Kirchenvermögen: Milliardenbesitz und staatliche Finanzierung

Ein genauerer Blick auf die Vermögensverhältnisse der Kirchen in Deutschland fördert Zahlen zutage, die in einem spannungsreichen Kontrast zur sinkenden gesellschaftlichen Bindungskraft der Institutionen stehen.

Experten schätzen das Gesamtvermögen der beiden großen Kirchen auf mindestens 300 Milliarden Euro. Diese Summe ist jedoch schwer greifbar, da sie sich auf tausende rechtlich eigenständige Einheiten verteilt. Ein erheblicher Teil dieses Reichtums ist in „Betongold“ gebunden. Die Kirche ist nach dem Staat der größte Grundbesitzer des Landes. Dennoch täuschen die Bilanzen oft über den wahren Wert hinweg, da historische Gebäude wie Kathedralen oder alte Pfarrhäuser häufig nur mit einem symbolischen Euro verbucht sind. Dies führt zu dem Paradoxon, dass eine Institution auf dem Papier ärmer wirken kann, als sie substanziell ist.

Die Kirchensteuer, die zuletzt rund 12,6 Milliarden Euro jährlich einbrachte, fließt zu einem großen Teil in die Personalkosten für Seelsorge und Verwaltung sowie in den Erhalt der Bausubstanz. Entgegen der landläufigen Meinung deckt diese Steuer nicht den Großteil der Kosten für soziale Dienstleistungen. Einrichtungen der Diakonie und Caritas, die als Eckpfeiler des Sozialstaats gelten, werden überwiegend durch staatliche Zuschüsse finanziert. Die Kirche tritt hier als Träger auf, zahlt jedoch oft nur einen kleinen Bruchteil der tatsächlichen Betriebskosten selbst.

Eine Analyse der zugrunde liegenden Berichte offenbart eine auffällige Leerstelle in Bezug auf Ostdeutschland. Die herangezogenen Beispiele für immensen Immobilienbesitz und Erträge stammen fast ausschließlich aus dem Westen, etwa aus dem Erzbistum Köln oder dem Rheinland. Diese Regionen konnten über Jahrzehnte hinweg Vermögen akkumulieren, das durch die historische Zäsur der DDR im Osten so nicht vorhanden ist.

In der DDR wurde kirchliches Eigentum teils enteignet, und die jahrzehntelange staatliche Repression führte zu einer massiven Säkularisierung, die bis heute nachwirkt. Die im Bericht thematisierte finanzielle Machtbasis – gestützt auf breite Mitgliederzahlen und historisches Immobilienvermögen – ist folglich primär ein westdeutsches Phänomen. Für die ostdeutschen Landeskirchen und Bistümer stellen sich die finanziellen Herausforderungen aufgrund der geringeren Basis und des fehlenden Altvermögens deutlich schärfer dar als für die wohlhabenden Pendants im Westen.

Das Fazit der Recherche deutet auf einen notwendigen Wandel hin. Trotz des momentanen Reichtums stehen die Zeichen auf Sparsamkeit. Die demografische Entwicklung und die Austrittswellen betreffen Ost und West gleichermaßen, auch wenn die Startbedingungen durch das unterschiedliche Vermögenspolster verschieden sind. Die Kirchen müssen künftig stärker priorisieren, welche Gebäude und Aufgaben sie sich noch leisten können und wollen.