Rückkehr in die Heimat: Chancen und Herausforderungen in Mecklenburg-Vorpommern

In der Agentur von Martin Horst (39) dreht sich alles um Design, Marken und Kommunikation. Der gebürtige Neubrandenburger hat sich bewusst für seine Heimat entschieden. Für ihn waren Großstädte wie Hamburg oder Berlin nie eine Option. „Die krasseste Frage, die mir vor zwölf Jahren gestellt wurde, war: ‚Watt arbeitet man hier, hier ist doch nüscht‘“, erzählt Martin. Trotz dieser Vorurteile spürt er, dass sich die Wahrnehmung seiner Heimat im Bundeskontext verändert hat. „Wir wurden immer total unterschätzt. Es ist nicht mehr ganz so schlimm, aber die Leute wissen nicht, was hier geht. Sie denken, das ist hier Niemandsland.“

Das war für ihn ein Ansporn, zu zeigen, dass in Mecklenburg-Vorpommern viel möglich ist. Die Gründung seiner Firma geschah nicht in einer Großstadt, sondern wenige Kilometer entfernt – im Kinderzimmer auf dem Bauernhof seiner Eltern. „Bis auf ein Auslandsjahr ist Martin immer in Mecklenburg-Vorpommern geblieben“, stellt er fest. „Hier kann ich nicht nur Spuren hinterlassen, sondern auch etwas Positives bewirken. Für mich persönlich, weil ich mich damit ausleben kann, und auch für meine Heimat.“

Ein weiterer Blick auf Mecklenburg-Vorpommern führt uns zu Marina Spranger (41), die nach mehreren Jahren in Köln seit 2019 auf Usedom lebt. „Mecklenburg-Vorpommern ist für mich Naherholung und Sehnsuchtsort. Das macht mein Herz ganz weit auf. Wenn ich an den Strand komme, kann ich loslassen; alles fällt ab.“ Wie viele andere zog sie nach dem Studium in den Westen, um bessere Jobchancen zu nutzen. In Köln arbeitete sie als Medienmanagerin, bevor sie beschloss, zurückzukehren. „Irgendwie hatte ich dann genug. Es war sehr spürbar, dass der Zeitpunkt gekommen ist, hier wiederherzukommen und mein Wissen mitzubringen, um ein Stück weit etwas zu verändern.“

Der Traum vom Zurückkommen wurde für Marina nur möglich, weil es nun passende Jobs in ihrer Heimat gibt, insbesondere im digitalen Marketing. Sie wirbt für ihren Arbeitgeber auch auf „Rückkehrermessen“ und ermutigt andere, zurückzukehren. „Ich sage, dass es sich lohnt, hierherzukommen, dass sich die Region entwickelt hat und dass man hier sehr glücklich werden kann.“

Marina ist sich der kritischen Sicht vieler aus dem Westen auf den Osten bewusst, insbesondere wegen der AfD. „Das ist vielleicht in Teilen so, aber das braucht keinen Stempel, sondern Gehör und Verständnis. Im besten Fall gibt es sogar ein gegenseitiges Verständnis“, meint sie und bezieht klar Stellung.

Zurück bei Martin Horst, der sich gerade auf die Baubesichtigung eines neuen Projekts vorbereitet. Er plant, einen alten Baumarkt in eine neue Eismanufaktur umzubauen. „Das ist mein nächstes Projekt, und es ist bewusst auf dem Land“, erklärt er. „Dadurch entsteht vielleicht etwas, was einen selbst glücklich macht, und vielleicht trägt es dazu bei, dass das Umfeld positiv beeinflusst wird, weil Arbeitsplätze entstehen und Wertschöpfungen in der Region stattfinden.“ Auch regionale Partnerschaften sind für ihn von Bedeutung. „Wir arbeiten mit regionalen Firmen zusammen und möchten in Mecklenburg-Vorpommern bleiben. Es ist für mich ein optimaler Ort für ‚Macher‘.“

Er wünscht sich mehr Selbstbewusstsein in der Region. „Ich würde mir wünschen, dass wir mit mehr Selbstbewusstsein für das eintreten, was wir leisten. Wir haben den Beweis angetreten, dass wir Dinge hinbekommen. Ich glaube, das ist ein Ostding, dass man gebückter durch die Gegend geht, statt aufrecht und stolz. Wir können auf vieles stolz sein. Mehr Selbstbewusstsein ist ein Punkt, bei dem sich beide, Martin und Marina, einig sind, wenn sie über Mecklenburg-Vorpommern sprechen.“

Theresia, eine weitere Protagonistin dieser Diskussion, bringt es auf den Punkt: „Es lohnt sich, in den Osten zurückzukehren. Ich würde aus Trotz sagen, man darf die Räume nicht den Extremisten überlassen.“ Sie spricht die Überalterung in MV an und betont, dass es viele leerstehende Orte gibt, die man in großen Städten wie Berlin oder Hamburg nicht findet. „Trotzdem kann ich es den Menschen nicht übel nehmen, die im Osten wegen der Diskriminierung durch Migrant*innen jetzt im Westen leben. Ich hatte hier nicht die Studienmöglichkeiten. Ich wollte Jura studieren und bin also nach Köln und Paris gegangen. Aber im Westen habe ich derzeit mehr Perspektiven.“

Theresia plädiert dafür, die Gebiete nicht den Rechten zu überlassen. „Verstehen Sie, wenn Leute Vorbehalte haben, hierher zu ziehen? Ich würde Menschen ermutigen, in ostdeutsche Gebiete zu gehen. Es lohnt sich zu kämpfen und Gleichgesinnte zu suchen. Man sollte nicht naiv sein. Man muss sich damit auseinandersetzen, dass man eventuell Hass erfährt.“

Ihre Sichtweise auf die Zukunft ist optimistisch, auch wenn die aktuelle politische Situation besorgniserregend ist. „Ich bin aus Prinzip optimistisch. Ich sehe viele Tendenzen der Polarisierung in Debatten. Es hängt davon ab, wie wir es schaffen, den demokratischen Diskurs zu beleben. Wir müssen die Abstiegsängste von allen Menschen ernst nehmen. Ich glaube, wir können es schaffen.“ Theresia betont, dass eine Kommunikation auf Augenhöhe notwendig ist, um ein gemeinsames Verständnis zu entwickeln.

Obwohl sie kurzfristig pessimistisch ist und Bauchschmerzen hat, wenn sie die politischen Debatten beobachtet, bleibt sie optimistisch, dass ein Wandel möglich ist. „Danke schön, Theresia Crone“, schließt der Dialog.

Die Geschichten von Martin, Marina und Theresia zeigen, dass es in Mecklenburg-Vorpommern eine lebendige Kultur des Wandels gibt. Die Rückkehr in die Heimat ist für viele eine Entscheidung, die mit Hoffnungen und Herausforderungen verbunden ist. Doch die Motivation, aktiv an der Gestaltung der Zukunft mitzuwirken, ist stark und treibt viele an, ihre Heimat neu zu entdecken und zu gestalten.

Das Sicherheitsgefühl in der DDR als soziale und biografische Erfahrung

FACEBOOK-TEASER A) PROFIL: Hook: Sicherheit ist für viele Menschen, die in der DDR aufgewachsen sind, kein abstrakter Begriff aus der Kriminalstatistik, sondern eine Erinnerung an ein Lebensgefühl der Vorhersehbarkeit. Teaser: Wer heute zuhört, wenn Ostdeutsche über ihre Vergangenheit sprechen, stößt oft auf eine Diskrepanz zwischen der historischen Realität einer Diktatur und dem persönlichen Erleben eines geschützten Alltags. Diese Wahrnehmung basiert stark auf der Erfahrung einer fast lückenlosen sozialen Absicherung. Der Arbeitsplatz war garantiert, die Miete festgeschrieben, und der Lebensweg verlief oft in geregelten Bahnen, die kaum individuelle Risiken bargen. Diese staatlich garantierte Statik nahm dem Alltag eine existenzielle Schärfe, die erst mit den Umbrüchen der Nachwendezeit in das Leben vieler Menschen trat. Hinzu kam ein öffentlicher Raum, der durch eine hohe soziale Kontrolle und geringe Mobilität geprägt war. Man blieb oft über Jahrzehnte im gleichen Wohnviertel, kannte das Umfeld und bewegte sich in einer homogenen Gesellschaft, in der Fremdheit die absolute Ausnahme bildete. Die staatliche Ordnungsmacht sorgte zudem rigoros dafür, dass Konflikte selten sichtbar im Straßenbild ausgetragen wurden. In der Rückschau verschmelzen diese Faktoren – die soziale Planbarkeit, die vertraute Umgebung und die sichtbare Ruhe – zu einem Sicherheitsbegriff, der sich fundamental von heutigen Definitionen unterscheidet. Er beschreibt weniger den Schutz vor Verbrechen als vielmehr die Abwesenheit von unvorhersehbaren Veränderungen. B) SEITE 1 und 2 (Kontext): Hook: Wenn Ostdeutsche sagen, früher sei es sicherer gewesen, vergleichen sie die Gegenwart oft nicht mit dem politischen System der DDR, sondern mit einer spezifischen Form der sozialen Stabilität. Teaser: Die Analyse dieses Gefühls zeigt, dass Sicherheit in diesem Kontext vor allem als Planbarkeit des eigenen Lebens verstanden wird. In der DDR waren Erwerbsbiografien und Wohnsituationen langfristig gesichert, was eine mentale Entlastung von existenziellem Wettbewerb bedeutete. Der abrupte Wegfall dieser Strukturen nach 1990 und die Erfahrung massiver Unsicherheit prägen den rückblickenden Vergleich bis heute. Verstärkt wird dies durch den Kontrast zwischen der damaligen medialen Filterung, die Konflikte ausblendete, und der heutigen Informationsdichte, die Risiken permanent sichtbar macht. Sicherheit erscheint in dieser Lesart als ein Zustand, in dem die Komplexität der Welt noch überschaubar war. QUELLE Basis: Video-Analyse „Warum viele Ostdeutsche sagen: ‚In der DDR war es sicherer‘“