Die Stichwahlen per Brief für die OB Wahl starten in Jena

Jena. Für die Stichwahlen zur Kommunalwahl werden ab Donnerstag die Briefwahlunterlagen versendet. Das betrifft die Stichwahl zum Oberbürgermeister oder zur Oberbürgermeisterin und zu den Ortsteilbürgermeistern und Ortsteilbürgermeisterinnen in den Ortsteilen Jena-Süd, Jena-Nord, Jena-West, Jena-Zentrum, Neulobeda und Wenigenjena. Die Beantragung ist noch bis zum 5. Juni möglich, online nur bis zum 3. Juni. Die Briefwahlunterlagen müssen so zurückgeschickt werden, dass sie der Stadt am Freitag, 7. Juni, zugestellt werden können. Bis Samstag, 8. Juni, 24.00 Uhr können sie in den Fristenbriefkasten der Stadt eingeworfen werden. Am Wahlsonntag können die Briefe in der Wahlzentrale bis spätestens 18.00 Uhr am Engelplatz 1 abgegeben werden.

Briefwahlunterlagen können auch im Briefwahlbüro am Engelplatz (zwischen Bürgerservice und Ernst-Abbe-Bücherei) persönlich beantragt werden, hier bis Freitag, 7. Juni. Ab Donnerstag kann auch hier neben der Europawahl für die Stichwahlen sofort gewählt werden. Das Briefwahlbüro ist montags und freitags von 8.30 bis 13.00 Uhr, dienstags von 8.30 bis 18.00 Uhr, mittwochs von 9.00 bis 13.00 Uhr und donnerstags von 8.30 bis 16.00 Uhr geöffnet. Am Freitag, 7. Juni, ist das Briefwahllokal bis 18 Uhr geöffnet.

Der Wahlausschuss hat am Dienstagabend die vorläufigen Ergebnisse der Kommunalwahl bestätigt. Somit liegen jetzt die amtlichen Endergebnisse vor:

CDU geht als stärkste Kraft aus der Stadtratswahl hervor

Aus der Stadtratswahl ist die CDU mit 16,9 Prozent der Stimmen als stärkste Kraft hervorgegangen. Auf Platz zwei folgt mit 16,8 Prozent die LINKE. Die Grünen erreichten 15,2 Prozent. Es folgen die AfD mit 13,4 Prozent, die SPD mit 13 Prozent und die FDP mit 9 Prozent. Die Bürger für Jena konnten 6,9 Prozent der Stimmen gewinnen, die Volt-Partei 5,2 Prozent, die Bürger für Thüringen 1,9 und die freien Wähler 1,6 Prozent.

Damit erhalten CDU und LINKE jeweils acht der insgesamt 46 Sitze im Jenaer Stadtrat. Sieben Sitze sind es für die Grünen und jeweils sechs für SPD und AfD. Die FDP erhält vier Sitze, die Bürger für Jena drei, die Volt-Partei zwei und die Bürger für Thüringen sowie die freien Wähler jeweils einen Sitz.

Die Wahlbeteiligung lag bei 63 Prozent und war damit nahezu identisch mit der im Jahr 2019 als sie bei 63,1 Prozent lag. 82.605 Bürgerinnen und Bürger waren wahlberechtigt, 52.054 von ihnen nutzten ihr Wahlrecht. 17.864 Stimmberechtigte nutzten die Briefwahl. 1.521 Stimmen wurden als ungültig gewertet. Insgesamt gab es 150.726 gültige Stimmen (jeder Wähler hatte bei der Wahl des Stadtrates drei Stimmen).

Oberbürgermeister oder Oberbürgermeisterin? Stichwahl zwischen Dr. Thomas Nitzsche und Kathleen Lützkendorf

Noch steht nicht fest, wer Jenas Oberbürgermeister oder Oberbürgermeisterin wird. Amtsinhaber Dr. Thomas Nitzsche (FDP) erreichte 25,3 Prozent der Stimmen, Kathleen Lützkendorf von den Grünen kam auf 15,4 Prozent. Zwischen ihnen findet am 9. Juni – zusammen mit der Europawahl – eine Stichwahl statt. Jeder Stimmberechtigte hat eine Stimme. Wer die meisten der abgegebenen gültigen Stimmen auf sich vereint, gewinnt die Wahl.

Zur Wahl des Oberbürgermeisters waren insgesamt sieben Kandidaten und eine Kandidatin angetreten. Jens Thomas (LINKE) landete mit 13,4 Prozent der Stimmen auf dem dritten Platz. Danny Jankowski (AfD) erreichte 12,7 Prozent, Dr. Stephan Wydra (CDU) 12,1 Prozent, Johannes Schleußner (SPD) 11,7 Prozent, Ulf Weißleder (Bürger für Jena) 7,5 Prozent und Peter Gutjahr (parteilos) 1,9 Prozent.

Sechs Stichwahlen um den Ortsteilbürgermeister / die Ortsteilbürgermeisterin

In den meisten Ortsteilen von Jena steht bereits fest, wer Ortsteilbürgermeister oder Ortsteilbürgermeisterin wird. Einige von ihnen wurden am Sonntag mit großer Mehrheit gewählt. In sechs Ortsteilen schaffte es jedoch kein Kandidat und keine Kandidatin, mehr als 50 Prozent der Stimmen zu erreichen. Der Erstplatzierte und der zweitstärkste Kandidat müssen am 9. Juni zur Stichwahl antreten. Hier gewinnt – wie bei der Oberbürgermeisterwahl – wer die meisten der abgegebenen gültigen Stimmen auf sich vereint.

In Jena-Nord
 erzielten Dr. Vietze, Christoph (SPD) 49,8 Prozent und Felix Osterloh (DIE LINKE) 24,2 Prozent der Stimmen.

In Jena-Süd erreichte Christina Prothmann (GRÜNE) 32 Prozent, Dr. Beate Jonscher (DIE LINKE) 21,3 Prozent.

In Jena-West gingen 30,4 Prozent der Stimmen an Dr. Christoph Nonnast und 25,5 Prozent an Jens Thomas (DIE LINKE).

In Jena-Zentrum gaben 49,1 Prozent der Wählerinnen und Wähler ihre Stimme an Cornelia Förster (GRÜNE) und 20,7 Prozent an Katja Funke-Schreinert.

In Neulobeda erzielte Volker Blumentritt (SPD) 49,2 Prozent und Konstantin Freuer (CDU) 25,8 Prozent.

In Wenigenjena erreichte Bastian Stein (CDU) 40,4 Prozent und  Dr. Franz , Margret (GRÜNE) 27,8 Prozent.

In diesen Ortsteilen sind die Bürgerinnen und Bürger aufgefordert, am 9. Juni noch einmal an die Wahlurne zu gehen.

Wie geht es nach der Stichwahl weiter?

Am 19. Juni findet die konstituierende Sitzung des Stadtrats statt. Am 20. Juni werden die neu- und wiedergewählten Ortsteilbürgermeisterinnen und -bürgermeister vereidigt. Am 1. Juli ist der Amtsantritt des Oberbürgermeisters oder der Oberbürgermeisterin.

Alle Ergebnisse im Überblick finden Sie hier:
https://wahlen.jena.de/de

Das System der kollektiven Erziehung in der DDR und seine Folgen

FACEBOOK-TEASER A) PROFIL Hook: Wer sich an die eigene Kindheit in der DDR erinnert, hat oft sofort den Geruch von Bohnerwachs in der Nase und das Bild der blauen Halstücher vor Augen. Der Staat war der unsichtbare Dritte am Abendbrottisch, und seine Institutionen prägten den Rhythmus des Alltags lange bevor man das Wort Ideologie buchstabieren konnte. Es war eine Kindheit, die in einem engen Korsett stattfand, das viele als Halt und andere als Fessel empfanden. Die Organisation des Lebens begann nicht erst mit der Schule, sondern bereits in der Krippe, wo der Tagesablauf synchronisiert war und das "Ich" Pause hatte, während das "Wir" den Takt vorgab. Diese Erfahrung einer totalen Verplanung bot eine Sicherheit, die man im Westen so nicht kannte, verlangte aber im Gegenzug eine ständige Anpassung an die Norm. Besonders prägend war das Erlernen einer doppelten Sprache. Kinder verstanden früh, dass es zwei Welten gab: die private Welt der Familie, in der man offen sprach, und die öffentliche Welt der Schule und der Pioniere, in der bestimmte Sätze erwartet wurden. Diese Schizophrenie des Alltags schulte das Gespür für Nuancen und lehrte eine Vorsicht, die tief sitzt. Man funktionierte in den Strukturen, sang die Lieder und stand beim Appell stramm, oft ohne die Inhalte wirklich zu glauben. Es entstand eine Distanz zwischen der offiziellen Fassade und dem inneren Erleben. Wenn man heute auf diese Bildungswege schaut, wird die Ambivalenz deutlich. Die fachliche Bildung war solide, die soziale Durchlässigkeit hoch, doch der Preis war die Unterordnung unter ein militärisch organisiertes Kollektiv, das Abweichung pathologisierte. Die Generation, die in diesen Strukturen groß wurde, ist heute erwachsen und prägt die Gesellschaft mit einer spezifischen Haltung. Sie ist oft pragmatischer, krisenfester, aber auch skeptischer gegenüber Autoritäten, die Gehorsam einfordern. Die Spuren dieser Erziehung sind nicht verschwunden, sondern haben sich in die Biografien eingeschrieben als eine Erfahrung von Grenzen und deren Überschreitung. B) SEITE 1 (Kontext) Hook: Das Bildungssystem der DDR war weit mehr als nur Wissensvermittlung, es war ein durchorganisierter Zugriff auf die Ressource Mensch. Um die Strukturen der DDR-Erziehung zu verstehen, muss man den Blick von der Pädagogik hin zur Ökonomie lenken. Der chronische Arbeitskräftemangel zwang den Staat dazu, Frauen fast vollständig in den Erwerbsprozess zu integrieren, was einen massiven Ausbau der Kinderbetreuung notwendig machte. Diese Notwendigkeit wurde zur Tugend erklärt und bot der Staatsführung die Chance, die nächste Generation ab dem Kleinkindalter im Sinne der sozialistischen Ideologie zu formen. Krippe und Kindergarten waren keine bloßen Verwahranstalten, sondern der Beginn einer gezielten Kaderentwicklung. Die Effizienz dieses Systems zeigte sich in der Standardisierung aller Lebensbereiche. Vom gemeinsamen Topfsitzen in der Krippe bis zur Berufsberatung, die Lücken im Volkswirtschaftsplan füllte, war der Weg vorgezeichnet. Die Schule diente dabei nicht der Entfaltung individueller Talente, sondern der Produktion nützlicher Glieder der Gesellschaft. Wer sich diesem utilitaristischen Ansatz entzog oder politisch auffiel, spürte die Härte des Systems durch verwehrte Bildungschancen. Sicherheit gab es nur für jene, die auf den vorgegebenen Schienen blieben. C) SEITE 2 (pointiert, ruhig) Hook: Die Synchronisation der körperlichen Bedürfnisse in den DDR-Krippen sparte Zeit, lehrte aber vor allem eine frühe Lektion über das Verhältnis von Individuum und Kollektiv. Was aus heutiger Sicht oft befremdlich wirkt, folgte einer klaren inneren Logik des Systems. Wenn eine Erzieherin für eine große Gruppe von Kleinkindern zuständig war, musste der Tagesablauf wie ein Uhrwerk funktionieren. Das Individuum störte im Betriebsablauf, während die Gruppe die Norm setzte. Diese frühe Gewöhnung an den Rhythmus der anderen war der erste Schritt in eine Gesellschaft, die das "Wir" über alles stellte und das "Ich" oft als bürgerliches Relikt betrachtete. Die Mechanismen dieser Prägung wirken in den sozialen Gewohnheiten vieler Menschen leise nach.