Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus – Ein Mahnmal der Erinnerung und des Engagements

Im Herzen Cottbus liegt ein Ort, der weit mehr ist als nur ein verlassenes Relikt vergangener Zeiten. Die ehemalige Strafanstalt, die 1860 als königlich-preußisches Gefängnis ihre Pforten öffnete, hat im Laufe der Jahrhunderte viele Gesichter getragen: Von den düsteren Zeiten des Nationalsozialismus über die Umwandlung in ein Jugend- und Frauenzuchthaus bis hin zu den repressiven Jahren der DDR, in denen vor allem politische Häftlinge hinter Gittern lebten. Selbst nach dem Mauerfall blieb das Gebäude noch als Gefängnis in Betrieb, bis es schließlich brachlag und das Schicksal des historischen Ortes neu verhandelt werden musste.

Die Wende kam nicht allein durch behördliche Entscheidungen oder städtebauliche Planungen – es waren die Menschen, die in diesem Gebäude ihr Leid erfuhren, die den entscheidenden Impuls gaben. Ehemalige politische Häftlinge erkannten frühzeitig, welchen unschätzbaren ideellen Wert dieser Ort besitzt. Mit vereinten Kräften und unermüdlichem Engagement gelang es ihnen, das Gelände zu erwerben, um es vor einer Trivialisierung zu bewahren. Ihr Ziel war klar: Das düstere Kapitel der DDR-Unrechtsherrschaft sollte nicht in Vergessenheit geraten, sondern als Mahnmal und Lernort für kommende Generationen erhalten bleiben.

Ein besonderer Aspekt dieses Projekts ist der persönliche Erfahrungsbericht eines ehemaligen Inhaftierten, der von seinen Erlebnissen in einer Zelle der 1970er Jahre berichtet. Zwischen 1974 und 1975 saß er in einem Raum, in dem 28 Menschen – 25 davon politische Häftlinge – Tag und Nacht eingesperrt waren. Nur eine halbe Stunde Freigang und acht Stunden Zwangsarbeit boten ihnen eine spärliche Atempause in einem ansonsten nahezu ausweglosen System. Trotz dieser erdrückenden Bedingungen entwickelte sich ein zivilisiertes Miteinander, das den Grundstein für langjährige Freundschaften legte. Diese persönlichen Erinnerungen verleihen der Gedenkstätte eine tiefe menschliche Dimension, die weit über historische Daten und Fakten hinausgeht.

Heute präsentiert sich der ehemalige Strafvollzug als Menschenrechtsausstellung mit einem innovativen pädagogischen Konzept. Hier werden Besucher – von Schülerinnen und Schülern bis hin zu interessierten Bürgern – eingeladen, sich intensiv mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen. Pädagogisch begleitet und interaktiv aufbereitet, vermittelt der Ort nicht nur das Wissen über die Schrecken vergangener Diktaturen, sondern regt auch dazu an, über den Wert von Demokratie und Menschenrechten im Hier und Jetzt nachzudenken. Projekte wie temporäre Container-Ausstellungen und begleitende Dossiers zu den Lebensgeschichten der ehemaligen Häftlinge schaffen einen lebendigen Zugang zu einer Vergangenheit, die nicht vergessen werden darf.

Die Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus steht somit als Symbol für den unermüdlichen Kampf um Menschenrechte und Demokratie. Sie erinnert daran, dass Freiheit nie selbstverständlich ist, sondern immer wieder neu erkämpft werden muss. Indem sie die Narben der Geschichte offenlegt, fordert sie uns auf, Verantwortung zu übernehmen – für die Erinnerung an das Leid der Vergangenheit und für das Engagement in der Gegenwart. In einer Zeit, in der demokratische Werte weltweit unter Druck geraten, bietet dieser Ort nicht nur einen Blick in die düstere Vergangenheit, sondern auch einen Leitfaden für den zivilgesellschaftlichen Zusammenhalt der Zukunft.

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Eine atmosphärische Vermessung der ostdeutschen Gegenwart

FACEBOOK-TEASER A) PROFIL Hook: Manchmal muss man vom Rad steigen oder in einer Lokalredaktion anheuern, um wirklich zu verstehen, wie sich der Wind gedreht hat. Teaser: Wenn wir über den Osten sprechen, landen wir oft schnell bei Wahlergebnissen und Prozentzahlen. Aber was liegt darunter? Was passiert in den Dörfern, an den Stammtischen, in den Vereinen, wenn die Kameras weg sind? Für das Buch „Extremwetterlagen“ haben sich drei Autorinnen und ein Soziologe auf eine intensive Reise durch Sachsen, Brandenburg und Thüringen begeben. Sie waren als „Überlandschreiberinnen“ unterwegs, ganz nah dran an den Menschen. Tina Pruschmann fuhr mit dem Rad durchs Erzgebirge, Barbara Thériault arbeitete in einer Thüringer Lokalzeitung, Manja Präkels besuchte Initiativen in Brandenburg. Was sie mitgebracht haben, sind keine schnellen Urteile, sondern feine Beobachtungen über ein gesellschaftliches Klima, das rauer wird. Es geht um die Normalisierung von Dingen, die früher undenkbar waren. Um das Schweigen im Alltag und die historischen Linien, die bis in die DDR zurückreichen. Alexander Leistner ordnet diese Beobachtungen soziologisch ein und zeigt: Nichts davon kommt aus dem Nichts. Es ist eine Bestandsaufnahme der Gegenwart, die zeigt, wie anstrengend es sein kann, gegen den Wind zu atmen. B) SEITE 1 (Kontext) Hook: Eine literarische und soziologische Vermessung der ostdeutschen Zustände jenseits der üblichen Schlagzeilen. Teaser: Im Vorfeld der letzten Landtagswahlen startete ein besonderes Projekt: Die Autorinnen Manja Präkels, Tina Pruschmann und Barbara Thériault sowie der Soziologe Alexander Leistner erkundeten als „Überlandschreiberinnen“ die gesellschaftliche Atmosphäre in Ostdeutschland. Ihr Buch „Extremwetterlagen“ (Verbrecher Verlag) dokumentiert Kipppunkte und Brüche in der Gesellschaft. Die Texte verbinden reportageartige Nähe mit analytischer Distanz. Sie thematisieren die schleichende Normalisierung rechtsextremer Narrative ebenso wie die Resilienz der Zivilgesellschaft. Besonders wertvoll ist dabei die historische Einordnung, die mentale Kontinuitäten bis in die DDR-Zeit sichtbar macht. Eine wichtige Lektüre für alle, die die aktuellen Entwicklungen in Ostdeutschland fundiert verstehen wollen. C) SEITE 2 (pointiert, ruhig) Hook: Der Begriff „Extremwetterlagen“ meint hier keinen Regen, sondern das soziale Klima einer Region im Umbruch. Teaser: Wie lernt man, gegen den Wind zu atmen, wenn er einem direkt ins Gesicht bläst? Die Reportagen von Präkels, Pruschmann, Thériault und Leistner beschreiben den Osten nicht als Problemzone, sondern als Seismograph. Sie zeigen, wie sich das Miteinander verändert, wenn politische Extreme zum Alltag werden. Ein ruhiges, aber eindringliches Buch über die Temperatur unserer Gesellschaft. QUELLE: https://www.verbrecherverlag.de/wp-content/uploads/2025/05/Leseprobe-Extremwetterlagen.pdf
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