Erster Schritt zur klimaneutralen Fernwärme in Jena – Teilnetze werden abgeschaltet

Die Stadtwerke Energie Jena-Pöstneck setzen einen bedeutenden Meilenstein auf dem Weg zur klimaneutralen Fernwärmeversorgung: Im Rahmen der laufenden Wärmewende wird eines der mit Dampf betriebenen Teilnetze in Jena-Süd abgeschaltet. Die betroffenen Haushalte und Unternehmen werden künftig an das mit Heißwasser betriebene Hauptnetz angeschlossen.

Dieser Schritt stellt die größte Netzumstellung seit den 1990er Jahren dar und ist weit mehr als eine rein technische Maßnahme. Das bisher parallel zum Heißwassernetz betriebene Dampfnetz arbeitet mit einer Temperatur von 320 Grad Celsius, während das Heißwassernetz lediglich 130 Grad erreicht. Durch die Umstellung entfallen nicht nur hohe Wartungskosten, sondern auch erhebliche Wärmeverluste, die sich laut Stadtwerke-Schätzungen um mehr als 20 Prozent reduzieren lassen. Zudem ermöglicht die niedrigere Systemtemperatur die Integration neuer, nachhaltiger Energiequellen und Erzeugungsanlagen.

Großräumige Versorgungsunterbrechung im Mai
Im Zuge der Netzumstellung muss das System im Mai vorübergehend abgeschaltet werden. Von Sonntag, dem 11. Mai, ab 17 Uhr bis Mittwoch, dem 14. Mai, um 8 Uhr sind alle fernwärmeversorgten Haushalte in Jena-Süd, Jena-West, Jena-Nord und dem Stadtzentrum betroffen. Dies bedeutet für rund 12.000 Haushalte sowie zahlreiche Unternehmen den temporären Verzicht auf Heizung und Warmwasser. Lediglich Kunden in Zwetzen, Löbstedt und im Bereich der Tatzendpromenade bleiben von der Maßnahme unberührt.

Während der Arbeiten werden in Jena-Süd ansässige Unternehmen mit mobilen Heizanlagen versorgt, um die notwendige Baufreiheit zu schaffen. Dabei kann es zu erhöhten Lärmbelastungen kommen. Die Verantwortlichen bitten um Verständnis für diese unvermeidbaren Einschränkungen. Die Terminierung der Arbeiten im Mai berücksichtigt bereits saisonale Temperaturverhältnisse, um die Auswirkungen für die Betroffenen so gering wie möglich zu halten. Eine Verlegung auf die Sommermonate war aufgrund von Abstimmungen mit der Bahn nicht möglich.

Individuelle Lösungen für sensible Einrichtungen
Besonderes Augenmerk legen die Stadtwerke auf Einrichtungen mit besonderem Wärmebedarf, wie Altenheime oder Krankenhäuser. Hier werden individuelle Lösungen erarbeitet, um den Betrieb möglichst wenig zu beeinträchtigen. Bereits jetzt laufen die Abstimmungen mit betroffenen Kunden, um alternative Versorgungsmöglichkeiten zu prüfen und notwendige Maßnahmen zu koordinieren.

Investition in die Zukunft
Das Projekt zur Dampfnetzablösung ist seit 2019 in Planung und umfasst eine Vielzahl weiterer Baumaßnahmen. Die Gesamtinvestitionskosten belaufen sich auf 6,8 Millionen Euro, wobei im Jahr 2025 rund 3,4 Millionen Euro veranschlagt sind. Der finale Projektabschluss ist für November 2025 vorgesehen.

Mit dieser groß angelegten Netzumstellung machen die Stadtwerke Jena-Pöstneck einen entscheidenden Schritt in Richtung nachhaltiger und effizienter Wärmeversorgung und leisten einen wichtigen Beitrag zur klimafreundlichen Stadtentwicklung.

Hermann Henselmann und der architektonische Wandel der DDR

A) PROFIL AP Der Weg von der radikalen Moderne in die repräsentative Staatsarchitektur ist selten geradlinig. Hermann Henselmanns Biografie zeigt exemplarisch, wie stark architektonisches Schaffen im 20. Jahrhundert von politischen Rahmenbedingungen abhängig war. Er begann als Vertreter des Neuen Bauens, der Funktionalität über Dekoration stellte, doch die gesellschaftlichen Umbrüche nach 1945 erforderten eine andere Sprache. Die Adaption des sozialistischen Klassizismus war für ihn kein reiner Pragmatismus, sondern der Versuch, dem neuen Staat ein Gesicht zu geben. Diese Phase der Monumentalität währte jedoch nur kurz. Mit der ökonomischen Notwendigkeit, Wohnraum schnell und industriell zu fertigen, geriet der individuelle Entwurf ins Hintertreffen. Henselmann, der die "Arbeiterpaläste" der Stalinallee entworfen hatte, musste zusehen, wie die Baukräne der sechziger Jahre eine standardisierte Stadtlandschaft formten. Seine Kritik an der Uniformität des Plattenbaus wurde in den Fachgremien zwar gehört, hatte jedoch gegen die ökonomischen Sachzwänge kaum eine Chance. Er blieb eine öffentliche Figur, doch seine gestalterische Handschrift verschwand zunehmend aus dem Stadtbild. Die Bauten der frühen Jahre stehen heute als steinerne Zeugen einer Zeit, in der Architektur noch den Anspruch hatte, mehr zu sein als reine Bedarfsdeckung. B) SEITE AP Die Architekturgeschichte der DDR lässt sich an den Brüchen in Hermann Henselmanns Werk ablesen. Als Chefarchitekt Ost-Berlins prägte er die Phase des nationalen Aufbaus, in der repräsentative Boulevards und aufwendig gestaltete Fassaden den Anspruch des Staates auf kulturelle Geltung untermauerten. Die Karl-Marx-Allee ist das gebaute Ergebnis dieser Doktrin, die bewusst den Gegensatz zum westlichen Funktionalismus suchte. Der Übergang zur industriellen Bauweise in den sechziger Jahren markierte jedoch eine Zäsur. Die Abkehr von handwerklicher Individualität hin zur seriellen Fertigung drängte Henselmanns architektonisches Verständnis an den Rand. Während er weiterhin für städtebauliche Qualität und differenzierte Stadträume plädierte, forderte die Planwirtschaft messbare Effizienz. Diese Entwicklung spiegelt den generellen Wandel der DDR-Gesellschaft wider, in der utopische Entwürfe zunehmend pragmatischen Sachzwängen wichen. Henselmanns Werk bleibt als Dokument dieser Spannung erhalten, sichtbar im Kontrast zwischen den Prachtbauten der fünfziger Jahre und den funktionalen Großsiedlungen der späteren Jahrzehnte. C) SEITE JP Hermann Henselmann steht wie kaum ein anderer Architekt für die visuelle Identität der frühen DDR. Seine Entwürfe für die Stalinallee definierten, wie eine sozialistische Hauptstadt auszusehen hatte: monumental, traditionsbewusst und repräsentativ. Diese Architektur war ein politisches Statement, das weit über die reine Schaffung von Wohnraum hinausging. Mit dem Einzug der Plattenbauweise verlor dieser Ansatz jedoch an Relevanz. Die Prioritäten verschoben sich zugunsten von Schnelligkeit und Kostenreduktion, was Henselmanns Position schwächte. Er wurde vom Gestalter zum Verwalter eines Erbes, das die neue Generation von Planern als überholt betrachtete. Heute ermöglicht der zeitliche Abstand einen nüchternen Blick auf sein Schaffen, das sich zwischen politischer Anpassung und künstlerischem Anspruch bewegte. Die Gebäude der Karl-Marx-Allee bilden bis heute eine markante Achse im Berliner Stadtgefüge.