Ramelows aktuelle Sicht auf die Thüringer Politik

In einem Interview bei Jung & Naiv schilderte Bodo Ramelow, der geschäftsführende Ministerpräsident Thüringens, seine Sicht auf die aktuelle politische Situation im Bundesland. Ramelow beschrieb das politische Klima als äußerst verfahren, insbesondere nach den schweren Verlusten seiner Partei, der Linken, bei der letzten Landtagswahl. Angesichts der dominierenden CDU-Fraktion und dem Unvereinbarkeitsbeschluss der CDU gegenüber der Linken, gestaltet sich die Bildung einer stabilen Regierung als schwierig. Die AfD, die inzwischen die meisten Sitze im Landtag hält, kommt für Ramelow als Koalitionspartner nicht infrage.

Ramelow kritisierte in dem Interview die CDU für ihre starre Haltung und betonte, dass die Linke in Thüringen in der Lage sei, Verantwortung zu übernehmen. Er verwies auf die Erfolge der letzten Legislaturperiode, in der es trotz der Herausforderungen einer Minderheitsregierung gelungen sei, positive Resultate zu erzielen. Ramelow appellierte an die CDU, die Blockadehaltung gegenüber der Linken zu überdenken und stattdessen pragmatische Lösungen zu finden, um politische Stabilität im Land herzustellen. Die Vorschläge für eine sogenannte Brombeerkoalition aus CDU, SPD und der Bürgerbewegung für Thüringen (BSW) sieht er kritisch, da auch sie keine eigene Mehrheit im Landtag hätte und auf die Unterstützung durch die Linke oder die AfD angewiesen wäre.

Besonders scharf äußerte sich Ramelow über die Rolle von Sahra Wagenknecht und ihrer Bewegung „BSW“. Er warf Wagenknecht vor, die Thüringer Politik für persönliche Ambitionen zu nutzen und die BSW als zentralistisch geführte „Kaderpartei“ zu etablieren. Ihre Forderungen an die CDU und insbesondere ihre Einmischung in die Koalitionsverhandlungen in Thüringen bezeichnete er als unangemessen. Ramelow kritisierte, dass Wagenknecht in diesen Auseinandersetzungen von CDU-Politikern wie Friedrich Merz eine Distanzierung verlangte, obwohl dies aus seiner Sicht in Thüringen keinen Einfluss habe und nicht zur Stabilität im Land beitrage.

Im Gespräch bei Jung & Naiv ging Ramelow auch auf grundlegende Herausforderungen in Thüringen ein und forderte einen stärkeren Realismus und Pragmatismus in der Politik. Statt ideologischer Debatten müsse es um dringende Themen wie die finanzielle Lage der Krankenhäuser oder die Besetzung offener Lehrerstellen gehen. Diese Herausforderungen seien zentrale Probleme im Land, die nur mit einer geeinten und handlungsfähigen Regierung bewältigt werden könnten.

Für die Zukunft der Linken sieht Ramelow die Notwendigkeit, das Profil der Partei zu schärfen und den Bürgerinnen und Bürgern klar zu kommunizieren, welche Kernforderungen die Linke vertritt. Nur so könne die Partei verlorenes Vertrauen zurückgewinnen und ihre Position als wichtige politische Kraft in Deutschland verteidigen.

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Eine atmosphärische Vermessung der ostdeutschen Gegenwart

FACEBOOK-TEASER A) PROFIL Hook: Manchmal muss man vom Rad steigen oder in einer Lokalredaktion anheuern, um wirklich zu verstehen, wie sich der Wind gedreht hat. Teaser: Wenn wir über den Osten sprechen, landen wir oft schnell bei Wahlergebnissen und Prozentzahlen. Aber was liegt darunter? Was passiert in den Dörfern, an den Stammtischen, in den Vereinen, wenn die Kameras weg sind? Für das Buch „Extremwetterlagen“ haben sich drei Autorinnen und ein Soziologe auf eine intensive Reise durch Sachsen, Brandenburg und Thüringen begeben. Sie waren als „Überlandschreiberinnen“ unterwegs, ganz nah dran an den Menschen. Tina Pruschmann fuhr mit dem Rad durchs Erzgebirge, Barbara Thériault arbeitete in einer Thüringer Lokalzeitung, Manja Präkels besuchte Initiativen in Brandenburg. Was sie mitgebracht haben, sind keine schnellen Urteile, sondern feine Beobachtungen über ein gesellschaftliches Klima, das rauer wird. Es geht um die Normalisierung von Dingen, die früher undenkbar waren. Um das Schweigen im Alltag und die historischen Linien, die bis in die DDR zurückreichen. Alexander Leistner ordnet diese Beobachtungen soziologisch ein und zeigt: Nichts davon kommt aus dem Nichts. Es ist eine Bestandsaufnahme der Gegenwart, die zeigt, wie anstrengend es sein kann, gegen den Wind zu atmen. B) SEITE 1 (Kontext) Hook: Eine literarische und soziologische Vermessung der ostdeutschen Zustände jenseits der üblichen Schlagzeilen. Teaser: Im Vorfeld der letzten Landtagswahlen startete ein besonderes Projekt: Die Autorinnen Manja Präkels, Tina Pruschmann und Barbara Thériault sowie der Soziologe Alexander Leistner erkundeten als „Überlandschreiberinnen“ die gesellschaftliche Atmosphäre in Ostdeutschland. Ihr Buch „Extremwetterlagen“ (Verbrecher Verlag) dokumentiert Kipppunkte und Brüche in der Gesellschaft. Die Texte verbinden reportageartige Nähe mit analytischer Distanz. Sie thematisieren die schleichende Normalisierung rechtsextremer Narrative ebenso wie die Resilienz der Zivilgesellschaft. Besonders wertvoll ist dabei die historische Einordnung, die mentale Kontinuitäten bis in die DDR-Zeit sichtbar macht. Eine wichtige Lektüre für alle, die die aktuellen Entwicklungen in Ostdeutschland fundiert verstehen wollen. C) SEITE 2 (pointiert, ruhig) Hook: Der Begriff „Extremwetterlagen“ meint hier keinen Regen, sondern das soziale Klima einer Region im Umbruch. Teaser: Wie lernt man, gegen den Wind zu atmen, wenn er einem direkt ins Gesicht bläst? Die Reportagen von Präkels, Pruschmann, Thériault und Leistner beschreiben den Osten nicht als Problemzone, sondern als Seismograph. Sie zeigen, wie sich das Miteinander verändert, wenn politische Extreme zum Alltag werden. Ein ruhiges, aber eindringliches Buch über die Temperatur unserer Gesellschaft. QUELLE: https://www.verbrecherverlag.de/wp-content/uploads/2025/05/Leseprobe-Extremwetterlagen.pdf
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