Pilotkommune Rostock: Die Wohnsitzanmeldung geht jetzt online

Als eine von vier Pilotkommunen in Mecklenburg-Vorpommern bietet die Hanse- und Universitätsstadt Rostock erstmals und ab sofort die elektronische Wohnsitzanmeldung an. Konkret bedeutet dies, dass die Ummeldung nach einem Umzug nun jederzeit und von jedem Ort digital vorgenommen werden kann. Damit ist das Angebot eine bequeme Alternative zur Wohnsitzanmeldung in den Ortsämtern, für die ein Termin erforderlich ist. „Allein im vergangenen Jahr hat unsere Stadtverwaltung rund 27.500 Vorgänge bearbeitet, die eine Wohnsitzanmeldung oder -ummeldung betreffen. Zahlenmäßig ist das somit eine der wichtigsten städtischen Dienstleistungen überhaupt. Das neue Angebot digitalisiert erstmals den gesamten Ummeldungsprozess von Anfang bis Ende“, sagt Dr. Chris von Wrycz Rekowski, Rostocks Senator für Finanzen, Digitalisierung und Ordnung und erklärt: „Von der Änderung der Adressdaten im Melderegister bis hin zur Aktualisierung des Chips im Personalausweis erfolgt alles auf digitalem Wege. Der einzige Brief, der nach Hause kommt, stammt von der Bundesdruckerei – mit neuen Adress- bzw. Wohnortaufklebern für die entsprechenden Ausweisdokumente und mit einer Anleitung, wie diese selbstständig aufzukleben sind.“

Die elektronische Wohnsitzanmeldung ist ein länderübergreifendes Digitalisierungsprojekt, das im Rahmen des Onlinezugangsgesetzes federführend durch die Senatskanzlei Hamburg gemeinsam mit dem Bundesministerium des Innern und für Heimat nach dem „Einer-für-Alle-Prinzip“ (EfA) umgesetzt wird. In Mecklenburg-Vorpommern starten neben Rostock die Hansestadt Stralsund, die Landeshauptstadt Schwerin sowie Grevesmühlen mit dem Online-Dienst, für dessen Nutzung die Online-Ausweisfunktion des Personalausweises oder der eID-Karte sowie ein behördliches Nutzerkonto erforderlich sind. Wer noch kein Nutzerkonto hat, kann sich eine BundID anlegen. Am einfachsten geht die Online-Anmeldung mit dem Smartphone. Nach der Authentifizierung mit der AusweisApp können die Daten aus dem Melderegister abgerufen und aktualisiert werden. Wer zur Miete wohnt, lädt noch die Wohnungsgeberbestätigung hoch und sendet den Antrag ab.

Nach erfolgreicher Prüfung der Daten durch die jeweils zuständige Meldebehörde steht eine fälschungssichere digitale Meldebestätigung zum Download zur Verfügung. Die Aktualisierung der Adressdaten auf dem Chip des Personalausweises kann anschließend ebenfalls selbstständig über den Online-Dienst und die AusweisApp erfolgen. Zum Schluss wird das automatische Anschreiben der Bundesdruckerei versandt.
Das EfA-Prinzip fußt auf einem Kooperationsmodell, das die Zuständigkeiten für Hunderte von Online-Diensten regelt: Jedes Bundesland kümmert sich um die Digitalisierung von Leistungen in einem bestimmten Bereich und stellt diese elektronischen Services allen anderen zur Verfügung.  Länder und Kommunen müssen auf diese Weise nicht jedes digitale Verwaltungsangebot eigenständig neu entwickeln, sondern profitieren durch effiziente Arbeitsteilung von den Digitalisierungsvorhaben anderer Länder. Die elektronische Wohnsitzanmeldung ist ein gutes Beispiel, wie das „Einer-für-Alle-Prinzip“ in der Praxis gelebt wird. Der entwickelte Dienst wird schrittweise in allen Kommunen in Deutschland eingeführt, damit die Bürgerinnen und Bürger diese Verwaltungsangelegenheit künftig rund um die Uhr vom heimischen Sofa aus erledigen können.
Link-Tipps:
Online-Dienst
Informationen zur Aktivierung der Online-Ausweisfunktion des Personalausweises

Kirchenvermögen: Milliardenbesitz und staatliche Finanzierung

Journalistischer Text – Facebook Kirchenvermögen: Milliardenbesitz und staatliche Finanzierung Die Diskussion um die finanziellen Verhältnisse der beiden großen Kirchen in Deutschland offenbart ein komplexes System aus historischen Privilegien und enormen Vermögenswerten. Recherchen beziffern das Gesamtvermögen der katholischen und evangelischen Kirche auf konservativ geschätzte 300 Milliarden Euro. Dieser Betrag setzt sich aus kapitalen Anlagen, riesigem Grundbesitz und Immobilien zusammen. Ein interessantes Detail ist hierbei die Bewertungspraxis: Gebäude wie der Kölner Dom stehen oft mit einem symbolischen Erinnerungswert von nur einem Euro in den Bilanzen. Da diese Objekte unverkäuflich sind, erscheinen stille Reserven in Milliardenhöhe nicht in den offiziellen Büchern. Ein weit verbreiteter Irrtum betrifft die Finanzierung sozialer Einrichtungen. Caritas und Diakonie, die größten Arbeitgeber nach dem Staat, finanzieren ihre Kindergärten oder Krankenhäuser nicht primär aus der Kirchensteuer. Tatsächlich übernimmt die öffentliche Hand, also Länder und Kommunen, meist über 90 Prozent der Kosten. Der kirchliche Eigenanteil liegt oft nur bei etwa zehn bis zwölf Prozent, obwohl die Trägerschaft in kirchlicher Hand bleibt. Der Blick auf die geografische Verteilung der Beispiele zeigt eine starke Konzentration auf westdeutsche Bistümer und Landeskirchen, wie Köln oder das Rheinland. Spezifische Herausforderungen der ostdeutschen Kirchen, die durch die DDR-Geschichte über deutlich weniger historisch gewachsenes Immobilienvermögen und geringere Mitgliederzahlen verfügen, bleiben in der Betrachtung dieses Reichtums außen vor. Die gezeigten Strukturen des Wohlstands sind somit vor allem ein Spiegel westdeutscher Verhältnisse.

Die Semantik der Eskalation: Warum wir uns im Netz nur noch anschreien

Teaser: Wer heute durch seine Timeline scrollt, blickt oft in einen Abgrund aus unversöhnlichem Hass. Auf der einen Seite fliegt die „Nazi-Keule“, auf der anderen wird alles als „links-grün versifft“ beschimpft. Doch diese Verrohung ist kein Zufall. Eine soziologische Tiefenbohrung zeigt, wie psychologische Ekel-Reflexe und algorithmische Belohnungssysteme unsere Debattenkultur gezielt zerstören.