Für viele Menschen, die in der DDR gelebt haben, ist die Erinnerung an den Sommerurlaub an der Ostsee eng mit dem Freien Deutschen Gewerkschaftsbund (FDGB) verknüpft. Ein zweiwöchiger Aufenthalt mit Vollpension für oft nur 50 bis 100 Mark war für Millionen Werktätige gelebte Realität und keine Legende. Der FDGB unterhielt als größte Urlaubsorganisation des Landes über 1200 Ferienheime und garantierte jährlich über 600.000 Plätze, um Arbeitern und Angestellten bezahlbare Erholung zu ermöglichen. Betrachtet man die heutigen Preise für vergleichbare Urlaube an der deutschen Ostseeküste, die oft im vierstelligen Euro-Bereich pro Person liegen, entsteht eine massive Diskrepanz, die Fragen nach den ökonomischen Ursachen aufwirft.
Der eklatante Preisunterschied lässt sich primär durch die fundamental unterschiedlichen Wirtschaftssysteme erklären. Der geringe Preis, den der FDGB-Urlauber zahlte, war nicht kostendeckend. Die tatsächlichen Kosten für Unterkunft, Verpflegung, Personal und Instandhaltung lagen auch damals deutlich höher, etwa bei 80 bis 100 Mark pro Tag und Person. Der Gast selbst trug nur etwa 25 bis 35 Prozent dieser realen Kosten. Die Differenz wurde vom Staat übernommen, der diese Subventionen unsichtbar aus dem Staatshaushalt finanzierte. Dies war eine ideologische Entscheidung: Der Sozialismus sollte beweisen, dass er besser für die Erholung aller Werktätigen sorgt, unabhängig vom Einkommen.
Diese staatliche Subventionierungspolitik, die auch Mieten und Grundnahrungsmittel betraf, basierte jedoch nicht auf einer profitablen Wirtschaftsleistung. Die DDR finanzierte dieses System der stabilen Verbraucherpreise bei steigenden realen Kosten zunehmend auf Pump. Um den Lebensstandard zu halten, verschuldete sich der Staat im In- und Ausland und druckte Geld, obwohl die Produktivität oft nicht ausreichte, um diese Ausgaben zu decken. Das System der billigen Urlaube war somit ein ökonomisches Versprechen, das langfristig durch Verschuldung finanziert wurde.
Mit der Einführung der Marktwirtschaft nach 1990 entfielen diese staatlichen Subventionen für private Urlaubsreisen. Heutige Hotelbetreiber müssen kostendeckend und gewinnorientiert arbeiten. Ein wesentlicher Faktor für die heutigen Preise sind die realen Betriebskosten, insbesondere faire Löhne und Sozialabgaben für das Personal, aber auch gestiegene Energie- und Lebensmittelpreise, die nun marktbasiert sind. Es gibt keine unsichtbare Stelle mehr, die die Differenz zwischen Kosten und Preis ausgleicht.
Ein weiterer Aspekt im Vergleich ist der gestiegene Qualitätsstandard. Viele FDGB-Heime boten zweckmäßige Unterkünfte, oft mit Etagenduschen. Heutige Standards in Hotels umfassen in der Regel eigene Bäder, WLAN und ein deutlich umfangreicheres gastronomisches Angebot, was die Betriebskosten zusätzlich erhöht. Der heutige Preis ist somit ein „ehrlicher“ Preis, der die tatsächlichen Aufwendungen und gestiegenen Ansprüche abbildet, aber dadurch für viele Menschen eine hohe finanzielle Hürde darstellt. Der Rückblick auf den FDGB-Urlaub zeigt die Ambivalenz zwischen einer sozialen Errungenschaft für den Einzelnen und deren ökonomisch nicht nachhaltiger Finanzierung auf staatlicher Ebene.