Thüringens Finanzministerin Taubert stellt Bericht der Haushaltsstrukturkommission vor

Erfurt. Finanzministerin Heike Taubert hat heute den Bericht der Haushaltsstrukturkommission „Zukunftsfähigkeit der Haushalte des Freistaats Thüringen sichern“ im Kabinett vorgestellt: „Aktuell stehen wir vor vielen Herausforderungen, zum Beispiel in den Bereichen Digitalisierung, demografischer Wandel und Transformation, um nur einige zu nennen. In der Kommission haben wir Ansatzpunkte besprochen, wie wir diese Aufgaben am besten angehen und mit einer nachhaltigen Finanzpolitik bei verändertem Umfeld in Einklang bringen können.“

Im Dezember des letzten Jahres hat der Thüringer Landtag – im Zusammenhang mit der Verabschiedung des Landeshaushalts für das Jahr 2024 – die Landesregierung aufgefordert, eine Haushaltsstrukturkommission unter Federführung des Finanzministeriums einzusetzen. Im Kern geht es darum, wie künftig ein strukturelles Defizit im Landeshaushalt vermieden werden kann. Dabei soll zum einen die Qualität der staatlichen Leistungserbringung nicht geschmälert werden. Zum anderen sollen gleichzeitig ausreichend Mittel vorhanden sein, um die drängenden Zukunftsaufgaben zu bewältigen.

Der Bericht befasst sich zunächst mit der vergangenen Haushaltspolitik und stellt somit eine Art Bestandsaufnahme zum Thüringer Landeshaushalt dar. Hier zeigt sich, dass die Haushaltsergebnisse insbesondere der Vorkrisenjahre bis 2019 durchaus positiv ausgefallen sind. Gleichzeitig haben einige Entwicklungen in der Vergangenheit sowie die Folgen der krisengeprägten Jahre seit 2020 dazu geführt, dass die Handlungsspielräume im Landeshauhalt erheblich abgenommen haben. Ministerin Taubert dazu: „Zuletzt hat uns die jüngste Steuerschätzung noch einmal verdeutlicht, dass es ein einfaches ´Weiter so´ nicht geben kann, weil die Einnahmen zwar weiter ansteigen, aber nicht mehr so stark wie vor den Krisen.“ Dieser Einnahmeentwicklung stehen wachsende Ausgabewünsche in verschiedenen Bereichen gegenüber. Ministerin Taubert sagt: „Wir sind uns der Verantwortung bewusst, dass wir diese Herausforderungen meistern müssen, damit Thüringen auch in Zukunft ein attraktiver Standort für Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen bleibt.“

Mit Blick auf die laufende Haushaltsaufstellung für das Jahr 2025 sieht die Finanzministerin die erste Bewährungsprobe für die Ideen der Kommission: „Aktuell liegen das, was wir finanzieren können und das, was ausgegeben werden soll, noch sehr weit auseinander. Der erste Schritt muss sein, Einnahmen und Ausgaben wieder näher zusammenzubringen. Wir müssen dem Auftrag des Landtags entsprechend dahin kommen, dass die laufenden Einnahmen die Ausgaben decken. Die Haushaltsausgleichsrücklage dient zu allererst der Risikovorsorge.“

Mittelfristig müssen die Chancen der Digitalisierung und der Automation genutzt werden, um den Folgen des absehbaren Fachkräftemangels in der öffentlichen Verwaltung entgegentreten zu können. Durch Priorisierungen und Umschichtungen sollen zudem mehr Mittel für Investitionen in die Zukunftsbereiche des Landes mobilisiert werden.

Katharina Thalbach bei Gaus: Von der Utopie und der Fremdheit im Westen

FACEBOOK-TEASER A) PROFIL Hook: Sie musste sich nie emanzipieren, weil sie gar nicht wusste, dass sie unfrei sein sollte. Teaser: Wenn Katharina Thalbach über ihre Jahre in der DDR spricht, dann fehlt jeder Ton der Bitterkeit. Im Gespräch mit Günter Gaus, geführt 1996, beschreibt sie eine Jugend im Schatten des Berliner Ensembles, geprägt von der Strenge Helene Weigels und dem Geist Bertolt Brechts. Doch viel spannender ist ihr Blick auf das normale Leben: Für Thalbach war die Gleichberechtigung der Frau keine erkämpfte Errungenschaft, sondern gelebter Alltag. Arbeit, Kinder, Unabhängigkeit – das war die Basis, auf der sie stand. Der Kulturschock folgte erst mit dem Wechsel in den Westen im Jahr 1976. Plötzlich traf sie auf eine Gesellschaft, die Emanzipation erst theoretisch diskutieren musste. Thalbachs Beobachtungen sind dabei so scharf wie unaufgeregt. Sie beschreibt das westliche Theater als oft ich-bezogen, während die Kunst im Osten eine politische Dringlichkeit besaß, eine Art geheime Kommunikation zwischen Bühne und Publikum. Sie hat die DDR verlassen, aber die Utopie einer gerechten Gesellschaft, die ihr dort „anerzogen“ wurde, hat sie mitgenommen. Berlin ist für sie Mitte der Neunzigerjahre eine große Baustelle, und genau diesen Zustand liebt sie. Das Unfertige, das Offene ist ihr lieber als der satte Stillstand. B) SEITE 1 (Kontext) Hook: War Kunst in der DDR wichtiger als im Westen? Teaser: Für Katharina Thalbach ist die Antwort eindeutig. Im Rückblick auf ihre Arbeit in Ost-Berlin und ihren Wechsel in die Bundesrepublik 1976 zeichnet sie einen interessanten Vergleich der Systeme. Im Osten war das Theater politisch aufgeladen, eine „Geheimsprache“, die von oben und unten verstanden wurde. Jedes Wort auf der Bühne hatte Gewicht, weil es Reibung erzeugte. Im Westen dagegen erlebte sie eine Kulturszene, die oft mehr mit sich selbst beschäftigt war als mit gesellschaftlichen Fragen. Die Relevanz, die Schwere der Kunst, sie fehlte ihr. Thalbachs Analyse aus dem Jahr 1996 ist keine Ostalgie, sondern eine kulturelle Bestandsaufnahme: Was geht verloren, wenn Kunst nicht mehr Reibungsfläche sein muss, sondern nur noch Ware sein darf? Die Schauspielerin bleibt skeptisch gegenüber einem System, das allein auf Verkäuflichkeit setzt. C) SEITE 2 (pointiert, ruhig) Hook: Entmündigung gab es in beiden Systemen, nur die Methoden waren verschieden. Teaser: Katharina Thalbach macht es sich nicht leicht mit dem Urteil über die DDR und die Bundesrepublik. Dem Osten wirft sie vor, die Menschen zu ihrem Glück zwingen zu wollen – eine klare Entmündigung. Doch auch den Westen spricht sie nicht frei. Hier geschehe die Entmündigung subtiler, verdeckt durch Konsum und scheinbare Freiheit. Ihr Fazit ist das einer Beobachterin, die sich ihre Utopien nicht nehmen lässt, auch wenn die Realität sie selten einlöst.