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Der Hauptfeldwebel der NVA – Eine zentrale Figur im militärischen Alltag der DDR

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Im Jahr 1988 gibt ein Lehrfilm der Nationalen Volksarmee (NVA) einen tiefen Einblick in das Leben eines der wichtigsten militärischen Vorgesetzten der DDR: des Hauptfeldwebels. Diese Dienststellung, die in der NVA einen zentralen Stellenwert einnahm, war mehr als nur eine hierarchische Position – sie repräsentierte die Verbindung zwischen den Soldaten und der Führungsebene, eine Rolle, die sowohl Disziplin als auch Fürsorge erforderte.

Der Film stellt Stabsfähnrich Strelau in den Mittelpunkt, der nach 15 Jahren Dienstzeit wieder in die Uniform schlüpft und erneut als Hauptfeldwebel in der Kaserne Eggesin tätig wird. Strelau ist kein gewöhnlicher Soldat – er ist die „Mutter der Kompanie“, wie der Hauptfeldwebel in der NVA häufig genannt wurde. Diese Bezeichnung spiegelt das familiäre und fürsorgliche Verhältnis wider, das er zu seinen Untergebenen pflegt. Der Hauptfeldwebel ist nicht nur für die Einhaltung der Dienstvorschriften und den ordnungsgemäßen Ablauf des Dienstes verantwortlich, sondern auch für das Wohl der Soldaten.

Im Lehrfilm wird deutlich, wie der Hauptfeldwebel eine zentrale soziale Rolle übernimmt. Er ist für viele Soldaten nicht nur ein disziplinarischer Vorgesetzter, sondern auch ein Ansprechpartner bei persönlichen Problemen. Diese menschliche Seite eines Militärs, das vor allem für seine Strenge bekannt ist, wird im Film durch Szenen unterstrichen, in denen Strelau bei der Weihnachtsfeier mit den Soldaten zusammen ist, Geschenke verteilt und für die richtige Stimmung sorgt. Dies zeigt, dass der Hauptfeldwebel eine vielseitige Rolle einnimmt – er führt mit Autorität, aber auch mit Empathie.

Die Aufgaben des Hauptfeldwebels sind vielfältig. Er organisiert den Alltag der Soldaten, sorgt für Ordnung und disziplinierte Abläufe und ist gleichzeitig ein Bindeglied zwischen den Soldaten und den höheren Dienstgraden. Dies erfordert sowohl Führungsstärke als auch die Fähigkeit, ein Gefühl der Gemeinschaft zu schaffen. Strelau erklärt im Film, dass seine Freude an der Arbeit mit den Menschen, sei es mit den Soldaten oder den Unteroffizieren, ihm ermöglicht, in dieser Position erfolgreich zu sein. Es geht ihm nicht nur um die Durchsetzung von Regeln, sondern auch darum, Stimmungen zu beeinflussen und eine Atmosphäre zu schaffen, in der sich die Soldaten wohlfühlen und respektiert werden.

Besonders bemerkenswert ist die Betonung auf der praktischen Seite der militärischen Aufgaben. Der Hauptfeldwebel ist nicht nur ein bürokratischer Vorgesetzter, sondern auch ein Mann der Tat. Ob es um den Umgang mit der Bohrmaschine zur Verschönerung der Unterkunft oder das Kochen von warmen Mahlzeiten in der Kälte geht – der Hauptfeldwebel ist immer bereit, die Ärmel hochzukrempeln und zu helfen, wo es nötig ist.

Was der Film außerdem verdeutlicht, ist die enge Verzahnung von militärischer Disziplin und sozialer Verantwortung, die der Hauptfeldwebel übernimmt. In einem System, das von der ständigen Bereitschaft und Disziplin der Soldaten geprägt ist, kommt es entscheidend auf die Menschenführung an. Der Hauptfeldwebel übernimmt hier eine Schlüsselrolle, indem er nicht nur als Vorgesetzter fungiert, sondern auch als eine Art sozialer Katalysator. Durch seinen respektvollen Umgang und seine Kommunikationsfähigkeiten schafft er ein Umfeld, das sowohl den militärischen als auch den menschlichen Bedürfnissen gerecht wird.

Der Lehrfilm „Der militärische Vorgesetzte“ bietet einen faszinierenden Einblick in die Struktur und das Leben der NVA und zeichnet ein differenziertes Bild des Hauptfeldwebels. Er ist mehr als nur ein traditioneller Unteroffizier – er ist der Dreh- und Angelpunkt der militärischen Einheit, der durch seine Führungskraft und menschliche Wärme die Soldaten motiviert und zusammenhält. In diesem Kontext wird der Hauptfeldwebel zu einer der wichtigsten Figuren innerhalb der NVA, die das Bild des Militärs der DDR prägen.

Wolfgang Welsch: Flucht, Verrat und die mörderische Rache der Stasi

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Wolfgang Welsch war einer der bekanntesten DDR-Flüchtlinge – ein Mann, der dem repressiven SED-Regime entkam, nur um dann zur Zielscheibe des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) zu werden. Seine Geschichte ist ein Lehrstück darüber, wie weit die Stasi ging, um ihre Gegner zu verfolgen – bis hin zum Mordversuch.

Der Fluchtversuch und die Haft
Welsch wurde 1944 in die DDR hineingeboren. Als junger Mann lehnte er sich gegen das kommunistische Regime auf und versuchte mehrfach, in den Westen zu fliehen. Seine Versuche scheiterten, und er wurde 1964 wegen „Republikflucht“ zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt. In den berüchtigten Gefängnissen der DDR wurde er misshandelt, doch sein Widerstand blieb ungebrochen.

Freikauf durch die Bundesrepublik
Wie viele politische Gefangene hatte Welsch das „Glück“, von der Bundesrepublik freigekauft zu werden. Ab 1971 lebte er in Westdeutschland und setzte sich öffentlich gegen das DDR-Regime ein. Doch die Stasi betrachtete ihn weiterhin als Feind.

Der perfide Mordanschlag
Die Stasi hatte eine brutale Strategie gegen Dissidenten: Sie ließ sie nicht nur bespitzeln, sondern plante gezielte Mordanschläge. 1981 wurde Welsch von einem eingeschleusten Stasi-Agenten vergiftet. Ein angeblicher Freund mischte ihm eine tödliche Dosis Gift ins Essen – ein raffinierter Anschlag, der ihn beinahe das Leben kostete. Nur durch schnelles medizinisches Eingreifen konnte er gerettet werden.

Späte Gerechtigkeit
Nach dem Fall der Mauer 1989 und der Auflösung der Stasi wurden viele Akten offengelegt. Dadurch konnte Welsch die Täter identifizieren. Einer der Hauptverantwortlichen, der Stasi-Agent Karl-Heinz Kurras, wurde später verhaftet, doch viele Täter entkamen einer juristischen Verurteilung.

Ein Symbol für den Widerstand
Heute ist Wolfgang Welsch ein Symbol für den Widerstand gegen die Diktatur in der DDR. Seine Geschichte zeigt, wie skrupellos das MfS vorging – aber auch, dass Mut und Überzeugung letztendlich stärker sind als Unterdrückung.

Seine Erlebnisse sind Mahnung und Erinnerung zugleich: Die Geschichte der DDR-Diktatur darf nicht in Vergessenheit geraten.

Die Deutsche Reichsbahn in den 1970er Jahren: Ein Jahrzehnt des Wandels

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Die 1970er Jahre markieren für die Deutsche Reichsbahn (DR) der DDR eine Phase des tiefgreifenden Umbruchs. Die Ablösung der Dampflok-Ära durch moderne Diesel- und Elektrolokomotiven wird vorangetrieben, um Effizienz und Wirtschaftlichkeit im Bahnverkehr zu steigern.

Ein bedeutender Schritt in dieser Entwicklung ist die Einführung der Baureihe 118, die als sechsachsige Großdiesellokomotive seit den 1960er Jahren im Einsatz ist. Die letzten Exemplare dieser Baureihe werden 1970 ausgeliefert. Mit insgesamt 206 sechsachsigen und 169 vierachsigen Exemplaren erweist sie sich als zuverlässiges Arbeitstier sowohl im Personen- als auch im Güterverkehr. Die letzte dieser Loks verlässt 1970 das traditionsreiche Lokomotivbau Karl Marx (LKM) Werk in Potsdam-Babelsberg – ein symbolisches Ende einer bedeutenden Produktionslinie.

Parallel zur Eigenproduktion setzt die DDR verstärkt auf Importlokomotiven aus der Sowjetunion. Mit der Einführung der Baureihe 130 kommen erstmals leistungsstarke diesel-elektrische Maschinen mit 3.000 PS auf die Schienen. Diese Loks sind für den schweren Güterzugdienst prädestiniert, allerdings fehlen ihnen zunächst Einrichtungen zur Beheizung von Reisezugwagen, was einen Einsatz im Personenverkehr einschränkt.

Auch im Bereich der Elektrolokomotiven gibt es entscheidende Veränderungen. Ab 1971 erhalten Neubau-E-Loks eine neue Farbgebung: Das klassische Weinrot mit elfenbeinfarbenem Zierstreifen und grauen Drehgestellen wird Standard, unter anderem bei der Baureihe 242. Diese optische Modernisierung spiegelt den allgemeinen technischen Fortschritt wider.

Während die Dampfloktechnik langsam ausläuft, wird ein letzter Modernisierungsversuch unternommen. 72 Maschinen der Baureihe 5035 werden auf Ölhauptfeuerung umgerüstet, was ihre Effizienz steigert. Diese sogenannten „Öl-50“ sind hauptsächlich in Norddeutschland stationiert und leisten noch einige Jahre wertvolle Dienste.

Die 1970er Jahre stehen somit für eine Phase des technologischen Wandels bei der Deutschen Reichsbahn. Die Weichen sind gestellt für eine Zukunft, in der Diesel- und Elektroloks den Bahnbetrieb dominieren und die Dampflok endgültig aus dem regulären Einsatz verschwindet.

Vergessenes Erbe des Kalten Krieges: Das Sonderwaffenlager Neuthymen

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In den tiefen Wäldern Brandenburgs, verborgen vor der Öffentlichkeit, befand sich einst eine der geheimsten militärischen Anlagen der Sowjetunion in der DDR: das Sonderwaffenlager Neuthymen. Während viele mit den großen sowjetischen Militärstandorten wie Wünsdorf, Jüterbog oder Krampnitz vertraut sind, bleibt die Geschichte dieses nuklearen Waffenlagers bis heute weitgehend unbekannt.

Ein strategischer Standort der Supermacht
Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm die Rote Armee zahlreiche ehemalige Wehrmachtseinrichtungen. Doch in Neuthymen gab es keine vormalige militärische Infrastruktur, weshalb die Sowjets in den 1950er Jahren eine völlig neue Basis errichteten. Zunächst war Neuthymen Standort des 204. Garde-Mot.-Schützenregiments. Spätestens ab 1959 entwickelte sich das Areal zu einem Hochsicherheitsbereich für nukleare Sprengköpfe und Raketenstellungen.

Die Anlage war von strategischer Bedeutung. In den 1960er Jahren übernahm die 152. Raketenbrigade die Kontrolle über das Gelände, und es wurde ein AU-11-Typ-Bunker errichtet, ein speziell gesicherter Lagerort für Atomwaffen. Neuthymen war fortan Teil der sowjetischen Erstschlagskapazität im Falle eines militärischen Konflikts mit der NATO.

Spuren der Geschichte – und ihr Verschwinden
Mit dem Ende der DDR und dem Abzug der Sowjetarmee wurde das Sonderwaffenlager Neuthymen 1994 an die deutschen Behörden übergeben. Doch wie bei vielen militärischen Hinterlassenschaften war unklar, was mit dem Gelände geschehen sollte. Abriss und Renaturierung wären teuer, sodass die Anlage lange Zeit sich selbst überlassen blieb. Erst 2008 begann der schrittweise Rückbau.

Heute sind weite Teile der einstigen Militärstadt verschwunden. Nur noch einige Ruinen erinnern an die Vergangenheit, und selbst diese werden zunehmend von der Natur zurückerobert. Die einst massiv gesicherten Bunkereingänge wurden mittlerweile mit Schutt versiegelt. Während in anderen früheren Standorten wie Lychen Informationstafeln an die Geschichte erinnern, gibt es in Neuthymen bisher keine öffentliche Gedenkstätte.

Mahnmal oder Vergessenheit?
Das Schicksal von Neuthymen steht beispielhaft für viele ehemalige Militärstandorte in Ostdeutschland. Während einige zu Gedenkstätten oder Museen umgewandelt wurden, verschwinden andere nahezu spurlos. Gerade in einer Zeit, in der geopolitische Spannungen wieder zunehmen, wäre es wichtig, an die Gefahren der nuklearen Abschreckung zu erinnern.

Ob Neuthymen eines Tages offiziell als historischer Ort gewürdigt wird oder weiter in Vergessenheit gerät, bleibt abzuwarten. Sicher ist nur: Das Gelände war einst ein zentraler Bestandteil der militärischen Planungen des Kalten Krieges – und könnte ein wertvolles Zeugnis für kommende Generationen sein.

Die Massermühle in Katzhütte in Thüringen: Vom Stolz des VEB Robotron zur Ruine

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Die Massermühle in Katzhütte: Ein Ort, der einst von Lebensfreude, Urlaubserinnerungen und Gastfreundschaft geprägt war, zeigt sich heute als ein erschütterndes Zeugnis von Verfall und Verwahrlosung. Der Zustand des ehemaligen Ferienheims und der dazugehörigen Gebäude offenbart, wie schnell ein Ort des Zusammenkommens durch äußere Umstände und menschliches Versagen zur Ruine werden kann. Diese Geschichte beginnt mit einem ehemaligen Ferienobjekt des VEB Robotron Sömmerda, das jahrzehntelang als Urlaubsziel für Werktätige und ihre Familien diente, und endet in einem Lost Place, der nur noch Schatten seiner selbst ist.

Ein Blick in die Gegenwart
Bilder aus der Massermühle, die ein Filmemacher von „Wühlmäuse TV“ vor Kurzem in einem YouTube-Video veröffentlichte, zeigen das traurige Schicksal des ehemaligen Ferienheims. Der Boden ist übersät mit Müll, Heizkörper wurden aus den Wänden gerissen, und Holzverkleidungen liegen in Trümmern. Zwischen Überbleibseln des früheren Alltags – wie Wintersportkarten, Küchenutensilien und sogar Formularen für das Finanzamt – zeugen Schimmelflecken und tropfendes Wasser im Dachgeschoss von jahrelanger Vernachlässigung. Besonders bedrückend ist der Zustand des Schwimmbeckens, das mit Möbeln und anderem Unrat gefüllt ist, sowie das Bettenhaus, das nur noch mit Atemmaske betreten werden kann. Der Schimmel hat dort bereits weite Teile der Wände und Decken erobert.

Der Filmer berichtet, dass er vor zwei Jahren bereits vor Ort war. Damals, so seine Einschätzung, hätte die Anlage mit etwas Aufwand wieder in Betrieb genommen werden können. „Einfach durchkehren, das Poolwasser wechseln, und es wäre wieder nutzbar gewesen“, erinnert er sich. Heute jedoch sei das Gebäude so zerstört, dass kaum noch eine andere Option bleibe, als es abzureißen.

Ein geschichtsträchtiges Gebäude
Die Geschichte der Massermühle reicht bis ins Jahr 1898 zurück. Unter DDR-Verwaltung wurde das Gebäude zum Ferienheim für Werktätige des VEB Robotron Sömmerda, das ab 1969 Teil des größten Industriekombinats der DDR war. Viele Menschen, die hier einst ihre Ferien verbrachten, teilen heute nostalgische Erinnerungen in sozialen Netzwerken. In einer Facebook-Gruppe namens „DDR-Ferienlager“ wird häufig von glücklichen Sommerferien erzählt, von Wanderungen durch das Massertal und der herzlichen Betreuung durch die Betreiberfamilie Müller.

Nach der Wende schien das Objekt den Sprung in die Marktwirtschaft zu schaffen: Herbert und Sylvia Mattig verwandelten die Massermühle in ein erfolgreiches Familienunternehmen mit Hotelbetrieb, Restaurant und Wohnmobilstellplatz. Besonders in den schneesicheren Wintern 2014 und 2015 wurde die Massermühle sogar überregional bekannt, als der Sohn der Familie, Tim Mattig, mit einem gigantischen Schneemann für Aufmerksamkeit sorgte.

Der Anfang vom Ende
Die Erfolgsgeschichte der Massermühle nahm jedoch ein abruptes Ende, als jahrelange Straßenbauarbeiten die Region von der Außenwelt abschnitten. Mit Vollsperrungen sowohl vom Schwalbenhaupt als auch von Oelze aus konnte die Ausflugsgaststätte ihre Gäste nicht mehr erreichen. Der wirtschaftliche Schaden war enorm, und die Massermühle musste schließlich schließen.

Ein niederländisches Ehepaar kaufte das Objekt, mit der Idee, hier einen Alterssitz zu errichten, der zugleich als Beherbergungsbetrieb genutzt werden könnte. Doch die Beziehung zwischen den neuen Eigentümern und der Dorfgemeinschaft verlief alles andere als harmonisch. Konflikte und behördliche Kontrollen, insbesondere im Zusammenhang mit der Tierhaltung des Paares, führten zu einem angespannten Verhältnis. Schließlich suchten die Eigentümer in Südfrankreich ein neues Zuhause und ließen die Massermühle 2021 endgültig zurück.

Vom Verfall zum Lost Place
Die Abwesenheit der Eigentümer machte das Gebäude zu einem Magneten für Einbrecher und Vandalen. Teile der Inneneinrichtung wurden gestohlen, Wände und Böden zerstört, und das einst stolze Ferienheim verwandelte sich in eine Ruine. Ermittlungen zu den wiederholten Einbrüchen verliefen im Sande, und auch die Gemeinde Katzhütte konnte keine Rückzahlungen der offenen Grundsteuerforderungen von den Eigentümern einfordern.

Die Situation eskalierte, als die offenen Forderungen im Dezember 2023 bereits auf über 23.000 Euro angewachsen waren. Bürgermeisterin Ramona Geyer erklärte, dass die Gemeinde daraufhin einen Antrag auf Zwangsversteigerung stellte. Am 7. Januar 2024 soll das ehemalige Ferienheim am Amtsgericht Rudolstadt zwangsversteigert werden, gefolgt vom Bettenhaus am 18. Februar. Die Schätzungen für die Objekte belaufen sich auf gerade einmal 8000 Euro für die ehemalige Gaststätte mit Nebengebäuden und 2000 Euro für das Bettenhaus.

Ein unwürdiges Ende für einen historischen Ort
Die Massermühle ist heute ein Sinnbild für sinnlosen Verfall und die Folgen von Vernachlässigung. Ein Ort, der einst voller Leben und Freude war, steht nun leer und wird von Schimmel, Vandalismus und Verfall beherrscht. Die bevorstehende Zwangsversteigerung wird vermutlich keine Rettung mehr bringen – die Schäden sind zu groß, die Investitionen, die erforderlich wären, um den ursprünglichen Glanz wiederherzustellen, kaum realisierbar.

Für die Menschen, die hier einst glückliche Ferien verbrachten oder als Ausflügler einkehrten, bleibt die Massermühle in Erinnerung. Doch ihre gegenwärtige Realität ist ein mahnendes Beispiel dafür, wie schnell der Wert und die Bedeutung eines Ortes durch äußere Umstände und menschliches Versagen verloren gehen können.

Berlin im Spiegel der Vergangenheit: Orte zwischen DDR-Erbe und Neubeginn

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In den Straßen Berlins spiegeln sich noch heute die Spuren der DDR – sichtbar in den architektonischen Relikten, die einst den sozialistischen Geist atmeten. Orte wie der Ernst-Thälmann-Park und der Alexanderplatz erzählen nicht nur von einer vergangenen Ära, sondern sind auch Schauplätze des Wandels, der die deutsche Hauptstadt nach der Wende prägte. Während die Schwimmhalle Pankow und der Rosengarten von den späten Jahren der DDR zeugen, stehen sie heute als Zeugen der Zeit und des Wandels. Die Architektur mag sich verändert haben, doch die Erinnerungen an die Sozialstruktur und die Symbolik des Staates bleiben tief im kollektiven Gedächtnis der Stadt verankert. Doch der Blick auf diese Orte ist ebenso ein Blick auf das heutige Berlin – eine Stadt, die sich ständig neu erfindet und gleichzeitig ihre Geschichte nie ganz ablegt. Die Frage, wie die Stadt mit ihrer Vergangenheit umgeht, bleibt eine der spannendsten in der Debatte über den Umgang mit den Relikten der DDR.

1. Schwimmhalle Pankow (Franz-Schmidt-Straße)

DDR-Zeit:

  • Eröffnet 1980 als Teil des DDR-Schwimmhallenprogramms.
  • Typischer „Typ Dresden“: 25-Meter-Becken, einfache Architektur, zweckmäßiges Design.
  • Diente sowohl dem Schul- als auch dem Freizeitsport.

Heute:

  • Nach der Wende weiter genutzt, aber zunehmend sanierungsbedürftig.
  • 2020 geschlossen und 2023 abgerissen, weil eine Modernisierung unwirtschaftlich gewesen wäre.
  • Geplant ist ein Neubau an gleicher Stelle mit größerem Becken und modernem Standard.

2. Rosengarten Pankow (Bürgerpark Pankow)

DDR-Zeit:

  • Beliebter Erholungsort mit zahlreichen Rosenbeeten.
  • Teil des Bürgerparks Pankow, der sich seit dem 19. Jahrhundert als Stadtpark entwickelt hatte.
  • Wurde in der DDR gepflegt, aber zunehmend vernachlässigt.

Heute:

  • Nach 1990 saniert, aber nicht mehr mit der ursprünglichen Rosenpracht der DDR-Zeit.
  • Bürgerpark bleibt eine wichtige Grünfläche im Stadtteil.
  • Café „Pavillon im Bürgerpark“ ist ein beliebter Treffpunkt.

3. Ernst-Thälmann-Park

DDR-Zeit:

  • 1986 auf dem Gelände eines ehemaligen Gaswerks eröffnet.
  • Sozialistisches Vorzeige-Wohngebiet mit Plattenbauten für 4.000 Bewohner.
  • Enthielt neben Wohnungen auch eine Schule, eine Schwimmhalle, das Zeiss-Großplanetarium und das monumentale Thälmann-Denkmal von Lew Kerbel.

Heute:

  • Denkmal steht noch, wurde aber lange kontrovers diskutiert.
  • Plattenbauten sind saniert und begehrte Wohnobjekte.
  • Schwimmhalle wurde 2002 abgerissen.
  • Das Zeiss-Planetarium ist modernisiert und eines der größten seiner Art in Deutschland.

4. Alexanderplatz

DDR-Zeit:

  • Nach sozialistischen Prinzipien umgestaltet.
  • Dominierte durch DDR-Architektur wie das Haus des Lehrers, das Haus des Reisens, das Interhotel Stadt Berlin (heute Park Inn).
  • Die Weltzeituhr (1969) und der Fernsehturm (1969) prägten das Stadtbild.
  • Zentrum von Demonstrationen, z. B. der großen Montagsdemo am 4. November 1989.

Heute:

  • Viele DDR-Gebäude wurden saniert, aber das Stadtbild ist von Hochhausneubauten geprägt.
  • Der Platz hat sich zu einer Einkaufs- und Touristenzone gewandelt.
  • Der Fernsehturm bleibt das Wahrzeichen.
  • Abriss- und Neubaupläne sorgen immer wieder für Diskussionen.

8. Schlossbergkonferenz in Neustrelitz: Die Zukunft für das historische Areal

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Der Schlossberg in Neustrelitz, einst Heimat des barocken Residenzschlosses, ist ein bedeutender Ort in der Geschichte der Stadt und Mecklenburgs. Der Verlust des Schlosses im Zweiten Weltkrieg und die anschließende Sprengung der Ruine haben das Stadtbild geprägt und gleichzeitig immer wieder die Frage aufgeworfen, wie es mit dem Areal weitergehen soll. Eine klare Antwort gab es bisher nicht, doch seit 2018 haben die Schlossberg-Konferenzen einen festen Platz im Kalender der Stadt.

Am 29. Januar fand bereits die 8. Schlossberg-Konferenz statt. Der Blick auf die anstehenden Entscheidungen wird immer dringlicher. „Wenn nicht bald etwas unternommen wird, wird es möglicherweise nie mehr dazu kommen“, hieß es in den Gesprächen, und der Wille zur Handlung war spürbar. Für viele der Teilnehmenden steht fest: Ab der nächsten Konferenz muss eine klare Vision für das Areal entwickelt werden, ansonsten droht die Entscheidungslosigkeit.

In diesem Jahr lag der Fokus der Konferenz auf der Demokratiegeschichte des Schlossbergs. Nach dem Ende der Monarchie im Jahr 1919 war der Schlossberg der Geburtsort der ersten demokratischen Verfassung Deutschlands – ein historischer Moment, an dem auch Erna Weiland, die erste weibliche Parlamentarierin Deutschlands, maßgeblich beteiligt war. Dieser demokratische Ursprung soll nicht nur erinnert, sondern auch in den Mittelpunkt eines zukünftigen Projekts gestellt werden.

Im Gespräch war der mögliche Wiederaufbau des Schlossturms, der als „Leuchtturm der Demokratie“ bezeichnet wurde. Sollte dieser wieder errichtet werden, ist geplant, im Inneren eine multimediale Ausstellung unterzubringen, die die Geschichte der Demokratiebewegungen in Mecklenburg-Strelitz und darüber hinaus beleuchtet. Andreas Feddersen von der Musealis GmbH in Weimar wurde damit beauftragt, ein Konzept zu entwickeln. Dabei wird der rote Faden der Demokratiegeschichte den Besuchern auf mehreren Ebenen nahegebracht: von den demokratischen Bewegungen 1918 über die Ereignisse von 1948 bis hin zur nationalen Bedeutung von Neustrelitz in der frühen deutschen Demokratiegeschichte.

Die Ausstellung, die sich über fünf Etagen erstrecken soll und eine Fläche von 200 Quadratmetern umfasst, wird multimedial ausgestattet sein. Sie soll nicht nur Originaldokumente präsentieren, sondern auch moderne digitale Techniken nutzen, um das Thema Demokratie für ein breites Publikum zu vermitteln. Besonders die junge Generation, die oft wenig Bezug zu den historischen Wurzeln der Demokratie hat, soll durch innovative Präsentationsformen angesprochen werden. „Wie zerbrechlich Demokratie ist und wie wichtig es ist, für sie einzutreten“, das sind die Leitgedanken, die Besucher aus der Ausstellung mitnehmen sollen.

Die Stadt Neustrelitz setzt große Hoffnungen auf das Konzept der Ausstellung, um Fördermittel zu generieren und die dringend benötigten Baukosten für den Schlossturm von etwa 10 Millionen Euro zu decken. Der Weg dahin ist noch weit, aber die 8. Schlossberg-Konferenz könnte ein erster Schritt auf dem Weg zu einer Neugestaltung dieses historischen Ortes sein – ein Ort, der nicht nur in die Vergangenheit blickt, sondern auch die Zukunft der Demokratie lebendig hält.

Zucht- und Armenhaus in Zeiten sozialer Not – Die Leuchtenburg

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Die Leuchtenburg, majestätisch auf einem Bergsporn über der Saale gelegen, hat eine wechselvolle Geschichte. Während sie heute vor allem als kulturelles Denkmal und Touristenattraktion bekannt ist, diente sie über Jahrhunderte hinweg auch als Zucht-, Armen- und Irrenhaus. Dieser Abschnitt der Geschichte, der die Jahre von 1724 bis 1871 umspannt, spiegelt die soziale Not und die harten Lebensbedingungen in jener Zeit wider.

Die Nutzung der Leuchtenburg als Zucht- und Armenhaus
Im Jahr 1724 wandelte man die Leuchtenburg in ein landesherrliches Zucht-, Armen- und Irrenhaus um. Diese Funktion prägte die Burg fast 150 Jahre lang. Insgesamt fanden in dieser Zeit 5195 Menschen Aufnahme – dies entspricht einer durchschnittlichen Belegung von 100 bis 150 Personen pro Jahr. Die meisten Insassen waren wegen sozialer Delikte inhaftiert, darunter Diebstahl, Betteln oder „Arbeitsloses Umherziehen“. Besonders Frauen wurden oft wegen verheimlichter Schwangerschaften oder Kindstötung eingesperrt. Psychisch Kranke, die als Bettler oder Obdachlose auf den Straßen lebten, bildeten etwa drei Viertel der Insassen des Armenhauses.

Der Alltag im Zucht- und Armenhaus
Das Leben im Zuchthaus war von harter Arbeit und strenger Disziplin geprägt. Die Häftlinge mussten im Sommer zwölfeinhalb Stunden, im Winter zehneinhalb Stunden täglich arbeiten. Der Tagesablauf war minutiös geregelt: Aufstehen um fünf Uhr im Sommer (sieben Uhr im Winter), gefolgt von Morgenandacht und Arbeitsbeginn. Nach einer kurzen Mittagspause wurde bis 19.30 Uhr gearbeitet, der Tag endete mit einer Abendandacht. Sonntags und an Feiertagen wurde den Insassen eine Stunde mehr Ruhezeit gewährt.

Die Arbeit diente nicht nur der Disziplinierung, sondern hatte auch einen wirtschaftlichen Nutzen. Viele Insassen fertigten Spielzeug, darunter Puppenteile aus Porzellan und Spielzeugpferde aus Pappmaché. Diese Arbeiten erfolgten oft im Auftrag lokaler Unternehmer wie der Spielzeugfabrikantin Mathilde Knauth aus Orlamünde, die zwischen 1865 und 1869 Spielzeug von den Häftlingen herstellen ließ.

Strenge Bestrafungen und karge Verpflegung
Die Strafen im Zuchthaus waren hart, auch wenn die Todesstrafe und Verstümmelungen durch Reformen der Aufklärung abgeschafft worden waren. Verstöße gegen die Hausordnung, wie das Sprechen mit anderen Häftlingen, wurden mit Dunkelarrest, Entzug der warmen Mahlzeit oder Prügel geahndet. Selbst im Gottesdienst oder auf der Krankenstube mussten die Insassen Ketten und Fesseln tragen.

Die Verpflegung war äußerst bescheiden: Ein typischer Tagesplan im Jahr 1855 sah für einen männlichen Häftling ein Frühstück aus einem Liter Suppe mit Fett und 300 Gramm Brot vor. Zum Mittag gab es Kohlrübensuppe mit etwas Mehl und Talg sowie 300 Gramm Brot. Das Abendessen bestand aus Reissuppe und Brot. Nur an besonderen Feiertagen erhielten die Insassen Fleisch und Bier.

Die Rolle der Wehrtürme und ihre Nutzung
Die Wehranlagen der Leuchtenburg, errichtet im 15. Jahrhundert, blieben auch während der Nutzung als Zuchthaus von Bedeutung. Vier Türme – der Marterturm, Schleierturm, Münzturm und Kleiderturm – spielten unterschiedliche Rollen. Der Marterturm, einst ein Gefängnis, bietet heute eine Ausstellung zur mittelalterlichen Gerichtsbarkeit. Der Münzturm diente zur Prägung eines anstaltseigenen Zahlungsmittels, das Häftlinge für Einkäufe verwenden konnten. Die Händler tauschten dieses „Spielgeld“ später bei der Anstaltsleitung ein.

Der Schleierturm erhielt seinen Namen durch die Inhaftierung von Hans Schleier, der 1536 wegen Wiedertäuferei verdächtigt wurde. Der Kleiderturm diente vermutlich der Aufbewahrung von Kleidungsstücken und markierte das Ende der Hauptburg. Diese Türme, zusammen mit den Schützenständen und der mittelalterlichen Abortanlage, zeugen von der strategischen und funktionalen Architektur der Leuchtenburg.

Auflösung und Nachnutzung
Im Jahr 1871 wurde die Nutzung der Leuchtenburg als Zucht- und Armenhaus beendet. Die verbliebenen Insassen wurden entweder begnadigt oder in das Zuchthaus nach Zeitz verlegt. In den folgenden Jahrzehnten wandelte sich die Nutzung der Burg, und sie begann, ihre heutige Rolle als kulturelles und touristisches Zentrum zu entwickeln.

Die Leuchtenburg heute
Heute präsentiert sich die Leuchtenburg als ein Ort, der Geschichte lebendig werden lässt. Neben Ausstellungen zu ihrer Nutzung als Zuchthaus und ihrer mittelalterlichen Vergangenheit bietet sie Veranstaltungen wie den Weihnachtsmarkt der Wünsche an. Besucher können sich an mittelalterlicher Musik, Kunsthandwerk und weihnachtlichen Leckereien erfreuen.

Die Leuchtenburg ist ein Ort der Kontraste: Sie erzählt von menschlichem Leid und sozialer Not, aber auch von kultureller Blüte und Hoffnung. Ihre Geschichte mahnt uns, die sozialen Probleme der Vergangenheit zu verstehen und daraus Lehren für die Zukunft zu ziehen.

Warnemünder Turmleuchten 2025: Strahlender Nachholtermin am 1. März

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Die alljährliche Veranstaltung „Warnemünder Turmleuchten 2025“ musste aufgrund unvorhergesehener, ungünstiger Witterungsbedingungen in diesem Jahr leider verschoben werden. Ursprünglich war der festliche Akt für den Neujahrstag geplant, doch Regen, starker Wind und dichte Wolkendecke machten eine sichere Durchführung unmöglich. Die Organisatoren bedauerten diesen Vorfall zutiefst und entschieden, das Ereignis zu einem späteren Zeitpunkt nachzuholen, um den Besuchern dennoch einen unvergesslichen Abend zu ermöglichen.

Am 1. März 2025 fand nun der Nachholtermin statt. Trotz des ungewöhnlich späten Datums und der wechselhaften Wetterverhältnisse präsentierte sich das Turmleuchten in neuem Glanz. Mit modernster Lichttechnik und einer überarbeiteten Choreografie wurde die Veranstaltung zu einem beeindruckenden Spektakel, das sowohl langjährige Fans als auch neugierige Besucher in seinen Bann zog. Der prächtig beleuchtete Warnemünder Leuchturm bot ein harmonisches Zusammenspiel von Farben, das dem Abend eine fast magische Atmosphäre verlieh.

Besonders hervorzuheben ist das Engagement des gesamten Teams, das auch unter schwierigen Bedingungen keine Kompromisse bei der Sicherheit und Qualität einging. Zahlreiche Zuschauer berichteten von ihrer Begeisterung und betonten, wie sehr sie die kreative Neuinterpretation des traditionellen Ereignisses schätzten. Die Organisatoren versicherten, dass man aus diesem Jahr wertvolle Erfahrungen mitnehmen werde, um künftigen Herausforderungen noch besser begegnen zu können.

Die gelungene Durchführung des Nachholtermins zeigt eindrucksvoll, dass trotz widriger Umstände Tradition und Innovation Hand in Hand gehen können, um den Bewohnern und Besuchern unvergessliche Momente zu schenken. Mit Zuversicht blickt man in die Zukunft, in der das Warnemünder Turmleuchten weiterhin ein Highlight im Veranstaltungskalender bleibt und stets für Überraschungen gut ist.
Die Veranstaltung wird zukünftig wetterbedingt noch flexibler organisiert.

Leipziger Stadtbad: Vom Prunkbau zum Denkmal der Bäderkultur

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Das Leipziger Stadtbad ist ein bedeutendes Beispiel für die Bäderkultur des frühen 20. Jahrhunderts und ein historisches Wahrzeichen der Stadt Leipzig. Es wurde zwischen 1913 und 1916 nach den Plänen des Architekten Otto Wilhelm Scharenberg errichtet und galt damals als eines der modernsten und größten Badehäuser Europas. Mit seiner beeindruckenden Jugendstil-Architektur und den großzügigen Badehallen bot es den Bürgern Leipzigs einen Ort der Erholung und Hygiene.

Das Stadtbad wurde in einer Zeit gebaut, als die öffentlichen Bäder eine zentrale Rolle in der städtischen Gesundheitsversorgung spielten. Damals verfügten viele Wohnungen nicht über eigene Badezimmer, weshalb öffentliche Bäder essentiell waren. Das Leipziger Stadtbad erfüllte diese Funktion in beeindruckender Weise. Es gab separate Männer- und Frauenbäder, Wannen- und Schwimmbecken sowie ein römisch-irisches Dampfbad, das als besonderes Highlight galt. Die prunkvolle Ausstattung mit Marmor, kunstvollen Fliesen und großzügigen Glasflächen spiegelte den Wohlstand der Stadt wider.

Im Laufe der Jahre erlebte das Stadtbad mehrere Veränderungen. Während des Zweiten Weltkriegs blieb das Gebäude weitgehend unbeschädigt, doch in den Nachkriegsjahren begann ein schleichender Verfall. Die Aufrechterhaltung eines solchen Baus war kostspielig, und so wurde das Stadtbad nach und nach vernachlässigt. In den 1980er Jahren war das Bad nur noch eingeschränkt nutzbar und wurde schließlich 2004 aufgrund von Sicherheitsmängeln komplett geschlossen.

Nach der Schließung geriet das Leipziger Stadtbad in Vergessenheit, doch gleichzeitig wuchs das Bewusstsein für seinen historischen Wert. Verschiedene Initiativen setzten sich für den Erhalt des Gebäudes ein, und 2008 wurde der Förderverein „Denkmal Leipziger Stadtbad e.V.“ gegründet. Dieser Verein kämpft seither für die Sanierung und Wiedereröffnung des Bades. Dank der Bemühungen des Vereins konnte das Stadtbad vor dem endgültigen Verfall gerettet werden. Teile des Gebäudes werden inzwischen für Veranstaltungen genutzt, und es gibt Pläne, das Bad in seiner ursprünglichen Funktion wiederzueröffnen.

Heute steht das Leipziger Stadtbad als Symbol für die wechselvolle Geschichte der Stadt Leipzig und ihre Bäderkultur. Es erinnert an eine Zeit, in der öffentliche Bäder nicht nur Orte der Körperpflege, sondern auch gesellschaftliche Treffpunkte waren. Das Stadtbad ist ein Denkmal von nationaler Bedeutung und ein Zeugnis dafür, wie wichtig der Erhalt historischer Gebäude für das kulturelle Erbe einer Stadt ist.