Es war ein symbolischer Schlussstrich, der noch vor der offiziellen Wiedervereinigung gezogen wurde: Am 5. Juni 1990 wurde das meterhohe, in Kupfer getriebene Staatswappen der DDR von der Hauptfassade des Palastes der Republik in Ost-Berlin abmontiert. Die erste frei gewählte Volkskammer hatte kurz zuvor beschlossen, die Hoheitszeichen der SED-Diktatur binnen Wochenfrist aus dem öffentlichen Raum zu tilgen. Das riesige Emblem, bestehend aus Hammer, Zirkel und Ährenkranz, wanderte ins Museum und hinterließ eine klaffende Leere an jenem Gebäude, das wie kein anderes für den Repräsentationsanspruch der ostdeutschen Führung gestanden hatte.
Doch das Verschwinden des Wappens war nur der Auftakt für eine viel radikalere, materielle Auslöschung. Der Palast, der seit 1976 als Sitz der Volkskammer und als luxuriöses Kulturhaus gedient hatte, wurde in den späten 1990er Jahren wegen massiver Asbestbelastung zunächst bis auf den Rohbauzustand entkernt. Vom einstigen Prunk im Inneren blieb faktisch nichts erhalten. Nach jahrelangen, hochgradig emotionalen und politischen Debatten besiegelte der Deutsche Bundestag schließlich den kompletten Abriss, der zwischen Februar 2006 und Dezember 2008 vollzogen wurde.
Was dann mit der Bausubstanz geschah, ist eine immense Ironie der jüngeren Wirtschaftsgeschichte. Der Palast war als erster freitragender Stahlskelettbau der DDR errichtet worden. Beim systematischen Rückbau fielen gigantische 19.300 Tonnen hochwertigen Stahls und Eisens an. Dieses Material wurde nicht etwa als historisches Relikt für die Nachwelt bewahrt, sondern der globalen, profanen Verwertungsmaschinerie zugeführt: Der Stahl wurde eingeschmolzen und weltweit auf dem Markt veräußert. Ein Teil davon landete im Nahen Osten und stützt heute den Burj Khalifa in Dubai, das höchste Gebäude der Welt. Ein anderer, beträchtlicher Teil wurde vom Volkswagen-Konzern aufgekauft und für die Produktion von Motorblöcken des Erfolgsmodells VW Golf VI verwendet. Die totale Desintegration der sozialistischen Architektur endete somit unsichtbar auf bundesdeutschen Autobahnen und in arabischen Luxusmetropolen. Das einst unantastbare Machtzentrum hat sich im wahrsten Sinne des Wortes in alle Winde verflüchtigt.


Die außenpolitische Funktion des Sports in der DDR entwickelte sich früh zu einem eigenständigen, strategisch eingesetzten Instrument staatlicher Außenpolitik. In einer Phase begrenzter völkerrechtlicher Anerkennung nutzte die politische Führung sportliche Kontakte gezielt, um internationale Beziehungen aufzubauen und diplomatische Präsenz herzustellen. In der Forschung wird dieses Vorgehen häufig als „Turnschuhdiplomatie“ beschrieben – eine Form indirekter Außenpolitik, die über sportliche Kooperationen politische Annäherung ermöglicht.
Der neue Arbeitsplatz war da – nur die eigene Vergangenheit passte nicht mehr hinein. Was gestern noch Qualifikation war, tauchte heute in keinem Formular mehr auf.
Die absolute Sicherheit auf ostdeutschen Straßen beginnt mit einer mathematischen Gleichung des Mangels: 100 auf der Autobahn, 80 über Land, null Promille im Blut. Wer damals über eine Landstraße rollt, fährt oft auf billigem Asphalt, weil der Staat das intakte Granitpflaster herausgerissen und für Devisen in den Westen verkauft hat. Ein irritierendes Detail, das den Blick auf das vermeintlich so simple Tempolimit sofort verändert.
Das Erzgebirge verneigt sich vor einem seiner größten Helden: Holger Erler, der legendäre Mittelfeldstratege von Wismut Aue, hat seinen 75. Geburtstag gefeiert. Als prägende Figur des DDR-Fußballs wird er bis heute verehrt und verkörpert wie kaum ein anderer die ehrlichen Tugenden des Kumpelvereins.
Der Sport in der Deutschen Demokratischen Republik war weit mehr als ein gesellschaftliches Freizeitangebot oder ein Feld individueller Selbstverwirklichung. Von Beginn an wurde er als integraler Bestandteil staatlicher Strategie verstanden und entsprechend politisch aufgeladen. Bereits die Verfassung der DDR verankerte die Förderung der Körperkultur als staatliche Aufgabe – ein Hinweis darauf, welche Bedeutung dem Sport im System zukam.
Im Juni 1946 erschien erstmals die Monatsschrift „Einheit“. Herausgegeben vom Zentralkomitee der SED, verstand sich das Blatt als Organ für Theorie und Praxis des wissenschaftlichen Sozialismus. In einer Zeit politischer Neuordnung nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs sollte die Zeitschrift Orientierung geben – und zugleich eine verbindliche ideologische Linie vorgeben. Für die rasch wachsende Parteiorganisation wurde „Einheit“ zu einem zentralen Instrument politischer Schulung.
Körper unter Kontrolle – Das SchwangerschaftsverbotDie Geschichte der vietnamesischen Vertragsarbeiterinnen in der DDR ist untrennbar mit einem dunklen Kapitel staatlicher Repression verbunden: dem strikten Verbot von Schwangerschaft und Mutterschaft. In den bilateralen Abkommen von 1980 war explizit festgelegt, dass der Aufenthalt in der DDR rein zweckgebunden auf die Arbeitsleistung fokussiert war. Eine Schwangerschaft galt den Funktionären als unmittelbare „Störung des Produktionsprozesses“ und war mit den strengen vertraglichen Pflichten unvereinbar. Für die betroffenen Frauen bedeutete dies eine unvorstellbar grausame Wahl: Entweder sie ließen einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen, oder sie wurden umgehend in die Sozialistische Republik Vietnam abgeschoben.
Die kleine Ladentür klingelte fast jedes Mal, wenn jemand eintrat. Ein kurzes, helles Geräusch, das im ganzen Raum zu hören war. Hinter dem Tresen standen die Verkäuferinnen, die viele Kunden längst beim Namen kannten. Manche Menschen kamen fast täglich vorbei – auf dem Heimweg von der Arbeit, nach der Schule oder einfach, weil noch etwas fehlte: ein Brot, eine Flasche Milch, ein Stück Butter oder ein paar Bonbons für die Kinder.
Der April 1946 markiert einen entscheidenden politischen Wendepunkt in der sowjetischen Besatzungszone. Am 21. und 22. April fand im Admiralspalast in Ost-Berlin der Vereinigungsparteitag von KPD und SPD statt. Dort wurden Wilhelm Pieck und Otto Grotewohl als gleichberechtigte Vorsitzende der neuen Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) gewählt.