Tafel Eisleben versorgt schon über 3000 Menschen mit Lebensmitteln

Am 27. August 2024 besuchte Andreas Steppuhn, Vorsitzender der Tafel Deutschland, die Tafel Eisleben, um sich vor Ort ein Bild von den Gegebenheiten und Herausforderungen zu machen. Sven Henning, Geschäftsführer der Tafel Eisleben, und seine Frau führten Herrn Steppuhn durch die Räumlichkeiten und erläuterten die lokalen Bedingungen. Neben dem Gespräch mit Steppuhn war auch geplant, dass möglicherweise Politiker anwesend sein könnten, um über mögliche Verbesserungen und politische Unterstützung zu sprechen.

Steppuhn betonte die Bedeutung, die Tafeln vor Ort zu besuchen, um deren Entwicklung zu verfolgen und Unterstützungsmöglichkeiten zu prüfen. Er wies darauf hin, dass es in Deutschland insgesamt 975 Tafeln sowie zusätzliche Ausgabestellen gibt, die zwischen 1,6 und 2 Millionen Menschen versorgen, mit steigender Tendenz. Er machte deutlich, dass die Bekämpfung von Armut Aufgabe der Politik sei, während die Tafeln lediglich eine Linderung der Armut bieten.

Die Tafel Eisleben wurde 1998 gegründet und hat sich seitdem stark vergrößert. Aktuell versorgt sie etwa 3.000 Personen mit Lebensmitteln, die monatlich insgesamt 75 Tonnen umfassen. Diese Lebensmittel werden in 13 Ausgabestellen verteilt, wobei die größten in Eisleben und Hetstedt sind. Zusätzlich gibt es eine spezielle Liefertafel, die Menschen beliefert, die aus verschiedenen Gründen nicht zur Tafel kommen können, etwa aufgrund von Behinderungen oder großen Familien.

Das Team der Tafel Eisleben besteht aus 70 Personen, darunter 21 Gelegenheitsjobs vom Jobcenter, 33 Ehrenamtliche, 10 Bundesfreiwillige sowie drei Festangestellte und eine Minijobkraft. Der Besuch bot auch die Gelegenheit, zu zeigen, wie eine wöchentliche Tafel-Ration für eine Person aussieht, um ein besseres Verständnis für die angebotene Unterstützung zu vermitteln.

Grabowsee: Vom Tuberkulose-Sanatorium zum sowjetischen Militärlazarett

Die Heilstätte Grabowsee als Spiegel der Systembrüche des 20. Jahrhunderts HOOK: Über 47 Jahre lang war die Heilstätte Grabowsee ein hermetisch abgeriegeltes Areal. Die Geschichte des Ortes erzählt exemplarisch von der Transformation medizinischer Einrichtungen durch politische Systeme und dem schwierigen Erbe der Besatzungszeit. BLOG-TEXT: Die architektonische Anlage am Grabowsee bei Oranienburg gilt als ein bedeutendes Zeugnis der Medizingeschichte. Gegründet 1896 vom Deutschen Roten Kreuz, war sie eine Antwort auf die Tuberkulose-Epidemie der Industrialisierung. Die Pavillonbauweise ermöglichte eine strikte Trennung der Patienten und maximale Frischluftzufuhr. Doch die ursprüngliche humanitäre Ausrichtung der Volksheilstätte wurde im Laufe des 20. Jahrhunderts mehrfach überschrieben. Nach der Nutzung als Wehrmachtslazarett übernahmen 1945 die sowjetischen Streitkräfte das Gelände. Diese Zäsur prägte den Ort nachhaltiger als jede vorangegangene Epoche. Bis zum Truppenabzug 1992 blieb Grabowsee eine sowjetische Insel inmitten der DDR. Die strengen Sicherheitsvorkehrungen und die absolute Isolation schufen eine Distanz zwischen den Besatzern und der lokalen Bevölkerung, die symptomatisch für viele sowjetische Liegenschaften in Ostdeutschland war. Während im Inneren ein russischsprachiger Alltag mit eigener Versorgung und Kultur stattfand, blieben die Vorgänge für Außenstehende undurchsichtig. Deutsche Angestellte, die als Hilfskräfte tätig waren, berichteten von einer strengen Hierarchie und einem strikten Redeverbot über interne Abläufe. Nach 1992 hinterließen die abziehenden Truppen nicht nur leerstehende Gebäude, sondern auch kulturelle Spuren wie Wandmalereien und Propaganda, die sich heute mit dem verfallenden Jugendstil mischen. Dieser Palimpsest der Geschichte macht den besonderen Reiz, aber auch die Schwierigkeit des Ortes aus. Der heutige Zustand ist geprägt von Vandalismus und natürlichem Verfall. Die Debatte um die Zukunft von Grabowsee verdeutlicht das generelle Problem im Umgang mit solchen Konversionsflächen: Die immensen Sanierungskosten stehen oft in keinem Verhältnis zur wirtschaftlichen Nutzbarkeit in ländlichen Regionen. So bleibt Grabowsee vorerst ein Ort, an dem die Geschichte des 20. Jahrhunderts in ihrer ganzen Widersprüchlichkeit physisch greifbar bleibt – vom sozialen Aufbruch der Kaiserzeit über die Kriege bis hin zur langen Phase der sowjetischen Präsenz in Ostdeutschland. https://www.facebook.com/arnepetrich/posts/pfbid037du4beewjMdW4L62hZrBqs6yaYpDizyGAdkr6dm9yY9bfKV8hvq7YAhUWK5dL4DQl