(JP) Jena vor Haushaltssperre: Massive Steuereinbrüche erzwingen finanzpolitisches Handeln

Stadt Jena sieht sich zu drastischen Maßnahmen gezwungen und plant die Anordnung einer haushaltswirtschaftlichen Sperre. Auslöser ist ein erheblicher und unerwarteter Rückgang der Steuereinnahmen, insbesondere bei der Gewerbesteuer.

Die aktuelle Mai-Steuerschätzung sowie die regionalisierten Prognosen für Thüringen zeigen ein klares Bild: Das erwartete Gewerbesteueraufkommen für das Jahr 2025 wird rund 20 Millionen Euro unter dem ursprünglich geplanten Ansatz von 99,5 Millionen Euro liegen. Ein vergleichbarer Einbruch wurde zuletzt im Jahr 2019 verzeichnet. Bürgermeister und Finanzdezernent Benjamin Koppe prognostiziert sogar einen Gesamtrückgang des Gewerbesteueraufkommens von 60 Millionen Euro für den Zeitraum von 2025 bis 2029. Auch bei der Einkommensteuer wird in diesen Jahren mit deutlich geringeren Einnahmen gerechnet.

Diese Entwicklung wird durch erste Erkenntnisse aus dem ersten Tertialbericht der Stadt Jena zum Stichtag 30. April 2025 bestätigt. Der Bericht deutet auf eine deutliche Verschlechterung des Haushaltsergebnisses für das laufende Jahr hin. Gemäß den Regelungen des Stadthaushalts muss bei einer Abweichung von über zwei Millionen Euro gegengesteuert werden – eine Schwelle, die mit dem vorliegenden Bericht erreicht wird.

Angesichts dieser finanziellen Lage wird der Oberbürgermeister der Stadt Jena voraussichtlich im Juni eine haushaltswirtschaftliche Sperre nach § 22 der Thüringer Gemeindeverordnungs (ThürGemHV)-Doppik anordnen. Bürgermeister Koppe beschreibt die Situation als „ernstzunehmende, aber nicht unlösbare Herausforderung“. Die Haushaltssperre sei ein wichtiges Instrument, um „flexibel und verantwortungsvoll auf unerwartete Einnahmeausfälle [zu] reagieren“. Dies bedeute zwar nicht, dass alle Ausgaben gestoppt würden, aber es werde Prioritäten gesetzt und so wenig neue Verpflichtungen wie möglich eingegangen.

Die Stadtverwaltung prüft derzeit sorgfältig, welche Bereiche in welchem Umfang von der Sperre betroffen sein werden. Es werde zugesichert, dass dabei mit Augenmaß vorgegangen werde und zentrale Aufgaben der Daseinsvorsorge sowie laufende Verpflichtungen weiterhin gewährleistet bleiben. Die Stadt Jena hat bereits in den Jahren 2019 und 2020 ähnliche Maßnahmen erfolgreich umgesetzt, ohne dass die Handlungsfähigkeit der Verwaltung dadurch übermäßig eingeschränkt worden sei.

Die bevorstehende Haushaltssperre unterstreicht die Notwendigkeit, auf die veränderten finanziellen Rahmenbedingungen zu reagieren und die Ausgabenpolitik der Stadt entsprechend anzupassen.

Erbausschlagungen in Sachsen als spätes Echo der Nachwendezeit

FACEBOOK-TEASER A) PROFIL Hook: Wenn der Schlüssel im Schloss des Elternhauses zum letzten Mal gedreht wird und er nicht in der Hand der Kinder, sondern beim Freistaat landet, erzählt das viel über die Brüche in ostdeutschen Biografien. Teaser: In Sachsen schlagen jährlich etwa 1.300 Menschen ihr Erbe aus – eine Zahl, die weit über dem bundesdeutschen Durchschnitt liegt und Fragen aufwirft, die tiefer gehen als bis zum bloßen Marktwert einer Immobilie. Die Mitarbeiterinnen des sächsischen Flächenmanagements betreten dann Räume, in denen das Leben von heute auf morgen stillzustehen schien. Sie finden persönliche Erinnerungen, Fotos von Enkeln, die längst in westdeutschen Großstädten leben, und immer wieder: alte Schulden. Es sind oft die finanziellen Altlasten der neunziger Jahre, die diese Häuser für die nachfolgende Generation untragbar machen. Kredite, die in der Aufbruchsstimmung aufgenommen wurden und heute als schwere Hypothek auf oft unsanierten Mauern lasten. Hinzu kommt die räumliche Distanz. Die Kinder sind weggezogen, haben sich anderswo etwas aufgebaut. Das Elternhaus in der ländlichen Heimat wird vom Anker zum Ballast. Was bleibt, ist die Stille in den Zimmern und die Aufgabe des Staates, für das zurückgelassene Lebenswerk neue Besitzer zu finden, die den Mut für einen Neuanfang mitbringen. Der Wind streicht leise durch die offenen Fenster der leerstehenden Räume. B) SEITE 1 (Kontext) Hook: Dass der Staat zum Erben wird, ist in Sachsen kein Einzelfall, sondern ein strukturelles Phänomen, das eng mit der Wirtschaftsgeschichte der Nachwendezeit verknüpft ist. Teaser: Mit rund 1.300 Erbausschlagungen pro Jahr verzeichnet Sachsen absolute Zahlen, die selbst bevölkerungsreichere westdeutsche Bundesländer wie Nordrhein-Westfalen übertreffen. Martin Oberacher vom zuständigen Flächenmanagement benennt dies klar als ein „Ostproblem“. Die Ursachen dafür finden sich häufig in den Grundbüchern der betreffenden Immobilien. Viele Häuser sind bis heute mit Krediten aus den frühen neunziger Jahren belastet. Diese Gelder flossen damals nicht immer wertsteigernd in die Substanz, sondern dienten oft dem Konsum oder Notreparaturen. Heute übersteigen diese Restschulden oft den tatsächlichen Marktwert der Gebäude. In Kombination mit dem enormen Sanierungsstau und der Abwanderung der Erben-Generation in die alten Bundesländer entsteht eine Situation, in der die Annahme des Erbes ein unkalkulierbares finanzielles Risiko wäre. Die Aktenordner im Amt füllen sich weiter stetig mit neuen Fällen. C) SEITE 2 (pointiert, ruhig) Hook: Ein „Nein“ zum Erbe ist im Osten oft weit mehr als eine familiäre Entscheidung – es ist eine nüchterne Bilanzierung der letzten dreißig Jahre. Teaser: Wenn Kinder das Haus ihrer Eltern nicht übernehmen wollen, liegt das selten nur an mangelnder Pietät. Es ist oft die wirtschaftliche Vernunft, die sie dazu zwingt. Schulden aus der Nachwendezeit treffen auf einen Immobilienmarkt im ländlichen Raum, der lange Zeit stagnierte und nun durch hohe Baukosten zusätzlich unter Druck gerät. Der Traum vom Eigenheim, den die Elterngeneration nach 1990 träumte, entpuppt sich für die Erben heute oft als Kostenfalle. Der Staat übernimmt, verwaltet und sucht mühsam nach neuen Wegen für die alten Mauern. Ein Prozess, der zeigt, wie lange Transformationsprozesse tatsächlich dauern.