Die letzte Flottenparade der Volksmarine der DDR 1989

Die Ostsee glitzerte im milden Herbstlicht, als die Schiffe der Volksmarine an diesem besonderen Tag in den Hafen von Rostock einliefen. Die DDR beging ihr 40-jähriges Bestehen – und die Führung wollte noch einmal ihre militärische Stärke zur Schau stellen. Doch was als Machtdemonstration gedacht war, sollte sich schon bald als Abschiedsvorstellung entpuppen.

Eine Inszenierung zum Staatsjubiläum
Am 7. Oktober 1989 präsentierte die Volksmarine ihre Schlagkraft mit einer groß angelegten Flottenparade in der Ostsee vor Rostock. Dutzende Schiffe, darunter Raketenschnellboote, Minensucher, Fregatten und U-Jagd-Korvetten der Parchim-Klasse, nahmen an der Parade teil. Überflüge von Marinefliegern begleiteten die Inszenierung, während an Bord der Schiffe Offiziere in Paradeuniform salutierten. Die Führung der Nationalen Volksarmee wollte mit der Veranstaltung ein Zeichen setzen: Die DDR war wehrhaft, die Volksmarine kampfbereit.

Doch abseits der militärischen Posen war die Stimmung gedrückt. Bereits seit Wochen brodelte es im Land, die Proteste gegen das Regime wuchsen. Während in Rostock noch Schiffe ihre Formation hielten, waren in Leipzig bereits Zehntausende auf den Straßen. Es war eine Machtdemonstration in einem Staat, dessen Ende bereits spürbar war.

Die letzte Parade einer untergehenden Marine
Während die Schiffe der Volksmarine auf dem Wasser exerzierten, bröckelte die Macht der SED an Land. Nur einen Monat später, am 9. November 1989, fiel die Berliner Mauer. Mit der deutschen Einheit im Jahr 1990 wurde auch die Volksmarine aufgelöst. Ein Großteil der Schiffe wurde außer Dienst gestellt, einige an andere Staaten verkauft, wenige in die Bundesmarine integriert. Die letzte große Flottenparade der DDR war damit rückblickend nicht mehr als eine nostalgische Momentaufnahme – eine Erinnerung an eine Streitmacht, die kurz darauf Geschichte war.

Heute erinnert in Rostock kaum noch etwas an die große Seestreitmacht der DDR. Die Parade von 1989 bleibt in der Erinnerung als eine Inszenierung eines Staates, der seine eigene Zukunft nicht mehr bestimmen konnte. Ein letztes Aufbäumen einer Marine, die nie einen Krieg erlebte, aber dennoch für einen untergehenden Staat demonstrierte.

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Eine atmosphärische Vermessung der ostdeutschen Gegenwart

FACEBOOK-TEASER A) PROFIL Hook: Manchmal muss man vom Rad steigen oder in einer Lokalredaktion anheuern, um wirklich zu verstehen, wie sich der Wind gedreht hat. Teaser: Wenn wir über den Osten sprechen, landen wir oft schnell bei Wahlergebnissen und Prozentzahlen. Aber was liegt darunter? Was passiert in den Dörfern, an den Stammtischen, in den Vereinen, wenn die Kameras weg sind? Für das Buch „Extremwetterlagen“ haben sich drei Autorinnen und ein Soziologe auf eine intensive Reise durch Sachsen, Brandenburg und Thüringen begeben. Sie waren als „Überlandschreiberinnen“ unterwegs, ganz nah dran an den Menschen. Tina Pruschmann fuhr mit dem Rad durchs Erzgebirge, Barbara Thériault arbeitete in einer Thüringer Lokalzeitung, Manja Präkels besuchte Initiativen in Brandenburg. Was sie mitgebracht haben, sind keine schnellen Urteile, sondern feine Beobachtungen über ein gesellschaftliches Klima, das rauer wird. Es geht um die Normalisierung von Dingen, die früher undenkbar waren. Um das Schweigen im Alltag und die historischen Linien, die bis in die DDR zurückreichen. Alexander Leistner ordnet diese Beobachtungen soziologisch ein und zeigt: Nichts davon kommt aus dem Nichts. Es ist eine Bestandsaufnahme der Gegenwart, die zeigt, wie anstrengend es sein kann, gegen den Wind zu atmen. B) SEITE 1 (Kontext) Hook: Eine literarische und soziologische Vermessung der ostdeutschen Zustände jenseits der üblichen Schlagzeilen. Teaser: Im Vorfeld der letzten Landtagswahlen startete ein besonderes Projekt: Die Autorinnen Manja Präkels, Tina Pruschmann und Barbara Thériault sowie der Soziologe Alexander Leistner erkundeten als „Überlandschreiberinnen“ die gesellschaftliche Atmosphäre in Ostdeutschland. Ihr Buch „Extremwetterlagen“ (Verbrecher Verlag) dokumentiert Kipppunkte und Brüche in der Gesellschaft. Die Texte verbinden reportageartige Nähe mit analytischer Distanz. Sie thematisieren die schleichende Normalisierung rechtsextremer Narrative ebenso wie die Resilienz der Zivilgesellschaft. Besonders wertvoll ist dabei die historische Einordnung, die mentale Kontinuitäten bis in die DDR-Zeit sichtbar macht. Eine wichtige Lektüre für alle, die die aktuellen Entwicklungen in Ostdeutschland fundiert verstehen wollen. C) SEITE 2 (pointiert, ruhig) Hook: Der Begriff „Extremwetterlagen“ meint hier keinen Regen, sondern das soziale Klima einer Region im Umbruch. Teaser: Wie lernt man, gegen den Wind zu atmen, wenn er einem direkt ins Gesicht bläst? Die Reportagen von Präkels, Pruschmann, Thériault und Leistner beschreiben den Osten nicht als Problemzone, sondern als Seismograph. Sie zeigen, wie sich das Miteinander verändert, wenn politische Extreme zum Alltag werden. Ein ruhiges, aber eindringliches Buch über die Temperatur unserer Gesellschaft. QUELLE: https://www.verbrecherverlag.de/wp-content/uploads/2025/05/Leseprobe-Extremwetterlagen.pdf
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