Neue Anlaufstelle im Herzen Potsdams: Tafel jetzt auch in der St. Nikolaikirche

Potsdam bekommt eine neue Ausgabestelle der Tafel, zentral gelegen in der St. Nikolaikirche am Alten Markt. Dieses Angebot richtet sich in erster Linie an bedürftige Menschen, mit einem besonderen Fokus auf Rentnerinnen und Rentner, aber auch andere Hilfebedürftige sind herzlich willkommen.

Ab diesem Frühjahr haben Bedürftige die Möglichkeit, Lebensmittel der Tafel Potsdam in der St. Nikolaikirche abzuholen. Die neue Ausgabestelle soll zuerst am Mittwochnachmittag von 14:00 bis 15:00 Uhr die Aufnahme der Tafelkunden ermöglichen, und in der darauffolgenden Woche beginnt dann die erste Lebensmittelausgabe.

Die St. Nikolaikirche wurde von der Tafel angesprochen, um im Herzen der Stadt eine Ausgabestelle zu eröffnen. Die zentrale Lage der Kirche ist ein entscheidender Vorteil, da sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen ist. Dies ist besonders wichtig für diejenigen, die nicht mehr so mobil sind und eine Anlaufstelle in der Innenstadt benötigen.

Die neue Ausgabestelle ist eine „Hand in Handarbeit“ zwischen der Tafel und der Gemeinde der St. Nikolaikirche. Die Tafel bringt die vorbereiteten Lebensmittelgaben zur Kirche. Vor Ort wird die Ausgabestelle im Mocker Kirchenkellerraum eingerichtet, der auch von außen sehr gut erreichbar ist.

Neben der Ausgabe von Lebensmitteln bietet die St. Nikolaikirche auch mehr als nur eine schnelle Abholung. Bedürftige sind eingeladen, Zeit in dem Raum zu verbringen, zusammenzukommen und sich auszutauschen. Es wird Kaffee, Kuchen, Tee und Wasser geben. Zudem werden Menschen von der Gemeinde anwesend sein, die Zeit für Gespräche haben.

Die herzliche Einladung ergeht an alle, die Bedarf sehen. Obwohl das Angebot primär für Rentner gedacht ist, werden andere hilfebedürftige Menschen ausdrücklich nicht abgewiesen, da eine Anlaufstelle in der Innenstadt für alle weniger Mobilen von großer Bedeutung ist. Mit diesem neuen Standort in der St. Nikolaikirche wird die Tafel Potsdam ihre Reichweite erweitern und eine wichtige Unterstützung im Herzen der Stadt anbieten.

Grabowsee: Vom Tuberkulose-Sanatorium zum sowjetischen Militärlazarett

Die Heilstätte Grabowsee als Spiegel der Systembrüche des 20. Jahrhunderts HOOK: Über 47 Jahre lang war die Heilstätte Grabowsee ein hermetisch abgeriegeltes Areal. Die Geschichte des Ortes erzählt exemplarisch von der Transformation medizinischer Einrichtungen durch politische Systeme und dem schwierigen Erbe der Besatzungszeit. BLOG-TEXT: Die architektonische Anlage am Grabowsee bei Oranienburg gilt als ein bedeutendes Zeugnis der Medizingeschichte. Gegründet 1896 vom Deutschen Roten Kreuz, war sie eine Antwort auf die Tuberkulose-Epidemie der Industrialisierung. Die Pavillonbauweise ermöglichte eine strikte Trennung der Patienten und maximale Frischluftzufuhr. Doch die ursprüngliche humanitäre Ausrichtung der Volksheilstätte wurde im Laufe des 20. Jahrhunderts mehrfach überschrieben. Nach der Nutzung als Wehrmachtslazarett übernahmen 1945 die sowjetischen Streitkräfte das Gelände. Diese Zäsur prägte den Ort nachhaltiger als jede vorangegangene Epoche. Bis zum Truppenabzug 1992 blieb Grabowsee eine sowjetische Insel inmitten der DDR. Die strengen Sicherheitsvorkehrungen und die absolute Isolation schufen eine Distanz zwischen den Besatzern und der lokalen Bevölkerung, die symptomatisch für viele sowjetische Liegenschaften in Ostdeutschland war. Während im Inneren ein russischsprachiger Alltag mit eigener Versorgung und Kultur stattfand, blieben die Vorgänge für Außenstehende undurchsichtig. Deutsche Angestellte, die als Hilfskräfte tätig waren, berichteten von einer strengen Hierarchie und einem strikten Redeverbot über interne Abläufe. Nach 1992 hinterließen die abziehenden Truppen nicht nur leerstehende Gebäude, sondern auch kulturelle Spuren wie Wandmalereien und Propaganda, die sich heute mit dem verfallenden Jugendstil mischen. Dieser Palimpsest der Geschichte macht den besonderen Reiz, aber auch die Schwierigkeit des Ortes aus. Der heutige Zustand ist geprägt von Vandalismus und natürlichem Verfall. Die Debatte um die Zukunft von Grabowsee verdeutlicht das generelle Problem im Umgang mit solchen Konversionsflächen: Die immensen Sanierungskosten stehen oft in keinem Verhältnis zur wirtschaftlichen Nutzbarkeit in ländlichen Regionen. So bleibt Grabowsee vorerst ein Ort, an dem die Geschichte des 20. Jahrhunderts in ihrer ganzen Widersprüchlichkeit physisch greifbar bleibt – vom sozialen Aufbruch der Kaiserzeit über die Kriege bis hin zur langen Phase der sowjetischen Präsenz in Ostdeutschland. https://www.facebook.com/arnepetrich/posts/pfbid037du4beewjMdW4L62hZrBqs6yaYpDizyGAdkr6dm9yY9bfKV8hvq7YAhUWK5dL4DQl