Vortrag von Egon Krenz zum 75. Jahrestag der Gründung der DDR

Zum 75. Jahrestag der Gründung der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) hielt Egon Krenz, der ehemalige Vorsitzende des Staatsrats, einen Vortrag, der die Bedeutung dieses historischen Ereignisses und die bis heute nachwirkenden Errungenschaften der DDR in den Mittelpunkt stellte. Der Vortrag fand im Rahmen einer Gedenkveranstaltung statt, die zahlreiche Menschen verschiedener Generationen anzog, darunter auch viele, die die DDR-Zeit noch persönlich erlebt hatten.

Krenz begann seinen Vortrag mit einem Rückblick auf die Gründung der DDR am 7. Oktober 1949. Er hob hervor, dass die Gründung der DDR nicht als Spaltung Deutschlands, sondern als antifaschistische Antwort auf die politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen in der damaligen Westzone gesehen werden müsse. Die DDR sei der Versuch gewesen, aus den Schrecken des Zweiten Weltkriegs und der Nazi-Diktatur zu lernen und eine gerechtere Gesellschaft aufzubauen. Besonders das Vermächtnis der KZ-Überlebenden von Buchenwald – „Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus!“ – sei das zentrale Leitmotiv gewesen.

Im weiteren Verlauf seines Vortrags richtete sich Krenz direkt an die Generationen, die den Aufbau der DDR mitgetragen haben. Er würdigte die Leistungen und das Engagement der Menschen, die den Arbeiter- und Bauernstaat mit viel persönlichem Einsatz geprägt hätten. Trotz der Herausforderungen und Schwierigkeiten, denen die DDR im Laufe ihrer 40-jährigen Geschichte gegenüberstand, betonte Krenz, dass der Staat auf der Grundlage sozialer Gerechtigkeit und Solidarität errichtet wurde. Die DDR habe sich stets um den Aufbau einer Gesellschaft bemüht, in der der Mensch im Mittelpunkt steht und die Grundbedürfnisse aller Bürger gedeckt sind.

Ein zentraler Aspekt des Vortrags war die Rolle der DDR im internationalen Kontext. Krenz erinnerte daran, dass die DDR ein friedliebender Staat gewesen sei, der niemals Kriege geführt habe. Die friedliche Außenpolitik der DDR, die sich konsequent für den Frieden in Europa einsetzte, stand dabei im Vordergrund. Er betonte, dass die Existenz der DDR und ihrer Bündnispartnerschaft mit der Sowjetunion entscheidend dazu beigetragen habe, über Jahrzehnte hinweg den Frieden in Europa zu sichern. Heute, so Krenz, sei die Welt eine andere – Konflikte, wie der in Jugoslawien in den 1990er Jahren oder die jüngsten Waffenlieferungen in die Ukraine, seien Beispiele für eine andere Politik, die der DDR fremd gewesen wäre.

Besonders kritisch äußerte sich Krenz über die Folgen der deutschen Wiedervereinigung. Das Vermögen der DDR sei nach 1990 weitgehend privatisiert worden, und der wirtschaftliche Rückstand Ostdeutschlands gegenüber dem Westen bestehe bis heute. Er verwies darauf, dass nur ein Bruchteil des ehemaligen Volksvermögens den Menschen im Osten zugutekam. Dies habe zu einer sozialen Ungleichheit geführt, die sich heute in der Eigentumsverteilung widerspiegele.

An die jüngeren Generationen richtete Krenz einen besonderen Appell: Es sei wichtig, die Geschichte der DDR zu bewahren und den kritischen Dialog darüber fortzuführen. Die oft einseitige Darstellung der DDR in den Medien und in der Politik dürfe nicht die einzige Sichtweise bleiben. Die DDR habe versucht, eine gerechtere Welt zu schaffen – ein Versuch, der trotz vieler Herausforderungen und Fehler nicht als gescheitert abgetan werden sollte.

Am Ende seines Vortrags betonte Krenz, dass die DDR keine Fußnote der Geschichte sei, sondern ein bedeutendes Experiment, das gezeigt habe, dass es Alternativen zum Kapitalismus gebe. Die sozialen Errungenschaften der DDR, wie die Gleichberechtigung der Frauen, das Recht auf Bildung und das Recht auf Arbeit, seien Werte, die auch heute noch Gültigkeit haben und verteidigt werden sollten.

Der Vortrag von Egon Krenz fand großen Anklang bei den Zuhörern und rief lebhafte Diskussionen hervor. Viele der anwesenden älteren DDR-Bürger zeigten sich bewegt und bestärkten Krenz in seiner Einschätzung, dass die DDR für viele Menschen mehr als nur ein Staat gewesen sei – sie sei Heimat gewesen.

Insgesamt bot der Vortrag eine differenzierte Reflexion über die DDR-Geschichte und deren Nachwirkungen, ohne die Fehler und Herausforderungen dieser Zeit auszublenden. Krenz’ Worte waren ein Plädoyer für das Gedenken an eine Zeit, die die Menschen im Osten Deutschlands tief geprägt hat und deren Werte und Erfahrungen auch nach 75 Jahren nicht vergessen werden sollten.

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Eine atmosphärische Vermessung der ostdeutschen Gegenwart

FACEBOOK-TEASER A) PROFIL Hook: Manchmal muss man vom Rad steigen oder in einer Lokalredaktion anheuern, um wirklich zu verstehen, wie sich der Wind gedreht hat. Teaser: Wenn wir über den Osten sprechen, landen wir oft schnell bei Wahlergebnissen und Prozentzahlen. Aber was liegt darunter? Was passiert in den Dörfern, an den Stammtischen, in den Vereinen, wenn die Kameras weg sind? Für das Buch „Extremwetterlagen“ haben sich drei Autorinnen und ein Soziologe auf eine intensive Reise durch Sachsen, Brandenburg und Thüringen begeben. Sie waren als „Überlandschreiberinnen“ unterwegs, ganz nah dran an den Menschen. Tina Pruschmann fuhr mit dem Rad durchs Erzgebirge, Barbara Thériault arbeitete in einer Thüringer Lokalzeitung, Manja Präkels besuchte Initiativen in Brandenburg. Was sie mitgebracht haben, sind keine schnellen Urteile, sondern feine Beobachtungen über ein gesellschaftliches Klima, das rauer wird. Es geht um die Normalisierung von Dingen, die früher undenkbar waren. Um das Schweigen im Alltag und die historischen Linien, die bis in die DDR zurückreichen. Alexander Leistner ordnet diese Beobachtungen soziologisch ein und zeigt: Nichts davon kommt aus dem Nichts. Es ist eine Bestandsaufnahme der Gegenwart, die zeigt, wie anstrengend es sein kann, gegen den Wind zu atmen. B) SEITE 1 (Kontext) Hook: Eine literarische und soziologische Vermessung der ostdeutschen Zustände jenseits der üblichen Schlagzeilen. Teaser: Im Vorfeld der letzten Landtagswahlen startete ein besonderes Projekt: Die Autorinnen Manja Präkels, Tina Pruschmann und Barbara Thériault sowie der Soziologe Alexander Leistner erkundeten als „Überlandschreiberinnen“ die gesellschaftliche Atmosphäre in Ostdeutschland. Ihr Buch „Extremwetterlagen“ (Verbrecher Verlag) dokumentiert Kipppunkte und Brüche in der Gesellschaft. Die Texte verbinden reportageartige Nähe mit analytischer Distanz. Sie thematisieren die schleichende Normalisierung rechtsextremer Narrative ebenso wie die Resilienz der Zivilgesellschaft. Besonders wertvoll ist dabei die historische Einordnung, die mentale Kontinuitäten bis in die DDR-Zeit sichtbar macht. Eine wichtige Lektüre für alle, die die aktuellen Entwicklungen in Ostdeutschland fundiert verstehen wollen. C) SEITE 2 (pointiert, ruhig) Hook: Der Begriff „Extremwetterlagen“ meint hier keinen Regen, sondern das soziale Klima einer Region im Umbruch. Teaser: Wie lernt man, gegen den Wind zu atmen, wenn er einem direkt ins Gesicht bläst? Die Reportagen von Präkels, Pruschmann, Thériault und Leistner beschreiben den Osten nicht als Problemzone, sondern als Seismograph. Sie zeigen, wie sich das Miteinander verändert, wenn politische Extreme zum Alltag werden. Ein ruhiges, aber eindringliches Buch über die Temperatur unserer Gesellschaft. QUELLE: https://www.verbrecherverlag.de/wp-content/uploads/2025/05/Leseprobe-Extremwetterlagen.pdf
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