Tag der offenen Tür in der Musik- und Kunstschule Jena

Jena. Die Musik- und Kunstschule Jena öffnet am Samstag, den 4. Mai, von 10 bis 16 Uhr ihre Türen für Interessierte aller Altersgruppen. Besucher sind eingeladen, die vielfältigen musikalischen und künstlerischen Angebote sowohl im Hauptgebäude als auch in der Außenstelle Lobeda-Ost zu erkunden.

Der Startschuss fällt um 10 Uhr mit einer musikalischen Darbietung des Blechbläserensembles. Danach stehen den Gästen die Türen offen, um unter Anleitung erfahrener Pädagoginnen und Pädagogen eine Vielzahl an Instrumenten, darunter auch seltene wie das Alphorn oder das Barockcello, auszuprobieren. Zusätzlich gibt es Einblicke in den Gesangsunterricht und Informationen zu Kooperationsprojekten wie Bläser- oder Streicherklassen mit lokalen Gymnasien. Geigenbaumeister Holger Krupke wird ebenfalls wieder vor Ort sein, um über Instrumentenanschaffung und -pflege zu beraten.

Mittags locken diverse Konzerte mit Musik aus Klassik und Pop sowie Tanz- und Früherziehungsvorführungen. Für das leibliche Wohl sorgt der Freundeskreis der Musik- und Kunstschule Jena e.V. und das Jugendsinfonieorchester der Schule.

Nachmittags gibt es noch vereinzelt freie Schnuppertermine für verschiedene Instrumente und kreative Mitmachangebote wie eine Druckwerkstatt und Steine bemalen sowie verschiedene musikalische Früherziehungsangebote. Auch Tanzinteressierte können sich am Nachmittag informieren und eine Probestunde vereinbaren. Am Nachmittag hat man auch die Gelegenheit bei zwei neuen Angeboten der Schule zu schnuppern: beim offenen Inklusionsprojekt können Menschen unterschiedlichen Alters und unabhängig von ihren Voraussetzungen gemeinsam musizieren. Wer lernen möchte wie elektronische Klänge und Musik erzeugt werden, kann an diesem Tag erste Eindrücke gewinnen und sich vielleicht für dieses neue Unterrichtsfach ab dem neuem Schuljahr entscheiden.

Die Musik- und Kunstschule Jena freut sich darauf, zahlreiche neue Gesichter zu begrüßen und einen Tag voller kreativer Entdeckungen zu bieten. Für weitere Informationen besuchen Sie bitte unsere Webseite oder kontaktieren Sie uns direkt. www.mks-jena.de

Grabowsee: Vom Tuberkulose-Sanatorium zum sowjetischen Militärlazarett

Die Heilstätte Grabowsee als Spiegel der Systembrüche des 20. Jahrhunderts HOOK: Über 47 Jahre lang war die Heilstätte Grabowsee ein hermetisch abgeriegeltes Areal. Die Geschichte des Ortes erzählt exemplarisch von der Transformation medizinischer Einrichtungen durch politische Systeme und dem schwierigen Erbe der Besatzungszeit. BLOG-TEXT: Die architektonische Anlage am Grabowsee bei Oranienburg gilt als ein bedeutendes Zeugnis der Medizingeschichte. Gegründet 1896 vom Deutschen Roten Kreuz, war sie eine Antwort auf die Tuberkulose-Epidemie der Industrialisierung. Die Pavillonbauweise ermöglichte eine strikte Trennung der Patienten und maximale Frischluftzufuhr. Doch die ursprüngliche humanitäre Ausrichtung der Volksheilstätte wurde im Laufe des 20. Jahrhunderts mehrfach überschrieben. Nach der Nutzung als Wehrmachtslazarett übernahmen 1945 die sowjetischen Streitkräfte das Gelände. Diese Zäsur prägte den Ort nachhaltiger als jede vorangegangene Epoche. Bis zum Truppenabzug 1992 blieb Grabowsee eine sowjetische Insel inmitten der DDR. Die strengen Sicherheitsvorkehrungen und die absolute Isolation schufen eine Distanz zwischen den Besatzern und der lokalen Bevölkerung, die symptomatisch für viele sowjetische Liegenschaften in Ostdeutschland war. Während im Inneren ein russischsprachiger Alltag mit eigener Versorgung und Kultur stattfand, blieben die Vorgänge für Außenstehende undurchsichtig. Deutsche Angestellte, die als Hilfskräfte tätig waren, berichteten von einer strengen Hierarchie und einem strikten Redeverbot über interne Abläufe. Nach 1992 hinterließen die abziehenden Truppen nicht nur leerstehende Gebäude, sondern auch kulturelle Spuren wie Wandmalereien und Propaganda, die sich heute mit dem verfallenden Jugendstil mischen. Dieser Palimpsest der Geschichte macht den besonderen Reiz, aber auch die Schwierigkeit des Ortes aus. Der heutige Zustand ist geprägt von Vandalismus und natürlichem Verfall. Die Debatte um die Zukunft von Grabowsee verdeutlicht das generelle Problem im Umgang mit solchen Konversionsflächen: Die immensen Sanierungskosten stehen oft in keinem Verhältnis zur wirtschaftlichen Nutzbarkeit in ländlichen Regionen. So bleibt Grabowsee vorerst ein Ort, an dem die Geschichte des 20. Jahrhunderts in ihrer ganzen Widersprüchlichkeit physisch greifbar bleibt – vom sozialen Aufbruch der Kaiserzeit über die Kriege bis hin zur langen Phase der sowjetischen Präsenz in Ostdeutschland. https://www.facebook.com/arnepetrich/posts/pfbid037du4beewjMdW4L62hZrBqs6yaYpDizyGAdkr6dm9yY9bfKV8hvq7YAhUWK5dL4DQl