Die Nationale Volksarmee der DDR wurde jahrzehntelang als reines Verteidigungsinstrument und Gegenentwurf zur westdeutschen Bundeswehr inszeniert. Ein Blick in die historischen Akten und hinter die Mauern verlassener Bunkeranlagen offenbart jedoch eine andere Geschichte. Jenseits der offiziellen Friedenspropaganda existierten detaillierte Angriffspläne, eine tiefgreifende Überwachung durch die Staatssicherheit und eine personelle Kontinuität zur Wehrmacht, die dem antifaschistischen Gründungsmythos des Staates widersprach.
Die Gründung der Nationalen Volksarmee (NVA) am 18. Januar 1956 markierte einen entscheidenden Schritt in der Militarisierung der deutschen Teilung. Nur wenige Wochen nach der Aufstellung der Bundeswehr im Westen formierte sich im Osten eine Streitmacht, die fest in den Warschauer Pakt integriert wurde. Während die Propaganda der Sozialistischen Einheitspartei (SED) die NVA als „Armee des Volkes“ und Bollwerk gegen den Imperialismus darstellte, zeigen historische Analysen ein komplexeres Bild. Der Staat, der sich „Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus“ auf die Fahnen geschrieben hatte, stand vor dem pragmatischen Problem, militärisches Fachwissen zu benötigen. Dies führte zu Personalentscheidungen, die lange Zeit verschwiegen wurden und das Selbstverständnis der DDR als moralisch überlegener deutscher Staat untergruben.
Ein zentraler Widerspruch in der Historie der NVA liegt in ihrer personellen Besetzung während der Aufbaujahre. Obwohl die DDR offiziell behauptete, im Gegensatz zur Bundesrepublik keine ehemaligen Nationalsozialisten in Führungspositionen zu dulden, griff auch die NVA auf die Expertise ehemaliger Wehrmachtsoffiziere zurück. Ein exemplarisches Schicksal ist das von Generalleutnant Vinzenz Müller. Der ehemalige Wehrmachtsgeneral, der an der Ostfront diente, machte in der DDR eine steile Karriere bis zum Stellvertreter des Verteidigungsministers. Sein späterer Fall in Ungnade und sein Suizid im Jahr 1961 wurden von den staatlichen Medien weitestgehend ignoriert. Diese Biografien verdeutlichen, dass ideologische Reinheit oft hinter militärischer Effizienz zurückstehen musste.
Hinter den Kulissen der Kasernen und Ministerien wurde zudem eine Strategie verfolgt, die der offiziellen Verteidigungsdoktrin diametral entgegenstand. Streng geheime Operationspläne für den sogenannten „Tag X“ sahen vor, dass ostdeutsche Verbände im Ernstfall nicht nur verteidigen, sondern offensiv in Richtung Westen vorstoßen sollten. Die Szenarien kalkulierten den Einsatz von taktischen Nuklearwaffen fest ein. Das operative Ziel war ambitioniert: Innerhalb von drei bis fünf Tagen sollte die niederländische Grenze erreicht sein, in 45 Tagen die Pyrenäen. Diese Planungen basierten auf der sowjetischen Militärdoktrin, die vorsah, einen gegnerischen Angriff durch massive Gegenschläge auf dessen Territorium zu beantworten und dort zu entscheiden. Erst Mitte der 1980er Jahre erfolgte hier ein strategisches Umdenken hin zu einer defensiveren Ausrichtung.
Neben der militärischen Außenwirkung war die NVA auch ein Ort intensiver innerer Kontrolle. Das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) unterhielt mit der „Verwaltung 2000“ einen eigenen Apparat zur Überwachung der Streitkräfte. Über 2.400 hauptamtliche Mitarbeiter und ein Netz aus über 10.000 Inoffiziellen Mitarbeitern sorgten für ein Klima des Misstrauens. Die sogenannten „V-Nuller“ trugen Uniformen der NVA, besaßen jedoch weitreichende Sonderbefugnisse und agierten außerhalb der regulären militärischen Hierarchie. Diese totale Überwachung sollte politische Unzuverlässigkeit im Keim ersticken und führte dazu, dass Kameradschaft oft nur unter Vorbehalt möglich war. Wer aus der Reihe tanzte oder Fluchtgedanken hegte, riskierte harte Strafen im Militärgefängnis Schwedt.
Gleichzeitig agierte die DDR militärisch globaler, als es der breiten Öffentlichkeit bekannt war. In Prora auf Rügen unterhielt der Staat eine geheime Ausbildungsstätte für ausländische Kader. Tausende Militärs aus Staaten wie Vietnam, Äthiopien oder Palästinensern der PLO durchliefen hier Trainingsprogramme. Auch technologisch versuchte die DDR, eigene Akzente zu setzen, etwa mit der Multispektralkamera MKF-6 von Carl Zeiss Jena, die sowohl zivile Erdbeobachtung als auch militärische Aufklärung ermöglichte. Parallel dazu verschlang ein gigantisches Bunkerprogramm über eine Milliarde DDR-Mark, um der Führung im Falle eines Atomkrieges das Überleben zu sichern.
Mit dem Ende der DDR 1989/90 löste sich auch die NVA auf. Trotz der massiven Aufrüstung und der harten Drill-Methoden blieb sie die einzige deutsche Armee des 20. Jahrhunderts, die nie einen Krieg führte. Die friedliche Revolution und die Weigerung der Soldaten, gegen das eigene Volk vorzugehen, markierten das Ende einer Ära. Was bleibt, sind verfallende Bunkeranlagen, Akten über offensive Kriegspläne und die Erkenntnis, dass die Realität des Kalten Krieges oft weit entfernt von den offiziellen Verlautbarungen stattfand.


Die Region um Bitterfeld und Wolfen galt über Jahrzehnte als das industrielle Herz der DDR-Chemieindustrie. Hier konzentrierte sich die Produktion von Grundstoffen, die für die Binnenwirtschaft wie für den Export gleichermaßen unverzichtbar waren. Die Schornsteine der Kombinate prägten nicht nur die Silhouette der Landschaft, sondern definierten auch den Alltag der dort lebenden Menschen. Über hundert Jahre Industriegeschichte hatten eine Struktur geschaffen, in der Arbeit und Leben untrennbar mit den chemischen Prozessen verwoben waren, die hinter den Werkszäunen abliefen.
Der Physiker Manfred von Ardenne gilt als eine der schillerndsten Figuren der deutschen Wissenschaftsgeschichte des 20. Jahrhunderts. Sein Weg führte von der privaten Forschungsvilla im Berlin der Weimarer Republik über die sowjetische Atomforschung am Schwarzen Meer bis hin zum Status eines staatlich geförderten Großunternehmers in der DDR.
Es gibt diese Tage, da scrollt man durch seinen Facebook-Feed und bleibt an einem Bild hängen, das so warm und weich leuchtet wie ein gut geheizter Kachelofen. Lachende Kinder, bunte Holzklötze, eine Erzieherin mit Engelsgeduld. Darunter der Text: „Erinnert ihr euch noch? In der DDR war der Kindergartenplatz kein Lottogewinn, sondern eine Selbstverständlichkeit.“
Der Verkauf zentraler touristischer Infrastrukturen am Fichtelberg markiert eine historische Zäsur für den höchsten Gipfel Sachsens und wirft ein Schlaglicht auf den Strukturwandel im Erzgebirge.
Im Frühjahr 1990 suchte die Nachfolgepartei der SED in einer radikal veränderten politischen Landschaft nach einer neuen Rolle, die zwischen totaler Ablehnung und der Hoffnung auf Stabilität schwankte.
Ein Verwaltungsakt in Leipzig erklärte eine der bekanntesten DDR-Rockbands für nicht mehr existent.
Eine Analyse der Programmzeitschrift aus dem März 1988 offenbart Strukturen des medialen Alltags zwischen Schichtarbeit und Unterhaltung.
Der häufig geäußerte Satz, früher sei es sicherer gewesen, beschreibt oft weniger eine politische Haltung als vielmehr das Erinnern an einen vollständig anderen Lebensrhythmus.
In einer speziellen Einrichtung an der Elbe sollte der Staat zwischen 1964 und 1989 die Persönlichkeit widerständiger Jugendlicher brechen und neu formen.