Start Blog Seite 160

Wie Markus Meckel den Umgang mit der NS-Vergangenheit neu definierte

0

In einem Interview erläutert Markus Meckel (SPD) eindringlich, wie der Umgang mit der NS-Vergangenheit vor dem Mauerfall gestaltet wurde und welche tiefgreifenden Veränderungen nach den freien Wahlen in der DDR – insbesondere in der Regierung und der Volkskammer – stattfanden. Meckel, ein markanter Zeitzeuge und Verfechter der Erinnerungskultur, zeichnet ein klares Bild der Brüche zwischen einer Vergangenheit, in der Verantwortung stets verdrängt wurde, und einer neuen Politik, die sich offen und kritisch ihrer Geschichte stellt.

Die Bürde der Geschichte aktiv annehmen
Für Meckel war es immer zentral, dass man sich der historischen Verantwortung stellt. Schon vor dem Mauerfall wurde der Umgang mit der NS-Vergangenheit in der DDR geprägt durch das systematische Verschweigen und Leugnen der Verbrechen des Nationalsozialismus.

„Wir stellen uns in diese Verantwortung, die mit unserer Geschichte verbunden ist“, betont Meckel und kritisiert damit das Schweigen sowie das ideologische Vertuschen der Schuld, das in der SED und der damaligen DDR-Regierung vorherrschte.

Vor dem Mauerfall: Verdrängung und Ideologie
Nach Meckel galt in der DDR vor dem Fall der Mauer ein strenges Narrativ:

  • Verdrängung der Schuld
    Die SED leugnete systematisch ihre Verantwortung und schob die Schuld stattdessen ausschließlich auf den Westen.
  • Instrumentalisierter Antifaschismus
    Der Begriff des Antifaschismus diente als Machtinstrument, das dem Regime als ideologisches Fundament diente. Dabei wurde der Holocaust bewusst ausgeblendet und stattdessen der kommunistische Widerstand glorifiziert – ein Versuch, die historische Realität zu simplifizieren und eigene Machtstrukturen zu stabilisieren.

Der Wandel nach den Wahlen – Ein neuer Anfang in der Volkskammer
Meckel hebt jedoch hervor, dass sich mit den ersten freien Wahlen und den anschließenden Veränderungen in der Volkskammer und in der DDR-Regierung ein Umdenken vollzog:

  • Offener Dialog
    Nach den Wahlen wurde es möglich, den bisherigen Geschichtsverlust zu überwinden und die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit als Pflichtaufgabe zu begreifen.
  • Re-Kontextualisierung der Geschichte
    Es gelang, den Fokus zu verschieben: Aus der engen ideologischen Sichtweise wurde ein Gespräch über Schuld, Verantwortung und die Anerkennung der Opfer – insbesondere der jüdischen Bevölkerung – entwickelt.
  • Wegbereiter des Dialogs mit Israel
    Dieser neue Kurs beinhaltete auch den Aufbau eines Dialogs mit Israel und die Einbeziehung von Themen wie Wiedergutmachung und Eigentumsrückgabe als Zeichen des politischen Neuanfangs.

Lernen aus beiden Lagern: Parallelen zur Bundesrepublik
Auch in der Bundesrepublik war die Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit kein Selbstläufer. Meckel verweist dabei auf die wegweisende Rede Bundespräsident Richard Weizsäcker im Jahr 1985 sowie auf den unermüdlichen Einsatz von Fritz Bauer, der in den 1950er und 1960er Jahren den Auschwitz-Prozess in Gang brachte. Diese Prozesse mögen mühsam gewesen sein, doch sie legten den Grundstein für ein demokratisches Selbstverständnis, das auf der offenen Auseinandersetzung mit der Geschichte fußt.

Erinnerung als Voraussetzung für Demokratie
Markus Meckel fasst die Quintessenz seines Arguments prägnant zusammen:

„Zur Demokratie gehört die Verantwortung für die eigene Geschichte.“
Dieser Appell ist heute, angesichts wiederkehrender Tendenzen des Vergessens und Revisionismus, aktueller denn je. Die historischen Brüche und Neuanfänge – von der Vergangenheit vor dem Mauerfall bis zu den fundamentalen Veränderungen nach den Wahlen – verdeutlichen, dass eine Demokratie nur dann Bestand haben kann, wenn sie sich ihrer Geschichte stellt und aus ihr lernt.

Ein Aufruf zum fortwährenden Dialog
Die Worte Meckels machen deutlich: Die Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit ist kein abgeschlossener Prozess, sondern ein fortlaufender Dialog, der die Grundlage für ein gerechtes und reflektiertes Zusammenleben bildet. Indem sich sowohl die DDR-Regierung als auch die Volkskammer nach den Wahlen ihrer Verantwortung stellten, wurde ein wichtiger Schritt in Richtung eines modernen, demokratischen Bewusstseins gemacht – eines Bewusstseins, das die Lehren aus der NS-Zeit nicht ignoriert, sondern sie als dauerhaftes Fundament für zukünftiges Handeln begreift.

Markus Meckels Bericht ist somit nicht nur ein Rückblick, sondern auch ein Mahnmal: Nur wer sich seiner Geschichte stellt, kann die Zukunft im Geiste von Verantwortung und Gerechtigkeit gestalten.

35 Jahre Schuld – Volkskammer-Beschluss als Wendepunkt auf dem Weg zur Versöhnung

0

35 Jahre nach dem bahnbrechenden Volkskammer-Beschluss: Deutschlands neue Selbstverpflichtung zur historischen Verantwortung

Vor 35 Jahren, am 12. April 1990, ergriff die einzige frei gewählte Volkskammer der DDR ein historisches Statement, das bis heute nachhallt. In einer Zeit, in der sich ein tiefgreifender Wandel anbahnte, überwand das Parlament die langjährige, von staatlich verordneter Geschichtsdeutung geprägte Erinnerungspolitik. Mit der Verkündung der Erklärung zur „Verantwortung der Deutschen in der DDR für ihre Geschichte und ihre Zukunft“ wurde nicht nur das Schweigen über die Verbrechen des Nationalsozialismus durchbrochen – es wurde ein Bekenntnis abgelegt, das den Weg für eine umfassendere, ehrlichere Auseinandersetzung mit der Vergangenheit ebnete.

Ein Bruch mit der Vergangenheit
Die Erklärung der Volkskammer stellte einen bewussten Bruch mit der SED-Doktrin dar. Bis dahin wurde die Geschichte der NS-Zeit aus einer einseitigen Perspektive betrachtet: Der antifaschistische Gründungsmythos der DDR stellte kommunistische Kämpfer und Widerstandskämpfer ins Zentrum des Gedenkens. Ein umfassendes Bekenntnis zu den Gräueltaten des Nationalsozialismus – insbesondere an Jüdinnen und Juden, den Völkern der Sowjetunion, dem polnischen Volk und den Sinti und Roma – blieb bislang weitgehend aus. Die Volkskammer-Entscheidung von 1990 hingegen setzte ein klares Zeichen: „Diese Schuld darf niemals vergessen werden. Aus ihr wollen wir unsere Verantwortung für die Zukunft ableiten.“

Verantwortung als Leitmotiv für die Zukunft
Die damalige Entscheidung war mehr als ein politischer Akt im Übergang zur Demokratie – sie war ein Appell an die Verantwortung jeder Einzelnen und jedes einzelnen Deutschen. Indem sich das Parlament zur Unterstützung jüdischer Kultur und zum Schutz jüdischer Einrichtungen bekannte, legte es eine Grundlage für einen fortwährenden Dialog und eine kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte. Diese Mitverantwortung und das damit verbundene Bekenntnis wirken auch heute nach, besonders in einer Zeit, in der populistische Tendenzen und Geschichtsrevisionismus immer wieder die Erinnerungskultur infrage stellen.

Der filmische Beitrag zur Erinnerungskultur
Anlässlich des 35. Jahrestages dieser richtungsweisenden Erklärung veröffentlicht die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur den Dokumentarfilm „Schuld – Bekenntnis – Verantwortung“. Der Film dokumentiert das Entstehen und die Wirkung des Volkskammerbeschlusses und beleuchtet seine Bedeutung für das heutige Geschichtsbewusstsein. Er zeigt, wie ein politischer Akt in bewegten Zeiten als Wendepunkt für eine offene und ehrliche Erinnerungskultur fungieren kann – ein wichtiges Beispiel dafür, dass Aufarbeitung und kritischer Diskurs nicht nur historische Notwendigkeiten sind, sondern auch die Basis für eine demokratische Zukunft bilden.

Ein historisches Erbe im Wandel der Zeiten
Die Erinnerung an diese wegweisende Stellungnahme mahnt an die Unverrückbarkeit der Verpflichtung, sich der eigenen Geschichte zu stellen. Auch wenn sich das politische System geändert hat und die Herausforderungen der Gegenwart neue Fragen aufwerfen, bleibt das Grundprinzip bestehen: Die Anerkennung der Schuld vergangener Verbrechen und das daraus abgeleitete Streben nach einer gerechten, solidarischen Zukunft. Gerade in Zeiten, in denen nationalistische und revisionistische Tendenzen wieder an Einfluss gewinnen, ist der Blick zurück ein entscheidender Baustein für das Zusammenleben in einer pluralistischen Gesellschaft.

Der Volkskammerbeschluss von 1990 ist also weit mehr als ein historisches Dokument – er ist eine Mahnung und ein Aufruf zur dauerhaften Wachsamkeit gegenüber der eigenen Vergangenheit und eine Verpflichtung gegenüber den Lehren, die daraus für die Gestaltung der Zukunft gezogen werden können.

Zwischen Mauerfall und Neubeginn – Teltows 90er in bewegten Bildern

0
zum Anschauen des Videos einfach auf das Bild klicken

Als das jahrzehntelange System zu bröckeln begann und die Mauer an manchen Stellen Risse bekam, erlebte auch Teltow einen tiefgreifenden Wandel. Alte Videoaufnahmen aus den Jahren 1990 bis 1998 – wenn auch teilweise etwas verwackelt – sind heute nicht nur sehenswert, sondern bezeugen auch eindrucksvoll den Umbruch einer Stadt, die den Sprung in die neue Ära wagte.

Zwischen Ost und West – Alltag im geteilten Teltow
Die historischen Aufnahmen eröffnen einen intensiven Einblick in das Leben in der Teltower Altstadt. Gebäude wie das Zentralkaufhaus und der Palast der Republik erzählen von vergangenen Zeiten, während Straßenzüge wie die Ernst-Thälmann-Straße und die Ritterstraße den Alltag prägen. Der Kontrast zwischen den altbewährten Fassaden und den ersten Anzeichen eines Neubeginns spiegelt die Dynamik jener bewegten Tage wider. Ein besonderer Moment ist der Blick über die Mauer, der aus Zehlendorfer Perspektive den Bewohnern ein Fenster in eine bislang unerreichbare Welt öffnete.

Bauprojekte und Neubeginn: Der Schritt in eine neue Ära
Mit dem Fall der Mauer begannen in Teltow nicht nur Veränderungen an der Bausubstanz, sondern auch zahlreiche Neubauprojekte, die den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aufbruch symbolisierten. Alte Industriegebäude machten Platz für moderne Bauten wie den Telltower oder das neue GRW-Gebäude. Trotz des nostalgischen Blicks auf vergangene Orte wie das Kontaktkaufhaus und den einst so beliebten Grill „Zur Deutschen Einheit“ stand immer im Zeichen des Fortschritts. Die historischen Videoaufnahmen vermitteln dabei eindrucksvoll, wie sich der Stadtkern von einer durch die Mauer geprägten Stadt in eine offene, moderne Gemeinschaft verwandelte.

Persönliche Geschichten im Wandel der Zeiten
Neben baulichen Veränderungen spiegeln die Aufnahmen auch die persönlichen Geschichten der Teltower Bevölkerung wider. Erinnerungen an das einstige Wohn- und Lebensgefühl, wie das Panorama aus einer Wohnung in der Ernst-Thälmann-Straße, werden lebendig. Geschichten über alte Marktplätze, die noch spürbare Präsenz der DDR und die ersten greifbaren Zeichen der Wende verleihen dem Bild der Stadt eine emotionale Tiefe. Die verwackelten, aber authentischen Videoausschnitte aus den Jahren 1990 bis 1998 unterstreichen, wie unmittelbar der Wandel erlebt wurde und wie bedeutend dieser Übergang für die Menschen war.

Erinnerung und Neubeginn
Teltow in den 90er Jahren war mehr als nur eine Übergangsphase in der deutschen Geschichte – es war ein Ort, an dem sich Geschichte, Gemeinschaft und der unerschütterliche Wille zum Neuanfang vereinten. Die alten Videoaufnahmen geben uns heute einen besonderen, fast greifbaren Einblick in diese bewegten Zeiten. Zwischen den Scherben alter Mauern und dem Wiederaufbau moderner Strukturen offenbart sich eine Geschichte des Mutes und des Wandels.

Diese filmischen Erinnerungen, obwohl technisch nicht perfekt, laden uns ein, den Blick zurückzuwerfen und zugleich die Zukunft zu würdigen – eine Zukunft, die aus den Spuren der Vergangenheit gewoben wurde und in der Teltow bis heute als lebendiges Zeugnis einer bewegten Zeit fortlebt.

Verloren und wiederentdeckt – Die S-Bahn im geteilten Berlin

0

Berlin, 1982. Die geteilte Stadt zeigt sich nicht nur in Mauer und Politik, sondern auch im Verkehr. Die S-Bahn, einst ein Symbol für städtische Mobilität, ist zum geteilten Sinnbild zweier Welten geworden. Während Ost-Berlin die Schnellbahn weiterentwickelt und ins Zentrum seiner Nahverkehrsstrategie rückt, droht sie im Westen in Vergessenheit zu geraten.

Ein Abendschau-Bericht des Senders Freies Berlin aus dem Jahr 1982 beleuchtet eindrücklich diese Gegensätze. In Ost-Berlin ist die S-Bahn Rückgrat des öffentlichen Nahverkehrs. Im Berufsverkehr fahren die Züge am Alexanderplatz im 90-Sekunden-Takt. 600.000 Menschen nutzen werktags das dichte Netz, das mit Straßenbahn und Bus eng verzahnt ist. Trotz maroder Technik wirkt der Betrieb effizient, geordnet – eine stille Erfolgsgeschichte der DDR-Stadtplanung.

Ganz anders im Westen. Hier ist die S-Bahn „Schrottbahn“, „Ulbrichts Klapperkisten“ oder schlicht „Geisterbahn“. Nach dem Boykottaufruf im Zuge des Mauerbaus und dem allgemeinen Misstrauen gegenüber der von der DDR betriebenen Reichsbahn, ist die West-Berliner S-Bahn ein Schatten ihrer selbst. Der Fahrgastschwund ist dramatisch – von 150.000 auf 70.000 täglich innerhalb von zwei Jahrzehnten.

Am Bahnhof Westkreuz steht die Zeit still. Eine junge Reichsbahnerin sitzt allein im Stellwerk, während unten in der leeren Halle der nächste Zug vorbeirattert – alle 20 Minuten, wenn überhaupt. Die Nachwirkungen des zweiten Eisenbahnerstreiks von 1980 sind spürbar. Ein ganzer Verkehrszweig scheint abgeschrieben.

Dabei hätte es auch anders kommen können. Schon 1974 empfahlen Experten dem Berliner Abgeordnetenhaus, die S-Bahn in ein modernes Verbundsystem mit U-Bahn und Bus einzubeziehen. Ihre Vision: ein 300 Kilometer langes Schnellbahnsystem für Berlin-West. Doch politische Blockaden, Misstrauen gegenüber der DDR und das starre Vier-Mächte-Abkommen verhinderten den Aufbruch. Die DDR bot sogar eine Pachtlösung an – West-Berlin lehnte ab. Es sei rechtlich nicht möglich.

In Ost-Berlin dagegen wurde kontinuierlich geplant und gebaut. Neue Bahnhöfe, verlegte Strecken, dichterer Takt. Vor allem aber eine Idee: Verkehr als Teil eines sozialistischen Gesamtkonzepts. Die S-Bahn wurde zum Rückgrat der Erschließung neuer Wohngebiete wie Marzahn. Ihre Rolle: Zubringer, Verteiler, Rückgrat – keine Schattentouren, sondern Teil der Alltagsmobilität.

Die politische Differenz wird auch zur infrastrukturellen. Während die West-S-Bahn auf das Abstellgleis rollt, rüstet Ost-Berlin für die Zukunft. Und doch bleibt auch im Westen Hoffnung. Studien an der TU Berlin, Vorschläge von Verkehrsplanern, neue Kommissionen – die Debatte ist neu entfacht. Noch liegt die Zukunft der S-Bahn in West-Berlin im Nebel. Aber vielleicht, so der Tenor des Beitrags, ist sie nicht verloren. Noch nicht.

Hintergrund
Die Berliner S-Bahn war nach 1945 im gesamten Stadtgebiet Eigentum und Betrieb der Deutschen Reichsbahn der DDR – auch in West-Berlin. Das führte nach dem Mauerbau 1961 zu einem massiven Boykott durch die West-Berliner Bevölkerung, da durch ihre Tickets die Staatskasse der DDR gestärkt wurde. Erst nach dem Mauerfall wurde der Betrieb durch die neu gegründete S-Bahn Berlin GmbH wieder vereinheitlicht. Doch die Zerrissenheit von 1982 bleibt ein Zeitdokument der geteilten Stadt – im Großen wie im Kleinen, im Fahrplan wie im politischen Takt.

Aus dem Schatten des Kalten Krieges – Ein Blick auf die DDR-Spezialeinheiten

0

In einer Folge der Doku-Reihe „DDR Spezial-Einheiten“ wird ein faszinierendes Kapitel der Militärgeschichte der DDR beleuchtet – die Ausbildung und der Einsatz der Fallschirmjäger der Nationalen Volksarmee (NVA) an der ehemaligen Ortskampfanlage „Scholzenslust“. Die Sendung entführt den Zuschauer in eine Welt extremer Drillmethoden, strategischer Überlegungen und politischer Umbrüche, die das Leben der Soldaten nachhaltig prägten.

Vom Übungsdorf zum modernen Einsatzgelände
An der ehemaligen Leniner Kaserne, einem Ort, der einst als hochmodernes Trainingszentrum für den Häuserkampf galt, findet sich heute ein Gelände, das von der Bundeswehr für Auslandseinsätze genutzt wird. Das Übungsgelände war strategisch so gewählt, dass es den Soldaten einen unmittelbaren Bezug zu potenziellen Konfliktsituationen lieferte, insbesondere im Spannungsfeld zwischen den Militärbezirken und der unmittelbaren Nähe zu West-Berlin.

Ein Leben im Dauerdrill
Die Dokumentation zeichnet ein schonungsloses Bild des militärischen Alltags in der DDR. Die Fallschirmjäger wurden bis an ihre Grenzen getrieben, indem sie wiederholt identische, oft erbarmungslose Übungsabläufe durchlaufen mussten. Dieser rigorose Drill sollte nicht nur die körperliche, sondern auch die mentale Belastbarkeit der Soldaten schulen. Immer wieder wurden die Angehörigen der NVA auf ihre Fehler hingewiesen, was einen erheblichen psychischen Druck erzeugte – ein Aspekt, den die damaligen Offiziere heute mit gemischten Gefühlen reflektieren.

Zwischen militärischer Effizienz und ideologischer Prägung
Ein besonders brisanter Aspekt der Ausbildung war der doppelte Anspruch, einerseits ein funktionierendes militärisches Uhrwerk zu formen und andererseits eine spezifische politische Haltung zu vermitteln. So gehörte es zur Doktrin, den Hass auf den Klassenfeind zu propagieren, was im Rückblick als problematisch bewertet wird. Die damalige militärische Methodik zielte darauf ab, einen kompromisslosen Gehorsam zu erzielen, der jedoch nicht in eine völlige Aushöhlung der individuellen Entscheidungsfähigkeit führen sollte.

Der Umbruch und seine Auswirkungen
Die sich anbahnenden gesellschaftlichen Umbrüche beeinflussten auch das militärische System der DDR nachhaltig. Proteste und Massenbewegungen in der Zivilbevölkerung drängten die Führung dazu, die starre Trennung zwischen militärischer Ausbildung und der sich verändernden politischen Realität zu hinterfragen. Die Soldaten, die bislang in einer abgeschotteten Welt agierten, sahen sich plötzlich mit einem Spannungsfeld konfrontiert, in dem offizielle Informationen und der gelebte Alltag in den Städten stark auseinanderklaffen.

Ein Blick in die Gegenwart
Ehemalige Kommandeure, die das Übungsgelände heute noch besuchen, blicken mit einer Mischung aus Nostalgie und kritischer Reflexion auf jene Zeit zurück. Die Straßen und Gebäude, die noch immer an die militärischen Wurzeln erinnern, gelten heute als stilles Mahnmal einer Ära, in der militärische Brillanz und ideologische Verblendung untrennbar miteinander verknüpft waren. Dabei bietet der Beitrag wertvolle Impulse für die Diskussion darüber, wie militärischer Drill, politische Indoktrination und der Wandel gesellschaftlicher Werte miteinander in Beziehung stehen.

Die dokumentarische Darstellung der „DDR Spezial-Einheiten“ liefert einen intensiven Einblick in eine Militärtradition, die unter extremen Bedingungen entstand. Der Beitrag regt dazu an, sowohl die historischen Methoden und Strategien kritisch zu hinterfragen als auch Lehren für gegenwärtige und zukünftige militärische Ausbildungen zu ziehen. Dabei bleibt die Frage, wie viel Gehorsam ein Soldat aufbringen sollte, ohne dabei seine eigene Fähigkeit zur selbstständigen, moralisch reflektierten Entscheidung zu verlieren.

Kriegsende in Saalfeld 1945: Als der Krieg die thüringer Kleinstadt erreichte

0

Vor 80 Jahren, am 14. April 1945, wurde Saalfeld von einem schweren Bombenangriff erschüttert. Zeitzeugen erinnern sich an Stunden des Schreckens – und mahnen zum Frieden.

Es ist ein klarer Montag im April, fast zu schön für den Frühling. Vor 80 Jahren war es ebenso – doch damals brachte das Wetter kein Aufblühen, sondern Zerstörung. Zwischen 15 und 18 Uhr verdunkelten am 14. April 1945 alliierte Bomber den Himmel über Saalfeld. Was dann folgte, ging als einer der verheerendsten Tage in die Stadtgeschichte ein.

„Dächer und Wände stürzten ein, Tellerdecken gaben ab, Millionen Glasscherben flogen durch die Luft“, berichtet ein Zeitzeuge, der als Schüler in Saalfeld untergebracht war. Die Maschinen kamen aus vielen Richtungen, flogen in kleinen Staffeln – fast lautlos. Keine Flugabwehr, keine Sirenen. Dann: ein erster Schlag. Und ein zweiter. Und immer neue. Drei Stunden lang bebte die Erde. Die Stadt versank im Chaos.

Ein Angriff mit Ansage
Bereits Wochen zuvor hatte die Bevölkerung mit einem Angriff gerechnet. Die Lage war angespannt, Berichte über Angriffe auf Erfurt, Weimar und Rudolstadt hatten die Runde gemacht. Saalfeld galt wegen seiner Eisenbahnwerkstätten als strategisches Ziel.

Doch selbst wer sich vorbereitet hatte, war auf das Ausmaß der Zerstörung nicht gefasst. „Es war schlimmer, als wir es uns vorgestellt hatten“, erinnert sich der Zeitzeuge weiter. Er war Schüler am Gymnasium in der Sonnenberger Straße, das kurz vor Kriegsende als Moor-Lazarett genutzt wurde. Mit seinen Klassenkameraden war er aus dem bombardierten Düsseldorf evakuiert worden. Die Hoffnung: Sicherheit in der thüringischen Provinz. Doch der Krieg hatte andere Pläne.

Ein Blick auf die Karte – und der Schock
Auf dem großen Esstisch lag eine Generalstabskarte. „Feindliche Kampfverbände im Anflug auf Quadrat Cesar Dora“, lautete die Durchsage. Kurz darauf fiel die erste Bombe. In den Kellern bangten die Menschen. Ob die Decke halten würde? Ob man noch einmal heil herauskäme?

Drei Stunden lang dauerte der Angriff. Mit jeder Welle neue Explosionen, neue Zerstörung. Eine beklemmende Stille zwischen den Angriffen, gefolgt vom nächsten Inferno.

Gedenken an die Opfer
Heute erinnert eine Tafel am ehemaligen Schulgebäude an das Geschehen. „Die Zivilbevölkerung musste für den Größenwahn Adolf Hitlers und seiner Gefolgsleute bezahlen“, heißt es in einer Rede, die jährlich zum Jahrestag gehalten wird. Sie endet mit einem Zitat von John F. Kennedy: „Die Menschheit muss dem Krieg ein Ende setzen – oder der Krieg setzt der Menschheit ein Ende.“

Inmitten von Kränzen, Kerzen und stiller Erinnerung steht heute mehr denn je die Mahnung: Frieden ist keine Selbstverständlichkeit. Das, was vor 80 Jahren in Saalfeld geschah, darf nie vergessen werden.

Im Dornröschenschlaf der Gleise – Die vergessene Geschichte der Friedhofsbahn

0

Berlin. Zwischen alten Schwellen und überwucherten Gleisen liegt ein stilles Kapitel Berliner Verkehrsgeschichte: die Friedhofsbahn. Einst als Verbindung zwischen der Großstadt und einem der größten Friedhöfe Europas gedacht, ist sie heute ein Ort des Verfalls – und der Erinnerung.

Am Rand Berlins, wo die Siedlung Dreilinden in die märkischen Wälder übergeht, trafen sich der Berliner Zeitzeuge und Fotograf Sigurd Hüttenbach und ein Filmteam, um die Vergangenheit einer Bahnlinie aufleben zu lassen, die einst Toten den Weg zur letzten Ruhe ebnete – und heute selbst wie ein Relikt aus vergangenen Zeiten wirkt.

Eine Bahn für die Toten
Die Friedhofsbahn wurde 1913 in Betrieb genommen. Sie verband den Bahnhof Wannsee mit dem neu angelegten Südwestkirchhof Stahnsdorf, damals einer der drei zentralen Friedhofsanlagen, die im Berliner Umland entstehen sollten. Die Planung war vorausschauend: Mit dem rapide wachsenden Berlin gingen innerstädtische Begräbnisplätze zur Neige. Eine Bahnlinie für den Leichentransport – mit speziellen Waggons und einer Leichenhalle in Stahnsdorf – schien die logische Lösung.

„Das war keine normale S-Bahn“, erklärt Hüttenbach. „Die Strecke wurde mit Dampf betrieben, später elektrifiziert, aber ihr Hauptzweck war der Transport Verstorbener und ihrer Angehörigen.“

Krieg, Teilung – und Stillstand
Mit dem Bau der Berliner Mauer am 13. August 1961 wurde die Strecke endgültig stillgelegt. Die Linie verlief über die innerdeutsche Grenze – ein Fortbetrieb war ausgeschlossen. Und obwohl das Gleisbett, die Stromschienen und Signale noch intakt waren, blieb der Betrieb für immer eingestellt.

„Es sah damals so aus, als könne der Zug jederzeit wieder fahren“, erinnert sich Hüttenbach an seine Aufnahmen von 1962. Doch statt neuer Fahrgäste kamen nur noch Wind und Gras.

Die Westseite ließ die Gleise bald abbauen – jedoch nur bis zur letzten rechtlich erlaubten Stelle: der Grenze. „Die DDR ließ ihr Gleisstück liegen“, sagt Hüttenbach, „und so ist es bis heute – ein historisches Technikdenkmal mitten im Wald.“

Die Macht der Erinnerung
Sigurd Hüttenbach, selbst Zeitzeuge der Teilung, begann früh mit der fotografischen Dokumentation dieser unsichtbaren Narben der Stadt. Mit seiner Kleinbildkamera hielt er Absperrungen, verlassene Gleise und Grenzanlagen fest. Eine Arbeit, die heute von unschätzbarem Wert ist.

„Ich wollte alles sehen, was mir genommen wurde“, sagt er. „Die Mauer hat mir einen Teil meiner Stadt entzogen – also habe ich mich aufgemacht, ihn festzuhalten.“

Die Begegnung mit der alten Strecke endet symbolisch: Gemeinsam heben die beiden Männer einen verrosteten Schwellennagel aus dem Boden – geprägt mit der Jahreszahl 1908. Ein kleines Stück Geschichte, das nun als Andenken weiterlebt.

Zukunft ungewiss
Heute gleicht die Friedhofsbahn einer Naturbühne. Bäume, Sträucher und Moose haben die Trasse zurückerobert. Und doch – Pläne für eine Reaktivierung existieren. Ob die Friedhofsbahn je wieder in Betrieb geht, bleibt offen.

„Vielleicht in 20 oder 30 Jahren“, sagt Hüttenbach nachdenklich. „Dann werden andere mit frischen Augen auf diese Gleise schauen. Aber die Geschichte wird immer mitfahren.“

Verborgene Wacht am Stadtrand – Die Landtore von Rostock

0



In der aktuellen Folge von „Goldhofers Zeitreise“ begibt sich Moderator Jörg Goldhofer auf Spurensuche entlang der einstigen Wehranlagen der Hansestadt Rostock. Eine Reise durch Jahrhunderte, von Tor zu Tor – vorbei an Glanz, Verfall und Wiederentdeckung.

Wenn der Schnee der Gegenwart die Spuren der Vergangenheit zudeckt, dann hilft oft nur ein Blick zurück, um zu verstehen, was einst war. In der sechsten Ausgabe seiner historischen Radioserie „Goldhofers Zeitreise“ widmet sich Jörg Goldhofer den Landtoren Rostocks – jenen Bauwerken, die einst den Zugang zur Stadt aus dem mecklenburgischen Umland sicherten.

Ausgangspunkt ist das Jahr 1265, als sich die drei Teilstädte Rostocks zusammenschlossen. Was folgte, war ein massiver Ausbau der Stadtbefestigung: Wälle, Gräben und eine fünf Kilometer lange Mauer mit 1,5 Metern Dicke sollten Schutz bieten. Entlang dieser Mauern entstanden insgesamt 22 Stadttore, darunter neun Landtore, die den Verkehr aus dem Landesinneren regelten.

Eines davon war das Bramoer Tor, besser bekannt als Grünes Tor – benannt nach seinem schiefergedeckten Dach, das im Licht grünlich schimmerte. Es führte einst Richtung Warnemünde, wurde jedoch 1722 abgetragen. Nur der Straßenname erinnert heute noch an das einst mächtige Bauwerk.

Weit bekannter ist das Kröpeliner Tor. Mit seiner stolzen Höhe von 54 Metern diente es nicht nur der Verteidigung, sondern war auch ein Symbol städtischen Selbstbewusstseins. Heute ist es eines der wenigen erhaltenen Tore und markiert das westliche Ende der Kröpeliner Straße, Rostocks belebter Einkaufsmeile. Im Laufe der Zeit diente es unterschiedlichsten Zwecken: als Tor, Turm, Bahndurchlass – und heute als Ausstellungsort.

Andere Tore verschwanden stiller aus dem Stadtbild. Das Schwansche Tor, einst südlicher Auslass in Richtung Schwaan, verlor seine Funktion bereits früh an das benachbarte Steintor. Letzteres wurde nach der Eroberung Rostocks durch Herzog Johann Albrecht 1574 im Stil der Renaissance neu aufgebaut und prägt bis heute das Bild südlicher Stadteingänge.

Eine Besonderheit stellt das Kuhtor dar. Es ist das älteste erhaltene Stadttor Norddeutschlands und diente später dem Viehtrieb auf die Warnowwiesen. Auch dieses Bauwerk hat eine bewegte Geschichte hinter sich – vom Wehrtor zum Gefängnis, schließlich zur Wohnung. Erst 1984 wurde es vollständig rekonstruiert.

Viele der anderen Tore existieren nur noch in Karten, Namen oder Archiven: das Gerberturm, der Küterturm, das neue Petriturm – letzteres möglicherweise der Standort des ersten Rostocker Stadttores überhaupt, unterhalb der ältesten Kirche der Stadt, St. Petri. 1960 wurde das Tor endgültig abgerissen, obwohl schon 1900 erste Stimmen laut wurden, es zu erhalten. Heute existieren konkrete Pläne für einen Wiederaufbau.

Goldhofer verknüpft die Spurensuche mit lokalen Überlieferungen, etwa dem bekannten Gedicht über die „Rostocker Sieben“. In diesem lyrischen Kanon tauchen nur sieben Tore auf – ein Hinweis darauf, wie schnell Vergessen beginnt, wenn Steine fehlen. Die Erklärung ist schlicht: Zum Zeitpunkt der Dichtung waren manche Tore bereits längst verschwunden.

Mit viel Detailfreude, historischen Quellen und einem Gespür für die Geschichten hinter den Mauern rekonstruiert Goldhofer die verborgene Topografie der Hansestadt. Sein Beitrag ist mehr als eine historische Rückschau. Er ist ein Plädoyer für das Erinnern – und für eine Stadt, die stolz auf ihr steinernes Erbe sein darf.

Die Ostseeküste in Mecklenburg – Jeden Tag wert, gelebt zu werden!

0

Entdeckt die stille Schönheit und wilde Kraft der Ostseeküste Mecklenburgs – ein Ort, an dem sich bewegte Bilder und Worte zu einer poetischen Reise entlang der Küste verbinden. In diesem Video verschmelzen sanfte Dünen, rauschende Wellen und weite Horizonte mit einem einfühlsamen Gedicht, das die Seele berührt.

Ein Ort, an dem alles begann
Geht man den ewigen Sandstrand entlang, spürt man das unmittelbare Gefühl der Verbundenheit mit der Natur. Hier, an der Ostseeküste Mecklenburgs, beginnt die Geschichte des Badens – ein Erlebnis, das weit über den ersten Sprung ins erfrischende Ostseewasser hinausgeht. Der salzige Hauch der Seeluft und die sanften Wellen, die leise die Haut streicheln, offenbaren ein Urgefühl, das dem Besucher eine zweite Heimat bietet.

Die Poesie der Küste: Bilder und Worte im Einklang
In diesem meditativen Video verschmelzen bewegte Bilder mit einem tief berührenden Gedicht, das die natürliche Magie dieser Region einfängt. Von den malerischen Dünen bis zu den rauschenden Wellen und den endlosen Horizonten – jede Einstellung ist ein Ausdruck der stillen Schönheit und wilden Kraft, die diese Küstenlandschaft auszeichnen. Die Worte laden dazu ein, innezuhalten, zu träumen und die unberührte Natur Mecklenburg-Vorpommerns als Inspirationsquelle zu erleben.

Zwischen Geschichte und moderner Lebenskunst
Die Ostseeküste Mecklenburgs ist nicht nur ein Erholungsparadies, sondern auch ein Ort, an dem Vergangenheit und Gegenwart harmonisch ineinanderfließen. Historische Hansestädte treffen auf das entspannte Flair traditioneller Ostseebäder. Hier verbindet sich der Geist der Urgeschichte des Badens mit modernen Ideen von Selfcare und Workation – ein Zusammenspiel, das Körper und Geist gleichermaßen anspricht.

Ein Raum zum Träumen, Planen und Innehalten
Ob zum Träumen, für kreative Arbeitsimpulse oder einfach zum Innehalten – die natürliche Magie dieser Region inspiriert dazu, den Alltag hinter sich zu lassen. Die sanften Wellen, die sacht über den Sand hinwegfließen, bieten jedem Besucher die Möglichkeit, neue Kraft zu schöpfen, Lieblingsplätze zu entdecken und sich selbst wiederzufinden. Es ist ein Ort, an dem man Wurzeln schlagen und immer wieder gerne zurückkehren möchte.

Die Ostseeküste Mecklenburgs offenbart eine einzigartige Poesie, in der jede Welle, jeder Windhauch und jeder weite Horizont Geschichten von Ur-Anfängen und modernen Lebenswegen erzählt. Dieses beeindruckende Zusammenspiel von Natur und Kunst inspiriert nicht nur zum Träumen und Planen, sondern lädt auch dazu ein, sich auf eine tief berührende Reise einzulassen – eine Reise, bei der das Meer als Quelle der Ruhe und Erneuerung wirkt.

Wer die Ostseeküste betritt, erlebt weit mehr als nur Küstenlandschaft – er taucht ein in eine Symphonie aus Bildern und Worten, in der jede Berührung der Natur zu einem Vers in der großen Poesie des Lebens wird.

Zwischen Ost- und West-Flair – Die Zwiespältigkeit der Ost-Berliner Hotellerie

0

Im Herzen Ost-Berlins, gleich unweit des ehemaligen Bahnhofs Friedrichstraße, eröffnete im April 1977 das legendäre Metropol Hotel – eine Oase des Westflairs mitten in der sozialistischen Hauptstadt. Dieses Hotel galt lange als ein Schaufenster der DDR, in dem westlicher Luxus und ostdeutsche Strenge auf überraschend harmonische Weise miteinander verflochten waren.

Ein Schicksalsort der Gegensätze
Die Geschichte des Metropol Hotels liest sich wie ein Mikrokosmos der politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Spannungen jener Zeit. Gäste aus aller Welt, von bekannten Weststars wie Udo Jürgens und Nana Mouskouri bis hin zu hochrangigen Diplomaten und internationalen Geschäftsleuten, fanden hier einen Ort der Begegnung, an dem sie abseits der staatlich kontrollierten Mangelwirtschaft ein Stück „Leben wie im Westen“ genießen konnten. Diese exklusive Sphäre entstand unter der sorgsamen Aufsicht von DDR-beauftragten Managern, die mit den oft widersprüchlichen Anforderungen von Ost und West jonglieren mussten.

Im Dienste des Luxus
Helga Lindner, eine langjährige Mitarbeiterin in der Protokollabteilung des Metropol, erinnert sich an ihre Zeit in diesem ganz eigenen Mikrokosmos: „Es war, als ob wir auf einer Insel lebten, fernab vom Rest der DDR.“ In einem Hotel, in dem Wünsche – so ausgefallen sie auch sein mochten, wie zum Beispiel brauner Kandiszucker für den Tee – prompt erfüllt wurden, durfte die Realität des Alltags an den internationalen Besuchern kaum spürbar werden. Jedes Detail im Metropol war darauf ausgelegt, den Gästen ein rundum versöhntes Bild von ostdeutschem Wohlstand und Gastfreundschaft zu vermitteln.

Das unsichtbare Netzwerk der Devisen
Doch hinter dem Glanz und Glamour des Metropol verbergen sich auch weniger offensichtliche Facetten. Das Hotel fungierte als Drehscheibe im Netz der DDR-Devisenbeschaffung. Namen wie Alexander Schalk-Golodkowski tauchen immer wieder auf, wenn es um die diskrete Abwicklung von Geschäften zwischen Ost und West ging. Die Gäste profitierten von einem Service, der weit über das übliche Maß hinausging – eine Leistung, die es der sozialistischen Planwirtschaft ermöglichte, zumindest in diesem speziellen Mikrokosmos, dem westlichen Luxus ein Stückchen Leben einzuhauchen.

Ein Blick über den Tellerrand – Das Palasthotel
Parallel zum Metropol eröffnete das Palasthotel, gegenüber dem symbolträchtigen Palast der Republik, ein weiteres Kapitel der ostdeutschen Hotellerie. Auch hier wurde auf Exklusivität und Diskretion gesetzt. Wo das Metropol mit seinen prominenten Gästen und der grellen Welt des Westlifestyles brillierte, setzte das Palasthotel auf einen eher nüchternen, aber dennoch charmanten Anspruch. Der Kontrast zwischen beiden Häusern zeichnete ein vielschichtiges Bild der DDR, in dem der Versuch, westlichen Standard zu imitieren, in jeder Ecke der Hotellobby und im Personal zelebriert wurde.

Heute – Erinnerungen und Vermächtnisse
Auch Jahrzehnte nach der Wende fasziniert die Geschichte dieser Hotels immer noch. Sie erinnern an eine Zeit, in der Ost und West trotz unüberbrückbarer Differenzen in einem scheinbar unwahrscheinlichen Nebeneinander existierten. Die nostalgische Erinnerung an jene Tage lebt in den Berichten ehemaliger Mitarbeiter und Gäste weiter. Ihre Erinnerungen zeichnen ein Bild von Luxus, Geheimnissen und einer fast unwirklichen Welt, die es verstand, den Widerspruch von sozialistischer Planwirtschaft und westlichem Lebensstil kunstvoll miteinander zu verbinden.

Heute, wenn man an den Ort des einst pulsierenden Metropol Hotels oder des eleganten Palasthotels blickt, bleibt ein Hauch von Geschichte zurück – ein Mahnmal an eine Ära, in der das Streben nach Normals und das Bedürfnis nach Exklusivität Hand in Hand gingen. Dieser facettenreiche Blick zurück zeigt, wie ambitioniert die DDR war, sich trotz wirtschaftlicher Restriktionen ein Stück Lebensqualität zu sichern, und wie diese Bestrebungen letztlich den Weg in die Erinnerungskultur der deutschen Hauptstadt gefunden haben.