Das gelb-rote Markenbild prägte das Straßenbild, doch dahinter stand ein komplexes System der staatlichen Mangelverwaltung.
Die Versorgung mit Kraftstoffen in der Deutschen Demokratischen Republik folgte einer Logik, die sich grundlegend von marktwirtschaftlichen Prinzipien unterschied. Nach dem Zweiten Weltkrieg stand die sowjetische Besatzungszone vor einer zerstörten Infrastruktur und einem fragmentierten Markt verschiedener Mineralölgesellschaften. Die politische Antwort darauf war die Zentralisierung. Bereits 1949 wurde die Marke Minol etabliert, die später im VEB Kombinat Minol aufging. Dieses Staatsunternehmen kontrollierte fortan die gesamte Wertschöpfungskette, von der Produktion in den Leuna-Werken bis zur Abgabe an der Zapfsäule. Ein Wettbewerb fand nicht statt, das Monopol war staatlich verordnet und lückenlos.
Trotz der fehlenden Konkurrenz investierte der Staat massiv in die Markenidentität. Der Minol-Pirol, ein gelber Vogel mit blauem Bauch, avancierte zu einer der bekanntesten Werbefiguren des Landes. Mit einer Bekanntheit von nahezu 97 Prozent drang der Slogan der „stets dienstbereiten“ Versorgung tief in das kollektive Bewusstsein ein. Die rot-gelbe Farbgebung der Tankstellen definierte das Straßenbild. Diese Markenbildung erfüllte in einer Mangelwirtschaft eine spezifische Funktion: Sie sollte Versorgungssicherheit suggerieren und Vertrauen in die staatliche Infrastruktur schaffen, auch wenn die Realität an den Zapfsäulen oft anders aussah.
Die Dichte des Tankstellennetzes blieb über Jahrzehnte hinweg gering. In den achtziger Jahren existierten für das gesamte Gebiet der DDR lediglich etwa 1.250 bis 1.300 Tankstellen. Im Vergleich zur wachsenden Motorisierung der Bevölkerung führte dies zwangsläufig zu Engpässen. Vor allem in der Ferienzeit und an Wochenenden waren lange Warteschlangen die Regel. Der gefüllte Reservekanister im Kofferraum war daher weniger eine Vorsichtsmaßnahme als vielmehr eine Notwendigkeit für jeden Kraftfahrer, um nicht auf entlegenen Landstraßen ohne Treibstoff liegenzubleiben.
Ein prägnantes Beispiel für den Umgang mit diesen logistischen Herausforderungen war die sogenannte Nachttankbox. Da viele Stationen keine 24-Stunden-Besetzung gewährleisten konnten, entwickelte man ein System der Selbstbedienung aus der Not heraus. Kunden konnten tagsüber einen Schlüssel erwerben, der nachts Zugang zu einer Box gewährte, in der ein gefüllter Kanister bereitstand. Diese improvisierte Lösung zeigt exemplarisch, wie innerhalb der starren Planvorgaben pragmatische Wege gesucht wurden, um die Mobilität der Bevölkerung zumindest rudimentär aufrechtzuerhalten.
Die Preispolitik war dabei ein politisches Instrument. Die Kosten für Kraftstoff blieben über fast drei Jahrzehnte hinweg stabil, ungeachtet der Schwankungen auf dem Weltmarkt. Ein Liter Normalbenzin kostete konstant 1,50 Mark. Diese Subventionierung war Teil des sozialen Vertrags zwischen Staat und Bevölkerung, der stabile Lebenshaltungskosten garantierte. Wirtschaftlich betrachtet führte dies jedoch zu einer Entkopplung von realen Kosten und Verbraucherpreisen, was den Staatshaushalt zunehmend belastete und Investitionen in die Modernisierung der Infrastruktur erschwerte.
Parallel dazu existierte mit dem Intertank-Netz eine zweite Realität. Diese Stationen, erkennbar an den grün-weißen Säulen, richteten sich primär an den Transitverkehr und zahlungskräftige Westbesucher. Hier wurde in D-Mark abgerechnet, das Angebot umfasste hochwertigere Kraftstoffe und entsprach eher westlichen Standards. Diese Einrichtungen dienten der gezielten Devisenbeschaffung. Sie illustrieren die ökonomische Zerrissenheit des Systems, das einerseits ideologische Autarkie propagierte, andererseits aber dringend auf westliche Währungen angewiesen war, um die eigene Zahlungsfähigkeit zu sichern.
Das Serviceangebot an den regulären Minol-Stationen unterschied sich ebenfalls deutlich vom heutigen Standard. Der Fokus lag auf technischer Notwendigkeit. Statt Snacks und Getränken wurden Zündkerzen, Keilriemen und Sicherungen verkauft. Die Trennung von chemischen Kraftstoffen und Lebensmitteln wurde strikt eingehalten. Der Tankwart blieb bis in die späten achtziger Jahre eine zentrale Figur, die nicht nur kassierte, sondern oft auch Wartungsarbeiten übernahm. Die Einführung der Selbstbedienung erfolgte nur zögerlich, da man der Expertise des Personals den Vorzug vor der Schnelligkeit gab.
Mit der politischen Wende 1989 endete die Ära des staatlichen Monopols abrupt. Der Versuch, Minol als eigenständige Marke in der Marktwirtschaft zu etablieren, scheiterte an den neuen Eigentumsverhältnissen und dem Wettbewerb. Der Verkauf an den französischen Konzern Elf Aquitaine im Jahr 1993, bekannt als Leuna-Affäre, markierte den endgültigen Übergang. Das Netz wurde bereinigt, modernisiert und in internationale Konzernstrukturen integriert. Die rot-gelben Stationen verschwanden fast vollständig und mit ihnen eine spezifische Form der ostdeutschen Alltagskultur.