Medaillen, Rekorde und ein langes Schweigen – Das verborgene Dopingsystem der DDR


Wenn DDR-Sportler bei Olympischen Spielen oder Weltmeisterschaften auf dem Siegerpodest standen, sahen Millionen Zuschauer Medaillen, Rekorde und strahlende Gesichter. Was hinter vielen dieser Erfolge geschah, blieb jedoch lange im Verborgenen.

Ab Mitte der 1970er Jahre wurde im DDR-Leistungssport ein umfangreiches Dopingprogramm aufgebaut. Unter dem Decknamen „Staatsplanthema 14.25“ erhielten zahlreiche Athletinnen und Athleten leistungssteigernde Mittel. Besonders häufig kam das in der DDR entwickelte anabole Steroid Oral-Turinabol zum Einsatz.

Für viele Sportler begann dies im Trainingsalltag scheinbar unspektakulär. Tabletten wurden ausgegeben, oft mit dem Hinweis, es handele sich um Vitamine oder unterstützende Präparate für die Regeneration. Ehemalige Athletinnen und Athleten berichten später, dass sie damals nicht wussten, welche Wirkstoffe sie tatsächlich einnahmen. Betroffen waren nicht nur Erwachsene, sondern auch Jugendliche, die in Sportschulen und Leistungszentren trainierten.

Das System reichte weit über die Trainingshallen hinaus. Trainer, Mannschaftsärzte, Sportfunktionäre und staatliche Stellen waren daran beteiligt. Die Abläufe waren organisiert, dokumentiert und auf die Anforderungen des internationalen Spitzensports abgestimmt. Auch das Ministerium für Staatssicherheit war eingebunden und achtete darauf, dass Informationen über die Praxis nicht nach außen gelangten.
Für manche endete die Geschichte nicht mit dem letzten Wettkampf. Jahre später traten gesundheitliche Probleme auf. Ehemalige Sportler berichten von hormonellen Störungen, Lebererkrankungen, Herz-Kreislauf-Beschwerden und psychischen Belastungen. Viele versuchten erst nach der Wiedervereinigung zu verstehen, welche Mittel sie damals erhalten hatten und welche Folgen damit verbunden sein könnten.

Mit der Öffnung von Archiven und der Auswertung von Akten wurde nach 1990 sichtbar, wie eng das Dopingsystem organisiert war. Gerichte, Historiker, Journalisten und Betroffenenverbände beschäftigten sich in den folgenden Jahren mit den Hintergründen. Bis heute melden sich ehemalige Athletinnen und Athleten zu Wort, schildern ihre Erfahrungen und suchen Antworten auf Fragen, die oft Jahrzehnte zurückreichen.
So stehen neben den Erinnerungen an sportliche Höchstleistungen auch die persönlichen Geschichten der Menschen, die diese Erfolge möglich machten – und die mit den Folgen ihrer Karriere teilweise bis heute leben.