, um satt und glücklich zu sein. Eier in Senfsoße zum Beispiel. Drei hartgekochte Eier in einer sämigen, leicht scharfen Mehlschwitze mit Senf, Essig und Zucker, dazu Salzkartoffeln. Günstig, verfügbar und funktionell. Es stand oft wöchentlich auf dem Tisch und wurde später vermisst, „weil es nicht nur scharf war, sondern auch ehrlich“. Ähnlich pragmatisch war das Bauernfrühstück aus gebratenen Kartoffeln vom Vortag mit Zwiebeln, Jagdwurst und einem Ei. Es roch nach Röstaromen und Zuhause, war „DDR pur – pragmatisch, rustikal und sattmachend“.

Auch Desserts und Kuchen zeigten diese Mischung aus Einfachheit und Kreativität. Der „Kalter Hund“ war ein Muss auf Kindergeburtstagen. Ein Kuchen ohne Backen, schichtweise aus Butterkeksen und Kakaomasse/Kokosfett gebaut, der kalt werden musste. Er war ein „Versprechen auf Kindergeburtstage“ und gehörte zum Fest wie Luftballons. Auch die Quarkkeulchen, eine Mischung aus gekochten Kartoffeln und Quark, gebraten und süß, oft mit Apfelmus, waren ein „süßes Hauptgericht für fleischfreie Tage“. Sie zeigten, dass gute Küche keine Show braucht, nur Herz.

Der Dresdner Eierschecke war eine Komposition aus Hefeteig, Quarkmasse und Eierscheckenmasse, ein kleines Kunstwerk, oft vom Bäcker geholt. Er signalisierte Feier und schmeckte nach Heimat. Der Selterskuchen, ein einfacher Rührteig mit Sprudelwasser für die Lockerheit, war das „leise Rückgrad der DDR-Backkultur“. Unspektakulär, verlässlich und immer schnell aufgegessen. Der knallgrüne Mooskuchen, oft mit Spinat gefärbt, war ein Hingucker und Gesprächsthema, ein „süßer Gruß aus der Kindheit“.

Gerichte mit Gefühl und Erinnerung
Viele dieser Gerichte waren mit starken Gefühlen verbunden. Schmorgurken, aus dem Garten geerntet und geschmort mit Zwiebeln und etwas Speck oder Hack, rochen nach Dill und Sommerregen und erinnerten an Sommerferien bei Oma. Letcho, eingekochte Paprika, Tomate und Zwiebel, oft aus dem Vorratsschrank geholt, brachte Farbe auf den Teller und schmeckte nach Urlaub in der Datsche. Das Steak au four, ein Schweinesteak mit Würzfleisch und Käse überbacken, galt als Luxus und roch nach Sonntagnachmittag. Der Bräuler, ein ganzes Brathähnchen, war mehr als ein Imbissgericht; er war ein Ereignis, das „Fastfood der Herzen“.

Gerichte wie Schichtkraut oder Kassler mit Sauerkraut waren Hausmannskost für viele Tage oder standen für Sonntag und Besuch. Sie rochen nach Ofenwärme, Winter oder einfach nach einem guten Tag.

Die DDR-Küche war vielleicht nie perfekt, aber sie war immer echt. Sie machte satt, wärmte das Herz und erzählte Geschichten von Pragmatismus, Kreativität und dem Gefühl von Zuhause. Wer diese Gerichte einmal gegessen hat, weiß, dass Geschmack manchmal eben doch besser ist als jedes Dreigängemenü und dass Erinnerung oft durch den Magen geht.

Superteam belebt Kulturgarten Tressow in Mecklenburg-Vorpommern neu

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Tressow – Mecklenburg-Vorpommern, ein Landstrich geprägt von uralter Kultur und einer tiefen Verbindung zu Wald, Pflanze und Tier. Rund 500.000 Hektar sind auch heute noch bewaldet und bieten nicht nur wertvollen Rohstoff, sondern sind auch unverzichtbarer Lebensraum für unzählige Arten. Der Wald gilt als Inbegriff der Natur, und sein Schutz sowie die Bewahrung der lebendigen Vielfalt sind wichtige gesellschaftliche Ziele, denn wir Menschen sind auf intakte Waldökosysteme angewiesen.

Dieses alte und neue Wissen über Wälder, ihre Pflanzen und Gärten zu erhalten, ist das zentrale Ziel des Kulturgarten Tressow. Unweit der Hansestadt Wismar bewirtschaftet ein engagierter Verein ein weitläufiges Gelände. Hier finden zahlreiche Aktivitäten statt, die den Wert der Natur und die Verbundenheit zu ihr in den Mittelpunkt stellen. Dazu gehören Seminare und praktische Arbeiten rund um Kräuter, Blumen und Naturmaterialien. Der Verein hat sich die Förderung dieses uralten Kulturguts auf die Fahne geschrieben und versteht sich als Organisation für Nachhaltigkeit. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Förderung der Kleingärtnerei und Pflanzenzucht.

Doch der Kulturgarten Tressow ist mehr als nur ein Ort für Pflanzenliebhaber. Er spielt auch eine wichtige soziale Rolle in der Region. Um ältere Bewohner der Umgebung aus der Isolation zu holen und die Gemeinschaft zu stärken, werden kreative Angebote, Gesellschaftsspiele, Lesungen sowie gemeinschaftliches Kaffeetrinken und Singen angeboten. Der Kulturgarten leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Belebung des ländlichen Raumes.

Obwohl der Kulturgarten heute so lebendig erscheint, waren die Zeiten nicht immer einfach. Das Team um Silvia Alex und ihre Mitstreiter stand vor etwa vier Jahren vor dem Aus. Doch durch die Unterstützung eines Schweizer Vereins konnte der Garten wieder zum Leben erweckt werden. „Wir haben gesagt, das muss hier weitergehen, das muss hier vorwärts gehen“, so die Verantwortlichen. Dieser Neuanfang war nur dank eines super Teams möglich, denn „alleine der Vereinsvorstand kann gar nichts erreichen, wenn nicht ein tolles Team hinter ihm steht“. Die Aufgaben im Team sind vielfältig: Während einige gärtnern, sind andere kreativ oder kümmern sich um den Flohmarkt – hier ist immer irgendwas los.

Damit all die geplanten Projekte umgesetzt werden können, benötigt der Verein jedoch auch finanzielle Unterstützung. Kürzlich konnte sich der Kulturgarten Tressow über eine besondere Geste freuen: Die Caritas war zu Besuch, um eine Spende zu überreichen. Diese Zuwendung ist dringend nötig, da der Verein noch sehr, sehr viel vorhat, insbesondere für die Kinder. Geplant sind unter anderem die Entstehung eines Lehrpfades durch den Kulturgarten sowie die Fertigstellung von Tastboxen. „Es sind so viele Sachen, die noch gemacht werden müssen, und da fehlt einfach noch so das nötige Kleingeld“, erklären die Organisatoren, die sich freuen, heute zumindest einen Teil davon erhalten zu haben.

Die Bedeutung der Förderung des ländlichen Raumes und des bürgerschaftlichen Engagements ist mittlerweile auch in der Politik erkannt worden. Viele Aktivitäten im Lebensumfeld der Menschen beruhen auf dem Einsatz derer, die mehr tun als das, was das tägliche Leben abverlangt. Besonders im ländlichen Raum findet dieses Engagement selten im Rampenlicht statt. Der Kulturgarten Tressow ist ein leuchtendes Beispiel für solches Engagement, das Naturverbundenheit, Nachhaltigkeit und Gemeinschaftsgeist vereint.

Vom Stolz der See zur Tiefe des Meeres: Das tragische Ende der MS Georg Büchner

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Rostock/Danzig – Sie war ein Stück Rostocker Stadtgeschichte, ein Symbol für die Seefahrtstradition der DDR und ein Zuhause auf Zeit für tausende Seeleute und Besucher: die MS Georg Büchner. Doch das Leben des eindrucksvollen Schiffes fand am 30. Mai 2013 ein jähes und tragisches Ende, als sie auf dem Weg zur Verschrottung vor der polnischen Ostseeküste nahe Danzig sank. Ein trauriges Kapitel deutscher Schifffahrtsgeschichte schloss sich damit.

Die Georg Büchner, ursprünglich 1951 oder 1952 in Antwerpen, Belgien, als Passagier- und Frachtschiff „Charlville“ gebaut, diente 15 Jahre lang im Kolonialverkehr zwischen Belgien und dem Kongo. Als „ein einzigartiges Stück Schiffsgeschichte“ wurde sie 1967 von der DDR gekauft und nach Rostock gebracht. Hier erhielt sie ihren neuen Namen und wurde zum Ausbildungsort für die Deutsche Seereederei. Fast 14.000 oder rund 14.000 Seeleute erlernten auf ihren Planken das Handwerk. Die Grundausbildung auf der Büchner galt als harte Schule und Feuertaufe, die Disziplin und Ordnung lehrte. Zehn Jahre lang fuhr sie die Route Rostock-Kuba-Rostock, transportierte Landwirtschaftstechnik nach Havanna und Zucker sowie Rum zurück.

Nach dem Ende der Karibikreisen 1977 wurde das Schiff in Rostock-Schmal festgemacht und diente als stationärer Ausbildungsort und Betriebsberufsschule bis 1989. Ein belgischer Elektriker, George Bogard, der viele Jahre auf der Charlville gearbeitet hatte, machte sogar die Überführung nach Rostock 1967 mit. Rostocks Hafenkapitän Gisbert Ruhnke gehörte ebenfalls zu den Seeleuten, die auf der Büchner ausgebildet wurden.

Seit 2001 lag die Georg Büchner im Rostocker Stadthafen und wurde von einem Trägerverein als Jugendherberge und Hotel betrieben. Trotz jahrelanger Bemühungen des Vereins, das Schiff zu erhalten, wurden die finanziellen Schwierigkeiten zu groß. Fehlende Einnahmen, unter anderem durch den Weggang eines Hauptmieters, machten den Betrieb unwirtschaftlich. Das Schiff als „Schiff“ zu erhalten, war neben der Einrichtung der Jugendherberge einfach zu teuer. Geschätzte 5 Millionen Euro wären für den Erhalt nötig gewesen.

Im Jahr 2012 meldete der Trägerverein Insolvenz an. Es folgte der Verkauf. Zunächst kursierten Gerüchte, sie werde zur Verschrottung nach Litauen gebracht. Der Hafenkapitän Gisbert Ruhnke äußerte damals, das Schiff sei zum Verkauf angeboten worden, und der Käufer entscheide, ob es verschrottet werde. Man ging davon aus, dass die Verschrottung wahrscheinlich sei, da das Schiff alt war und hohe Kosten für eine Herrichtung verursachte.

Zu diesem Zeitpunkt formierte sich Widerstand in der Rostocker Bevölkerung. Auch aus Belgien gab es Interesse an einer Rettung. Experten aus Antwerpen meldeten Interesse an, das Schiff vor der Verschrottung zu bewahren und es nach Antwerpen zurückzuholen, wo es gebaut wurde. Professor Erik van Heudong von der Gesellschaft für maritimes Erbe Belgiens setzte sich für die Rettung ein und nannte das Schiff ein „Schmuckstück“, dessen Verschrottung eine Schande wäre. Die Belgier waren in konstantem Kontakt mit potenziellen Sponsoren und wollten das Schiff besichtigen.

Doch die Situation war komplex. Das Schiff war bereits an einen russischen Schrotthändler verkauft, und die juristische Lage war verfahren. Hinzu kam, dass die Georg Büchner auf der Denkmalliste der Stadt Rostock stand. Veränderungen am Schiff oder ein Ortswechsel waren genehmigungspflichtig. Offensichtlich wurde versäumt, rechtzeitig die Streichung von der Denkmalliste zu beantragen. Der Eigentümer, der Förderverein Traditionsschiff, reichte die nötigen Unterlagen erst sehr spät ein. Das Amt für Kultur und Denkmalpflege forderte, dass das Schiff im Hafen bleiben müsse, bis über den Denkmalschutz entschieden sei.

Die Hansestadt Rostock hatte zuvor auf Antrag des Oberbürgermeisters Roland Methling auf ihr Vorkaufsrecht verzichtet. Begründung waren zu hohe Kosten für Erwerb und Erhalt. Diesem Antrag wurde zugestimmt, da niemand wusste, dass das Schiff unter Denkmalschutz stand. Andernfalls hätte die Stadt es für nur einen Euro als städtischen Besitz zurückholen können, anstatt der geschätzten 750.000 Euro. Vom letztendlichen Verkaufserlös von rund 740.000 Euro landeten nur 90.000 Euro bei der Stadt, die nun der Pflege des maritimen Erbes zugutekommen sollen.
Trotz zahlreicher Bekundungen zur Rettung fehlte es an umsetzbaren Konzepten. Die Vorbereitungen für den Verkauf liefen an Bord unbeirrt weiter. Am 28. Mai 2013 verließ die Georg Büchner, geschleppt vom polnischen Schlepper Ajax, den Rostocker Stadthafen Richtung Klaipeda. Zwei Tage später sank sie.

Das Ende der Georg Büchner sorgt noch immer für Ärger. Der Fall wird auch nach Klärung der Ursachen für das Sinken ein Thema bleiben. Die Meinungen und Vorschläge der Bürger sollten in die Entscheidungsfindung für ein maritimes Erlebniszentrum einfließen, meinen einige.
Doch die Erinnerung lebt weiter. Auf dem Traditionsschiff MS Dresden ist die Georg Büchner „museal“ wieder aufgetaucht. Eine Sonderausstellung, die mit reger Beteiligung eröffnete, zeigt die Geschichte des Schiffes von seinem ersten Leben bis zum Untergang. Seeleute und ehemalige Besatzungsmitglieder haben die Ausstellung unterstützt und Erinnerungsstücke zusammengetragen. Die Ausstellung auf der MS Dresden ist täglich außer montags von 10 bis 16 Uhr zu sehen und soll nach und nach erweitert werden. Erinnerungen an die Georg Büchner sind weiterhin willkommen.

Die „Fritz Heckert“: Ein schwimmender Traum zwischen Freiheit und „Ostalgie“

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Am 25. Juni 1960 lief auf der Mathias-Thesen-Werft in Wismar ein Schiff vom Stapel, das bald zur Legende werden sollte: die „Fritz Heckert“. Als erstes Kreuzfahrtschiff der Deutschen Demokratischen Republik war sie mehr als nur ein Wasserfahrzeug; sie war eine Geschichte von Freiheit, die plötzlich da war und ebenso schnell wieder verschwand. Ein Traum, der viel zu schnell ausgeträumt werden musste und Erinnerungen weckt.

Die „Fritz Heckert“ ist ein typisches Beispiel für den Sozialtourismus. Dies war ein wichtiger Aspekt der DDR, um die Menschen bei der Stange zu halten und die Arbeitsproduktivität zu fördern. Doch für viele Besatzungsmitglieder und Passagiere bedeutete die „Fritz Heckert“ auch die Chance, die Welt jenseits des sozialistischen Tellerrands zu erleben.

Doris und Peter Garscha kamen 1966 an Bord, sie als Stewardess, er als Matrosenlehrling. Für sie lag eine Welt vor ihnen, in der es weder die SPD noch die Stasi gab. Republikflucht kam für sie nicht in Frage. Sie wollten einfach nur die endlose Freiheit erleben. Doris bewarb sich heimlich bei der Reederei, da sie als einziges Kind nicht wollte, dass ihre Eltern davon erfuhren. Sie dachte, den alltäglichen Alltag könne man immer haben, aber die Welt erleben wollte sie jetzt.

Die Reisen führten von Hamburg bis nach Nordafrika, über 59 Häfen in 24 Ländern. Begegnungen mit der kapitalistischen Welt waren skurril, witzig, beinahe anekdotisch. Bei der ersten Ansteuerung Hamburgs führte der Weg natürlich als Erstes durch die Herbertstraße. Die Lehrlinge waren dabei, und ein Matrose wusste vor lauter Schreck nicht, wohin er gucken sollte. Aufklärung über mögliche gesundheitliche Probleme auf Reisen gab es zwar, aber hingucken gehörte dazu.

Doch die „Fritz Heckert“ hatte auch ihre Kehrseite. Bei der Jungfernfahrt kehrten 25 Passagiere und zwei Besatzungsmitglieder der schwimmenden DDR-Insel für immer den Rücken. Auch später, als Reisen in nicht-sozialistische Länder strengstens untersagt wurden, sprangen Menschen oft aus purer Verzweiflung ins kalte Wasser. Die Geschichte der „Fritz Heckert“ wirft auch einen dunklen Schatten zurück.

An Bord waren neben der Besatzung auch Ingenieure und Schiffsärzte. Horst Norberg hielt zwischen 1965 und 1966 als Wachoffizier Wache. Das Schiff konnte bis zu 369 Passagiere in 112 Zwei-, 33 Drei- und 14 Vierbettkabinen unterbringen. Sie genossen den wahren DDR-Luxus: zwei Schwimmbäder, Restaurants mit exotischer Küche, Konzerte und Tanzveranstaltungen. Für die meisten war es ein unvergesslicher Urlaub.
Die Reisen führten nicht nur mit DDR-Bürgern, sondern auch mit westlichen Touristen, Ungarn und Polen, die ebenfalls in westliche Länder reisen durften. Es gab auch Schwarzmeer-Reisen mit ausgezeichneten DDR-Bauarbeitern, LPG-Bauern oder sogar Leuten, die die Fahrt in einer Tombola gewonnen hatten. Es waren ganz einfache Leute, die hell begeistert waren, mit solch einem Schiff zu fahren.

Die Ausstellung im Wismarer Phantechnikum erweckt diese Legende wieder zum Leben. Mit wertvollen Leihgaben des Schifffahrtsmuseums Rostock versucht die Ausstellung, die Geschichte der „Fritz Heckert“ aus verschiedensten Blickwinkeln zu rekonstruieren. Dabei geht es nicht unbedingt um das Schiff als technisches Produkt, sondern um die Emotionen, die Reisen, die dahinter stecken. Die Ausstellung macht die Geschichte wieder sichtbar und berührbar.

Die für den Bau festgesetzten 35.453.000 Mark sollten ursprünglich von volkseigenen Betrieben aufgebracht werden, doch ganze 29,5 Millionen Mark davon wurden allein durch Spenden abgedeckt. Ein richtiges Volksschiff eben. Dies weckt natürlich auch „Ostalgie“. Die Macher der historischen Ausstellung wissen, dass das Nostalgische dabei mitschwingt, aber für sie ist es vor allem Schiffbaugeschichte, die gezeigt werden soll.

Bis 1970 legte die „Fritz Heckert“ sage und schreibe 490.400 Seemeilen zurück. Umgerechnet waren das 23 Erdumrundungen. Danach wurde sie zum Wohnschiff umfunktioniert. 1999 wurde sie schließlich im indischen Mumbai verschrottet. Der Weg dorthin war die letzte Seefahrt des ersten Kreuzfahrtschiffes der DDR. Trotz allem bleibt sie in Erinnerung – als eine Legende.

Europas Zukunftszentrum wächst in Halle in Sachsen-Anhalt

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Halle (Saale) etabliert sich zusehends als ein zentraler Akteur und Motor für Transformation und Fortschritt in der Metropolregion Mitteldeutschland. Die Stadt, als einwohnerstärkste in Sachsen-Anhalt, überzeugt durch das Zusammenspiel von Kultur, Wirtschaft und Wissenschaft und nimmt eine Schlüsselrolle ein.

Ein herausragendes Symbol für diesen Wandel ist das entstehende Zukunftszentrum für deutsche Einheit und europäische Transformation. Dieses bedeutende Projekt wächst in Halle, direkt am Riebeckplatz, dem größten Verkehrsknoten Ostdeutschlands. Ab dem Jahr 2030 soll das Zukunftszentrum jährlich rund eine Million Besucher anziehen. Geplant als internationaler Anlaufpunkt für Forschung, Begegnung und Kultur, wird es ein starkes Zeichen für die innovative Ausrichtung der Stadt und den überregionalen Wandel setzen.

Doch das Zukunftszentrum ist nur ein Teil einer noch viel größeren Transformation. Direkt daneben, auf dem 20 Hektar großen ehemaligen RW-Gelände, einer Altindustriefläche, entsteht in den kommenden Jahren ein komplett neuer Stadtteil. Dieser „Lost Place“ wird zum Cyberquartier revitalisiert und soll den digitalen Puls der Stadt spürbar stärken. Es handelt sich dabei um eines der Leuchtturmprojekte des Strukturwandels in Mitteldeutschland.

Die Stärke Halles liegt auch in seiner Wirtschaft. Der 230 Hektar große Industriepark Starpark beherbergt eine Vielzahl von Unternehmen aus verschiedenen Branchen, darunter die Automobilindustrie, Lebensmittelverpackung und Logistik. Große Marken wie Porsche, Schuler, Schäffler, Amazon und DHL nutzen die ausgezeichnete Infrastruktur des Standorts, die ideale Anbindung an Autobahnen, das Schienennetz und den benachbarten Flughafen Leipzig/Halle.

Halle ist ebenso eine bedeutende Stadt der Bildung und Forschung. Mit der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina und der Cyberagentur des Bundes sowie über 22.000 Studierenden pulsiert hier das akademische Leben. Der Weinberg Campus, der zweitgrößte Technologiepark Ostdeutschlands, bildet das Zentrum für wissenschaftlichen Fortschritt. Er bietet Universitäten, Start-ups und Science-Unternehmen einen idealen Nährboden. Ein Beispiel für die Innovationskraft ist das mRNA-Kompetenzzentrum von Wacker Biotech, das einen wichtigen Beitrag zur Pandemiebereitschaft Deutschlands leistet.

Neben Wirtschaft und Wissenschaft zeichnet sich Halle durch eine lebendige Kulturszene aus. Die Stadt bietet mit der Oper, vielen Theatern, dem größten Glockenspiel Europas, Museen und den internationalen Händelfestspielen einen einzigartigen Charme. Halle ist eine 1200-jährige Stadt, in der Tradition und Moderne täglich aufeinandertreffen – eine Stadt im Aufbruch, die wächst.

Auch wenn Halle vielleicht nicht jeder sofort auf dem Schirm hat, machen ihre Visionen, Projekte, Menschen und der Blick nach vorne sie zu einem zentralen Ort der Transformation in Mitteldeutschland. Europas Zukunftszentrum, das in Halle wächst, unterstreicht diese Entwicklung.