Wolfgang Rosenkötter erinnert sich an ein Jahr voller Angst. 1962 lebte er in der evangelischen Fürsorgeeinrichtung Freistatt. In der Deutschlandfunk-Sendung „Vergessen und vergeben?“ erzählt er von schwerer Arbeit im Moor, von Schlägen und dem Wunsch, fortzukommen. Seine Geschichte gehört zur Bundesrepublik. Auch dort konnten Einrichtungen, die Schutz versprachen, zu Orten der Gewalt werden.
Kirchliche, staatliche und private Träger betrieben die Heime. Jugendämter und weitere staatliche Stellen waren an Unterbringungen beteiligt; die Heimaufsicht sollte die Einrichtungen kontrollieren. Die Verantwortung lässt sich deshalb nicht auf einzelne Erzieher abschieben. Wer Kinder unterbrachte, Einrichtungen führte oder beaufsichtigte, musste für ihren Schutz sorgen.
Der Runde Tisch zur Heimerziehung stellte später vielfaches Unrecht fest. Zahlreiche Übergriffe verstießen bereits gegen damaliges Recht. Das ist wichtig, weil die Erklärung „So war Erziehung eben früher“ darüber hinweggeht. Auch damals gab es Grenzen, die Erwachsene überschritten, während Kinder kaum Möglichkeiten hatten, sich zu wehren.
Besonders schwer wiegt für mich das Versagen der Aufsicht. Nach den Feststellungen des Runden Tisches unterband sie die Rechtlosigkeit vieler Heimkinder nicht. Wer vor Gewalt schützen sollte, erfüllte seinen Auftrag nicht ausreichend. Ein christlicher Anspruch oder die Bezeichnung „Fürsorge“ waren keine Garantie dafür, dass die Würde eines Kindes im Alltag zählte.
Nicht jedes Heim war gleich, und nicht jeder Mitarbeiter übte Gewalt aus. Aber die Erfahrungen der Betroffenen verlangen mehr als den Hinweis auf engagierte Einzelne. Sie verlangen die Prüfung von Zuständigkeiten, Beschwerden und unterlassenem Eingreifen. Das Unrecht in westdeutschen Heimen besitzt sein eigenes Gewicht. Es aufzuarbeiten gehört zur Geschichte einer Demokratie, deren Schutzversprechen für viele Kinder hinter Heimtüren versagte.


80 Fahrradstellplätze für rund 1,3 Millionen Euro: Die neue Fahrradgarage an der Sächsischen Staatskanzlei in Dresden kostet rechnerisch etwa 16.250 Euro pro Platz. Nutzen dürfen sie ausschließlich Staatsbedienstete. Der Bund der Steuerzahler kritisiert das Projekt in seinem aktuellen Schwarzbuch als unangemessen teuer. Eine Summe, bei der ich eine nachvollziehbare Erklärung erwarte.
Trinkwasser kam auf einem Planwagen, gekocht wurde in einer Feldküche, gegessen im großen Speisezelt. So beschreibt die Chronik die Anfänge der Kindererholung am Hölzernen See 1949. Der Ferienort südlich von Berlin begann unter einfachen Bedingungen. Anfang 1950 erhielt die Siemens-Plania AG, der spätere VEB Elektrokohle Lichtenberg, den Auftrag, hier ein Kinderferienlager einzurichten.
Knapp 13 Kilometer Autobahn, rund 726 Millionen Euro veranschlagte Gesamtkosten, eine Inbetriebnahme frühestens 2030: Der Lückenschluss der A143 westlich von Halle zeigt, wie weit öffentliche Bauvorhaben von ihren ursprünglichen Versprechen abrücken können. Nach Angaben des Steuerzahlerbundes wurden 2004 noch etwa 151 Millionen Euro erwartet. Heute steht fast das Fünffache im Raum.
Als in den 1980er-Jahren Drachenflieger immer beliebter wurden, entstand bei einigen DDR-Bürgern eine gewagte Idee: Könnte ein Hängegleiter den Weg in den Westen ermöglichen? Was wie ein Abenteuer klang, war in Wirklichkeit ein lebensgefährlicher Fluchtplan.
Es passte in jede Jackentasche, wog fast nichts und war erstaunlich belastbar. Das Einkaufsnetz gehörte in der DDR zum Alltag wie der Haustürschlüssel oder das Portemonnaie. Wer unterwegs war, hatte es oft vorsorglich dabei – denn man wusste nie, wann es etwas zu kaufen gab.
Zum Leben in einer Plattenbausiedlung gehörte weit mehr als die eigene Wohnung. Das Ziel der DDR-Stadtplaner war es, ganze Wohnkomplexe zu schaffen, in denen die wichtigsten Einrichtungen des täglichen Lebens fußläufig erreichbar waren. Nicht alles funktionierte wie geplant – doch das Grundprinzip prägte den Alltag vieler Menschen.




