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Wie die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten Geschichte bewahrt

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Thüringen, das grüne Herz Deutschlands, ist nicht nur für seine malerischen Landschaften und seine kulturellen Traditionen bekannt, sondern auch für seine außergewöhnliche Dichte an historischen Monumenten. Die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten trägt maßgeblich dazu bei, diesen einzigartigen Kulturschatz zu bewahren und erlebbar zu machen.

Ein Netzwerk aus Geschichte und Kunst
Seit 1994 setzt sich die Stiftung mit Sitz auf der Heidecksburg in Rudolstadt für den Erhalt, die Pflege und die Weiterentwicklung von insgesamt 31 bedeutenden Kulturdenkmälern in Thüringen ein. Das Spektrum reicht von romanischen Klöstern und Burgruinen über prächtige Residenzen der Renaissance und des Barocks bis hin zu Lustschlössern mit original erhaltener Raumkunst. Zudem umfasst das Portfolio der Stiftung 12 Garten- und Parkanlagen, die die hohe Gartenkunst der Thüringer Fürsten eindrucksvoll widerspiegeln.

„Unsere Aufgabe geht weit über den Erhalt der Bauwerke hinaus“, erklärt ein Sprecher der Stiftung. „Wir möchten die Geschichte lebendig machen und Menschen für diese außergewöhnlichen Kulturgüter begeistern.“

Ein Balanceakt zwischen Erhalt und Modernität
Der Erhalt der historischen Bauwerke ist eine anspruchsvolle Aufgabe, die Fingerspitzengefühl und Expertise erfordert. Es geht nicht darum, die Schlösser und Burgen in einem neuwertigen Zustand erstrahlen zu lassen, sondern vielmehr darum, ihren gewachsenen Charakter mit all seinen Spuren der Zeit zu bewahren. „Unsere Objekte sollen erzählen können – mit all ihren Narben und ihrer Geschichte“, so die Stiftung.

Doch damit nicht genug: Neben der denkmalgerechten Instandhaltung und Nutzung der Gebäude ist es das Ziel der Stiftung, die Denkmäler mit neuem Leben zu füllen. Durch kulturelle Veranstaltungen, Ausstellungen und Bildungsangebote werden die historischen Orte zu Begegnungsstätten für Kulturinteressierte, Familien und Touristen.

Ein starkes Team für ein gemeinsames Ziel
Hinter den beeindruckenden Bauwerken stehen rund 130 Mitarbeiter mit unterschiedlichsten Qualifikationen – Architekten, Restauratoren, Gärtner, Historiker und Verwaltungsmitarbeiter. „Was uns verbindet, ist die Leidenschaft für unsere Denkmäler und das gemeinsame Ziel, sie für kommende Generationen zu erhalten“, berichtet eine Mitarbeiterin der Stiftung.

Die Arbeit an den historischen Stätten ist für viele mehr als ein Beruf – sie ist eine Berufung. „Wir sind wie Detektive in der Geschichte unserer Objekte unterwegs. Jeder Tag bringt neue Erkenntnisse und Herausforderungen“, erzählt ein Restaurator begeistert.

Thüringens Geschichte zum Anfassen
Die Schlösser und Gärten Thüringens sind weit mehr als steinerne Relikte vergangener Zeiten. Sie sind lebendige Zeugnisse einer reichen Vergangenheit, die durch die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten bewahrt, erforscht und vermittelt wird. Besucher sind eingeladen, in diese faszinierende Welt einzutauchen und die kulturelle Vielfalt Thüringens hautnah zu erleben.

Wer sich für die Geschichte Thüringens interessiert, sollte die Schlösser und Gärten der Stiftung unbedingt besuchen – sei es für eine Zeitreise ins Mittelalter, einen Spaziergang durch barocke Parkanlagen oder eine spannende Ausstellung in einer der prächtigen Residenzen.

Michael Kretschmer zwischen Koalitionsoptimismus und harter Finanzpolitik

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In einer Debattenrunde, die erstmals außerhalb von Wahldebatten in Zwickau stattfand, lieferte der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer am Abend einen weitreichenden Überblick über die aktuelle politische und wirtschaftliche Lage in Deutschland und Sachsen. Mit Gästen und Vertretern der „Freien Presse“ diskutierte er offen über die Herausforderungen und Chancen, die vor der neuen Bundesregierung und in seinem eigenen Bundesland liegen.

Koalitionsgespräche und Bundespolitik im Fokus
Kretschmer zeigte sich zuversichtlich hinsichtlich des Fortschritts bei den bundesweiten Koalitionsverhandlungen. „Die Parteien – CDU/CSU und SPD – haben den Wählerauftrag verstanden und grundlegende Reformen in Bereichen wie Migrations- und Wirtschaftspolitik sowie der Rolle des Staates angestoßen“, erklärte er. Dabei hob er hervor, dass der neue Koalitionsvertrag nicht nur aus vagen Eckpunkten bestehen dürfe, sondern detaillierte Vereinbarungen enthalten müsse, um Frustration und Blockaden im Regierungsalltag zu vermeiden.

Der Ministerpräsident warb zudem für eine grundlegende Neuausrichtung in der Migrationspolitik: Die Zahl der Migranten, die in den vergangenen zwei Jahren stark angestiegen sei, solle drastisch reduziert werden, um die Handlungsfähigkeit des Staates wiederherzustellen.

Finanzielle Weichenstellungen und Sondervermögen
Ein zentraler Punkt der Diskussion war das Sondervermögen, das zur Finanzierung von Investitionen in Infrastruktur und Verteidigungsfähigkeit dienen soll. Kretschmer betonte, dass die Länder – Sachsen eingeschlossen – eine Grundgesetzänderung zur Ermöglichung dieser Investitionen befürwortet hätten, sofern gleichzeitig auch Maßnahmen für die deutsche Infrastruktur beschlossen würden. Dabei räumte er ein, dass der Bundeshaushalt vor einer dramatischen Situation stehe: Ein Defizit von 15 bis 18 Prozent sei nicht nur Folge steigender Ausgaben im Sozialbereich, sondern auch mangelnden Wirtschaftswachstums.

„Wir brauchen nicht nur Investitionen, sondern auch konsequente Konsolidierungsmaßnahmen“, forderte Kretschmer. Einsparungen in Bereichen wie Migration und Bürgergeld seien unerlässlich, um die finanzielle Stabilität wiederherzustellen. Gleichzeitig verwies er auf die Problematik der 0,35-Prozent-Verschuldungsgrenze und die damit verbundenen Einschränkungen für den aktuellen Haushalt Sachsens.

Regionale Herausforderungen und Strukturwandel
Ein besonderes Augenmerk legte Kretschmer auf die Krise der Automobilindustrie in Westsachsen. Er forderte die Einrichtung eines bundesweiten Transformationsfonds, um die stark betroffene Region zu unterstützen. Dabei kritisierte er Kompromisse wie den „VW-Kompromiss“, der eine Produktionsverlagerung nach Mexiko und Portugal vorsieht, und appellierte an die Verantwortlichen, das Werk in Zwickau zum effizientesten in Mitteleuropa zu machen. Neben der Automobilindustrie standen auch generelle Investitionen in die regionale Infrastruktur und eine Entlastung der Kommunen auf der Agenda, die durch steigende Kosten im Sozialbereich zusätzlich belastet seien.

Soziale Sicherung und Bildung – Strukturen im Umbruch
Auch in den Bereichen Bürgergeld und Grundsicherung zeichnete Kretschmer ein Bild des Wandels. Er kündigte an, dass künftig Empfänger staatlicher Hilfen strengere Prüfungen, wie etwa eine verpflichtende Vermögensprüfung, durchlaufen müssten. Parallel dazu wurden auch Herausforderungen im Bildungssektor diskutiert: Der steigende Lehrermangel und der Ausfall von Fächern wie Musikunterricht machten deutlich, dass umfassende Maßnahmen notwendig sind, um den Unterrichtsausfall – vor allem in ländlichen Regionen – zu bekämpfen.

Mehr Dynamik für Wirtschaft und Gesellschaft
Abschließend appellierte Kretschmer an alle Beteiligten – von der Bundesregierung bis hin zu den Bürgerinnen und Bürgern – aktiv an der Gestaltung einer zukunftsorientierten Politik mitzuwirken. Er betonte, dass politische Entscheidungen nicht nur Kritik, sondern vor allem konkrete Taten erforderten. Dabei spielten nicht nur wirtschaftliche Weichenstellungen, sondern auch ein gestärkter Zusammenhalt und konstruktiver Dialog zwischen den politischen Akteuren eine zentrale Rolle.

Die Veranstaltung in Zwickau machte deutlich, dass die Herausforderungen in Deutschland und Sachsen vielfältig sind. Doch Kretschmer sieht in einem entschlossenen Kurswechsel, basierend auf detaillierten Vereinbarungen und einer klaren Finanzpolitik, einen Weg, um die Handlungsfähigkeit des Staates und die Zukunftsfähigkeit der Wirtschaft zu sichern.

Integration von Menschen mit Behinderung in der DDR: Das Beispiel VEB Robotron

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In der DDR war Arbeit nicht nur wirtschaftliche Notwendigkeit, sondern auch eine gesellschaftliche Pflicht. Doch wie wurde mit jenen umgegangen, die nicht der Norm entsprachen? Ein Blick auf die geschützte Betriebsabteilung des VEB Robotron in Riesa gibt interessante Einblicke in das damalige System der beruflichen Integration von Menschen mit Behinderung.

Seit 1985 existierte in dem Elektronikbetrieb eine speziell eingerichtete Abteilung für Menschen mit physischen und psychischen Beeinträchtigungen. 33 Mitarbeiter fanden hier eine feste Beschäftigung – 28 von ihnen mit psychischen, fünf mit physischen Behinderungen. Ihr Arbeitsalltag war geprägt von einer auf ihre Fähigkeiten abgestimmten Produktion. In dieser geschützten Umgebung montierten sie elektronische Bauteile für Fernseher, Büromaschinen und Computer. Dabei leisteten sie zusammen die Arbeit von 17 vollbeschäftigten Kollegen – bei einer Fehlerquote von lediglich 0,8 bis 1,2 Prozent.

Ein Arbeitsplatz als Lebensinhalt
Für viele der Betroffenen war der Arbeitsplatz mehr als nur eine Einkommensquelle. „Ich möchte ohne Arbeit nicht leben“, erklärte ein Mitarbeiter. „Ich brauche die Arbeit und den Kontakt zu anderen Menschen.“ Ähnlich äußerten sich andere Kollegen. Die Struktur des Arbeitsalltags gab ihnen Stabilität und half, ihren Alltag sinnvoll zu gestalten. Vier Pausen pro Tag ermöglichten regelmäßige Erholungsphasen, während die offene Gestaltung der Räume soziale Interaktion förderte.

Der Leiter der Abteilung, Roland Mayer, sah seine Arbeit als mehr als nur eine betriebliche Notwendigkeit: „Diese Tätigkeit macht mir viel Spaß. Ich denke, dass ich dazu beitragen kann, dass sich die Behinderten nicht nur am Arbeitsplatz, sondern auch in ihrer Freizeit wohler fühlen.“ Unterstützt wurde er von vier Betreuerinnen, die sich um die individuellen Bedürfnisse der Beschäftigten kümmerten.

Soziale Verantwortung in der sozialistischen Planwirtschaft
Die Integration von Menschen mit Behinderung in den Arbeitsprozess entsprach dem sozialistischen Ideal der DDR, das jedem Bürger eine sinnvolle Tätigkeit zusprach. Doch während diese geschützten Abteilungen eine sinnvolle Lösung boten, waren sie nicht flächendeckend vorhanden. Viele Menschen mit Behinderungen fanden keinen Platz im regulären Arbeitsmarkt. Die Erzählungen der Beschäftigten von Robotron zeigen jedoch, dass dort, wo solche Strukturen geschaffen wurden, Arbeit nicht nur als Pflicht, sondern auch als Chance zur gesellschaftlichen Teilhabe verstanden wurde.

Heute, mehr als 30 Jahre nach dem Ende der DDR, stellt sich die Frage: Welche Lehren lassen sich aus diesen Erfahrungen für die heutige Arbeitswelt ziehen? Der Blick auf den VEB Robotron zeigt, dass berufliche Integration möglich ist – wenn Gesellschaft und Wirtschaft bereit sind, sich den individuellen Bedürfnissen anzupassen.

Gysis‘ Eröffnungsrede: Vision, Kritik und der Ruf nach umfassender Reform im Bundestag

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In seiner Eröffnungsrede im neu zusammengesetzten Bundestag bediente sich Gregor Gysi eines persönlichen Einstiegs – er erinnerte an ein Plakat aus dem Jahr 1990, das ihn als zukünftigen Alterspräsidenten prognostizierte. Trotz seiner Funktion als dienstältester Abgeordneter und nicht als ältester, dankte er den Bürgerinnen und Bürgern für ihr Vertrauen und verwies humorvoll auf Warnungen bezüglich einer endlos langen Rede. Dabei zog er Vergleiche zu früheren Alterspräsidenten wie Klara Zetkin und Wolfgang Schäuble und würdigte die Leitung des Bundestags durch Bärbel Baas.

Thematisch bewegte sich Gysis von der internationalen Sicherheitslage – er verurteilte den völkerrechtswidrigen Krieg Russlands gegen die Ukraine und forderte eine neue Sicherheitsordnung in Europa, die auch Russland mit einbezieht – hin zu innenpolitischen Herausforderungen. Er thematisierte die unterschiedlichen Auffassungen im Bundestag zur Friedenssicherung: Während die Mehrheit auf Abschreckung durch militärische Stärke setzt, plädiert Gysi für Deeskalation, Diplomatie und Abrüstung. Dabei kritisierte er auch den Einfluss der privaten Rüstungsindustrie, die an Konflikten profitiere.

Im Bereich der Verteidigung zieht er einen Vergleich zur französischen Streitkräfteausstattung und fordert eine Überprüfung der Strukturen deutscher Rüstungsausgaben. Weiterhin machte er sich zu sozialen und wirtschaftlichen Themen bemerkbar: Er thematisierte die Energiekrise, steigende Lebensmittelpreise, ungleiche Bildungschancen sowie die Herausforderungen im Ausbildungssektor. Seine Vorschläge reichten von der Einführung inflationsangepasster Löhne und Renten bis hin zu reformatorischen Ideen im Gesundheits- und Steuersystem. Auch der Umgang mit der Corona-Pandemie, globale Herausforderungen wie der Klimawandel sowie Migrations- und Integrationsfragen fanden in seiner Rede Erwähnung.

Im internationalen Kontext äußerte Gysi zudem Bedenken hinsichtlich der US-Außenpolitik unter Donald Trump, warnte vor den geopolitischen Folgen historischer Machtverhältnisse und plädierte für eine europäische Selbstbehauptung im globalen Wettbewerb. Abschließend forderte er, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken – etwa durch die Anerkennung des 80. Jahrestages der Befreiung von der Hitler-Diktatur und die Einführung zusätzlicher gesetzlicher Feiertage – und unterstrich die Bedeutung einer offenen, ehrlichen und respektvollen politischen Debatte.

Gysis‘ Rede zeichnet sich durch einen facettenreichen Ansatz aus, der sowohl internationale Konflikte als auch innerstaatliche Herausforderungen in den Blick nimmt. Sein persönlicher Einstieg und die Anekdote aus den 1990er Jahren verleihen der Ansprache eine authentische und sympathische Note. Gleichzeitig gelingt es ihm, historische Bezüge und aktuelle Ereignisse zu verweben, was seine Position als erfahrener und kritisch denkender Politiker unterstreicht.

Die Rede macht deutlich, dass Gysi sich als Brückenbauer sieht – jemand, der verschiedene politische Strömungen zusammenführen will, ohne dabei Kompromisse bei fundamentalen Werten wie Demokratie, Frieden und Rechtsstaatlichkeit einzugehen. Seine Kritik an militärischer Abschreckung und der privaten Rüstungsindustrie spricht einen Wunsch nach einem Paradigmenwechsel in der Sicherheitspolitik aus, der stärker auf Dialog, Diplomatie und nachhaltige Lösungen setzt.

Auf der innenpolitischen Ebene fällt seine Forderung nach strukturellen Reformen in Bildung, Gesundheit und Sozialsystemen positiv auf. Indem er sowohl ökonomische als auch soziale Herausforderungen adressiert, präsentiert sich Gysi als ganzheitlicher Reformer, der an der Wurzel von gesellschaftlichen Problemen ansetzen will. Seine Rufe nach mehr Ehrlichkeit in der Politik und der Respekt vor unterschiedlichen Meinungen deuten darauf hin, dass er den aktuellen Diskurs als zu polarisiert und von populistischen Vereinfachungen geprägt empfindet.

Insgesamt wirkt Gysis‘ Rede ambitioniert und vielschichtig: Er kombiniert persönliche Anekdoten, historische Rückblicke und konkrete politische Vorschläge zu einem Plädoyer für einen respektvollen, inklusiven und reformorientierten Bundestag. Diese Mischung aus Nostalgie, Kritik und Zukunftsvisionen könnte darauf abzielen, das Vertrauen in die politische Klasse zu stärken und einen breiteren Konsens in einer zunehmend fragmentierten Gesellschaft herzustellen.

Eskalation statt Inszenierung: Berliner Demonstration als Spiegelbild politischer Polarisierung

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Am vergangenen Samstag sollte ein marschierender Zug rechtsextremer Kräfte sieben Kilometer durch die Hauptstadt ziehen – letztlich stellte er nach nur 100 Metern abrupt den Dienst ein. Der gescheiterte Demonstrationszug, an dem rund 850 Neonazis, Rechtskonservative und AfD-Sympathisanten teilnahmen, offenbarte nicht nur die Spannungen innerhalb der rechten Szene, sondern auch die Macht der organisierten Gegenproteste.

Spannungsfeld zwischen Inszenierung und Gegenwehr
Die geplante Inszenierung reiner Machtdemonstration wurde von zahlreichen Gegenprotesten konterkariert. Bereits im Vorfeld hatten Hunderttausende zivilgesellschaftlicher Kräfte und organisierte Initiativen – etwa Sitzblockaden und Schallpegelmessungen – signalisiert, dass das öffentliche Narrativ nicht einseitig von extrem rechten Kräften bestimmt werden würde. Die symbolträchtige Verwendung von verbotenen Zeichen und die öffentliche Präsenz altgedienter Extremisten standen im krassen Kontrast zu den Erwartungen eines geordneten Zuges.

Zwiespältige Führung und mediale Selbstinszenierung
Bemerkenswert in diesem Szenario ist auch die Rolle des Organisators, dessen türkischer Migrationshintergrund ihn paradoxerweise als vermeintlichen neuen Anführer in einer Szene positioniert, die sich traditionell durch homogene, nationalistische Ideologien auszeichnet. Trotz seiner früheren AfD-Mitgliedschaft distanziert er sich in seinen Social-Media-Auftritten vom expliziten Rechtsextremismus – ein Schritt, der jedoch von vielen als kalkulierte Taktik gewertet wird, um ein breiteres Publikum anzusprechen und den gesellschaftlichen Status zu legitimieren.

Polizeiliche Eskalation und Kontrollmechanismen
Der Bericht zeichnet ein Bild einer Polizei, die angesichts der komplexen Lage vor Ort zum vollen Einsatz gezwungen war. Neben routinemäßigen Maßnahmen wie der Durchsetzung des Vermummungsverbots rückten auch spezialisierte Kräfte und Schallpegelmesser in den Fokus, als der Lärmpegel in unmittelbarer Nähe zu kritischen Grenzwerten anstieg. Festnahmen, die bereits bei den ersten Auseinandersetzungen vorgenommen wurden, zeigten, dass das Vorgehen gegen identifizierte Straftaten – von beleidigenden Äußerungen bis hin zu verbotenen Symbolen – in einem Umfeld, das von Euphorie und aggressiver Selbstinszenierung geprägt war, keine Ausnahme blieb.

Gesellschaftliche Spiegelungen und politische Implikationen
Die Ereignisse dieses Tages werfen ein Schlaglicht auf die angespannte politische Landschaft in Deutschland. Die rapide Eskalation und das Scheitern des Marsches machen deutlich, dass rechtsextreme Gruppierungen zunehmend auf die Provokation und Mobilisierung von Gegenkräften setzen müssen – ein Fakt, der den demokratischen Widerstand und die Wachsamkeit der Zivilgesellschaft unterstreicht. Gleichzeitig wird klar, dass die Grenzen zwischen politischem Protest, öffentlicher Ordnung und extremistischer Provokation immer wieder neu austariert werden müssen.

Der gescheiterte Marsch in Berlin offenbart mehr als nur das Scheitern eines Demonstrationszuges: Er ist ein Spiegelbild der aktuellen politischen Polarisierung und der zunehmenden Radikalisierung rechter Gruppierungen. Die entschlossene Reaktion der Gegenproteste und die präventiven polizeilichen Maßnahmen zeigen, dass demokratische Gesellschaften in Zeiten politischer Extreme nicht tatenlos zusehen, sondern entschieden handeln, um die öffentliche Ordnung zu schützen und extremistische Tendenzen einzudämmen.

Pirna im Ausnahmezustand – Stadtratssitzung XXL

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In einer sechsstündigen Mammutsitzung offenbarte der Stadtrat Pirnas eindrückliche und teils widersprüchliche Entwicklungen in der Kommunalpolitik. Die hitzigen Debatten reichten von internen Personalstreitigkeiten über finanzielle Engpässe bis hin zu weitreichenden Infrastrukturprojekten und Regelungsänderungen.

Zwischen Lob und Tadel: Personalpolitik im Brennpunkt
Im Zentrum der Diskussion stand die Ehrung von Silke Marisch, der Fiedensrichterin, die für 20 Jahre ehrenamtlichen Einsatz mit Blumen und Dank gewürdigt wurde. Dagegen blieb die Stadtkämmerin Birgit Erler, die aktuell in einen Rechtsstreit mit der Stadt verwickelt ist, ohne Anerkennung. Kritiker bemängelten die unklare Personalpolitik in der Verwaltung, bei der personelle Kündigungen und ungeklärte Zuständigkeiten immer wieder zu Unmut führen.

Finanzielle Herausforderungen und Haushaltsdefizit
Ein weiterer Brennpunkt der Sitzung war die angespannte Finanzlage. Die kürzlich erfolgte Erhöhung der Kreisumlage – von ursprünglich geplanten 34,9 Prozent auf 35,41 Prozent – sorgt für ein Defizit von 0,51 Prozent im Haushaltjahr 2025. Trotz Mehrheitsbeschlüssen zum Haushaltsplan 2025‑26 bleiben Zweifel, insbesondere im Hinblick auf die Einbindung riesiger Investitionsfirmen und den Mangel an adäquaten Flächenangeboten.

Hochwasserschutz: Zukunftsmusik ohne aktuellen Handlungsbedarf
Auch der dringend benötigte Hochwasserschutz in Pirna wurde kontrovers diskutiert. Vertreter der Landestagsperrenverwaltung Sachsen bestätigten, dass ein umfassender Hochwasserschutz in absehbarer Zeit nicht realisierbar sei. Vorschläge wie Rückhaltebecken in Gottläuber und Seidewitz sowie eine stadtnah gelegene Hochwasserschutzwand an der Elbe bleiben vorerst reine Zukunftsvisionen. Trotz positiver wirtschaftlicher Bewertungen der Maßnahmen steht fest, dass weitere Planungsphasen notwendig sind, um die Finanzierung von rund 107 Millionen Euro für den Hochwasserschutz aufzubringen.

Verkehrsplanung und Infrastrukturprojekte unter der Lupe
Ein weiteres zentrales Thema der Sitzung war der Neubau der Wesenitztalbrücke in Pirna-Kopitz. Mit einem geplanten Baubeginn im Jahr 2027 wird auch der damit verbundene Verkehrsfluss intensiv debattiert. Die Idee, den stark belasteten Verkehrsknotenpunkt durch den Einsatz von zwei aufeinanderfolgenden Kreisverkehren zu entlasten, stieß auf scharfe Kritik. Bedenken hinsichtlich möglicher Blockaden, insbesondere bei Lkw-Verkehren, wurden laut, während alternative Konzepte wie der Erhalt von Ampeln und eine solide Brückenbauweise favorisiert werden.

Baumschutz und Umwelt: Eigene Verantwortung der Bürger
Ein kontrovers diskutierter Punkt war die geplante Änderung der Baumschutzsatzung. Künftig sollen Eigentümer selbst über das Fällen bestimmter Bäume entscheiden dürfen, statt sich allein auf behördliche Genehmigungen zu stützen. Während Vertreter der Stadträte die Eigenverantwortung der Bürger betonten, sorgten Proteste von rund 40 Demonstranten für hitzige Debatten. Die Frage, inwieweit staatliche Kontrolle und privates Engagement im Umweltschutz miteinander vereinbar sind, bleibt weiterhin umstritten.

Blick in die Zukunft – Neuausrichtung und Weiterentwicklung
Neben den genannten Kernpunkten wurden weitere Projekte vorgestellt: Die Errichtung einer Photovoltaikanlage an der Kiesgrube in Bonnewitz, finanzielle Unterstützung für die Musikschule Sächsische Schweiz sowie der Erwerb von Grundstücken zur Realisierung eines neuen Industrieparks Oberelbe. Auch strukturelle Fragen, wie die zukünftige Besetzung von Schlüsselpositionen im IBO-Zweckverband und die anstehende Neubesetzung der stellvertretenden Position des Oberbürgermeisters, werfen Fragen nach der strategischen Ausrichtung der Stadt auf.

Mit einem umfangreichen Tagesordnungspunkt, der die nächsten Schritte im Bereich der Stadtentwicklung und Finanzplanung ebenso beleuchtet wie interne Unstimmigkeiten und kontroverse Umwelt- sowie Verkehrsplanungen, bleibt Pirna vor großen Herausforderungen. Die kommende Stadtratssitzung unter der Leitung des ehrenamtlichen Bürgermeisters Ralf Thiele im Mai dürfte zeigen, in welche Richtung sich die Stadt in einer zunehmend komplexen politischen und wirtschaftlichen Landschaft bewegt.

Sanierung statt Abriss – Alte Plattenbauten im Wandel der Zeit

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Die Zeiten des schnellen Abrisses und Neubaus scheinen endgültig vorbei zu sein. Stattdessen rückt der Erhalt und die Sanierung von Plattenbauten aus DDR-Zeiten in den Fokus – ein Ansatz, der nicht nur ökonomisch, sondern auch ökologisch und kulturell Sinn macht.

Halle-Neustadt: Ein neuer Lebensfunke in alten Fassaden
In Halle-Neustadt hat sich das Bild der Hochhäuser in den letzten Jahrzehnten stark gewandelt. Die einst stolzen Wohnriesen verfielen nach Jahren des Leerstandes und waren Zeugnis einer gescheiterten Umnutzung. „Die Hochhäuser verwahrlosen in Halle-Neustadt. Jahre des Leerstandes haben ihre Spuren hinterlassen“, so die Beobachtung vieler Bürger. Doch nun hat ein privater Investor begonnen, eines der Hochhäuser zu sanieren.
Im Erdgeschoss soll ein moderner Foodcorner beziehungsweise ein Imbisszentrum entstehen, während darüber Lagerflächen und Wohnungen geschaffen werden. Trotz des vielversprechenden Konzepts handelt es sich derzeit um eine Dauerbaustelle – der Bau verzögert sich unter anderem durch Finanzierungsprobleme. Dennoch wird optimistisch in die Zukunft geblickt, denn dieser Schritt könnte der erste von vielen in der Wiederbelebung alter Bausubstanz sein.

Leipzig: Der 200 Meter lange Koloss im Fokus der Nachhaltigkeit
Ein weiteres Beispiel für den modernen Umgang mit DDR-Baustoffen bietet Leipzig. Der 200 Meter lange Koloss an der Prager Straße, ein beeindruckender Stahlskelettbau, steht seit Jahren leer und als Symbol des gescheiterten Neubauvorhabens. Doch die Chancen stehen gut, dass dieser Bau erhalten bleibt und nicht abgerissen wird. Ein Neubau des technischen Rathauses wäre nicht nachhaltig – die alte Bausubstanz soll bestehen bleiben und umgebaut werden. Experten betonen: Es ist möglich, ein altes Stahlbetonskelett aus DDR-Zeiten weiter zu nutzen. Die Sanierung spart nicht nur Abrisskosten und die damit verbundene CO₂-Belastung, sondern bewahrt auch ein Stück urbaner Geschichte.

Gotha: Aus Alt mach Neu
Auch in Gotha zeigt sich der Trend: Aus einem ehemals unsanierten Block entsteht nun eine moderne, neue Wohnanlage. Investoren setzen hier auf den Erhalt der Bausubstanz, um den Wohnungsmarkt zu beleben und gleichzeitig den Charme vergangener Zeiten zu bewahren. Die Sanierung und Umnutzung alter Plattenbauten wird so zu einem Symbol des Strukturwandels in deutschen Städten.

Die Sanierung statt des Abrisses alter Plattenbauten markiert einen wichtigen Schritt hin zu einer nachhaltigeren Stadtentwicklung. Von Halle-Neustadt über Leipzig bis nach Gotha: Alte Bausubstanz wird neu belebt, traditionelle Baustile treffen auf moderne Technik und innovative Konzepte. Dieser Trend zeigt, dass es möglich ist, Geschichte zu bewahren und gleichzeitig den Anforderungen der Gegenwart gerecht zu werden – ein Ansatz, der ökonomisch, ökologisch und kulturell zukunftsweisend ist.

Vom Kombinat VEB Carl Zeiss JENA zum Orchideenbrunnen

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Im Jahr 1987 entstand im Amateurfilmcentrum des Kombinats VEB Carl Zeiss JENA ein bemerkenswerter Film. Unter der Regie von Peter Gallasch und Hans-Werner Kreidner und mit den Darstellern Uwe Bauer und Rainer Siewert brachte die Produktion ein Stück DDR-Alltag auf die Leinwand – gedreht von Werksamateuren, die in ihrer Freizeit die Kamera gegen den Schraubenschlüssel tauschten.

Das Amateurfilmcentrum war eine der vielen kulturellen Initiativen innerhalb des Kombinats. Neben Betriebsfesten, Sportgemeinschaften und Betriebsorchestern bot es den Mitarbeitern die Möglichkeit, eigene filmische Projekte zu realisieren. Die technische Ausstattung war bescheiden, doch die Begeisterung groß. Viele Werksamateure verbanden ihr Wissen aus der Optik- und Feinmechanikfertigung mit einer Leidenschaft für bewegte Bilder. So entstanden Filme, die sowohl den Arbeitsalltag als auch persönliche oder gesellschaftliche Themen behandelten.

Filmemachen zwischen Drehbank und Drehbuch
Die Produktion von Gallasch und Kreidner nutzte das industrielle Umfeld als Kulisse und beschäftigte sich mit den Realitäten des DDR-Arbeitslebens. Uwe Bauer und Rainer Siewert, selbst Werksmitarbeiter, übernahmen die Hauptrollen. Ihre Darstellung verlieh der Geschichte Authentizität, während die Regisseure mit einer Mischung aus dokumentarischen und inszenierten Elementen arbeiteten.

Die inhaltliche Bandbreite solcher Filme reichte von Arbeitsschutzbelehrungen über dokumentarische Betriebsfilme bis hin zu künstlerisch ambitionierten Kurzfilmen. Auch in Jena wurde nicht nur das offizielle Bild der „sozialistischen Arbeitswelt“ gezeigt. Viele Filme spiegelten die Hoffnungen, Herausforderungen und kleinen Fluchten der Werktätigen wider – mal mit Ernst, mal mit Ironie.

Ein vergessenes Kapitel DDR-Kultur
Heute sind viele dieser Filme weitgehend in Vergessenheit geraten. Doch sie sind wichtige Zeitdokumente, die zeigen, wie sich Werksamateure künstlerisch ausdrückten. Die Werke des Amateurfilmcentrums von VEB Carl Zeiss JENA sind ein Stück DDR-Filmgeschichte – ein Beleg für die kreative Kraft jenseits der offiziellen Kulturpolitik.

DDR-Schwimmhallen: Sanierungsfall oder Denkmal?

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Viele Ostdeutsche erinnern sich noch an die typischen DDR-Schwimmhallen, in denen sie als Kinder das Schwimmen lernten. Ob in Anklam, Bitterfeld oder Jena – die standardisierten Bauten mit ihrem funktionalen Design waren einst zentrale Orte des Breitensports. Doch heute stehen viele von ihnen vor dem Abriss oder einer ungewissen Zukunft.

Nach der Wende wurden zahlreiche dieser Schwimmhallen geschlossen. Einerseits entsprachen sie nicht mehr den modernen Bau- und Hygienestandards, andererseits fehlten vielerorts die finanziellen Mittel zur Sanierung. In einigen Städten wie Leipzig oder Magdeburg gelang es, alte Hallen zu modernisieren und weiter für Schul- und Vereinssport nutzbar zu machen. An anderen Orten hingegen verfallen sie oder wurden bereits durch Neubauten ersetzt.

Besonders in strukturschwachen Regionen ist der Schwimmunterricht für Kinder oft gefährdet. Die Zahl der Nichtschwimmer steigt, weil viele Schulen auf umliegende Städte ausweichen müssen – eine Herausforderung für Eltern, Lehrer und Kommunen. Ein Beispiel ist die Schwimmhalle in Suhl, die 2020 endgültig geschlossen wurde, weil eine Sanierung als wirtschaftlich nicht tragbar galt. Ähnliche Diskussionen gibt es derzeit in Cottbus und Halle.

Dennoch gibt es auch positive Beispiele: Die alte Schwimmhalle in Prenzlau wurde in ein modernes Freizeitbad umgebaut, das sowohl Schwimmunterricht als auch Wellnessangebote bietet. In Eisenhüttenstadt wird eine ehemalige Schulschwimmhalle von einem Verein betrieben, der sich für den Erhalt solcher Sportstätten einsetzt.

Die Frage bleibt: Soll man alte DDR-Schwimmhallen als historisches Erbe bewahren oder durch moderne Bauten ersetzen? Viele Bürger wünschen sich eine Kombination aus Denkmalpflege und pragmatischer Nutzung – damit auch künftige Generationen das Schwimmen in ihrer Heimat erlernen können.

Jena – Eine Stadt im Schatten der DDR

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Im Jahr 1978 war Jena eine typische Stadt der DDR – von sozialistischer Architektur geprägt, wirtschaftlich eng verflochten mit dem industriellen Komplex der DDR und zugleich ein Zentrum für Wissenschaft und Forschung. Als Heimat von Carl Zeiss, dem weltbekannten Hersteller optischer Geräte, und der Friedrich-Schiller-Universität, zog die Stadt viele Akademiker und Fachleute an. Doch hinter dem vermeintlich stabilen Bild einer prosperierenden Industriestadt verbarg sich auch die Realität der politischen und sozialen Einschränkungen, die das Leben in der DDR prägten.

Jena, mit etwa 100.000 Einwohnern, war in dieser Zeit eine Stadt im Herzen des sozialistischen Staates. Die Plattenbauten und stalinistische Architektur prägten das Stadtbild, während die Industrieunternehmen – vor allem Zeiss – die wirtschaftliche Grundlage der Stadt bildeten. Diese Firmen stellten nicht nur optische Geräte wie Mikroskope und Kameras her, sondern waren auch ein wichtiges Symbol für die technologische Entwicklung der DDR. Der Einfluss von Carl Zeiss reichte über die Landesgrenzen hinaus, und das Unternehmen war ein Aushängeschild für die DDR-Industrie.

Die Friedrich-Schiller-Universität war nicht nur ein akademisches Zentrum, sondern auch ein Ort der wissenschaftlichen Innovation. Insbesondere die Physik und Mathematik waren Disziplinen, in denen die Universität internationale Anerkennung fand. Doch auch in der Wissenschaft gab es Einschränkungen: Themen, die nicht mit der sozialistischen Ideologie in Einklang standen, wurden oftmals zensiert. Die Forschung war durch die politischen Vorgaben der DDR reglementiert, und die akademische Freiheit war nicht unbeschränkt.

Trotz der wirtschaftlichen Bedeutung der Stadt und ihrer wissenschaftlichen Errungenschaften war das Leben in Jena im Jahr 1978 von den politischen Gegebenheiten der DDR bestimmt. Die Bürger lebten in einem strengen Überwachungsstaat, der Meinungsfreiheit und Reisefreiheit stark einschränkte. Politische Dissidenz war nicht nur unerwünscht, sondern wurde auch verfolgt. Der sozialistische Alltag, von der Arbeit über Freizeitgestaltung bis hin zum kulturellen Leben, war einem engmaschigen Netz an Ideologien und Vorschriften unterworfen.

Doch Jena war auch eine Stadt des kulturellen Lebens. In den Theatern, auf den Sportplätzen und in den Straßen fand eine vielfältige kulturelle Szene statt – wenn auch stark reglementiert. Veranstaltungen, die nicht im Einklang mit der sozialistischen Ideologie standen, wurden vermieden, und auch die Kunst war nicht frei. Dennoch gab es im täglichen Leben eine spürbare Energie, ein Streben nach Gemeinschaft und kultureller Identität, das trotz der Einschränkungen Bestand hatte.

Jena 1978 war also eine Stadt zwischen Fortschritt und Kontrolle, zwischen Wissenschaft und Zensur, zwischen Wohlstand und Einschränkung. In einer Zeit, in der die DDR ihre politische Stabilität und ihren Einfluss ausbaute, war Jena ein Mikrokosmos dieser widersprüchlichen Welt – eine Stadt, die sich nicht nur durch ihre industrielle und wissenschaftliche Bedeutung auszeichnete, sondern auch durch die Herausforderungen, die das Leben in einem totalitären Staat mit sich brachte.