Das Erzgebirge verneigt sich vor einem seiner größten Helden: Holger Erler, der legendäre Mittelfeldstratege von Wismut Aue, hat seinen 75. Geburtstag gefeiert. Als prägende Figur des DDR-Fußballs wird er bis heute verehrt und verkörpert wie kaum ein anderer die ehrlichen Tugenden des Kumpelvereins.
Erler war auf dem Platz der unumstrittene Spielmacher mit der Nummer 10 auf dem Rücken. In 359 Oberligaspielen erzielte er sagenhafte 78 Tore. Besonders bei ruhenden Bällen galt er als absolute Koryphäe – Freistöße, Ecken und Strafstöße waren seine unverkennbare Spezialität. Als erfolgreichster Elfmeterschütze verwandelte er sieben von sieben Antritten absolut treffsicher. Sein Erfolgsrezept beschrieb er augenzwinkernd selbst: Ein kurzer Anlauf, ein provozierter kleiner Schrittfehler, um den Torwart zu einer frühen Bewegung zu zwingen, und dann der gezielte Schuss sicher in die linke oder rechte Ecke.
Trotz verlockender Angebote der Konkurrenz, unter anderem von Trainer Walter Fritsch, der ihn unbedingt zu Dynamo Dresden holen wollte, blieb Erler seiner Mannschaft stets treu. Sein Lebensmotto „Einmal Wismut, immer Wismut“ war für ihn ein gelebtes Versprechen. Die tiefe Verbundenheit zwischen den hart arbeitenden Bergarbeitern und den Fußballern ging in Aue so weit, dass die Spieler mindestens zweimal pro Woche selbst mit in den Schacht einfahren mussten. Nach der Schicht unter Tage wurden sie direkt auf dem Schachtgelände vom Masseur behandelt, bevor am späten Nachmittag noch eine intensive Trainingseinheit auf dem Plan stand.
Dieser unbändige Fleiß und der starke Zusammenhalt zahlten sich auf dem Platz aus. Im Frühjahr 1985 krönte die Mannschaft ihre unermüdlichen Leistungen mit einem sensationellen 4. Platz in der Oberliga, der gleichbedeutend mit dem Einzug in den Europapokal war. Erler benennt das damalige Erfolgsgeheimnis klar: Eine perfekte Symbiose aus fünf oder sechs herausragenden Fußballern und den kämpferischen Mitspielern, die sich auf dem Platz bedingungslos für das Team aufopferten.
Auch nach der politischen Wende blieb das Urgestein dem Verein erhalten und feierte als Co-Trainer an der Seite von Gerd Schädlich den historischen Aufstieg in die 2. Bundesliga. Für viele Anhänger prägten sie gemeinsam die wohl besten und emotionalsten Jahre der „Veilchen“.
Der Blick auf Holger Erlers beeindruckendes Lebenswerk ist weit mehr als eine nostalgische Reise in die Vergangenheit – es ist eine strahlende Inspiration für die Zukunft. Seine beispiellose Loyalität, sein unermüdlicher Einsatz und seine tief verwurzelte Leidenschaft beweisen eindrucksvoll, dass wahre Vereinsliebe Berge versetzen kann. Es sind genau diese bodenständigen Charakterköpfe, die den Fußball so faszinierend machen. Sie schenken den Fans die wunderbare Gewissheit, dass mit echtem Teamgeist und unverrückbarem Zusammenhalt auch morgen noch sportliche Wunder möglich sind. Auf viele weitere gesunde, freudvolle Jahre für dieses unersetzliche Aue-Urgestein!