Auf der Suche nach der Unternehmensnachfolge in Westmecklenburg

Die Unternehmensnachfolge stellt eine zentrale Herausforderung für die wirtschaftliche Entwicklung dar, insbesondere in Regionen wie Westmecklenburg. Hier trifft der demografische Wandel auf eine wachsende Zahl älterer Unternehmensinhaber, die Nachfolger suchen. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Schwerin sowie die Nachfolgezentrale MV leisten dabei wichtige Unterstützung, um die Kontinuität von Unternehmen zu sichern.

Aktuelle Entwicklungen in der Unternehmensnachfolge
Nach Daten der Wirtschaftskammern in Mecklenburg-Vorpommern ist die Altersstruktur der Unternehmensinhaber ein entscheidender Indikator. Die Zahl der Unternehmer über 55 Jahre hat in den letzten Jahren zugenommen, was einen steigenden Bedarf an Nachfolgelösungen signalisiert. Etwa 52 von 1.000 Unternehmen im IHK-Bezirk Schwerin stehen zur Übergabe bereit, ein Wert, der dem Bundesdurchschnitt entspricht.

Während früher die Nachfolge häufig innerhalb der Familie geregelt wurde, ist dieser Anteil laut Studien auf 42 % gesunken. Gründe dafür sind unter anderem veränderte Familienstrukturen, der Wunsch jüngerer Generationen nach anderen beruflichen Wegen und die steigende Komplexität der Unternehmensführung.

Die Rolle der Nachfolgezentrale MV
Die Nachfolgezentrale MV, initiiert von verschiedenen Kammern und Institutionen, spielt eine zentrale Rolle bei der Vermittlung zwischen übergabewilligen Unternehmern und potenziellen Nachfolgern. Das Angebot umfasst eine diskrete und zielgerichtete Vermittlung, die den sensiblen Charakter des Übergabeprozesses berücksichtigt.

Frank Bartelsen, Teamleiter der Nachfolgezentrale, betont die Bedeutung der Vertraulichkeit: „Dieses Thema wird häufig im Verborgenen behandelt, um weder die Belegschaft noch Geschäftspartner zu verunsichern.“ Die Nachfolgezentrale agiert als Brücke zwischen beiden Parteien, unterstützt durch Tools wie den „Unternehmenswertrechner“, der eine erste Einschätzung des Unternehmenswerts ermöglicht.

Erfolgreiche Nachfolgen: Praxisbeispiele
Ein gelungenes Beispiel ist die Übergabe der Pension Redefin, die seit Januar 2024 von Jana Prellwitz und Falko Zowinski geführt wird. Mithilfe der IHK Schwerin fanden die neuen Betreiber die passende Immobilie und erhielten Unterstützung bei der Übernahme.

Ebenso erfolgreich verlief die Nachfolge bei der Seeland & Utecht Kunststoffverarbeitung GmbH, die 2021 von den langjährigen Mitarbeitern Christopher Oebrig und Jan Weber übernommen wurde. Hier begann der Übergabeprozess bereits fünf Jahre vor dem endgültigen Wechsel, begleitet durch die IHK und diverse Finanzierungsmodelle.

Finanzielle und organisatorische Herausforderungen
Ein zentrales Hindernis bei der Unternehmensnachfolge ist die Finanzierung. Potenzielle Nachfolger benötigen nicht nur Eigenkapital, sondern oft auch Fördermittel und Darlehen. Hier bietet die IHK zu Schwerin Orientierung, beispielsweise durch Hinweise auf Programme der KfW-Bank oder regionale Mikrodarlehen.

Ein weiteres Thema ist die Kaufpreisfindung, bei der oft unterschiedliche Vorstellungen aufeinandertreffen. Die Nachfolgezentrale und die Kammern bieten Unterstützung durch neutrale Bewertungstools und Verhandlungen.

Nachfolge als Chance für Gründer
Unternehmensnachfolge bietet nicht nur Herausforderungen, sondern auch Chancen für Menschen, die sich selbstständig machen wollen. Dabei gibt es keinen „typischen Nachfolger“ – vom ehemaligen Mitarbeiter bis zum Branchenfremden ist vieles möglich.

Frank Witt von der IHK Schwerin betont: „Wir raten potenziellen Nachfolgern, sich Netzwerke aufzubauen, Weiterbildungen zu nutzen und unternehmerisches Know-how zu entwickeln.“ Insbesondere Existenzgründerkurse können eine solide Grundlage schaffen.

Appell an die Politik
Die demografischen Entwicklungen und die Alterung der Babyboomer-Generation machen die Unternehmensnachfolge zu einer wirtschaftspolitischen Priorität. Frank Bartelsen appelliert an die Politik, Maßnahmen wie steuerliche Erleichterungen, Förderprogramme und eine stärkere öffentliche Wahrnehmung dieses Themas zu unterstützen.

Die Unternehmensnachfolge ist nicht nur eine Herausforderung für die einzelnen Betriebe, sondern auch ein volkswirtschaftlich bedeutsames Thema. Erfolgreiche Übergaben sichern Arbeitsplätze, Know-how und Steueraufkommen in der Region. Dank Initiativen wie der Nachfolgezentrale MV und der Unterstützung durch die IHK Schwerin können Übergaben gezielt und erfolgreich gestaltet werden.

Die Beispiele zeigen: Mit frühzeitiger Planung, fachkundiger Begleitung und passgenauen Finanzierungsmodellen lassen sich nicht nur Betriebe erhalten, sondern auch neue Perspektiven für Gründer schaffen. Westmecklenburg bietet damit nicht nur Herausforderungen, sondern auch große Chancen für die nächste Unternehmergeneration.

Grabowsee: Vom Tuberkulose-Sanatorium zum sowjetischen Militärlazarett

Die Heilstätte Grabowsee als Spiegel der Systembrüche des 20. Jahrhunderts HOOK: Über 47 Jahre lang war die Heilstätte Grabowsee ein hermetisch abgeriegeltes Areal. Die Geschichte des Ortes erzählt exemplarisch von der Transformation medizinischer Einrichtungen durch politische Systeme und dem schwierigen Erbe der Besatzungszeit. BLOG-TEXT: Die architektonische Anlage am Grabowsee bei Oranienburg gilt als ein bedeutendes Zeugnis der Medizingeschichte. Gegründet 1896 vom Deutschen Roten Kreuz, war sie eine Antwort auf die Tuberkulose-Epidemie der Industrialisierung. Die Pavillonbauweise ermöglichte eine strikte Trennung der Patienten und maximale Frischluftzufuhr. Doch die ursprüngliche humanitäre Ausrichtung der Volksheilstätte wurde im Laufe des 20. Jahrhunderts mehrfach überschrieben. Nach der Nutzung als Wehrmachtslazarett übernahmen 1945 die sowjetischen Streitkräfte das Gelände. Diese Zäsur prägte den Ort nachhaltiger als jede vorangegangene Epoche. Bis zum Truppenabzug 1992 blieb Grabowsee eine sowjetische Insel inmitten der DDR. Die strengen Sicherheitsvorkehrungen und die absolute Isolation schufen eine Distanz zwischen den Besatzern und der lokalen Bevölkerung, die symptomatisch für viele sowjetische Liegenschaften in Ostdeutschland war. Während im Inneren ein russischsprachiger Alltag mit eigener Versorgung und Kultur stattfand, blieben die Vorgänge für Außenstehende undurchsichtig. Deutsche Angestellte, die als Hilfskräfte tätig waren, berichteten von einer strengen Hierarchie und einem strikten Redeverbot über interne Abläufe. Nach 1992 hinterließen die abziehenden Truppen nicht nur leerstehende Gebäude, sondern auch kulturelle Spuren wie Wandmalereien und Propaganda, die sich heute mit dem verfallenden Jugendstil mischen. Dieser Palimpsest der Geschichte macht den besonderen Reiz, aber auch die Schwierigkeit des Ortes aus. Der heutige Zustand ist geprägt von Vandalismus und natürlichem Verfall. Die Debatte um die Zukunft von Grabowsee verdeutlicht das generelle Problem im Umgang mit solchen Konversionsflächen: Die immensen Sanierungskosten stehen oft in keinem Verhältnis zur wirtschaftlichen Nutzbarkeit in ländlichen Regionen. So bleibt Grabowsee vorerst ein Ort, an dem die Geschichte des 20. Jahrhunderts in ihrer ganzen Widersprüchlichkeit physisch greifbar bleibt – vom sozialen Aufbruch der Kaiserzeit über die Kriege bis hin zur langen Phase der sowjetischen Präsenz in Ostdeutschland. https://www.facebook.com/arnepetrich/posts/pfbid037du4beewjMdW4L62hZrBqs6yaYpDizyGAdkr6dm9yY9bfKV8hvq7YAhUWK5dL4DQl