Kontroverser Windpark in Brandenburg: Klimaschutz gegen Naturschutz im Kiefernwald

In Brandenburg entfaltet sich ein tiefgreifender Konflikt um die Zukunft eines Waldes zwischen Teupitz und Halbe. Dort plant die Firma Energiequelle den Bau von 55 Windrädern, die jeweils mehr als doppelt so hoch wären wie die 100 Meter hohe Halle von Tropical Islands. Dieses Vorhaben, das Deutschlands größten Windpark direkt im Wald entstehen lassen könnte, stößt auf entschlossenen Widerstand einer Bürgerinitiative und wird von Naturschutzexperten kritisch hinterfragt.

Die Perspektive der Planer und Befürworter
Die Firma Energiequelle, deren Hauptsitz nur 15 Kilometer vom geplanten Standort entfernt ist, argumentiert mit der Effizienz und den bereits vorhandenen Gegebenheiten. Ein Hauptgrund für die Wahl dieses Kiefernwaldes ist die direkte Nähe zu einer Höchstspannungsleitung zur Einspeisung des erzeugten Stroms. Zudem gehört der gesamte Wald einem einzigen Eigentümer, und es existieren bereits zahlreiche Wirtschaftswege, die von Feuerwehren und Forstfahrzeugen genutzt werden. Dies würde bedeuten, dass für den Windradbau keine neuen Schneisen geschlagen werden müssten, da die bestehenden Wege nur sehr bedingt ausgebaut werden müssen. Die Firma betont, man habe sich mit der lokalen Forst abgestimmt, um die genauen Standorte zu finden und den Eingriff so minimal wie möglich zu halten, indem die Anlagen an den Wegen orientiert werden. Auf Wunsch der Anwohner wurde die Planung bereits um 20 Anlagen reduziert und der Abstand zum nächsten Wohnhaus auf 1.600 Meter erweitert.

Aus rechtlicher Sicht sei der Bau von Windenergieanlagen an diesem Standort nach aktueller Bundesgesetzgebung möglich. Mario Hecker, Stadtverordneter von Teupitz, sieht im Windpark eine Chance für die notorisch unterfinanzierte Kommune. Er weist auf die Möglichkeit der Gewinnbeteiligung hin, die Investitionen in Schulen, den Straßenausbau in den Ortschaften und die Förderung von Vereinen ermöglichen könnte. Sollte die Genehmigung erteilt werden, könnte das erste Windrad bereits 2028 entstehen.

Der Widerstand der Bürger und Umweltexperten
Die Mitglieder der Bürgerinitiative gegen den Windpark kämpfen entschlossen gegen das Projekt. Für sie ist der Blick über die weite Waldlandschaft des Naturparks Dahme-Heideseen einmalig, und sie können sich die Dimensionen der geplanten 250 Meter hohen Windräder inmitten des Waldes kaum vorstellen. Sie betonen, dass es um die Landschaft und Natur geht, in der sie leben. Während sie anerkennen, dass Naturschutz manchmal zugunsten des Klimaschutzes zurückgestellt werden muss, sehen sie in diesem Fall eine „Gefährdung von Artenvielfalt, von Natur, die überhaupt nicht nötig ist“, da „Brandenburg genug Fläche“ habe. Anwohner kritisieren zudem, dass die Firma „über die Köpfe der Leute hinweg plant“, obwohl sie im Genehmigungsverfahren beteiligt werden und Stellungnahmen abgeben können.

Professor Pierre Ibisch, Experte für Sozialökologie und Waldökosysteme an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde, teilt die Bedenken aus ökologischer Sicht. Er hebt hervor, dass die Wälder in Deutschland bereits stark gestresst sind, hauptsächlich durch den Klimawandel (Erwärmung, Dürren) und die Existenz von Monokulturen. Ein weiteres Problem sei die starke Zersplitterung der deutschen Waldlandschaft, mit fast 2 Millionen Waldfragmenten, von denen 98 Prozent kleiner als ein Quadratkilometer sind. Ibisch fragt kritisch, ob es eine gute Idee sei, diese „letzten kleinen Wälder und Forsten noch weiter zu zerschneiden“.

Er warnt vor konkreten Schädigungen durch Windräder im Wald:
• Schädigung von fliegenden Vögeln und Fledermäusen.
• Stärkere Erwärmung der Flächen: Durch zusätzliche Freiflächen, Schwerlast-Trassen, möglicherweise ökosystemfremdes Material und die notwendigen freien Plattformen um die Windräder erwärmt sich die Oberfläche an heißen Tagen deutlich stärker. Kiefernforste, die sonst 25-26 Grad Oberflächentemperatur aufweisen, könnten mit Windrädern über 30 Grad erreichen, was den Stress für das Ökosystem erhöht und zum Klimawandel beiträgt.

Ibisch bezeichnet den Konflikt als „tragisch“. Er betont, dass Wälder selbst einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz leisten, insbesondere wenn sie von Kiefernplantagen zu naturnahen Beständen entwickelt werden, da sie die Landschaft kühlen und zum Landschaftswasserhaushalt beitragen – Aspekte, die angesichts zunehmender Trockenheit und Hitze dringend benötigt werden. Seine Schlussfolgerung ist klar: Erneuerbare Energien müssen produziert werden, aber „doch bitte dort, wo sie gebraucht wird und intelligenter. Und nicht jetzt die allerletzten Fragmente von halbwegs naturnahen Flächen auch noch zerstören“.

Der geplante Windpark in Brandenburg verdeutlicht das zentrale Dilemma der Energiewende: die notwendige Expansion erneuerbarer Energien steht hier im direkten Konflikt mit dem Schutz sensibler Naturräume und der Artenvielfalt. Die Entscheidung der Genehmigungsbehörde wird zeigen, welche Prioritäten in diesem speziellen Fall gesetzt werden.

Grabowsee: Vom Tuberkulose-Sanatorium zum sowjetischen Militärlazarett

Die Heilstätte Grabowsee als Spiegel der Systembrüche des 20. Jahrhunderts HOOK: Über 47 Jahre lang war die Heilstätte Grabowsee ein hermetisch abgeriegeltes Areal. Die Geschichte des Ortes erzählt exemplarisch von der Transformation medizinischer Einrichtungen durch politische Systeme und dem schwierigen Erbe der Besatzungszeit. BLOG-TEXT: Die architektonische Anlage am Grabowsee bei Oranienburg gilt als ein bedeutendes Zeugnis der Medizingeschichte. Gegründet 1896 vom Deutschen Roten Kreuz, war sie eine Antwort auf die Tuberkulose-Epidemie der Industrialisierung. Die Pavillonbauweise ermöglichte eine strikte Trennung der Patienten und maximale Frischluftzufuhr. Doch die ursprüngliche humanitäre Ausrichtung der Volksheilstätte wurde im Laufe des 20. Jahrhunderts mehrfach überschrieben. Nach der Nutzung als Wehrmachtslazarett übernahmen 1945 die sowjetischen Streitkräfte das Gelände. Diese Zäsur prägte den Ort nachhaltiger als jede vorangegangene Epoche. Bis zum Truppenabzug 1992 blieb Grabowsee eine sowjetische Insel inmitten der DDR. Die strengen Sicherheitsvorkehrungen und die absolute Isolation schufen eine Distanz zwischen den Besatzern und der lokalen Bevölkerung, die symptomatisch für viele sowjetische Liegenschaften in Ostdeutschland war. Während im Inneren ein russischsprachiger Alltag mit eigener Versorgung und Kultur stattfand, blieben die Vorgänge für Außenstehende undurchsichtig. Deutsche Angestellte, die als Hilfskräfte tätig waren, berichteten von einer strengen Hierarchie und einem strikten Redeverbot über interne Abläufe. Nach 1992 hinterließen die abziehenden Truppen nicht nur leerstehende Gebäude, sondern auch kulturelle Spuren wie Wandmalereien und Propaganda, die sich heute mit dem verfallenden Jugendstil mischen. Dieser Palimpsest der Geschichte macht den besonderen Reiz, aber auch die Schwierigkeit des Ortes aus. Der heutige Zustand ist geprägt von Vandalismus und natürlichem Verfall. Die Debatte um die Zukunft von Grabowsee verdeutlicht das generelle Problem im Umgang mit solchen Konversionsflächen: Die immensen Sanierungskosten stehen oft in keinem Verhältnis zur wirtschaftlichen Nutzbarkeit in ländlichen Regionen. So bleibt Grabowsee vorerst ein Ort, an dem die Geschichte des 20. Jahrhunderts in ihrer ganzen Widersprüchlichkeit physisch greifbar bleibt – vom sozialen Aufbruch der Kaiserzeit über die Kriege bis hin zur langen Phase der sowjetischen Präsenz in Ostdeutschland. https://www.facebook.com/arnepetrich/posts/pfbid037du4beewjMdW4L62hZrBqs6yaYpDizyGAdkr6dm9yY9bfKV8hvq7YAhUWK5dL4DQl