LIGA Thüringen zum Koalitionsvertrag: Licht und Schatten für den Sozialsektor

(v.l.): Thomas Zirkel (Hauptgeschäftsführer des Landessportbundes); Stefan Werner (stellvertretender Vorsitzende der LIGA Thüringen); Michael Rudolph (Vorsitzender DGB Hessen-Thüringen)
(v.l.): Thomas Zirkel (Hauptgeschäftsführer des Landessportbundes); Stefan Werner (stellvertretender Vorsitzende der LIGA Thüringen); Michael Rudolph (Vorsitzender DGB Hessen-Thüringen)

Die LIGA der Freien Wohlfahrtspflege in Thüringen e. V. und die in ihr organisierten Verbände AWO, Caritas, Diakonie, Deutsches Rotes Kreuz, Paritätischer Wohlfahrtsverband und Jüdische Landesgemeinde haben den am vergangenen Freitag vorgelegten Koalitionsvertrag von CDU, BSW und SPD kritisch unter die Lupe genommen. Im Ergebnis stehen viele gute Ansätze, einige kritische Punkte und vor allem die Forderung nach einem Landeshaushalt 2025.

“Wir erkennen an vielen Stellen des Koalitionsvertrages Ansätze für wichtige Vorhaben der kommenden Jahre, um eine bedarfsgerechte Sozial-, Bildungs- und Gesundheitsinfrastruktur für alle Bürger und Generationen zu sichern. Das klare Bekenntnis zur Augenhöhe und zur Achtung des Subsidiaritätsprinzips erachten wir für sehr wichtig“, so LIGA-Geschäftsführer Tino Grübel, verbunden mit einer Mahnung, was der soziale Sektor nun am dringendsten benötigt: „Nun heißt es aber, die Vorhaben und Zusagen des Koalitionsvertrages im Landeshaushalt 2025 und im Handeln sichtbar zu machen. Ein fehlender Landeshaushalt setzt die soziale Infrastruktur massiv unter Druck und gefährdet Personalstellen und somit wichtige Angebote für die Thüringer.“

Besonders positiv bewertet die LIGA die im Koalitionsvertrag enthaltenen Aussagen zum Pflege-Bereich. Hier ist eine große und dringend nötige Personal- und Strukturoffensive vorgesehen. „Nun braucht es proaktive Vorschläge zur gemeinsamen Umsetzung“, so Grübel weiter. „Die Wohlfahrtsverbände stehen hier jederzeit beratend zur Verfügung.“ Ebenso begrüßt die LIGA die Aussage, die Sozial-, Bildungs- und Gesundheitsinfrastruktur auch für kommende Generationen bedarfsgerecht zu sichern und dabei ganz besonders das Bekenntnis zur Augenhöhe und zur Achtung des Subsidiaritätsprinzips.

Kritisch betrachten die Wohlfahrtsverbände verschiedene Passagen, die das Thema Migration und Integration betreffen. „Es gibt unklare Formulierungen, die einige Fragen nach sich ziehen“, analysiert der LIGA-Geschäftsführer. So vermitteln verschiedene Passagen den Eindruck, dass ohne Bleibeperspektive kein Zugang zu einem Sprachkurs bestehen könnte. Auch die Art der Unterbringung von Geflüchteten sowie der Zugang zu behördenunabhängiger Rechtsberatung, Asylverfahrensberatung und Rückkehrberatung bleiben unklar. Ebenso braucht es dringend eine Konkretisierung der Aussagen zu einer neuen Landesausländerbehörde, die auch zentral die Rückführungen koordinieren soll. „Wir dürfen keine zentrale Abschiebe-Stelle schaffen“, mahnt Grübel, „damit wäre keine menschenwürdige Rückkehr von Migrantinnen mehr gewährleistet.“

Steinernes Schweigen und politische Wende: Das Ehrenmal Treptow 1989

FACEBOOK-TEASER A) PROFIL Es gibt Orte, die speichern Geschichte nicht nur, sie atmen sie aus. Wenn man heute durch den Treptower Park läuft, zwischen den riesigen Pappelreihen und dem roten Granit, spürt man eine seltsame Ruhe. Aber 1989 war dieser Ort alles andere als ruhig. Er war ein Brennglas. Ich habe mir noch einmal angesehen, was in diesem einen Jahr dort alles passiert ist. Im Mai standen dort noch die alten Männer in ihren Mänteln und feierten eine Wahl, die keine war. Im Oktober stand dort Gorbatschow, und alle Blicke ruhten auf ihm, voller Hoffnung, dass sich endlich etwas bewegt. Und im Dezember, als die Mauer schon offen war, kippte die Stimmung in Wut und Farbe. Es ist faszinierend, wie schnell sich die Bedeutung von Symbolen ändern kann, wenn die Gesellschaft drumherum aufwacht. Steine verändern sich nicht, aber unser Blick auf sie wandelt sich jeden Tag. B) SEITE 1 (Kontext) Das Sowjetische Ehrenmal in Berlin-Treptow gilt oft als zeitloser Ort des Gedenkens. Doch ein Blick in die Chronik des Jahres 1989 zeigt, wie sehr das Monument in die politischen Kämpfe der Wendezeit verstrickt war. Innerhalb weniger Monate wandelte sich die Funktion der Anlage radikal. Im Mai 1989 diente es noch der SED-Führung zur Inszenierung ihrer Macht nach den gefälschten Kommunalwahlen. Im Oktober wurde es durch den Besuch Michail Gorbatschows zur Kulisse für das Ende der alten Doktrinen. Ende Dezember schließlich markierten Schmierereien mit Parolen wie "Besatzer raus" das endgültige Ende der staatlich verordneten Unantastbarkeit. Die darauf folgende Instrumentalisierung der Vorfälle durch die PDS zeigt, wie sehr Geschichte gerade in Umbruchzeiten als politische Waffe dient. Ein Lehrstück über Deutungshoheit. C) SEITE 2 (pointiert, ruhig) Der "Befreier" aus Bronze blickt seit 1949 über Berlin. Aber wen oder was er beschützt, das definierte das Jahr 1989 neu. Erst war er der Garant der SED-Herrschaft, dann im Oktober die Kulisse für Gorbatschows Reformversprechen, und im Dezember plötzlich Zielscheibe von Wut und Vandalismus. Symbole bleiben nur so lange stabil, wie die Macht, die sie stützt. Wenn diese Macht zerfällt, werden aus Denkmälern Fragen.