Die Holzwirtschaft in Eberswalde: Ein sozialistisches Erfolgsmodell der 1970er Jahre

Anfang der 1970er Jahre war der Standort Eberswalde ein zentraler Bestandteil der DDR-Holzwirtschaft. Geprägt von der sozialistischen Ideologie, spielte dieser Standort eine entscheidende Rolle in der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung der Republik. Die Holzwirtschaft war in dieser Zeit nicht nur ein Industriezweig, sondern ein integraler Bestandteil des sozialistischen Aufbaus, der auf kollektiver Arbeit, effizienter Ressourcennutzung und der politischen Führung durch die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) basierte.

Sozialistische Persönlichkeiten in der Holzwirtschaft
Die Akteure, die in Eberswalde und Umgebung tätig waren, wurden nicht nur als Arbeiter, sondern als sozialistische Persönlichkeiten dargestellt, die ihre Arbeit mit einem hohen Maß an Einsatzbereitschaft und ideologischem Bewusstsein verrichteten. Ein herausragendes Beispiel hierfür war Otto Wessel, ein Lkw-Fahrer des Instituts für Forstwissenschaften und gleichzeitig APO-Sekretär (Sekretär der Betriebsparteiorganisation der SED). Seit 1957 im Betrieb tätig, zeichnete er sich durch hervorragende Leistungen und vorbildliche Einsatzbereitschaft aus. Seine Arbeit symbolisierte die Verbindung von persönlichem Engagement, politischer Überzeugung und kollektiver Verantwortung. Wessel wurde als Schrittmacher bei der Schaffung der sozialistischen Menschengemeinschaft beschrieben, ein Ideal, das die DDR-Führung propagierte.

Ein weiterer wichtiger Akteur war Helmut Friede, Facharbeiter im Sägewerk des VEB Holzindustrie (VHI) Schorfheide, Betriebsteil Marienwerder. Friede war zweifacher Aktivist und Gefreiter der Reserve der Nationalen Volksarmee (NVA). Er repräsentierte den Typus des sozialistischen Arbeiters, der nicht nur in seinem Beruf Herausragendes leistete, sondern auch seine Verpflichtungen gegenüber der Gesellschaft und der Verteidigung der Republik wahrnahm. Seine Arbeit im Rundholzplatz, wo er das angelieferte Holz auslängte und sortierte, trug wesentlich dazu bei, die Effektivität der Holzverwertung zu steigern.

Kollektive Organisation der Arbeit
Die Organisation der Arbeit in Eberswalde war stark kollektiv geprägt. Brigaden wie die von Ratzlaff, die eine Forstbaumschule leitete, spielten eine zentrale Rolle. Diese Brigade bestand aus Frauen, die nicht nur im Produktionsprozess, sondern auch in sozialen und politischen Gremien wie der Frauenkommission oder der Konfliktkommission aktiv waren. Die Arbeit der Brigade war ein Beispiel dafür, wie die DDR versuchte, wirtschaftliche Aufgaben mit gesellschaftlicher Verantwortung zu verbinden. Die Forstbaumschule arbeitete seit mehreren Jahren rentabel, was als Beleg für die erfolgreiche Umsetzung sozialistischer Produktionsmethoden galt.

Durchgängige Technologie und Innovation
Ein zentrales Element der Holzwirtschaft in Eberswalde war die durchgängige Technologie. Diese begann mit der Holzeinschlagsbrigade Becker, einem Kollektiv der Sozialistischen Arbeit und Initiator im Wettbewerb anlässlich des 20. Jahrestages der Gründung der DDR. Die Brigade stand für die erste Stufe der Produktionskette, in der das Holz effektiv genutzt wurde. Brigadier Becker, ein mehrfacher Aktivist, führte die Brigade mit hohem Engagement und setzte die Prinzipien der sozialistischen Gemeinschaftsarbeit in die Praxis um.

Die Produktion in Eberswalde wurde durch moderne Methoden wie die chemische Waldpflege und die Einführung industrienaher Produktionsweisen optimiert. Diese Methoden ermöglichten es, den Holzzuwachs zu maximieren und die Kosten zu senken. Gleichzeitig wurden große Anstrengungen unternommen, um alle Holzabfälle sinnvoll zu nutzen. Reste wie Spreißel und Schwarze wurden über Wasserwege zu Zellstofffabriken transportiert oder industriell zu Spanplatten weiterverarbeitet. Diese effiziente Ressourcennutzung war nicht nur ein wirtschaftliches Gebot, sondern auch ein ideologisches Anliegen, das den Fortschritt und die Nachhaltigkeit des sozialistischen Systems unter Beweis stellen sollte.

Kooperation als Schlüssel zum Erfolg
Die Kooperation zwischen verschiedenen Akteuren war ein weiteres Kennzeichen der Holzwirtschaft in Eberswalde. Land- und Forstwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften (LPGs) arbeiteten eng mit staatlichen Forstbetrieben (STFBs) zusammen, um die Rationalisierung voranzutreiben und die Produktivität zu steigern. Diese Zusammenarbeit wurde als Ausdruck der sozialistischen Produktionsgemeinschaft gewertet, in der menschliche Beziehungen ebenso wichtig waren wie technologische Innovationen. Ein Beispiel hierfür war die Zusammenarbeit zwischen Otto Wessel und Helmut Friede, die gemeinsam an der Optimierung der Produktionsabläufe arbeiteten.

Ideologische Einbettung der Holzwirtschaft
Die ideologische Einbettung der Holzwirtschaft in den sozialistischen Staat zeigte sich auch in der Darstellung der Arbeit als Beitrag zur Stärkung der Republik und des Sozialismus. Die Parteiführung wurde als leitende Kraft beschrieben, die den Weg zum entwickelten gesellschaftlichen System des Sozialismus wies. Die Werktätigen wurden nicht nur als produktive Kräfte dargestellt, sondern auch als aktive Gestalter des sozialistischen Lebens, die durch ihre Arbeit und ihr Engagement zur Erreichung der gesellschaftlichen Ziele beitrugen.

Bedeutung der Holzwirtschaft für die Volkswirtschaft
Die Bedeutung der Holzwirtschaft für die DDR-Wirtschaft war immens. Holz war ein Grundstoff für über 220.000 Erzeugnisse der Volkswirtschaft, von Möbeln über Bauholz bis hin zu Papierprodukten. Die effiziente Gewinnung, Nutzung und Verwertung von Holz war daher ein zentrales Anliegen aller Beteiligten. Der Standort Eberswalde stand exemplarisch für die Verbindung von wirtschaftlicher Effizienz, technologischer Innovation und sozialistischer Ideologie. Die Werktätigen wurden als Vorbilder dargestellt, deren Leistungen nicht nur wirtschaftliche, sondern auch gesellschaftliche Fortschritte ermöglichten.

Abschließend lässt sich sagen, dass die Holzwirtschaft in Eberswalde Anfang der 1970er Jahre ein Paradebeispiel für die Umsetzung der sozialistischen Ideale in der DDR war. Die Arbeit war geprägt von kollektivem Engagement, technologischem Fortschritt und einer starken ideologischen Ausrichtung. Die Darstellung der Akteure und ihrer Leistungen verdeutlicht, wie eng wirtschaftliche, soziale und politische Ziele in der DDR miteinander verwoben waren. Der Standort Eberswalde war nicht nur ein Zentrum der Holzwirtschaft, sondern auch ein Symbol für die Vision einer sozialistischen Gesellschaft, die auf den Prinzipien der Gemeinschaft, der Effizienz und der Nachhaltigkeit basierte.

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