Historischer Fund aus dem Keller – Ein Film über Wilhelm Pieck

In einem unscheinbaren Keller fand sich ein 16 mm-Film, der ein bewegtes Kapitel der DDR-Geschichte dokumentiert. Die Filmrolle zeigt nicht nur den ersten und einzigen Präsidenten der Deutschen Demokratischen Republik, Wilhelm Pieck, sondern auch die propagandistische Rhetorik, mit der die Staatsgründung und der Machtanspruch der sozialistischen Arbeiterbewegung inszeniert wurde.

Ein Stück DDR-Geschichte wiederentdeckt
Die Rolle stammt aus einer Zeit, in der die politische Neuordnung Deutschlands tiefgreifende Spuren hinterließ. Wilhelm Pieck, geboren 1876 und gestorben 1960, spielte eine zentrale Rolle beim Aufbau der DDR. Bereits 1946 – zusammen mit Otto Grotewohl – wurde er zum Vorsitzenden der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) gewählt. Nach der Gründung der Republik wurde ihm von der sowjetischen Militäradministration symbolisch die Verwaltungshoheit übertragen, während das Schloss Schönhausen in Berlin-Pankow als Amtssitz diente. Sein Bild zierte bald zahlreiche Straßen, Gedenkmünzen und Briefmarken, was seinen prägenden Einfluss auf die DDR-Geschichte unterstreicht.

Propaganda als politisches Instrument
Der Filmausschnitt dokumentiert eine Rede, die typische Propagandamuster jener Zeit aufweist. Mit pathetischen Formulierungen wird der historische Sieg der deutschen Arbeiterbewegung gefeiert und der Aufbau eines Staates betont, der sich als Verteidiger des Friedens und als Wegbereiter einer neuen, sozialistischen Zukunft versteht. In eindringlichen Worten ruft die Ansprache dazu auf, die Jugend und alle arbeitsfähigen Bürger in den Dienst der Republik zu stellen – eine rhetorische Praxis, die den Geist der damaligen Zeit perfekt einfing.

Technische Details und moderner Blick auf alten Film
Der vorliegende 16 mm-Film beeindruckt nicht nur durch seinen historischen Inhalt, sondern auch durch seine technische Qualität. Trotz moderner Aufnahmetechniken, mit denen der Film per Mobiltelefon digitalisiert wurde, zeigen sich klare Bilder und ein hoher Kontrast, der den Charme des Originals bewahrt. Das leicht wahrnehmbare Flackern im Bild erklärt sich durch die unterschiedliche Bildfrequenz: Während der ursprüngliche Projektor 24 Bilder pro Sekunde ausstrahlte, nahm das Mobiltelefon mit 30 Bildern pro Sekunde auf. Dieses Detail bietet einen interessanten Einblick in die technischen Herausforderungen der Digitalisierung historischer Medien.

Ein Fenster in die Vergangenheit
Der Fund der Filmrolle erinnert daran, wie eng Politik und Medien in der DDR miteinander verflochten waren. Die gezielte Inszenierung politischer Führungsfiguren und die bewusste Gestaltung des öffentlichen Bewusstseins durch propagandistische Mittel waren zentrale Elemente der Machterhaltung. Heute ermöglicht uns der Film, die damaligen Kommunikationsstrategien und ideologischen Ansprüche aus nächster Nähe zu erleben – ein eindrucksvoller Beitrag zur Erinnerungskultur und Geschichtsdokumentation.

Mit diesem Fund wird deutlich, wie historische Dokumente nicht nur Zeugnisse vergangener Zeiten sind, sondern auch den Blick auf politische und mediale Praktiken schärfen, die bis heute in unterschiedlichen Formen nachwirken.

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Eine atmosphärische Vermessung der ostdeutschen Gegenwart

FACEBOOK-TEASER A) PROFIL Hook: Manchmal muss man vom Rad steigen oder in einer Lokalredaktion anheuern, um wirklich zu verstehen, wie sich der Wind gedreht hat. Teaser: Wenn wir über den Osten sprechen, landen wir oft schnell bei Wahlergebnissen und Prozentzahlen. Aber was liegt darunter? Was passiert in den Dörfern, an den Stammtischen, in den Vereinen, wenn die Kameras weg sind? Für das Buch „Extremwetterlagen“ haben sich drei Autorinnen und ein Soziologe auf eine intensive Reise durch Sachsen, Brandenburg und Thüringen begeben. Sie waren als „Überlandschreiberinnen“ unterwegs, ganz nah dran an den Menschen. Tina Pruschmann fuhr mit dem Rad durchs Erzgebirge, Barbara Thériault arbeitete in einer Thüringer Lokalzeitung, Manja Präkels besuchte Initiativen in Brandenburg. Was sie mitgebracht haben, sind keine schnellen Urteile, sondern feine Beobachtungen über ein gesellschaftliches Klima, das rauer wird. Es geht um die Normalisierung von Dingen, die früher undenkbar waren. Um das Schweigen im Alltag und die historischen Linien, die bis in die DDR zurückreichen. Alexander Leistner ordnet diese Beobachtungen soziologisch ein und zeigt: Nichts davon kommt aus dem Nichts. Es ist eine Bestandsaufnahme der Gegenwart, die zeigt, wie anstrengend es sein kann, gegen den Wind zu atmen. B) SEITE 1 (Kontext) Hook: Eine literarische und soziologische Vermessung der ostdeutschen Zustände jenseits der üblichen Schlagzeilen. Teaser: Im Vorfeld der letzten Landtagswahlen startete ein besonderes Projekt: Die Autorinnen Manja Präkels, Tina Pruschmann und Barbara Thériault sowie der Soziologe Alexander Leistner erkundeten als „Überlandschreiberinnen“ die gesellschaftliche Atmosphäre in Ostdeutschland. Ihr Buch „Extremwetterlagen“ (Verbrecher Verlag) dokumentiert Kipppunkte und Brüche in der Gesellschaft. Die Texte verbinden reportageartige Nähe mit analytischer Distanz. Sie thematisieren die schleichende Normalisierung rechtsextremer Narrative ebenso wie die Resilienz der Zivilgesellschaft. Besonders wertvoll ist dabei die historische Einordnung, die mentale Kontinuitäten bis in die DDR-Zeit sichtbar macht. Eine wichtige Lektüre für alle, die die aktuellen Entwicklungen in Ostdeutschland fundiert verstehen wollen. C) SEITE 2 (pointiert, ruhig) Hook: Der Begriff „Extremwetterlagen“ meint hier keinen Regen, sondern das soziale Klima einer Region im Umbruch. Teaser: Wie lernt man, gegen den Wind zu atmen, wenn er einem direkt ins Gesicht bläst? Die Reportagen von Präkels, Pruschmann, Thériault und Leistner beschreiben den Osten nicht als Problemzone, sondern als Seismograph. Sie zeigen, wie sich das Miteinander verändert, wenn politische Extreme zum Alltag werden. Ein ruhiges, aber eindringliches Buch über die Temperatur unserer Gesellschaft. QUELLE: https://www.verbrecherverlag.de/wp-content/uploads/2025/05/Leseprobe-Extremwetterlagen.pdf
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