November 1968 – Grundsteinlegung am Leninplatz mit Walter Ulbricht

Mitten im sozialistischen Aufbau Ost-Berlins markiert die Grundsteinlegung für den neuen Leninplatz einen zentralen Moment der ideologischen Stadtplanung in der DDR. Am 19. November 1968 versammeln sich hunderte Bürgerinnen und Bürger, um einem symbolträchtigen Akt beizuwohnen. Auf einem weitläufigen, noch unbebauten Areal, das bis dahin unspektakulär zwischen Friedrichshain und Mitte lag, entsteht ein neues Zentrum sozialistischer Repräsentation.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung steht Staats- und Parteichef Walter Ulbricht, der persönlich den Grundstein für den Platz legt, auf dem später das monumentale Lenin-Denkmal des sowjetischen Bildhauers Nikolai Tomski stehen wird. Umrahmt wird die Szene von Parteifunktionären, darunter ein auffällig präsenter Erich Honecker, zu diesem Zeitpunkt noch Sekretär des Zentralkomitees, aber längst im Aufstieg begriffen.

Die Bühne ist schlicht, doch voller Symbolik: rote Fahnen, das Konterfei Lenins, große Transparente mit Slogans wie „Die Ideen Lenins leben – unser Weg zum Sozialismus“. Auf der Tribüne versammeln sich Funktionäre der SED, Mitglieder der FDJ und Vertreter der DDR-Betriebe. Die Reden, allen voran Ulbrichts, betonen den internationalen Charakter des Sozialismus und die unerschütterliche Freundschaft zur Sowjetunion. Der Leninplatz soll nicht nur ein architektonisches Projekt sein, sondern ein ideologisches Bekenntnis: zur Geschichtsschreibung im Sinne der Partei, zur urbanen Zukunftsvision einer sozialistischen Hauptstadt.

Die filmischen Aufnahmen zeigen eine Mischung aus Inszenierung und volkstümlicher Beteiligung. Die Menge applaudiert diszipliniert, Kinder tragen Blumen, Arbeiter stehen in Kolonnen. Es ist ein Bild jener Zeit, in der politische Macht in Stein gegossen und der öffentliche Raum zur Bühne des Sozialismus wurde.

Grau in Grau mit bunten Haaren: Die Nischenökonomie der Verweigerung

2. Teaser 1. Persönlich Verdacht. Sobald ich die Tür öffne, bin ich schuldig. Mein Verbrechen? Ein Rucksack und ein Schlafsack. Für die Vopos bin ich sofort ein Ausreißer, ein Heimflüchtling, ein Staatsfeind. Dabei will ich nur meine Ruhe vor eurem hohlen „Liebesgeblabel“ im Radio. Ich bin links, verdammt noch mal, vielleicht linker als ihr in euren Ämtern. Aber ich spiele euer Spiel nicht mehr mit. Ich baue Lockenwickler für eine Mark und höre Musik, die wehtut. Denn eines habe ich gelernt: Wer Kompromisse macht, ist schon tot. 2. Sachlich-Redaktionell Zeitdokument. Sie waren die Störgeräusche im perfekt inszenierten Sozialismus: Punks in der DDR. Exklusive Originalaufnahmen aus den 1980er Jahren geben einen tiefen Einblick in eine Szene, die zwischen staatlicher Repression und kreativer Nischenexistenz balancierte. Der Artikel beleuchtet, wie Jugendliche durch Kleidung und Musik ihre Ablehnung des Systems ausdrückten, wie sie trotz Überwachung ökonomische Schlupflöcher fanden und warum der „Schlafsack“ zum Symbol für den Konflikt mit der Staatsmacht wurde. Eine Analyse der Verweigerung. 3. Analytisch und Atmosphärisch Dissonanz. Grau ist die dominierende Farbe, Beton das Material der Macht. Doch in den Rissen dieser monolithischen Gesellschaft wucherte etwas Buntes, Lautes, Unkontrollierbares. Die Punkbewegung der DDR war weniger eine politische Opposition im klassischen Sinne als vielmehr eine existenzielle Notwendigkeit für jene, die an der stickigen Luft der Konformität zu ersticken drohten. Wir blicken auf eine Atmosphäre der permanenten Anspannung, in der ein Haarschnitt eine politische Stellungnahme war und die absolute Verweigerung des Kompromisses zur einzigen Überlebensstrategie der eigenen Identität wurde.

Der Entwurf für ein freies Mediengesetz im Dezember 1989

Journalistischer Text - Profil Zehn Thesen für eine neue Medienordnung der DDR Am 21. Dezember 1989 wird ein Text öffentlich, in dem Journalisten und Künstler gemeinsam formulieren, wie eine freie Presse in Zukunft rechtlich abgesichert werden soll. Wenn ich heute diesen Entwurf lese, sehe ich darin den Versuch jener Generation, die Deutungshoheit über die eigene Wirklichkeit zurückzugewinnen. Man spürt beim Betrachten der Punkte, dass es einigen Akteuren nicht nur um Reformen ging, sondern um eine fundamentale Neudefinition des Verhältnisses zwischen Staat und Öffentlichkeit, getragen von der Erfahrung jahrelanger Gängelung. Es scheint, als hätten viele Beteiligte in diesen Wochen die seltene historische Lücke erkannt, in der man Strukturen schaffen wollte, die immun gegen Machtmissbrauch sind. Für den heutigen Betrachter wirkt der Text wie ein Dokument des Übergangs, in dem die Hoffnung auf eine selbstbestimmte, demokratische DDR-Gesellschaft noch greifbar ist. Journalistischer Text - Seite 1 Das Ende der staatlichen Informationskontrolle Der Gesetzentwurf postuliert eine gerichtliche Einklagbarkeit von behördlichen Informationen und verbietet jegliche staatliche Einmischung in die redaktionelle Arbeit der Medien. Ich stelle mir vor, wie befreiend diese Forderung für jene gewirkt haben muss, die jahrelang gegen Wände aus Schweigen und Propaganda angelaufen sind. Es wirkt in der Rückschau so, als wollte man mit diesen Paragrafen ein für alle Mal verhindern, dass Informationen jemals wieder als Herrschaftswissen missbraucht werden können. Journalistischer Text - Seite 2 Mitbestimmung in den Redaktionen Die Thesen verlangen, dass Chefredakteure und Intendanten nur durch eine Zwei-Drittel-Mehrheit der Mitarbeiter und nur auf Zeit in ihr Amt berufen werden dürfen. Beim Lesen dieses Abschnitts denke ich an die tiefgreifende Skepsis gegenüber Autoritäten, die viele Medienschaffende in jener Zeit geprägt haben muss. Dieser Passus zeugt von dem Wunsch einiger, die Demokratisierung nicht an der Pforte des Betriebes enden zu lassen, sondern sie direkt in die Hierarchien der Redaktionen hineinzutragen. Weitere Überschriften Verfassungsrang für die Informationsfreiheit Quellenschutz und Gewissensfreiheit für Autoren Öffentliche Kontrolle statt staatlicher Zensur Der Weg zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk Medienvielfalt als Spiegel der Gesellschaft Unabhängiger Medienrat als Kontrollinstanz