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Von Euphorie zur Ernüchterung – Missverständnisse, Mythen und der steinige Weg zur Einheit

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Der anfänglichen Euphorie der Wiedervereinigung scheint einer spürbaren Ernüchterung gewichen zu sein. Eine Zeit, in der sich Wildfremde in den Armen lagen und spontan nach Berlin reisten, ist einem Gefühl gewichen, das viele als angespannt empfinden. Doch wie konnte die Stimmung so schnell kippen, und welche Missverständnisse prägen die deutsch-deutsche Beziehung bis heute?

Der Historiker Ilko Kovalczuk zieht eine prägnante Parallele zum deutsch-deutschen Komödienklassiker „Go Trabi Go“, um die anfängliche Haltung des Westens zu illustrieren. In einer Szene machen sächsische Trabbi-Fahrer Rast bei ihren Verwandten in Westdeutschland. Der westdeutsche Verwandte Ottfried Fischer reagiert auf die Ankunft der „Ossis“ mit der Aufforderung: „Erst mal alles weg.“ Schränke werden ausgeräumt, Torte versteckt, damit die Gäste nichts sehen. Später, als die ostdeutschen Besucher krümeln, holt er sofort einen Handstaubsauger heraus, um seine Ordnung wiederherzustellen. Diese Szene dient als Metapher: „Ihr seid willkommen, aber lasst uns in Ruhe. Und bei uns ändert sich gar nichts“.

Doch im Leben und in der Geschichte ändert sich ständig etwas. Diese Veränderungen, auch im Westen bekannt (man denke an „Raider wurde plötzlich Twix“), wurden durch die Einheit noch verstärkt. Kovalczuk kritisiert, dass die Anpassungsleistung des Westens dabei oft zu wenig gewürdigt werde, was er als „kurios“ bezeichnet. Er gesteht Verständnis dafür ein, dass Westdeutsche sich mehr für London, Paris oder New York interessierten als für den „grauen Ost-Beton“. Gleichzeitig bemängelt er das Narrativ, der Westen hätte die Einheit allein gestemmt, indem er Milliarden in den Osten pumpte und den Solidaritätsbeitrag zahlte. Die Wahrheit sei, dass jeder im Osten, der einen Job hatte, ebenfalls Soli-Beitrag zahlte – eine Tatsache, die im Westen kaum jemandem bekannt sei.

Die Wiedervereinigung folgte dem Muster: „Ihr Ossis werdet mal so, wie wir glauben, dass wir sind“. Viele im Westen verstehen die daraus resultierenden Enttäuschungen und Schmerzpunkte im Osten nicht. Eine natürliche Reaktion auf vermeintliche Ungerechtigkeit, wie das Gefühl, „übers Ohr gezogen“ worden zu sein, wäre für Kovalczuk nicht die Wahl einer rechtspopulistischen Partei, sondern eher die Aggression gegen den Verursacher.

Doch warum dann diese politischen Extreme im Osten? Ilko Kovalczuk sieht einen Zusammenhang mit unterschiedlichen Freiheits- und Staatsvorstellungen. Im Osten habe ein Staat regiert, der die Gesellschaft an die Hand nahm, führte und Dinge für sie regelte, solange man sich anpasste und schwieg. Viele Ostdeutsche hätten Schwierigkeiten damit, dass der Staat in einer liberalen Demokratie nicht jene Verantwortung trägt, die sie ihm zuschreiben. Dies erkläre auch den Erfolg von Parteien wie der „faschistischen AfD“ und dem „neokommunistischen BSW“ in Ostdeutschland, da diese einem autoritären Staatsverständnis anhingen, das bei vielen Ostdeutschen offene Türen einrenne.

Das Rad der Zeit lässt sich nicht zurückdrehen. Die Lösung liege darin, vom bisherigen Weg abzugehen, der besagte: „Ihr müsst so werden wie wir“. Dieser Weg, bei dem viele Ostdeutsche glaubten, sie müssten nachahmen, so leben und aussehen wie Westdeutsche, habe sich nach drei Jahrzehnten als Irrweg herausgestellt. Der Ausweg sei die Bereitschaft anzuerkennen, „dass der Sachse ist wie der Sachse“. Es brauche ein Verständnis dafür, dass nicht alle Ostdeutschen gleich sind – selbst zwischen Mecklenburgern und Sachsen gibt es große Unterschiede. Dennoch werde in der „Erfindung der Geschichte“ alles zu „Ostdeutschen“ verrührt.

Es geht darum, mehr zusammenzufinden und eine gemeinsame Zukunft zu gestalten, die auf gegenseitigem Verständnis und der Anerkennung von Unterschieden basiert, anstatt auf der Erwartung vollständiger Anpassung.

Der Traditionszug der Thüringer Waldbahn: Auf Spurensuche zwischen Gotha und Tabarz

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Gotha/Thüringer Wald. Eine Reise in die Vergangenheit und zugleich ein lebendiges Erlebnis für Jung und Alt: Unter dem Motto „Unterwegs mit der Thüringer Waldbahn“ präsentiert eine ZDF-Reportage aus dem Jahr 1988 die 21,7 Kilometer lange Überlandstrecke von Gotha nach Tabarz als nostalgisches wie kulturelles Kleinod. An Bord eines originalgetreu restaurierten Traditionszugs von 1928 erzählt der gebürtige Gothaer und Ensemble-Schauspieler vom Berliner Ensemble seine persönliche Heimaterfahrung – ein szenischer Auftakt für eine zeitlose Entdeckungsfahrt.

Bereits am Bahnhof Gotha, einer Stadt mit über 1 200 Jahren Geschichte, versprechen restaurierte Barockbauten und moderne Wohnensembles ein harmonisches Stadtbild. Die ersten fünf Kilometer teilen sich Waldbahn und städtische Straßenbahn: „Und falls Sie auch einen Gothano-Wermutlein vor sich haben, umso besser – und dann mal los“, heißt es augenzwinkernd im Kommentar. Doch bald verlässt die Bahn das urbane Terrain, um nach Sundhausen und weiter durch dichte Wälder zu führen.

Ein Blick zurück führt in das Jahr 1929: Nach schwierigen Verhandlungen zwischen dem Herzogtum Gotha und der AEG sowie Verzögerungen durch Krieg und Wirtschaftskrise feierte die Waldbahn am 17. Juli 1929 ihre Eröffnung. Seither pendelt sie nahezu ununterbrochen von frühmorgens bis spätabends und verkehrt noch heute stündlich zwischen 4 und 23 Uhr – eine Seltenheit im Zeitalter automatisierter Kontrollsysteme, denn hier kassiert noch der Schaffner persönlich.

Stationen voller Geschichten
Boxberg: Das volkseigene Gestüt züchtet englische Vollblüter für Flach- und Jagdrennen. Ein Festplatz der Pferdesporttradition, der seit 1878 Reiter und Kutschengäste empfängt.
Gleisdreieck: Ausweichstelle und Umsteigepunkt: Wer von hier nach Waltershausen möchte, steigt um – oder kühlt sich im nahegelegenen Waldbad ab.
Schnäpfental: Heimat des historischen Philanthropions, gegründet 1779 von Christian Gotthilf Salzmann. Heute erweitertes Oberschulgebäude und Schauplatz des ersten deutschen Turnplatzes nach Johann Christoph Friedrich GutsMuths. Besucher können noch immer die antiken Gymnastikübungen ausprobieren.
Reinhardsbrunn: Unterhalb der Normalspurtrasse ragt das ehemalige herzogliche Jagdschloss auf 900-Jahre alten Klostermauern. Heute Hotel und Reisebüro, erinnert es an prunkvolle Herzogzeiten.
Friedrichroda: Am höchsten Punkt der Strecke liegt der Kurort, bekannt für das unterirdische Naturdenkmal Marienglashöhle – eine der größten Gipskristallgrotten Europas, entdeckt 1784.

Nach rund einer Stunde Fahrt erreichen Historiker, Eisenbahnfreunde und Erholungsuchende das Ziel: das idyllisch gelegene Tabarz. Von hier führen Wanderwege hinauf zum Großen Inselsberg und entlang des berühmten Rennsteigs. Mit einem Blick zurück auf die dampfende Lok und den stillen Schienenstrang klingt die Reportage aus mit einem Glas Thüringer Gastfreundschaft: „Zum Wohl – auf ein baldiges Wiedersehen auf der Thüringer Waldbahn!“

Die Sendung verbindet persönliche Anekdoten („Für mich als Junge gehörte das zu den großen Erlebnissen, wenn Mutter mit mir die Rutsche bestieg…“) mit präziser Lokalgeschichte. Sie zeigt, wie eine regionale Bahnstrecke weit mehr ist als ein Verkehrsmittel: Sie ist Zeitmaschine, Freizeitvergnügen und lebendiges Erinnerungsstück zugleich.

Karl-Marx-Stadt feiert: Enthüllung der Monumental-Bronzebüste von Karl Marx 1971

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Am 9. Oktober 1971 erlebte die Stadt Karl-Marx-Stadt, heute bekannt als Chemnitz, ein bedeutendes Ereignis, das sowohl symbolische als auch kulturelle Bedeutung hatte: die Enthüllung einer monumentalen Bronzebüste von Karl Marx. Diese Veranstaltung zog etwa 300.000 Zuschauer in das Stadtzentrum und war Teil einer aufwändigen propagandistischen Inszenierung, die den Idealen des Sozialismus und der DDR huldigen sollte.

Die Feierlichkeiten fanden vor einer imposanten Kulisse statt, mit einer Tribüne, auf der zahlreiche Ehrengäste Platz genommen hatten. Unter ihnen befanden sich hochrangige Vertreter der DDR sowie internationale Gäste, darunter Jekaterina A. Furzewa, die Ministerin für Volksbildung (Kultur) der UdSSR, und Lew J. Kerbel, der Bildhauer der Büste. Ihre Anwesenheit unterstrich die Bedeutung dieses Ereignisses nicht nur für Karl-Marx-Stadt, sondern auch für die gesamte sozialistische Bewegung.

Die Zeremonie selbst wurde von Erich Honecker, dem Ersten Sekretär des Zentralkomitees der SED, mit einer eindrucksvollen Rede eröffnet. Honecker hob die Bedeutung von Karl Marx als den großen Denker und Revolutionär hervor, dessen Ideen und Schriften eine zentrale Rolle im sozialistischen Ideologiegebäude der DDR spielten. In seiner Ansprache sprach er von der Notwendigkeit, das Erbe von Marx in der heutigen Zeit zu bewahren und zu fördern. Die Rhetorik der Veranstaltung war geprägt von einem starken Gefühl der Einheit und des Fortschritts, das die Bürger der DDR ansprechen sollte.

Ein wichtiger Teil der Veranstaltung war auch die filmische Dokumentation. Der Filmklub des Handwerks Karl-Marx-Stadt produzierte einen teilweise vertonten 16-mm-Film, der die Atmosphäre der Enthüllung und die Reaktionen der Zuschauer einfing. Der Film zeigte nicht nur die Feierlichkeiten selbst, sondern auch die Vorbereitungen und die Arbeit hinter dem Monument, das mit viel Aufwand und Detailgenauigkeit geschaffen worden war. Im zweiten Teil der Präsentation konnten die Zuschauer die im fertigen Film nicht verwendeten Aufnahmen sehen, die einen zusätzlichen Einblick in das Geschehen boten.

Das Karl-Marx-Monument wurde zu einem bedeutenden Wahrzeichen der Stadt und symbolisierte den Stolz der Bürger auf ihre sozialistische Identität. Es war nicht nur ein Denkmal für Karl Marx, sondern auch ein Ausdruck der politischen und kulturellen Ambitionen der DDR. In den folgenden Jahren entwickelte sich das Monument zu einem Ort der politischen Versammlungen und Feierlichkeiten, an dem die Bürger ihre Loyalität zum sozialistischen Staat und zu den Idealen des Marxismus bekräftigten.

Die Enthüllung der Bronzebüste war nicht nur ein historisches Ereignis, sondern auch ein Spiegelbild der politischen Landschaft der damaligen Zeit. Sie zeigt, wie stark die DDR und ihre Führung versuchten, das ideologische Erbe der sozialistischen Bewegung zu bewahren und zu propagieren. In einer Zeit, in der die Welt im Wandel war, stellte die Zeremonie einen Versuch dar, die eigene Identität und die Prinzipien des Sozialismus zu festigen.

Trotz der aufwendigen Inszenierung und der feierlichen Atmosphäre war die Veranstaltung auch ein Indikator für die Herausforderungen, vor denen die DDR stand. Die massive Propaganda und die Betonung auf den historischen Figuren wie Karl Marx verdeutlichten die Unsicherheiten und die Anstrengungen der Führung, die Ideale des Sozialismus in einer sich schnell verändernden Welt aufrechtzuerhalten. In dieser Hinsicht bleibt die Enthüllung des Karl-Marx-Monuments ein faszinierendes Kapitel in der Geschichte der DDR und der Stadt Karl-Marx-Stadt, das sowohl die Hoffnungen als auch die Herausforderungen jener Zeit reflektiert.

Espenhain – Vom industriellen Giganten zum modernen Technologie- und Erholungszentrum

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Espenhain, einst Synonym für den industriellen Fortschritt und die Kraft der Braunkohle, erlebt seit Jahrzehnten einen tiefgreifenden Wandel. Der Ort, an dem ab 1894 Braunkohlenbergbau betrieben und ab 1937 im großen Stil industrielle Großprojekte umgesetzt wurden, präsentiert sich heute als ein Symbol des Strukturwandels – von einer traditionsreichen Schwerindustrie hin zu einem zukunftsorientierten Technologie- und Erholungsstandort.

Historischer Aufstieg und der harte Preis des Fortschritts
Die Erfolgsgeschichte Espenhains begann mit dem Aufbruch der Espenhainer Grube, verbunden mit der legendären Förderbrücke AFB 17. In der Ära des Nationalsozialismus entwickelte sich hier ein industrielles Schwergewicht: Tagebaue, Kraftwerke, Veredelungsbetriebe und eine Infrastruktur, die dem Kriegsbedarf diente. Doch der Triumph hatte seinen Preis: Während des Zweiten Weltkriegs trafen 1392 Bomben den Standort, und nach nur sieben Monaten waren die Anlagen fast vollständig zerstört.

Der Wiederaufbau nach Kriegsende war ein Mammutprojekt. Unter der Flagge des SAG-Betriebs entstand eines der größten Energiekombinate der DDR, in dem Generationen von Kumpeln hart arbeiteten. Doch die Zeiten des Braunkohlezeitalters waren gezählt – nicht zuletzt aufgrund der hohen Schwefeldioxidbelastungen, die in den frühen 90er Jahren auch zur Stilllegung wichtiger Anlagen führten.

Der Wandel: Von der Industrie zur nachhaltigen Zukunft
Der Rückzug der klassischen Industriekultur brachte weitreichende Umstrukturierungen mit sich. Anlagen wie das Kraftwerk 1 wurden abgeschaltet, während der Abriss der veralteten Brikettfabriken und Schwelereien langsam begann. Doch wo einst rauchende Schornsteine den Himmel verdunkelten, brechen heute neue Horizonte an: Der ehemalige Industriestandort wird schrittweise in einen modernen Industriepark verwandelt, der nicht nur als Wirtschaftsmotor fungiert, sondern auch als Innovationszentrum für nachhaltige Technologien.

Im Zuge der Flutung der Tagebaue entstehen heute weitläufige Seen, die das alte industrielle Gesicht in eine grüne Erholungslandschaft verwandeln. Der Autobahndamm, der einst die Industrie verband, erhält neue Funktionalität als Verkehrsader, die den Industriepark Espenhain optimal an die Region anbindet. Zeitgleich setzt der Standort auf die energetische Wende: Der Solarpark Leipziger Land ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie traditionelle Energiegewinnung durch zukunftsweisende Technologien ersetzt wird.

Ein neues Kapitel für Espenhain
Der Umbau des ehemaligen Braunkohle- und Schwerindustriegeländes ist mehr als nur eine bauliche Veränderung – er ist Ausdruck eines tiefgreifenden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandels. Die LMBV, als treibende Kraft hinter der Sanierung, hat es verstanden, den historischen Kontext zu würdigen und zugleich den Weg für eine nachhaltige Zukunft zu ebnen. Die Einladung des Espenhainer Bürgermeisters, den neuen Aussichtsturm zu erklimmen, symbolisiert diesen Neuanfang: Trotz der schweren Vergangenheit blickt die Region optimistisch in die Zukunft.

In Espenhain trifft Geschichte auf Innovation. Hier, wo einst die Kraft der Braunkohle das Rückgrat einer ganzen Region bildete, entsteht heute ein Zentrum für Technologie, Wirtschaft und Erholung – ein Ort, der beweist, dass Wandel immer auch Chancen birgt.

Die Elektro-Apparate-Werke Berlin Treptow als Vorreiter der DDR-Industrie

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Im Jahr 1979 wurden die Elektro-Apparate-Werke Berlin Treptow, einer der größten Industriebetriebe der DDR, mit dem Titel „Betrieb der ausgezeichneten Qualitätsarbeit“ ausgezeichnet. Dieser Titel wurde dem Betriebsteil Schaltgeräte des Unternehmens verliehen, der sich auf die Produktion von Niederspannungsleistungsschaltern und schweren Schaltschützen spezialisiert hatte. Mit über 8.000 Angestellten zählte der Betrieb zu den bedeutendsten Herstellern von Elektrogeräten in der Deutschen Demokratischen Republik. Die Auszeichnung war nicht nur ein Symbol für herausragende Produktqualität, sondern auch ein strategischer Schritt zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit auf dem globalen Markt.

Einblicke in den Produktionsprozess
Der Betriebsteil Schaltgeräte war verantwortlich für die Herstellung von Komponenten, die in einer Vielzahl von Industriebereichen, wie der Schiffsindustrie, dem Maschinenbau sowie der metallurgischen Industrie, zum Einsatz kamen. Besonders hervorzuheben sind die Niederspannungsleistungsschalter und schweren Schaltschütze, die in Steuerungsanlagen und Starkstromanlagen eingesetzt wurden. Das Unternehmen setzte auf ein strenges Qualitätssicherungssystem, das sich in den Prüf- und Qualitätsmerkmalen widerspiegelte.

In den 1970er Jahren war das Gütezeichen „Q“ ein bedeutender Indikator für Qualitätsprodukte in der DDR. Fast 56 Prozent der Warenproduktion der Elektro-Apparate-Werke trugen dieses Zeichen. Die Tatsache, dass viermalige Auszeichnungen für Qualität erreicht wurden, ist nicht nur ein Beleg für die hohe Produktqualität, sondern auch für das System der kontinuierlichen Verbesserung innerhalb des Betriebsteils Schaltgeräte. Diese Auszeichnungen basierten auf den konsequenten Prüfungen der Produkte und der Leistung der Mitarbeiter und stellten sicher, dass das Unternehmen die Qualitätsanforderungen übertraf.

Der Beitrag der Mitarbeiter
Ein zentraler Aspekt der Auszeichnung war die Bedeutung der Belegschaft, insbesondere der Elektromechanikerin Christel Bleck. Bleck, die das Diplom als Selbstkontrolleurin trug, hatte mit ihrem Team die Qualitätsvorgaben um 30 Prozent übertroffen und dabei die Kosten für Ausschuss, Nacharbeit und Garantieleistungen signifikant gesenkt. Dies war ein direktes Resultat des sozialistischen Arbeitsmodells, das Mitarbeiter in den Mittelpunkt der Qualitätskontrolle stellte und ihnen eine aktive Rolle in der Verbesserung des Produktionsprozesses zugestand. Die Tatsache, dass das Kollektiv als Ganzes für die hohen Qualitätsstandards verantwortlich gemacht wurde, zeigt das Vertrauen der DDR-Industrie in die Fähigkeit der Arbeiter, zur Effizienzsteigerung beizutragen.

Die Bedeutung für die DDR-Wirtschaft
In der DDR stand die Industrieproduktion oft im Spannungsfeld zwischen politischer Ideologie und wirtschaftlicher Effizienz. Die Betonung auf Qualität und Produktivität war ein Weg, die Wettbewerbsfähigkeit der DDR auf den internationalen Märkten zu sichern und die sozialistische Wirtschaftsordnung als leistungsfähig zu präsentieren. Durch die konsequente Ausrichtung auf Qualitätsstandards konnte das Unternehmen nicht nur intern Effizienzgewinne erzielen, sondern auch eine größere Präsenz auf den internationalen Märkten anstreben. Der Export hochwertiger Produkte war ein wesentliches Ziel der DDR-Industriepolitik, da er den Wert der sozialistischen Planwirtschaft im internationalen Vergleich unter Beweis stellen sollte.

Die Auszeichnung der Elektro-Apparate-Werke Berlin Treptow im Jahr 1979 verdeutlicht, wie eng Qualität und Arbeitskultur in der DDR miteinander verknüpft waren. Die „Betriebe der ausgezeichneten Qualitätsarbeit“ standen für eine starke Verknüpfung von kollektivem Engagement und technischer Präzision. Gleichzeitig zeigt sich, wie das sozialistische System versuchte, industrielle Innovation und Produktivität zu fördern, um den Herausforderungen einer globalisierten Wirtschaft zu begegnen. Trotz der politischen und wirtschaftlichen Herausforderungen der Zeit war das Modell der Qualitätssicherung und der Mitarbeiterbeteiligung ein bemerkenswerter Versuch, sowohl interne Effizienz als auch internationale Wettbewerbsfähigkeit zu steigern.

Die unbekannte Fahrzeugflotte der DDR-Regierung

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Während sich die meisten DDR-Bürger mit Trabant und Wartburg begnügen mussten, schwebte die politische Elite, allen voran Staatsratsvorsitzender Erich Honecker, auf einem französischen Komfortwunder über die „Missstände der DDR hinweg“. Und auch für die Volkskammer gab es Fahrzeuge, die weit über das übliche Maß an Ausstattung und Bequemlichkeit hinausgingen. Ein Blick auf die Citroën CX Prestige und Volvo 760 GLE der DDR-Regierung offenbart eine faszinierende Geschichte von politischem Prestige und pragmatischer Fahrzeugbeschaffung.

Erich Honeckers Citroën CX: Ein französisches Statussymbol
Die Beziehung zwischen der DDR-Regierung und dem französischen Automobilhersteller Citroën begann 1978, als Citroën der DDR-Regierung zwei CX Prestige als Geschenk überreichte. Staatsratsvorsitzender Erich Honecker war von deren Design und Komfort so begeistert, dass er fortan bis zum Zusammenbruch der DDR und seinem Rücktritt im Herbst 1989 Fahrzeuge vom Typ Citroën CX für den Staatsfuhrpark bestellte. Diese Beschaffungen, darunter drei Citroën CX25 Prestige aus Frankreich kurz nach 1978, dienten auch der Stärkung der wirtschaftlichen Beziehungen, die mit dem späteren Mosel-Gelenkwellenwerk ihren Anfang nahmen.
Merkmale des Honecker-Citroëns:

• Hydropneumatische Federung: Ein absolutes Highlight, das Honecker besonders schätzte. Im Gegensatz zu Stahlfedern hielt das System das Fahrzeugniveau konstant und nutzte Hydraulikflüssigkeit für einen unvergleichlichen Fahrkomfort.

• Langversion: Die Prestige-Variante war etwa 10 bis 15 cm länger als die Standardversion, was sie besonders geräumig machte.

• Ausstattung: Die Fahrzeuge verfügten über Automatik, Tempomat und Klimaanlage – Ausstattungsmerkmale, die explizit in den Bestellungen der DDR vermerkt waren.

• Innenraum: Es gab kein Leder, stattdessen musste es Velours sein. Das typische Citroën-Cockpit zeichnete sich durch seine Bedienungssatelliten aus, die Blinker- oder Scheibenwischerschalter ersetzten. Die Kilometeranzeige lief über eine Walze.

• Sicherheitsmerkmale: Die Frontwischer waren an den Scheinwerfern montiert. Im Beifahrerfußraum befand sich stets eine originale DDR-Magnetleuchte (Blaulicht), die bei Bedarf schnell auf dem Dach befestigt werden konnte.

• Leistung: Mit 136 PS und 2,5 Litern Hubraum konnten die Fahrzeuge im Konvoi problemlos 150 bis 160 km/h auf der Autobahn erreichen.

• Einsatz: Standardmäßig wurden sie bei Paraden oder offiziellen Anlässen eingesetzt und oft für Staatsgäste genutzt. Zu Ehren des jeweiligen Gastes wurde sogar die Flagge seines Landes an das Auto gehängt. Es gab einen Fahrzeugpool, in dem teilweise zwei Fahrzeuge im Konvoi fuhren, um zu verschleiern, wer genau darin saß.

Honecker selbst fuhr nur zwischen 1976 und 1978 Volvo, danach ausschließlich Citroën. Ein Fahrzeug aus der letzten Bestellung von 1984, das nur 17.000 km (oder 16.000 km) gelaufen war und nie in der BRD zugelassen wurde, ist heute ein seltenes Stück DDR-Geschichte. Nach der Wende 1990 wurden einige dieser Fahrzeuge von der Treuhand übernommen und gelangten später in Sammlerhände. Ein Exemplar wurde 2005 in Potsdam versteigert und ging an einen Oldtimer-Sammler nach Holland, der es erstaunlicherweise mit originalen DDR-Kennzeichen ohne Versicherung oder Papiere fuhr.

Der Volvo 760 GLE der Volkskammer: Diskret und Repräsentativ
Nicht ganz so prominent wie Honeckers Citroën, aber ebenfalls von Bedeutung, war der Volvo 760 GLE Executive, der für die Volkskammer der DDR angeschafft wurde. Diese Fahrzeuge liefen ebenfalls im Regierungsfuhrpark und wurden um 15 cm verlängert, um den hochrangigen Insassen mehr Beinfreiheit zu bieten. Rund 70 dieser Volvos der neuen 700er Baureihe wurden von der DDR erworben und standen meist dem Ministerrat oder anderen wichtigen Persönlichkeiten zur Verfügung.

Besonderheiten des Volvo 760 GLE:

• Designanpassungen: Das originale Fenster hinten in der C-Säule, das die Volvo-700er Reihe normalerweise hat, wurde hier zugunsten eines ästhetischeren Erscheinungsbilds zugeschweißt.

• Motorisierung: Angetrieben wurden sie von einem V6-Motor, bekannt als „Euromotor“, der auch in Modellen von Renault und Peugeot verbaut wurde. Er hatte einen Hubraum von 2,6 oder 2,7 Litern und leistete 155 PS.

• Innenausstattung: Auch hier war die Ausstattung auf Velours ausgelegt, da die DDR keine Lederausstattung wünschte. Automatik, Klimaautomatik und Tempomat waren standardmäßig vorhanden, ebenso ein Volvo-Soundsystem und ein DDR-Feuerlöscher.

Die Wartung und Reparatur dieser besonderen Fahrzeuge erfolgte in einer großen Werkstatt in Berlin, vermutlich in der Hans-Loch-Straße, wo geschultes Personal arbeitete. Einige Mechaniker wurden sogar von Volvo in Schweden ausgebildet.

Die Geschichte der Volvo-Fahrzeuge nach 1990 ist oft lückenhaft, da die meisten keine Fahrzeugbriefe oder Kaufverträge besaßen. Sie wurden auf einem großen Platz in Berlin abgestellt und dann an Autohändler, vorwiegend Niederländer oder Westdeutsche, verkauft. Ein seltener Fall ist ein Exemplar mit einem Kaufvertrag von 1991 von der Volkskammer, das für knapp 27.000 Mark verkauft wurde.

Sowohl die Citroën CX als auch die Volvo 760 GLE trugen Aluminiumplaketten mit Verwaltungsnummern, da sich die Kennzeichen oft änderten und man sich nicht auf diese verlassen konnte. Jeder Autoschlüssel hatte zudem einen Anhänger mit einer Nummer, die zur Identifikation des Fahrzeugs diente. Diese Fahrzeuge sind heute seltene Zeugnisse einer vergangenen Ära und erzählen ihre eigene Geschichte vom Alltag und den Repräsentationspflichten der DDR-Führung.

„Kraft durch Freude“ – Wie das NS-Regime den Urlaub zur Propaganda nutzte

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Was auf den ersten Blick wie ein modernes Freizeitangebot wirkt, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als zentraler Bestandteil der nationalsozialistischen Herrschaftsstrategie. Unter dem Schlagwort „Kraft durch Freude“ (KdF) sollten Millionen Deutscher nicht nur zu Erholung und Genuss verführt, sondern zugleich politisch indoktriniert und überwacht werden. Ein Blick in die Pläne und Programme des Dritten Reiches zeigt, wie eng Freizeitgestaltung und ideologische Mobilisierung miteinander verknüpft waren.

Ein monumentales Projekt – Der Traum eines Seebads
Bereits in den 1930er Jahren plante das NS-Regime Großprojekte, die weit über die reine Erholungsfunktion hinausgingen. Ein Beispiel ist der Entwurf für ein gigantisches Seebad, das auf einer ursprünglich als Insel konzipierten Anlage entstehen sollte. Durch den Bau eines Damms sollte diese Insel mit dem Festland verbunden werden, um ein Erholungsparadies für bis zu 20.000 Urlauber zu errichten. Entworfen von Clemens Klotz, war das Bauprojekt als monumentale Manifestation des „Massentourismus“ gedacht. Zwei Kilometer lange Hauptfronten der Bettenhäuser sollten einen 600 Meter breiten Festplatz flankieren – ein Platz, der nicht nur zur Erholung, sondern auch als Bühne für Propagandaveranstaltungen diente.

Doch als am 1. September 1939 der Rohbau stand und der Krieg ausbrach, wurden alle Bautätigkeiten eingestellt. Die Vision eines riesigen Erholungsortes blieb unerfüllt, doch das Projekt illustriert eindrucksvoll, wie das Regime Bauwerke und Infrastruktur gezielt zur Formung der Volksgemeinschaft einsetzen wollte.

Urlaub als Instrument der Massenmobilisierung
Die Freizeitangebote des Dritten Reiches sollten weit mehr als nur Urlaubsvergnügen bieten. Sie waren ein zentrales Element der nationalsozialistischen Strategie zur Mobilisierung und ideologischen Schulung der Bevölkerung. Vom winterlichen Skispaß bis hin zu luxuriösen Schiffsreisen – der Staat schuf ein vielfältiges Angebot, das sowohl dem physischen Wohl als auch der emotionalen Bindung an den Führerkult dienen sollte.

Winterreisen und Schiffsflotten
Besonders auffällig waren die organisierten Winterreisen. Mit 140 Zügen und 70 Bussen wurden die besten Skigebiete erreicht, wo Sportlehrer der KdF nicht nur Skikurse erteilten, sondern auch sportliche Wettkämpfe und Veranstaltungen organisierten. Der Slogan „Winterurlaub ist doppelter Urlaub“ unterstrich die doppelte Zielsetzung: Erholung und Vorbereitung auf kommende Herausforderungen.

Ebenso spektakulär waren die Schiffsreisen, die von Hamburg aus in entlegene Regionen wie Norwegen, Portugal, Madeira, Italien und Griechenland führten. Innerhalb von sechs Jahren nahmen rund 690.000 Urlauber an diesen Reisen teil – eine eindrucksvolle Zahl, die den Umfang und die Wirkung des KdF-Programms verdeutlicht.
Doch der scheinbare Genuss hatte auch seine Schattenseiten: Auf den Schiffen herrschte ein strenges System der Kontrolle. Die Reisenden mussten ihr Bordgeld vorab in Reichsmark eintauschen, Landgänge waren streng limitiert und Parteispitzel mischten sich unauffällig unter die Gäste. So diente der Urlaub als Mittel, um Loyalität zu erzwingen und jeden abweichenden Gedankengang im Keim zu ersticken.

Ideologie statt Erholung – Der doppelte Zweck der KdF-Maßnahmen
Der Slogan „Kraft durch Freude“ sollte suggerieren, dass wahre Stärke und Leistungsfähigkeit aus einer ausgewogenen Kombination von harter Arbeit und erholsamer Freizeit resultierten. Hinter dieser scheinbar harmlosen Devise verbarg sich jedoch ein durchdachtes System der ideologischen Indoktrination und der staatlichen Überwachung.

Arbeitskraft erhalten und politisch schulen
Hitler und seine Gefolgsleute behaupteten, den Arbeitern müsse ein ausreichender und erholsamer Urlaub gewährt werden, um ein „nervenstarkes Volk“ zu formen – ein Volk, das bereit sei, im Ernstfall Großes zu leisten. Diese Rhetorik diente nicht nur dazu, die Moral der Bevölkerung zu stützen, sondern auch um die Arbeitskraft zu erhalten und zu stärken. Die Urlaubsangebote waren somit in den Dienst der Kriegsmaschinerie gestellt, auch wenn dies für den einzelnen Urlauber oftmals nicht sichtbar war.

Überwachung und Kontrolle im Urlaub
Ein weiterer Aspekt war die allgegenwärtige Überwachung. Bereits an Bord der Urlaubsschiffe wurde mit einem Bordgeldsystem gearbeitet, das den wirtschaftlichen Kreislauf der nationalsozialistischen Gesellschaft widerspiegelte. Unauffällig eingesetzte Parteispitzel sorgten dafür, dass abweichende Meinungen oder gar leise kritische Bemerkungen sofort registriert und, wenn nötig, sanktioniert wurden. Der Urlaub wurde so zu einem kontrollierten Raum, in dem das staatliche Regime jederzeit präsent war und jeden Verstoß gegen die Parteidoktrin ahnden konnte.

Die Erziehung der Jugend – Freizeit als Vormilitärisierung
Neben den Angeboten für Erwachsene spielte die Freizeitgestaltung auch eine entscheidende Rolle in der Erziehung der Jugend. Für die Hitlerjugend und den Bund Deutscher Mädel wurden Wanderungen, Zeltlager und sportliche Aktivitäten organisiert, die weit über bloße Erholung hinausgingen.

Vormilitärische Ausbildung
Die Aktivitäten sollten den jungen Menschen nicht nur ein Gefühl der Heimat und des Gemeinschaftsgeistes vermitteln, sondern sie auch körperlich und geistig auf zukünftige Aufgaben vorbereiten – im Ernstfall auf den Krieg. Wanderungen waren dabei kein bloßes Spazierengehen, sondern strenge, anspruchsvolle Übungen, die militärische Disziplin und Ausdauer fördern sollten. Dabei verschmolz der Geist des Abenteuers mit der staatssozialistischen Erziehung, die darauf abzielte, eine Generation hervorzubringen, die im Idealfall ihr Leben ganz dem Nationalsozialismus widmen würde.

Erlebnis und Indoktrination
Die Jugend wurde durch solche Freizeitangebote emotional und ideologisch gebunden. Schon in jungen Jahren lernten die Kinder, sich als Teil einer übergeordneten Volksgemeinschaft zu verstehen, die von einem überlegenen Führer geleitet wurde. Die Erfahrungen, die in den Zeltlagern und bei den organisierten Wanderungen gemacht wurden, prägten das Selbstverständnis und das politische Bewusstsein der jungen Generation nachhaltig.

Eine propagandistische Inszenierung der Volksgemeinschaft
Das Konzept des „Kraft durch Freude“ war nicht nur ein Angebot zur Erholung, sondern auch ein zentrales Element der nationalsozialistischen Propagandastrategie. Die organisierte Freizeitgestaltung sollte ein Bild von einer homogenen, starken Volksgemeinschaft vermitteln, in der jeder Einzelne seinen festen Platz hatte – den Platz des „Adels der Arbeit“.

Die Sprache der Propaganda
Die Rhetorik des Regimes spielte dabei eine wesentliche Rolle. Sätze wie „Ich will, dass dem Arbeiter ein ausreichender Urlaub gewährt wird“ oder die Betonung des Zusammenhalts an Bord der Urlaubsschiffe sollten den Eindruck erwecken, dass der Staat sich um das Wohl jedes Einzelnen kümmerte. Diese Sprache war jedoch trügerisch, denn hinter der Fassade der Fürsorge stand stets der Anspruch, jeden Bürger in den ideologischen Apparat des Regimes zu integrieren und zu kontrollieren.

Ein visuelles Manifest
Die Architektur und Organisation der KdF-Anlagen selbst waren Ausdruck dieser propagandistischen Selbstinszenierung. Monumentale Bauprojekte, die mit großer Präzision geplant wurden, sollten die technische und organisatorische Überlegenheit des Dritten Reiches demonstrieren. Große Festplätze, lange Reihen von Bettenhäusern und das Bild glücklicher Menschen, die in Gemeinschaft ihre Freizeit genießen – all diese Inszenierungen dienten dazu, ein Bild von Stabilität, Fortschritt und nationalem Stolz zu vermitteln.

Historische Reflexion – Freizeitgestaltung als Instrument totalitärer Herrschaft
Die Analyse der KdF-Maßnahmen eröffnet einen tiefen Einblick in die Funktionsweise totalitärer Regime. Historiker und Kulturwissenschaftler haben das Programm vielfach untersucht und betont, wie Freizeitangebote nicht nur der Erholung dienten, sondern auch als Mittel zur Massenmobilisierung, politischen Indoktrination und sozialen Kontrolle eingesetzt wurden.

Freiheit und Kontrolle – ein Widerspruch
Während der Außenauftritt der KdF-Angebote ein Bild von Freiheit, Erholung und nationalem Zusammenhalt zeichnete, war in Wahrheit das Ziel, die Bevölkerung in alle Lebensbereiche des Staates einzubinden und zu disziplinieren. Die Urlaubsreisen, die geplanten Seebäder und sogar die Erlebnisse der Jugend dienten alle einem übergeordneten Zweck: der Schaffung eines staatskonformen, gehorsamen Volkskörpers, der bereit war, im Kriegsfall zu kämpfen und den Führer bedingungslos zu unterstützen.

Nachwirkungen in der Nachkriegszeit
Die Auswirkungen dieser totalitären Freizeitgestaltung waren nachhaltig. Viele Zeitzeugen berichten von einer ambivalenten Erfahrung: Einerseits bot der organisierte Urlaub eine willkommene Abwechslung vom harten Arbeitsalltag, andererseits blieb oft der blasse Beigeschmack der politischen Kontrolle und Indoktrination zurück. Die prägenden Bilder von kollektivem Feiern und gleichzeitigem Überwachtsein haben sich tief in das kollektive Gedächtnis eingeprägt und flossen in die Diskussionen über Identität und Erinnerung in der Nachkriegszeit ein.

Mehr als nur Urlaub
Der Blick auf die Freizeitgestaltung im Dritten Reich zeigt eindrucksvoll, wie eng Erholung und politische Ideologie miteinander verwoben waren. „Kraft durch Freude“ war weit mehr als ein Angebot zur Urlaubsentspannung – es war ein Instrument zur Schaffung und Kontrolle einer Volksgemeinschaft, die sich in jeder Lebenssphäre an den Vorgaben des Regimes orientieren sollte.

Durch monumentale Bauprojekte, organisierte Schiffsreisen und die strenge Überwachung der Urlaubsaktivitäten wurde der scheinbare Genuss der Freizeit zu einem Teil des ideologischen Kräftemessens. Auch die gezielte Vormilitärisierung der Jugend unterstreicht, dass der Urlaub im Dritten Reich stets doppelte Ziele verfolgte: Einerseits sollte er die Bürger erholen, andererseits aber auch ihre Loyalität und Bereitschaft zur Mobilisierung im Kriegsfall sicherstellen.

Heute, Jahrzehnte nach dem Ende des Regimes, liefert die historische Aufarbeitung dieser Maßnahmen wichtige Erkenntnisse darüber, wie totalitäre Herrschaft alle Bereiche des Lebens instrumentalisieren kann. Der journalistische Blick auf das Erbe des KdF-Programms regt dazu an, die Mechanismen von Propaganda und sozialer Kontrolle auch in modernen Gesellschaften kritisch zu hinterfragen – denn die Inszenierung von Erholung und Gemeinschaft kann auch heute noch zur Manipulation und Disziplinierung missbraucht werden.

In der Erinnerung an eine Zeit, in der selbst der Urlaub zum politischen Instrument wurde, bleibt die Mahnung bestehen: Freiheit und Erholung sollten niemals zum Vorwand werden, individuelle Freiheiten und demokratische Werte zu unterminieren.

Alte Wunden, neue Ängste: Die Sehnsucht nach dem starken Staat in Ostdeutschland

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Historiker Ilko Sascha Kowalczuk zeigt sich zutiefst besorgt über den Zustand der Demokratie und Freiheit in Deutschland, insbesondere in Ostdeutschland. In einem Gespräch mit dem „heute-journal“ erläutert der Autor seine Thesen, die weit über gängige Erklärungsansätze hinausgehen und die aktuelle Zustimmung zu autoritären und antisystemischen Parteien wie der AfD und dem Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) beleuchten.

Autoritäre Träume und historische Mythen
Kowalczuk zufolge ist die hohe Zustimmungsrate zu Parteien mit autoritären Tendenzen im Osten nicht allein durch die Traumata der Wiedervereinigung zu erklären. Vielmehr sieht er eine tiefere Verankerung staatsautoritärer Vorstellungen, die seit 1990 nie wirklich abgerissen seien. Ein zentraler Punkt seiner Analyse ist die Behauptung, dass sowohl die AfD als auch das BSW eine autoritäre Staatsverfassung anstreben. Er zieht Parallelen zur „blutrünstigen Diktatur des Wladimir Putin in Moskau“, die offenbar der staatlichen Vorstellung beider Parteien entspreche und im Osten auf fruchtbaren Boden falle.

Dieser Hang zum starken Staat mag verwundern, wenn man bedenkt, dass die Menschen in Ostdeutschland jahrzehntelang in einem autoritären System lebten. Doch Kowalczuk räumt mit einem weit verbreiteten Mythos auf: Viele Menschen hätten die DDR, insbesondere in den 1980er und 1990er Jahren, gar nicht mehr als Diktatur wahrgenommen. Auch die Erzählung, die Ostdeutschen hätten die kommunistische Diktatur überwunden, sei ein Mythos. Tatsächlich sei es eine Minderheit gewesen, die den Umsturz und die Freiheitsrevolution vorangetrieben habe. Die breite Masse habe abgewartet und sich erst später auf die Seite der Sieger geschlagen – nicht aus einem Durst nach Freiheit, sondern oft mehr aus einer Sehnsucht nach Konsumgütern wie Persil und Mercedes.

Der „Ost-Ost-Konflikt“ und westliche Gleichgültigkeit
Die Debatte um die ostdeutsche Identität und die Ursachen aktueller politischer Entwicklungen ist laut Kowalczuk kein neues Phänomen. Eine „Ost-Ost-Debatte“ habe es seit 1990 immer gegeben, sei aber im Westen oft nicht wahrgenommen worden, da das Interesse an Ostdeutschland im gesamtdeutschen Kontext „relativ bescheiden ausfiel“. Diese interne ostdeutsche Diskussion sei im Kern eine Auseinandersetzung zwischen Befürwortern und Feinden der repräsentativen Demokratie.

Kowalczuk adressiert auch die Kritik vieler Ostdeutscher an der westlichen Dominanz nach der Wiedervereinigung. Während der Westen „einfach so weitermachen“ konnte, sei im Osten quasi alles zusammengebrochen. Soziale Ungerechtigkeiten infolge der Wiedervereinigung sind unbestreitbar, jedoch, so Kowalczuk, rechtfertige dies keineswegs die Wahl von „Faschisten und Kommunisten“. Er verweist auf den ostdeutschen Schriftsteller Dirk Oschmann, dessen Buch zwar einen neuen Ton anschlage, inhaltlich aber bereits in Werken anderer Autoren wie Steffen Mau oder ihm selbst analysiert worden sei.

Die „Transformationsüberforderung“ und die Sehnsucht nach gestern
Das aktuelle Phänomen in Ostdeutschland beschreibt Kowalczuk als einen doppelten Prozess: Eine „Transformationsmüdigkeit“ aus den 1990er und 2000er Jahren werde nun von einer neuen Transformation überlagert – der digitalen Revolution. Diese Überlagerung führe zu einer „Transformationsüberforderung“, bei der Menschen, die die Zukunft nicht einschätzen können, dazu neigen, sich in die Vergangenheit zurückzusehnen.

Dieses Gefühl der Sehnsucht nach einer vermeintlich besseren Vergangenheit sei das zentrale Versprechen von Populisten weltweit. Ob AfD und BSW in Deutschland, Donald Trump in den USA oder Marine Le Pen in Frankreich – sie alle versprechen, die Menschen in eine goldene Vergangenheit zurückzuführen, indem sie eine imaginierte glorreiche Ära herbeizitieren, um so die Zukunft zu gestalten. Die demokratischen Herausforderungen in Deutschland, insbesondere im Osten, bleiben damit ein komplexes und vielschichtiges Feld.

Eine Reise in die Zeit der Gemeinschaft und Einfachheit in der DDR

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Die 70er und 80er Jahre in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) werden heute von vielen mit einer besonderen Nostalgie betrachtet. Es war eine Ära, die für zahlreiche Menschen in Ostdeutschland unvergessliche Momente bereithielt und von einer einzigartigen Gesellschaftsform geprägt war. Obwohl das Leben nicht immer einfach gewesen sein mag, wird es als eine Zeit starker Gemeinschaft und tief verwurzelter Werte in Erinnerung behalten.

Ein zentraler Aspekt des Alltags in der DDR waren die Abende vor dem Fernseher. Familien versammelten sich nach einem langen Tag, um gemeinsam ihre Lieblingssendungen zu verfolgen. In den Wohnzimmern der DDR spielte der Fernseher eine wichtige Rolle, und die Abwesenheit von Smartphones, Internet und sozialen Netzwerken zwang die Menschen dazu, direkt miteinander zu kommunizieren und Gespräche zu führen. Diese einfachen Momente der Verbundenheit erscheinen aus heutiger Sicht fast wie aus einer anderen Zeit, waren aber voller Wärme und menschlicher Nähe.

Das markanteste Merkmal dieser Periode war jedoch die ausgeprägte Gemeinschaft. In Städten und Dörfern prägte das gemeinsame Leben das Miteinander. Parks, Straßen und Wohnungen waren Orte des Austauschs, wo Menschen zusammenkamen, um zu reden, zu lachen und die Zeit zu genießen. Die Beziehungen waren tief und ehrlich; Zusammenarbeit und Teilen gehörten zum Alltag. Nachbarn trafen sich regelmäßig auf einen Kaffee, und das Gefühl der Zusammengehörigkeit war bei Festen und Feierlichkeiten besonders spürbar. Man tauschte sich über den neuesten Klatsch aus oder sang gemeinsam Lieder, lebte miteinander und nicht nur nebeneinander. Diese soziale Wärme und der Zusammenhalt gelten bis heute als ein bedeutendes Erbe der DDR.

Auch der Bildungsansatz in der DDR war einzigartig. Kinder wuchsen in einem System auf, das nicht nur Wissen vermittelte, sondern auch ein Gefühl von sozialer Verantwortung und gemeinschaftlicher Zugehörigkeit stärkte. Der Schulanfang war ein bedeutender Moment im Leben jedes Kindes, und der Übergang vom Kind zum jungen Erwachsenen war von feierlichen Ritualen geprägt. Die Jugendweihen, bei denen junge Menschen symbolisch in die Gesellschaft eingeführt wurden, sind vielen bis heute eine prägende Erinnerung. Diese Zeremonien waren Ausdruck einer Generation, die sich mit einem kollektiven Ziel identifizierte und an Ideale sowie eine bessere Zukunft glaubte.

Trotz politischer Strukturen und oft schwieriger Rahmenbedingungen war das Leben in der DDR auch von einer bestimmten Einfachheit und Schönheit geprägt. Menschen verbrachten viel Zeit im Freien, in der Natur – sei es bei einem Spaziergang im Park oder beim gemeinsamen Mittagessen im Garten. Die Natur spielte eine bedeutende Rolle im Leben der Menschen. Es war ein Leben, das sich nicht primär um die Konsumgesellschaft drehte, sondern um die Werte der Gemeinschaft und der gemeinsamen Zeit. Einfache Momente wie ein Picknick im Grünen oder ein Spaziergang am Brunnen erinnerten daran, dass wahres Glück oft in den alltäglichen, besonderen Augenblicken des Lebens lag.

Die DDR war eine Zeit, die ihre eigenen Herausforderungen hatte, aber auch durch einzigartige soziale Strukturen und eine starke Gemeinschaft gekennzeichnet war. Das Leben mag aus heutiger Sicht anders erscheinen, doch es besaß seinen eigenen Charme und seine eigenen Werte. Die Menschen führten ein Leben, das weniger von der Schnelllebigkeit der modernen Welt geprägt war, sondern mehr von den einfachen, aber wertvollen Momenten des Zusammenlebens und des Zusammenhalts. Diese Erinnerungen zeigen, dass es oft die kleinen Dinge im Leben sind, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Die DDR war nicht nur ein politisches System, sondern ein Stück Geschichte, das in den Herzen der Menschen weiterlebt.

Chris Lopatta über die „schönste Jugend in der DDR“

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Berlin – Für viele ist die DDR ein Synonym für Enge und Beschränkung. Doch Chris Lopatta, 1963 in Berlin geboren und in der Schillingstraße nahe dem Alexanderplatz aufgewachsen, blickt auf seine Jugendzeit in der Deutschen Demokratischen Republik mit einer ungewöhnlichen Nostalgie zurück. „Ich hatte die schönste Jugend in der DDR und ich glaube, ich hätte keine schönere Jugend haben können“, betont er. Obwohl die Grenzen gesetzt waren und Reisen nach Frankreich oder Spanien nicht möglich waren, ermöglichte das „Eingesperrtsein“ paradoxerweise eine tiefere Verbundenheit untereinander, die zu engeren Freundschaften führte.

Union Berlin: Mehr als nur Fußball
Lopattas Jugend war untrennbar mit dem 1. FC Union Berlin verbunden. Seine Leidenschaft für den Fußball begann, als ihn Schulkameraden, die er als „Mutti-Kind“ ohne fußballbegeisterten Vater kennenlernte, zu einem anderen Verein in Prenzlauer Berg mitnahmen. Dort wurde oft „scheiß Union“ gerufen, was den naiven 12-Jährigen neugierig machte. Er beschloss, sich das „selbst anzugucken“. Seine erste Begegnung mit Union in Köpenick war prägend: Das Stadion war ausverkauft, es regnete in Strömen, und von der Waldseite aus blickte er auf eine rote-weiße Fahnen- und Schalwand. „Boah, ist das geil – 1000-mal besser als bei dem anderen Verein, bei dem Polizei- und Stasiverein“, erinnert sich Lopatta an seinen ersten Eindruck der Saison 1976/77. Von da an gab es für ihn nur noch Union.

Die Stadien waren damals viel kleiner und unglaublich voll. Lopatta beschreibt Zustände, die heute aus Sicherheitsgründen „gar nicht mehr erlaubt“ wären, wo man die Arme kaum heben oder senken konnte, so dicht standen die Zuschauer. Ein Torjubel verwandelte die Menge in ein einziges „Durcheinander“. In den 70er Jahren war Union primär ein „Jungs- und Männer Ding“, mit schätzungsweise 80 bis 90 Prozent männlichen Fans zwischen 13 und 30 Jahren. Mädchen waren selten, es sei denn, sie wurden von Freunden oder Brüdern mitgenommen.

Die Union-Fans entwickelten einen eigenen, unverwechselbaren Stil, der sie von anderen abgrenzte. „Bei Union waren die coolen Typen“: langhaarig, in Telemannjacken (Lederjacken mit zwei Taschen), Jeans und vor allem dem Shellparka – einem „absoluten Muss“. Diese US-amerikanischen Armeekejacken waren schwer zu bekommen und teuer, oft für viel Geld gehandelt. Ergänzt wurde der Look durch Jeansanzüge, Wildlederschuhe („Tremper“) und im Sommer die „berühmten Jesus-Latschen“. Als symbolisches Erkennungszeichen trugen die jungen Union-Fans eine Union-Nadel am Revers oder an der Tasche – „so ein bisschen das Parteiabzeichen der Berliner Jugend“, eine Abgrenzung zum offiziellen Bonbon-Parteiabzeichen der SED-Mitglieder.

Protest im Stadion und harte Rivalitäten
Obwohl Union kein Verein von Dissidenten war, strahlte das Fan-Sein eine gewisse „Art von Protest“ aus. „Nicht jeder Unionfan ist Staatsfeind, aber jeder Staatsfeind ist Unionfan“, soll ein Chefredakteur des „Eulenspiegels“ gesagt haben, um die allgemeine Wahrnehmung widerzuspiegeln, dass Unioner automatisch „ein bisschen gegen das System“ waren.

Die Rivalität zum BFC Dynamo war dabei besonders ausgeprägt. Der BFC wurde als „Milkes Stolpertruppe“ oder „Zirkus Milke“ bezeichnet, da Erich Mielke, der Chef des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS), als dessen größter Fan galt und angeblich dafür sorgte, dass die besten Spieler zum BFC delegiert wurden. Schiedsrichterentscheidungen zugunsten des BFC waren ebenfalls ein häufiges Ärgernis, was sich in Gesängen wie „Korruption, Korruption, alles schiebt gegen Union“ ausdrückte. Die Wut auf den BFC war enorm, und es gab harte, heute undenkbare Gesänge wie „Zyklon B für den BFC“ oder „Rara Rasputin, Scheißdynamo Ostberlin“.

Trotz der Mauer gab es auch eine starke Verbundenheit zum West-Berliner Verein Hertha BSC. Viele Ost-Berliner Union-Fans hatten Hertha als „westdeutsche Lieblingsmannschaft“, und nach der Wende sah man sogar Union-Fahnen im Olympiastadion neben Hertha-Fahnen. Diese Verbundenheit hat sich nach der Wende jedoch stark verändert.

Freizeit im Osten: Keine Einzelhaft
Chris Lopatta beschreibt eine Jugend voller Aktivitäten und sozialer Interaktionen. Trotz des Mangels an Reisefreiheit im Westen wurde viel innerhalb des Ostblocks gereist, zum Beispiel per Anhalter nach Bulgarien. Lopatta selbst erinnert sich an einen Solo-Urlaub an der Ostsee, wo er nach drei Tagen von seinem Schulkameraden verlassen wurde, und er dann in vier Wochen in „20 verschiedenen Zelten“ übernachtete.

Das soziale Leben war lebendig und organisiert: Es gab feste Treffpunkte an bestimmten Wochentagen, etwa mittwochs in der Gaststätte Plänterwald (PW) in Berlin oder sonntags im „Kleinen Spreewald“ in Schöneiche. „Man hatte richtig Stress in Berlin – Freizeitstress“, scherzt Lopatta. Dieses begrenzte, aber feste Angebot sorgte dafür, dass man sich nicht verabreden musste, sondern einfach wusste, wo man Freunde traf. Die Kommunikation erfolgte oft noch ohne Telefon, über Notizen an der Wohnungstür oder „Papierrollen“.

Neben Fußball gab es auch eine blühende „Blueser“-Szene und Konzerte von Bands wie „Freigang“, die teilweise verboten waren und auf Dörfern stattfanden. Lopatta selbst war nicht tief in dieser Szene verwurzelt, da seine Wochenenden Union gewidmet waren, entdeckte aber kurz vor der Wende noch einige dieser Konzerte, wie das in Warnemünde.

Bemerkenswert ist Lopattas persönliche Haltung: Er rauchte und trank nie Alkohol, was ihn unter Fußballfans besonders machte. „Brauchst nicht, trinkst nicht, Unionfan?“ wurde ihm einmal im Zug misstrauisch gefragt.

Zufriedenheit und Heimatliebe
Lopatta hatte „überhaupt kein Problem in der DDR zu leben“ und wollte auch nie ausreisen, im Gegensatz zu vielen, die Ausreiseanträge stellten. Er wusste, dass das System „doof ist“, aber der Protest äußerte sich im Stadion, nicht in bürgerrechtlichem Engagement.
Als 1989 immer mehr Freunde über Ungarn und Prag flohen, dachte er zum ersten Mal darüber nach, die DDR verlassen zu müssen. Doch dann fiel die Mauer, und „dann waren schon wieder alle da“. Obwohl er West-Berlin kurz vor der Wende als „Paradies“ kennenlernen durfte und die „alten Kreuzberger“ verstehen kann, die ihre Mauer „wiederhaben“ wollten, entschied er sich, zurück in den Osten zu gehen, als Westdeutsche ihn zum Bleiben drängten. Seine Begründung: „Im Osten gibt’s Scheiße, aber mit der kann ich umgehen. Im Westen gibt’s Scheiße, mit der müsste ich erst lernen umzugehen“. Eine Einstellung, die seine einzigartige, tiefe Verbundenheit mit seiner Heimat und seiner Jugend in der DDR verdeutlicht.