Haus Schulenburg“: Sanierung und Kunst – Ein Blick auf das Meisterwerk in Gera

Im Jahr 1997 begann die umfassende Sanierung der Villa „Haus Schulenburg“ in Gera, einem architektonischen Meisterwerk des berühmten belgischen Architekten Henry van de Velde. Die Villa, die als Gesamtkunstwerk gilt, reflektiert van de Veldes Vision für die harmonische Verbindung von Architektur, Kunst und Design. Der Restaurierungsprozess, der über Jahre hinweg das Ziel verfolgte, das ursprüngliche Erscheinungsbild und den Charakter des Gebäudes zu bewahren, stellt ein bemerkenswertes Kapitel in der Geschichte der Architektur- und Restaurierungskunst dar.

Die Sanierung der Villa „Haus Schulenburg“ war ein ambitioniertes Unterfangen, das nicht nur das Gebäude selbst, sondern auch die Historie und das Erbe von Henry van de Velde in den Vordergrund stellte. Das Projekt, das unter der Leitung von Dr. Volker Kielstein durchgeführt wurde, zielte darauf ab, die Villa in ihrem historischen Glanz erstrahlen zu lassen und gleichzeitig moderne Anforderungen zu erfüllen. Dr. Kielstein, der als Bauherr maßgeblich an der Planung und Durchführung der Sanierung beteiligt war, setzte sich für eine authentische Wiederherstellung ein, die den ursprünglichen Entwurf und die künstlerische Vision van de Veldes respektierte.

Zur Jahrtausendwende war die Sanierung weit fortgeschritten, aber noch nicht abgeschlossen. Der Dokumentarfilm von Dietmar Walther und Martin Groß bietet einen umfassenden Einblick in den Stand der Dinge zu dieser Zeit. Der Film dokumentiert sowohl den Fortschritt der Sanierungsarbeiten als auch die Visionen und Pläne des Bauherrn Dr. Kielstein. Besonders interessant ist die Gegenüberstellung von Originalfotos und dem damaligen Bauzustand des Gebäudes. Diese visuellen Vergleiche ermöglichen es den Zuschauern, die Veränderungen und Fortschritte in der Sanierung nachzuvollziehen und die Herausforderungen, die mit der Restaurierung eines solch bedeutenden Bauwerks verbunden sind, besser zu verstehen.

Ein bedeutender Teil der Sanierung war auch die Integration kultureller und künstlerischer Elemente. Im Jahr 1999 wurde im Nebengebäude der Villa eine Ausstellung von Piet Stockmans gezeigt. Diese Ausstellung, die in einem noch teilweise sanierten Teil des Komplexes stattfand, trug zur kulturellen Belebung des Projekts bei und stellte eine wichtige Verbindung zwischen der Architektur von van de Velde und zeitgenössischer Kunst her. Piet Stockmans, bekannt für seine außergewöhnlichen Keramiken, fügte dem Ambiente der Villa eine zusätzliche Dimension hinzu und unterstrich die Rolle des Gebäudes als lebendiges Kunstwerk.

Heute steht die Villa „Haus Schulenburg“ als eindrucksvolles Beispiel für die erfolgreiche Restaurierung eines architektonischen Meisterwerks. Die sorgfältige Sanierung hat nicht nur das Gebäude in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt, sondern auch dessen kulturellen Wert für zukünftige Generationen bewahrt. Die Dokumentation von Walther und Groß sowie die Ausstellung von Piet Stockmans bieten wertvolle Einblicke in die Geschichte und Bedeutung dieses einzigartigen Bauwerks und unterstreichen die Bedeutung der Erhaltung und Pflege historischer Architektur.

Die Villa „Haus Schulenburg“ erhielt 2012 den Thüringer Denkmalschutzpreis, 2019 den  Deutschen Preis für Denkmalschutz und 2024 den Europäischen Kulturerbepreis Europa Nostra.

Grabowsee: Vom Tuberkulose-Sanatorium zum sowjetischen Militärlazarett

Die Heilstätte Grabowsee als Spiegel der Systembrüche des 20. Jahrhunderts HOOK: Über 47 Jahre lang war die Heilstätte Grabowsee ein hermetisch abgeriegeltes Areal. Die Geschichte des Ortes erzählt exemplarisch von der Transformation medizinischer Einrichtungen durch politische Systeme und dem schwierigen Erbe der Besatzungszeit. BLOG-TEXT: Die architektonische Anlage am Grabowsee bei Oranienburg gilt als ein bedeutendes Zeugnis der Medizingeschichte. Gegründet 1896 vom Deutschen Roten Kreuz, war sie eine Antwort auf die Tuberkulose-Epidemie der Industrialisierung. Die Pavillonbauweise ermöglichte eine strikte Trennung der Patienten und maximale Frischluftzufuhr. Doch die ursprüngliche humanitäre Ausrichtung der Volksheilstätte wurde im Laufe des 20. Jahrhunderts mehrfach überschrieben. Nach der Nutzung als Wehrmachtslazarett übernahmen 1945 die sowjetischen Streitkräfte das Gelände. Diese Zäsur prägte den Ort nachhaltiger als jede vorangegangene Epoche. Bis zum Truppenabzug 1992 blieb Grabowsee eine sowjetische Insel inmitten der DDR. Die strengen Sicherheitsvorkehrungen und die absolute Isolation schufen eine Distanz zwischen den Besatzern und der lokalen Bevölkerung, die symptomatisch für viele sowjetische Liegenschaften in Ostdeutschland war. Während im Inneren ein russischsprachiger Alltag mit eigener Versorgung und Kultur stattfand, blieben die Vorgänge für Außenstehende undurchsichtig. Deutsche Angestellte, die als Hilfskräfte tätig waren, berichteten von einer strengen Hierarchie und einem strikten Redeverbot über interne Abläufe. Nach 1992 hinterließen die abziehenden Truppen nicht nur leerstehende Gebäude, sondern auch kulturelle Spuren wie Wandmalereien und Propaganda, die sich heute mit dem verfallenden Jugendstil mischen. Dieser Palimpsest der Geschichte macht den besonderen Reiz, aber auch die Schwierigkeit des Ortes aus. Der heutige Zustand ist geprägt von Vandalismus und natürlichem Verfall. Die Debatte um die Zukunft von Grabowsee verdeutlicht das generelle Problem im Umgang mit solchen Konversionsflächen: Die immensen Sanierungskosten stehen oft in keinem Verhältnis zur wirtschaftlichen Nutzbarkeit in ländlichen Regionen. So bleibt Grabowsee vorerst ein Ort, an dem die Geschichte des 20. Jahrhunderts in ihrer ganzen Widersprüchlichkeit physisch greifbar bleibt – vom sozialen Aufbruch der Kaiserzeit über die Kriege bis hin zur langen Phase der sowjetischen Präsenz in Ostdeutschland. https://www.facebook.com/arnepetrich/posts/pfbid037du4beewjMdW4L62hZrBqs6yaYpDizyGAdkr6dm9yY9bfKV8hvq7YAhUWK5dL4DQl