Die Geschichte der Staatssicherheit beginnt nicht mit Erich Mielke als Minister. Als das MfS im Februar 1950 gegründet wurde, übernahm Wilhelm Zaisser die Leitung. Der frühere Volksschullehrer, Jahrgang 1893, hatte bereits eine lange Laufbahn als kommunistischer Funktionär hinter sich. Er war für den sowjetischen Militärnachrichtendienst tätig gewesen und hatte im Spanischen Bürgerkrieg unter dem Namen „General Gómez“ internationale Einheiten geführt. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland 1947 übernahm er leitende Polizei- und Regierungsämter. 1950 gehörte er auch dem SED-Politbüro an.
Unter Zaisser entstand ein Sicherheitsapparat, der politische Gegner verfolgte und die Herrschaft der SED absicherte. Doch die Staatssicherheit von 1953 war noch nicht der flächendeckend ausgebaute Apparat späterer Jahrzehnte. Ein systematisches Berichtswesen über die Stimmung der Bevölkerung fehlte. Der Volksaufstand im Juni traf die Führung unvorbereitet. Das bedeutete keineswegs, dass das MfS untätig blieb: Es beteiligte sich an der massenhaften Verhaftung von Aufständischen. Anschließend warf die Parteiführung dem Dienst vor, die Erhebung weder rechtzeitig erkannt noch angemessen auf sie reagiert zu haben.
Im Machtkampf nach dem Aufstand verlor Zaisser seine Position. Walter Ulbricht setzte sich durch; Zaisser und der Chefredakteur des „Neuen Deutschlands“, Rudolf Herrnstadt, wurden als Sündenböcke aus der Parteiführung entfernt. Zaisser verlor sein Ministeramt, 1954 folgte der Ausschluss aus der SED. Er arbeitete anschließend als Übersetzer und starb 1958. Sein Sturz machte ihn nicht zum Gegner politischer Repression. Er zeigt vielmehr, wie selbst ein Mitbegründer des Sicherheitsapparates im Machtkampf seiner Partei entmachtet werden konnte.


Wer an die Stasi denkt, denkt häufig zuerst an Erich Mielke. Doch ein Minister allein konnte keinen Überwachungsapparat aufbauen und jahrzehntelang führen. Dazu brauchte es Stellvertreter, Hauptabteilungsleiter und Bezirkschefs. Menschen, die Personal auswählten, Aufgaben verteilten und die politische Linie in konkrete Anweisungen übersetzten. Wer verstehen will, wie die Staatssicherheit funktionierte, muss deshalb auch hinter den bekanntesten Namen schauen.
Die Straßenbahn hält vor den Wohnblöcken, Menschen kommen mit Einkaufstaschen, Kinder gehen durch die Grünanlagen. Eine Aufnahme von 1981 zeigt das erste Marzahner Wohngebiet bereits als belebten Stadtteil. Ende 1977 waren die ersten Mieter in die Neubauten an der Marchwitzastraße eingezogen. Nach und nach kamen wichtige Einrichtungen hinzu: 1979 wurde die Poliklinik am Helene-Weigel-Platz fertig, 1981 eröffnete das Kino „Sojus“. Zwischen den Häusern entstand eine neue Alltagswelt. Für die Bewohner wurde aus einer Baustelle ein vertrauter Ort mit eigenen Wegen und Treffpunkten.
Er trägt Hut, hat eine Knubbelnase und geht mit großen Schritten voran. Bei Rot breitet er die Arme aus: Hier bleiben Sie stehen! Das Ostampelmännchen gehört zu den bekanntesten Gestaltungen aus der DDR. Am 13. Oktober 2026 jährte sich die Vorstellung seiner Entwürfe zum 65. Mal. Der Verkehrspsychologe Karl Peglau hatte seine Vorschläge am 13. Oktober 1961 eingereicht. Bis zum ersten Einsatz vergingen allerdings acht Jahre: 1969 leuchteten die Figuren an der Berliner Kreuzung Unter den Linden/Friedrichstraße.
Rosemarie Teuber begann 1965 als Erzieherin zu arbeiten. Wenn sie über den Alltag in ihrer DDR-Kinderkrippe spricht, stehen für sie die Kinder im Mittelpunkt: spielen, draußen sein, Geborgenheit vermitteln und die Eltern einbeziehen. Die Kinder seien behütet gewesen. Politisch seien sie in ihrer Einrichtung „in keiner Weise belästigt worden“. Im Kindergarten habe sie das damals anders wahrgenommen.
Der Staat darf unter gesetzlichen Voraussetzungen heimlich in Smartphones und Computer eindringen. Doch wie häufig passiert das? Eine Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken nennt für den Generalbundesanwalt 2024 acht Ermittlungsverfahren mit Quellen-Telekommunikationsüberwachung und zwei mit Online-Durchsuchungen. Das sind Verfahrenszahlen aus einem bestimmten Zuständigkeitsbereich, keine Gesamtbilanz aller deutschen Behörden.
Wolfgang Rosenkötter erinnert sich an ein Jahr voller Angst. 1962 lebte er in der evangelischen Fürsorgeeinrichtung Freistatt. In der Deutschlandfunk-Sendung „Vergessen und vergeben?“ erzählt er von schwerer Arbeit im Moor, von Schlägen und dem Wunsch, fortzukommen. Seine Geschichte gehört zur Bundesrepublik. Auch dort konnten Einrichtungen, die Schutz versprachen, zu Orten der Gewalt werden.
80 Fahrradstellplätze für rund 1,3 Millionen Euro: Die neue Fahrradgarage an der Sächsischen Staatskanzlei in Dresden kostet rechnerisch etwa 16.250 Euro pro Platz. Nutzen dürfen sie ausschließlich Staatsbedienstete. Der Bund der Steuerzahler kritisiert das Projekt in seinem aktuellen Schwarzbuch als unangemessen teuer. Eine Summe, bei der ich eine nachvollziehbare Erklärung erwarte.
Trinkwasser kam auf einem Planwagen, gekocht wurde in einer Feldküche, gegessen im großen Speisezelt. So beschreibt die Chronik die Anfänge der Kindererholung am Hölzernen See 1949. Der Ferienort südlich von Berlin begann unter einfachen Bedingungen. Anfang 1950 erhielt die Siemens-Plania AG, der spätere VEB Elektrokohle Lichtenberg, den Auftrag, hier ein Kinderferienlager einzurichten.
Knapp 13 Kilometer Autobahn, rund 726 Millionen Euro veranschlagte Gesamtkosten, eine Inbetriebnahme frühestens 2030: Der Lückenschluss der A143 westlich von Halle zeigt, wie weit öffentliche Bauvorhaben von ihren ursprünglichen Versprechen abrücken können. Nach Angaben des Steuerzahlerbundes wurden 2004 noch etwa 151 Millionen Euro erwartet. Heute steht fast das Fünffache im Raum.